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Initiative Babyfreundliches Krankenhaus

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 11. September 2018

Die Initiative Babyfreundlich ist eine gemeinsame Aktion der Weltgesundheitsorganisation WHO und des Kinderhilfswerks UNICEF. Das Projekt hieß bis 2011 noch Initiative Babyfreundliches Krankenhaus („Babyfriendly Hospital Initiative“), wurde aber umbenannt: Denn mittlerweile können auch andere medizinische Einrichtungen die entsprechende Zertifizierung erhalten.

Initiative Babyfreundliches Krankenhaus
Babyfreundliche Krankenhäuser unterstützen Mutter und Kind beim gemeinsamen Start
(c) Getty Images/iStockphoto

Geburtshäuser, Hebammenpraxen, gynäkologische- und Kinderarztpraxen sollen mehr und mehr miteinbezogen werden - was jedoch den Schwerpunkt der Initiative angeht, ist alles beim Alten geblieben: Die Förderung des Stillens steht weiter im Mittelpunkt. Auch in Deutschland ist die Initiative aktiv. Einrichtungen, die Mitglied sind, zeichnen sich durch einen besonders guten Service und umfangreiche Betreuung von Mutter und Kind aus. Konkret bedeutet das: Mütter werden zum Stillen ermutigt und finden dafür die idealen Bedingungen vor.

Welches Ziel hat die Initiative?

Muttermilch ist die beste Ernährung für Babys. Es wird empfohlen, Neugeborene in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich und darüber hinaus neben der Beikost zu stillen. In baby- und stillfreundlichen Krankenhäusern und Einrichtungen finden Mütter für das Stillen die idealen Voraussetzungen: Die Mitarbeiter sind entsprechend geschult, bieten Hilfestellung beim Stillen und ermutigen Mütter beziehungsweise die Familie, mit dem Neugeborenen (Haut-)Kontakt zu haben und das Stillen in angenehmer Atmosphäre zu beginnen. Darüber hinaus wird keine Werbung für Muttermilchersatz-Produkte gemacht.

Alle diese Maßnahmen sollen die Bereitschaft und Freude am Stillen fördern. Mutter und Kind haben die notwendige Ruhe und Betreuung, die sie brauchen, um einander kennenzulernen.

Babyfreundliche Krankenhäuser halten die "Zehn Schritte zum erfolgreichen Stillen" ein

Die "Zehn Schritte zum erfolgreichen Stillen", festgelegt von der WHO und unicef, werden von allen von der Initiative Babyfreundliches Krankenhaus ausgezeichneten Krankenhäusern eingehalten. Sie lauten:

  • Schritt 1: Schriftliche Stillrichtlinien haben, die mit allen MitarbeiterInnen regelmäßig besprochen werden.
  • Schritt 2: Alle MitarbeiterInnen so schulen, dass sie über die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten für die Umsetzung der Stillrichtlinien verfügen.
  • Schritt 3: Alle schwangeren Frauen über die Bedeutung und die Praxis des Stillens informieren.
  • Schritt 4: Den Müttern ermöglichen, unmittelbar ab Geburt ununterbrochenen Hautkontakt mit ihrem Baby zu haben, mindestens eine Stunde lang oder bis das Baby das erste Mal gestillt wurde.
  • Schritt 5: Den Müttern korrektes Anlegen zeigen und ihnen erklären, wie sie ihre Milchproduktion aufrechterhalten können, auch im Falle einer Trennung von ihrem Kind (hygienisches Abpumpen, Aufbewahrung und Transport der Milch)
  • Schritt 6: Neugeborenen weder Flüssigkeiten noch sonstige Nahrung zusätzlich zur Muttermilch geben, außer bei medizinischer Indikation.
  • Schritt 7: 24-Stunden-Rooming-in praktizieren - Mutter und Kind bleiben Tag und Nacht zusammen.
  • Schritt 8: Zum Stillen nach Bedarf ermuntern.
  • Schritt 9: Gestillten Kindern keine künstlichen Sauger geben.
  • Schritt 10: Die Mütter auf Stillgruppen hinweisen und die Entstehung von Stillgruppen fördern.

Alle stillfreundlichen Krankenhäuser verpflichten sich, diese zehn Schritte einzuhalten.

Welche Leistungen bieten Still- und Babyfreundliche Krankenhäuser noch an?

Neben der "besonderen" Betreuung rund ums Stillen bieten Baby- und Stillfreundliche Krankenhäuser und Einrichtungen noch eine Reihe weiterer "Vorteile" im Vergleich zu anderen Krankenhäusern.

So wird zum Beispiel das Rooming-in nicht nur zu bestimmten Zeiten, sondern 24 Stunden lang angeboten. Das bedeutet, dass Mütter mit ihren Babys zu jeder Tages- und Nachtzeit zusammen sein können - wenn sie wollen. Auch Väter oder Geschwister haben in vielen stillfreundlichen Krankenhäusern die Möglichkeit, mit der Mutter und dem neuen Baby in einem Familienzimmer zusammen zu sein.

Zahlreiche Beratungsangebote durch geschulte Mitarbeiter stillfreundlicher Krankenhäuser stehen Müttern und Vätern nicht nur zum Thema Stillen zur Verfügung. Auch bei anderen Fragen und Problemen finden sich kompetente Ansprechpartner - auch über den Krankenhausaufenthalt hinaus.

Welche Krankenhäuser sind Still- und Babyfreundlich?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind bereits zahlreiche Krankenhäuser als babyfreundliche Einrichtungen ausgezeichnet.

Eine Liste der mehr als 120 teilnehmenden Krankenhäuser in Deutschland finden Sie auf der Website www.babyfreundlich.org. Dort erhalten Sie auch weitere Informationen zur Initiative.

Weltweit gibt es inzwischen über 21.000 babyfreundliche Krankenhäuser bzw. Einrichtungen der Geburtshilfe und Kinderheilkunde in über 150 Ländern. Rund 1.100 Babyfreundliche Krankenhäuser davon befinden sich in Industriestaaten.

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 11. September 2018
Quellen
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