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Schwangerschaft

Fruchtwasser und Fruchtblase: Babys Lebensraum im Mutterleib

Fruchtwasser und Fruchtblase umgeben das Kind schützend in der Gebärmutter. Sie bilden sich bereits kurz nach der Einnistung.

Fruchtblase und Fruchtwasser: Babys Lebensraum im Mutterleib
Gut geschützt und ernährt kann das Baby in Fruchtblase und Fruchtwasser heranwachsen.
© Getty Images/Stocktrek Images

Artikelinhalte auf einen Blick:

Ursachen für einen harten Bauch in der Schwangerschaft

Fruchtblase: elastische und starke Hülle

Schon kurz nach Einnistung der Blastozyste in der Gebärmutter entwickeln sich äußere (Chorion) und innere (Amnion) Eihaut. Sie bilden die sogenannte Fruchthöhle, die schon in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft im Ultraschallbild zu sehen ist. Etwa in der 16. Schwangerschaftswoche verkleben diese beiden Eihäute miteinander und nehmen damit noch einmal an Stabilität zu.

Die Fruchtblase ist so elastisch und stark, dass sie im Laufe der Schwangerschaft auf ein Vielfaches ihrer anfänglichen Größe anwächst – und das Baby trotzdem sicher und stark schützt. Über das Fruchtwasser und die innere Schicht der Fruchtblase erfolgt ein stetiger Austausch von Stoffen zwischen Mutter und Kind.

Fruchtwasser: Nährender Schutz

In den ersten Wochen der Schwangerschaft wird das Fruchtwasser ausschließlich von der inneren Schicht der Fruchtblase, dem Amnion, gebildet. Seine Elektrolytzusammensetzung entspricht in dieser Zeit im Wesentlichen der des mütterlichen Blutplasmas.

Etwa zwischen der zehnten und 12. Schwangerschaftswoche nehmen die Nieren des Babys ihre Arbeit auf, sodass kindlicher Urin einen stetig größeren Anteil am Fruchtwassers einnimmt. Das Baby schluckt Fruchtwasser und scheidet es, gefiltert durch die Nieren, wieder aus. Zum Zeitpunkt der Geburt besteht das Fruchtwasser bis zu 60 Prozent aus fetalem Urin.

Je nach Stadium der Schwangerschaft variieren Aussehen und Zusammensetzung des Fruchtwassers. Während es zum Zeitpunkt der Geburt eher weißlich-trüb aussieht, hat das Fruchtwasser anfangs eher eine gelbliche Farbe und ist klar.

Fruchtwasser besteht zu etwa 90 Prozent aus Wasser. Es hat einen alkalischen pH-Wert (ca. 7 bis 8) und enthält Elektrolyte (Kalium, Natrium, Spurenelemente und Zucker) und keimhemmende Proteine sowie bestimmte Lipide aus den kindlichen Lungen. Die kindlichen Körperzellen dienen in der pränatalen Diagnostik der frühzeitigen Feststellung von Chromosomenabweichungen, bestimmten Erkrankungen und Fehlbildungen.

Vielfältige Aufgaben des Fruchtwassers

Bereits ab der vierten Woche der Schwangerschaft, also in einem sehr frühen Stadium, ist das Kind vollständig von Fruchtwasser (Amnionflüssigkeit) umgeben. Das ist wichtig, denn so ist es vor Austrocknung und Stößen geschützt. Innerhalb der Fruchtblase schwimmt das Kind schwerelos im Fruchtwasser. Dadurch ist es in der Lage, sich frei zu bewegen (zumindest in den ersten beiden Trimestern) und symmetrisch und ohne Einengung zu wachsen. Außerdem verhindert das Fruchtwasser ein Aneinanderkleben von Fruchtblase und Baby.

Fruchtwasser hat außerdem eine keimhemmende Wirkung und trägt zu einer Aufrechterhaltung der kindlichen Körpertemperatur bei. Das regelmäßige Inhalieren von Fruchtwasser ist maßgeblich für die Entwicklung der kindlichen Lungen.

Fruchtwassermenge variiert

Innerhalb der Fruchtblase findet ein stetiger Flüssigkeitsaustausch zwischen Mutter und Kind statt. Alle drei Stunden erneuert sich das Fruchtwasser vollständig. Am Ende der Schwangerschaft trinkt das Baby etwa die Hälfte der gesamten Fruchtwassermenge. Die vom Darm aufgenommenen Bestandteile gelangen über den kindlichen Kreislauf zur Plazenta. Die Menge des Fruchtwassers unterliegt zudem ständigen Veränderungen:

Während zu Beginn der Schwangerschaft nur wenige Milliliter Fruchtwasser vorhanden sind, steigert sich diese Menge kontinuierlich und erreicht ihr Hoch bis zur 30. bis 34. Schwangerschaftswoche. Dann beträgt die Fruchtwassermenge durchschnittlich 1 bis 1,2 Liter, bevor sie in den letzten Wochen der Schwangerschaft wieder absinkt – auf durchschnittlich 800 Milliliter zum Zeitpunkt der Geburt.

Fruchtwassermenge wird per Ultraschall bestimmt

Die Menge des Fruchtwassers wird in der Regel per Ultraschalluntersuchung gemessen. Häufigste Vorgehensweise ist die Bestimmung des Fruchtwasserindex (Amniotic-Fluid-Index: AFI). Dafür wird in jedem der vier Quadranten der Gebärmutter das jeweils größte Fruchtwasserdepot in Zentimetern gemessen und anschließend zusammengerechnet. Das Ergebnis gibt Aufschluss darüber, ob eventuell zu viel oder zu wenig Fruchtwasser vorhanden ist.

Alarmzeichen in der Schwangerschaft: Bei diesen Symptomen zum Arzt

Zu viel Fruchtwasser: Ursachen sind vielfältig

Eine überdurchschnittlich große Menge an Fruchtwasser (zum Beispiel über zwei Liter am Geburtstermin) wird als Polyhydramnion oder kurz Hydramnion bezeichnet. Als Folge kommt es zu einer Überdehnung der Fruchtblase mit dem Risiko eines Blasensprung bzw. vorzeitiger Wehentätigkeit. Diagnostizieren lässt sich ein Zuviel an Fruchtwasser mittels einer Ultraschalluntersuchung.

Es gibt verschiedene Ursachen, warum manche Schwangere deutlich zu viel Fruchtwasser haben. Hauptgrund ist der Schwangerschaftsdiabetes, insbesondere, wenn er nicht gut eingestellt ist.

Weitere mögliche Ursachen von zu viel Fruchtwasser sind:

Zu wenig Fruchtwasser: seltene Komplikation

Eine stark verminderte Fruchtwassermenge (zum Beispiel weniger als 400 Milliliter am Geburtstermin) wird hingegen als Oligohydramnion bezeichnet. Zu wenig Fruchtwasser kommt selten vor. Als Ursachen kommen Plazentainsuffizienz, Präeklampsie, Terminüberschreitung, kindliche Fehlbildungen, insbesondere der Nieren und Harnwege oder Infektionen infrage. Außerdem kann ein nicht erkannter vorzeitiger Blasensprung der Grund für zu wenig Fruchtwasser sein.

Unabhängig vom Auslöser muss die Schwangerschaft bei zu wenig Fruchtwasser engmaschig überwacht werden. Eine Geburtseinleitung oder ein Kaiserschnitt sind nicht selten. Gerade bei einer geringen Fruchtwassermenge besteht die Gefahr, dass die Nabelschnur bei der vaginalen Geburt abgeklemmt wird.

Grünes Fruchtwasser

Bereits ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel produziert der Darm des Babys das sogenannte Kindspech (Mekonium), ein zähes, schwarz-grünes Sekret. Es wird als "erster Stuhlgang" meist nach der Geburt ausgeschieden. Bei bis zu 22 Prozent aller Geburten (40 Prozent bei Terminüberschreitung) gelangen bereits während des Geburtsvorgangs Teile des Kindspechs ins Fruchtwasser. Häufig geschieht das bei langen bzw. schweren Geburten.

Grünes Fruchtwasser ist nicht automatisch eine Notsituation, sollte jedoch genauer beobachtet werden. In seltenen Fällen passiert es, dass das Baby dieses grüne Fruchtwasser vor oder während der Geburt einatmet.

Je nach Menge und Verunreinigung durch das Kindspech kann dies zu Atemnot beim Neugeborenen führen, da die Lungenventilation gestört wird (Mekoniumaspirationssyndrom). Diese schwere Komplikation ist sehr selten und erfordert eine sofortige intensivmedizinische Betreuung des Neugeborenen.

Lesen Sie hier mehr über grünes Fruchtwasser.

Ungewöhnlichen Flüssigkeitsabgang immer abklären lassen!

Eine nasse Unterhose und viele Fragen: Manchmal kann es zum unwillkürlichen Abgang von Flüssigkeit aus der Vagina kommen. Oft lässt sich nicht genau sagen, ob es sich um Ausfluss, Urin oder auch Fruchtwasser handelt, gerade, wenn es nur einige Tröpfchen sind. Lassen Sie dies bitte unbedingt ärztlich abklären. Auch eine Infektion kann sich durch Ausfluss äußern.

Wer sich bis zur Untersuchung beruhigen möchte, kann zu Hause erst einmal einen pH-Test durchführen; pH-Teststreifen sind in Apotheken sowie manchen Drogerien erhältlich. Einfach etwas Flüssigkeit aus der Vagina auf den Teststreifen geben und die anschließende Verfärbung mit den Hinweisen auf der Packung abgleichen.

Der pH-Wert von Fruchtwasser beträgt etwa 7 bis 8 und ist damit alkalisch. In der Vagina hingegen herrscht ein saures Milieu (pH-Wert von etwa 4). Trotzdem ist der Gang zur*zum Ärztin*Arzt unumgänglich, um Komplikationen mit Sicherheit erkennen oder ausschließen zu können.

Fruchtblase und Fruchtwasser unter der Geburt

Das Platzen der Fruchtblase (Blasensprung) ist Teil des natürlichen Geburtsvorgangs in der Eröffnungsphase. Die Fruchtblase platzt bei den meisten Geburten erst, nachdem die Wehen eingesetzt haben. Aber das ist nicht immer der Fall. Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt der Blasensprung einsetzt, unterscheidet man:

  • vorzeitiger Blasensprung: Das Fruchtwasser geht ab, bevor die Wehen einsetzen.
  • frühzeitiger Blasensprung: Das Fruchtwasser geht während der Eröffnungsperiode ab.
  • rechtzeitiger Blasensprung: Das Fruchtwasser geht erst am Ende der Eröffnungsphase ab.
  • verspäteter Blasensprung: Die Fruchtblase bleibt bis zur Eröffnungsphase intakt oder springt erst, nachdem das Baby geboren wurde.

Pränatale Diagnostik: Untersuchungen des Fruchtwassers

Im Fruchtwasser befinden sich zahlreiche kindliche Körperzellen, die Aufschluss über Chromosomenabweichungen geben können. Dies macht man sich bei der Fruchtwasseruntersuchung zunutze:

Die Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung) ist ein Verfahren der pränatalen Diagnostik, bei der eine kleine Menge Fruchtwasser mittels Punktionsnadel entnommen wird. Die Entnahme erfolgt in der Regel zwischen der 16. Schwangerschaftswoche. und 18. Schwangerschaftswoche über einen kleinen Bauchschnitt und die Fruchtblase.

Neben Chromosomenabweichungen lässt sich bei der Amniozentese auch das Geschlecht des Kindes sicher ermitteln. Angeborene Stoffwechselstörungen, Neuralrohrdefekte, bestimmte Erkrankungen sowie die Lungenreife können anhand einer Untersuchung des Fruchtwassers festgestellt und beurteilt werden.

Da das Risiko einer Fehlgeburt nach der Amniozentese 0,3 bis ein Prozent beträgt, ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung wichtig.

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