Ein Angebot von Lifeline
Mittwoch, 15. August 2018
Menu
Was sie fördert und was sie hemmt

Einflüsse auf die Fruchtbarkeit

Die Fruchtbarkeit kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Den größten Einfluss bei der Frau hat wohl das Alter, aber auch Lebensstil, Erkrankungen und das Körpergewicht können sich sowohl bei Frauen als auch bei Männern auswirken. Gleichzeitig können gesunde Ernährung, Stressmanagement, Naturheilkunde und weitere positive Einflüsse der Fruchtbarkeit sehr zuträglich sein.

Einflüsse auf die Fruchtbarkeit
Eine ausgewogene, gesunde Ernährung wirkt sich positiv auf die Fruchtbarkeit aus.
© iStock.com/RossHelen

Faktoren, die die Fruchtbarkeit einer Frau negativ beeinflussen können sind neben ihrem Alter, Körpergewicht und hormonellen Störungen beispielsweise auch eine Chemotherapie, krankhafte Veränderungen und Fehlbildungen, Umweltgifte, Medikamente oder Genussmittel wie insbesondere Alkohol und Nikotin. Bei den Männern führen fortschreitendes Alter, die Einnahme von Medikamenten oder Genussmitteln zu einer Störung der Spermienherstellung oder Erektionsfähigkeit.

In diesem Artikel lesen Sie:

Tipps, um die Fruchtbarkeit zu steigern

Ärztliche Beratung

Stellt sich auch nach längerer Zeit und nach dem Absetzen von Verhütungsmitteln keine gewünschte Schwangerschaft ein, sollten sowohl die Frau als auch der Mann sich ärztlich beraten lassen und die Gründe für die Kinderlosigkeit klären. Im Gespräch und bei einer Untersuchung können störende Einflüsse auf die Fruchtbarkeit ermittelt und mögliche Erkrankungen wie eine Endometriose, Schilddrüsenfehlfunktion oder psychische Belastungen ermittelt und dagegen angegangen werden.

Positive Einflüsse der Ernährung

Frauen und Männer mit Kinderwunsch können jederzeit ihre Fruchtbarkeit günstig beeinflussen, in dem sie beispielsweise verstärkt auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten. Bei konkretem Kinderwunsch sollten sich Frauen ausreichend mit Spurenelementen, Vitaminen und Mineralstoffen versorgen und auf frische Lebensmittel achten. Manche Nährstoffe sind dabei besonders wichtig. Schädliche Genussmittel wie Alkohol und Zigaretten vertragen sich weder mit einem bestehenden Kinderwunsch noch mit einer bestehenden Schwangerschaft. Auch ein hoher Kaffeekonsum kann sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken.

Lesen Sie hier mehr über Ernährung und Fruchtbarkeit.

Folsäure: Diese 15 Lebensmittel sind Toplieferanten!

Entspannungsübungen und Sport

Eine gesunde Lebensführung beinhaltet neben einer ausgewogenen Ernährung auch Bewegung und Sport. Regelmäßige Aktivitäten kräftigen den gesamten Organismus, regen den Stoffwechsel an und verbessern so die Fruchtbarkeit. Geeignete Sportarten sind beispielsweise Walken, Schwimmen oder Bewegungs- und Entspannungsübungen wie Yoga.

Hartes körperliches Training und Leistungssport können die Fruchtbarkeit bei Frauen aber vorübergehend herabsetzen, da durch das intensive Training der Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht gerät. Gleichzeitig sind Leistungssportlerinnen häufig sehr schlank, und ein geringes Gewicht kann sich genau wie Übergewicht negativ auswirken. Anzeichen für intensives Training auf Kosten der Fruchtbarkeit können ausbleibende Regelblutungen oder ein extrem langer Zyklus sein. Dieser Effekt ist jedoch nur vorübergehend. Wird das Training wieder etwas moderater, kommen auch die Hormone wieder ins Gleichgewicht. Grundsätzlich sind die Auswirkungen von moderatem Training und Bewegung positiv.

Lesen Sie hier mehr über Hormon-Yoga bei Kinderwunsch.

Naturheilkunde, Natureinflüsse und Traditionelle chinesische Medizin

Verfahren der Naturheilkunde bauen auf eine gesunde Lebensführung auf. Das Anwenden von Heilkräutern beispielsweise soll gesundheitliche Störungen und Ungleichgewichte beseitigen, während ayurvedische Kuren der Körperreinigung dienen. Kinderwunschtees oder Zyklustees sollen durch natürliche Pflanzenstoffe den Zyklus regulieren und so die Fruchtbarkeit positiv beeinflussen. Natürliche Pflanzenstoffe, die im Körper hormonähnlich wirken, die Phytohormone, zum Beispiel der Mönchspfeffer, können zur Zyklusregulierung eingesetzt werden.

Bei zu viel Stress setzen einige Frauen ihren natürlichen Biorhythmus zur Planung von Regenerationsphasen ein. Daneben sollen auch die Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sowie die Akupunktur einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben.

Lesen Sie hier mehr über TCM bei Kinderwunsch.

Medikamente

Medikamente können die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern herabsetzen, vor allem Mittel gegen Bluthochdruck, Antidepressiva, Medikamente gegen Rheuma, aber auch Schmerzmittel. Auch die im Rahmen einer Krebstherapie verordneten Mittel (Chemotherapie) haben einen negativen Effekt. Neue Studien weisen darauf hin, dass manche Asthma-Medikamente die Fruchtbarkeit von Frauen herabsetzen, während andere sie sogar schützen.

Natürlich gibt es auch Medikamente, die die Fruchtbarkeit unterstützen. Je nach Ursache für die Probleme, schwanger zu werden, können die Wirkstoffe Utrogest oder Clomifen vom Arzt verordnet werden. Sie wirken harmonisierend auf den Hormonhaushalt. Auch naturheilkundliche Medikamente können die Hormone wieder ins Gleichgewicht bringen.

Lesen Sie hier mehr über Medikamente und Fruchtbarkeit.

Umweltgifte

Umweltgifte wie Schwermetalle und Chemikalien stehen schon lange unter Verdacht, die Fruchtbarkeit zu schädigen. Zahlreiche aktuelle Studien liefern Hinweise auf einen Zusammenhang. Vor allem Schwermetalle, aber auch in unserem Organismus hormonähnlich wirkende Kunststoffe sowie Pestizidrückstände in Obst und Gemüse scheinen Einfluss auf unsere Fortpflanzungsfähigkeit zu nehmen.

Umweltgifte.

Alter des Paares

Mit dem Alter nimmt die Fruchtbarkeit ab – bei Frauen und bei Männern. Während die Spermienqualität etwa ab dem dem 55. bis 60. Lebensjahr sinkt, können Männer theoretisch bis ins hohe Alter Kinder zeugen. Bei Frauen sieht das schon anders aus: Die Wahrscheinlichkeit, auf natürlichem Wege schwanger zu werden, sinkt ab dem 30. Lebensjahr langsam und etwa ab dem 35. Lebensjahr stark. Wie schnell die Fruchtbarkeit von Frauen mit zunehmendem Alter sinkt, hängt von vielen Faktoren ab. Vor allem Genetik und der Lebensstil entscheiden darüber, ob und wie eine "ältere" Frau schwanger wird. Manche Frauen werden auch mit 45 Jahren noch auf natürlichem Wege schwanger, das ist aber eher der Ausnahmefall. Theoretisch kann eine Frau etwa bis zum 50. Lebensjahr mithilfe der Reproduktionsmedizin ein Kind bekommen. Die Zahl der Schwangerschaftskomplikationen steigt jedoch mit dem Alter der Frau ebenfalls an.

Lesen Sie hier mehr über späte Schwangerschaften.

Stress oder seelische Belastungen

Bei chronischem Stress, ob im Privatleben oder im Beruf, schüttet der Körper permanent sogenannte Stresshormone, allen voran Cortisol und Adrenalin, aus. Sie stehen in Verdacht, die Fruchtbarkeit von Frauen herabzusetzen. Wissenschaftlich eindeutig bewiesen ist das jedoch bislang nicht. Amerikanische Forscher konnten jedoch in einer im Mai 2014 veröffentlichten Studie nachweisen, dass ein anderer Stressmarker im Blut, das Enzym Alpha-Amylase, zu einer Herabsetzung der Fruchtbarkeit führen kann. Frauen, deren Alpha-Amylase-Werte besonders hoch waren, waren im Durchschnitt knapp 30 Prozent weniger fruchtbar als die Frauen mit Werten im unteren Bereich. Auch der Zusammenhang mit Cortisol wurde in dieser Studie untersucht. Die Forscher fanden jedoch keine Hinweise darauf, dass es Cortisol war, das die Fruchtbarkeit der Frauen herabsetzte.

Diese Studienergebnisse sind vor dem Hintergrund der Ergebnisse einer anderen Forschungsreihe an der Universität Zürich besonders interessant: Dabei wurde der ganz konkrete Zusammenhang zwischen Alpha-Amylase und psychosozialen Stressfaktoren (bei Stress steigt der Anteil von Alpha-Amylase im Körper) untersucht und bestätigt. Die Forscher schlossen daraus, dass sich der Wert dieses Enzyms sehr gut zur Erfassung körperlicher Auswirkungen durch Stress eignet. Aus diesen beiden Studien lässt sich schließen: Stress und psychische Belastungen können die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen.

Zu wenig oder schlechter Schlaf

Bereits in mehreren Studien konnte ein Zusammenhang zwischen zu wenig oder schlechtem Schlaf und der Fruchtbarkeit nachgewiesen werden. Grund ist das "Schlafhormon" Melatonin. Es wird nachts, im Dunkeln, ausgeschüttet und sorgt für einen erholsamen Schlaf. Melatonin ist aber auch an zahlreichen anderen Prozessen im Körper beteiligt, unter anderem schützt und repariert es die Zellen. Höhere Konzentrationen des Hormons finden sich auch in den Eizellen. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass ein ausgeglichener Melatoninspiegel der Fruchtbarkeit zuträglich ist.

Um eine möglichst ungestörte Melaninproduktion zu gewährleisten, empfehlen Experten, mindestens acht Stunden pro Nacht zu schlafen und dabei Störfaktoren möglichst zu vermeiden. Vor allem Licht unterbricht die Melaninproduktion, denn es signalisiert dem Körper, dass es Tag ist und er aufwachen soll. Vermeiden Sie daher am besten den nächtlichen Blick auf das Smartphone und dunkeln Sie Ihr Schlafzimmer mit Vorhängen oder Jalousien gut ab.

Bei Männern: Was schadet den Spermien?

Ein heißes Bad am Abend zur Entspannung oder der Gang in die Sauna können trotz häufiger gegensätzlicher Behauptungen die Spermienqualität nicht dauerhaft beeinträchtigen. Andere Einflüsse dagegen sehr wohl. So kann zum Beispiel Schichtarbeit aufgrund der damit einhergehenden Störung des Biorhythmus die Hormone aus dem Gleichgewicht bringen. Auch Weichmacher aus Plastik greifen in das weibliche und männliche Hormonsystem ein. Sie wirken im Körper wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen, was vor allem für Männer und ihre Spermienproduktion ungünstig ist.

Auch Infektionen schwächen Spermien. Sie können in den Hoden oftmals lange unbemerkt bestehen, vom Urologen aber per Abstrich oder Untersuchung des Ejakulats entdeckt werden. Die Langlebigkeit der Spermien wird auch durch dauerhafte Strahlung geschädigt. Stecken Sie also Ihr Mobiltelefon besser nicht die Hosentasche. Durchblutungsstörungen, wie sie etwa durch Krampfadern in den Hoden hervorgerufen werden, können, müssen aber die Spermienqualität nicht beeinflussen.

Einflüsse auf die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen die Fruchtbarkeit beim Mann zwar nicht direkt, sie wirken sich aber erschwerend auf die Zeugung aus. Erektionsstörungen können viele Ursachen haben. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung sind sie aber meist organisch. Neben Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder höherem Alter können unter anderem Arteriosklerose, Bluthochdruck, Probleme mit der Prostata oder Schilddrüsenfunktionsstörungen die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen.

Körpergewicht und Fruchtbarkeit

  • zum BMI-Rechner

    Liegt Ihr Gewicht im gesunden Bereich? Testen Sie sich in Sekundenschnelle mit dem kostenlosen BMI-Rechner!

Körpergewicht und Fruchtbarkeit können eng miteinander verbunden sein. Denn das Körpergewicht von Frauen und Männern, welches durch einseitige Essgewohnheiten oder Nährstoffmangel und extreme Diäten beeinflusst wird, kann einen erheblichen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben. Ideal ist Normalgewicht (Body-Mass-Index (BMI) von 18,5 bis 24,9).

Unter- und Übergewicht und Einflüsse auf die weibliche Fruchtbarkeit

Untergewicht kann sich auf die Hormondrüsen des Gehirns auswirken. Dabei werden vom Hypothalamus keine ausreichenden Mengen des Hormons GnRH (Gonadotropin Releasing Hormon) mehr gebildet, weshalb die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) die Hormone Luteinisierendes Hormon (LH) und Follikelstimulierendes Hormon (FSH) nicht mehr zum richtigen Zeitpunkt und in ausreichenden Mengen produzieren kann. Der weibliche Zyklus gerät aus dem Gleichgewicht und der Eisprung kann ausbleiben. Je seltener ein Eisprung stattfindet, desto niedriger stehen auch die Chancen für eine Frau, Schwangerschaft zu werden.

Von Untergewicht wird bei einem Body-Mass-Index (BMI) unter 18,5 gesprochen. Werte unterhalb von 17,5 gelten als Hinweis auf eine Magersucht (Anorexia nervosa). Bei sehr dünnen Frauen können die monatliche Blutung und der Eisprung ausbleiben. Hierbei spricht man von einer Anovulation (fehlender Eisprung), die auch bei sportlich sehr aktiven Frauen, wie beispielsweise Hochleistungssportlerinnen, auftreten kann. Durch regelmäßige Mahlzeiten und eine Gewichtszunahme auf ein gesundes Maß verschwinden die Fruchtbarkeitsprobleme in der Regel wieder von allein.

Zu Hormonstörungen kann es auch bei übergewichtigen Frauen kommen. Deutliches Übergewicht kann bei Frauen zu einer übermäßigen Bildung männlicher Hormone führen. Dabei handelt es sich um Testosteron und Dehydroepiandrosteron (DHEA), die in den Eierstöcken, der Nebennierenrinde und im Fettgewebe gebildet werden. Zwar ist eine geringe Menge männlicher Hormone im weiblichen Körper für die Funktionen des Organismus notwendig, doch führt die übermäßige Produktion dieser Hormone zu einer Hyperandrogenämie. Diese hormonelle Störung macht sich beispielsweise durch eine unregelmäßige Regelblutung bis hin zum Ausbleiben der Regel oder durch einen fehlenden Eisprung bemerkbar. Frauen mit Übergewicht leiden auch häufiger am PCO-Syndrom (PCOS), welches einer der häufigsten Gründe für die Unfruchtbarkeit der Frau ist.

Über- und Untergewicht beim Mann

Einseitige Ernährung, extreme Diäten und Untergewicht können bei Männern zu einem Mangel an Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen führen, der sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirkt. Übergewicht hingegen kann zu einer Diabeteserkrankung und damit verbundenen Erektionsstörungen führen. Generell haben normalgewichtige Männer höhere Chancen ein Kind zu zeugen als Übergewichtige.

Tipps zum Schwanger werden

 

Chemotherapie und Fruchtbarkeit

Chemotherapie und Fruchtbarkeit lassen sich nicht immer miteinander vereinbaren. Denn die Medikamente, die bei dieser Form der Krebsbehandlung eingesetzt werden, schädigen mitunter nicht nur die Krebszellen, sondern können auch die Keimzellen angreifen. Im ungünstigsten Fall ist es behandelten Männern und Frauen nach einer Chemotherapie nicht mehr möglich, auf natürliche Weise Kinder zu bekommen.

Bei einer Chemotherapie kommen Zytostatika zum Einsatz. Diese Medikamente hemmen das Wachstum von Zellen, die sich besonders rasch teilen. Bestimmte Medikamente können auch Eierstöcke und Eizellen schädigen. Ob eine Frau nach einer Chemotherapie noch schwanger werden kann, hängt vom verabreichten Medikament, seiner Dosierung und dem Alter der Frau zu Beginn der Behandlung ab. Denn die Fruchtbarkeit schwindet auch mit zunehmendem Alter der Frau. Hinzu kommt, dass Zytostatika bei Frauen ein vorzeitiges Eintreten der Wechseljahre auslösen können.

Bei Männern sind es Medikamente aus der Klasse der Alkylanzien und Platinverbindungen wie Carboplatin und Cisplatin, die die Samenzellen schädigen können. Das Ausmaß der Schädigung hängt auch hier von der Dosierung der Medikamente ab. Samenzellen entstehen durch die Teilung von Samenstammzellen. Wenn durch die Chemotherapie alle diese Stammzellen zerstört wurden, kann der Mann keine Kinder mehr auf natürliche Weise zeugen. Wenn aber zumindest einige der Stammzellen weiterhin funktionstüchtig sind, ist es möglich, dass sich die Spermienproduktion nach einer Chemotherapie wieder erholt. Die Untersuchung einer Samenprobe kann Männern Aufschluss darüber geben, ob sich ihre Spermienproduktion regeneriert.

Eine Chemotherapie ist – wie eine Strahlentherapie – in vielen Fällen so stark, dass die Produktion der Keimzellen dauerhaft Schaden nimmt.

Vor einer Chemotherapie – die Fruchtbarkeit erhalten

Wenn für die behandelnden Ärzte abzusehen ist, dass eine Chemotherapie die Fruchtbarkeit beeinflussen könnte, werden sie den betroffenen Männern und Frauen mit Kinderwunsch Maßnahmen empfehlen, die im individuellen Fall dazu geeignet sind, die Fruchtbarkeit im Vorfeld der Behandlung zu erhalten. Jedoch sollte den Betroffenen bewusst sein: Diese Maßnahmen garantieren nicht, dass es wirklich funktioniert. Daneben befinden sich einige der Behandlungsmethoden noch in der Erprobungsphase. Damit kann auch nicht garantiert werden, dass eine gewünschte Schwangerschaft zu einem späteren Zeitpunkt eintreten wird.

Behandlungsmöglichkeiten für Frauen

Bei Frauen mit Kinderwunsch gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten, die einen mehr oder weniger guten Erfolg versprechen:

Es ist möglich, vor einer Chemotherapie Eizellen zu entnehmen und für eine spätere Befruchtung zu konservieren. Hierzu müssen sich die Betroffenen vor der Chemotherapie einer Hormontherapie unterziehen. Die dabei gewonnenen Eizellen lassen sich jedoch nicht immer so gut einfrieren und erhalten wie männliche Samenzellen. Daher wird diese Behandlung nur selten durchgeführt.

Entnommene Eizellen können nach der Hormonbehandlung im Labor mit dem Sperma des Partners befruchtet und in einem frühen Stadium der Zellteilung, dem Vorkernstadium, eingefroren werden (homologe Insemination). In der Praxis gestaltet sich diese Vorgehensweise jedoch schwierig. Denn vor einer Chemotherapie steht einem Paar oft nicht ausreichend Zeit zur Verfügung.

In einigen Reproduktionszentren können sich Frauen Eizellen entnehmen lassen, ohne sich vorher einer Hormonbehandlung unterziehen zu müssen. Wenn der Eizellenentnahme keine hormonelle Stimulation vorausgeht, lassen sich jedoch nur wenige Eizellen gewinnen. Daher sind die Chancen auf eine spätere Schwangerschaft dann auch geringer.

Damit die Eizellen in den Eierstöcken durch die Zytostatika nicht geschädigt werden, kann Gewebe der Eierstöcke mit den noch unreifen Eizellen vor Beginn der Chemotherapie operativ aus dem Körper entfernt werden. Das Gewebe wird für die Dauer der Chemotherapie eingefroren und nach der Behandlung wieder in den Körper verpflanzt. Sobald das Eierstockgewebe angewachsen ist, kann es für einen bestimmten Zeitraum wieder Sexualhormone produzieren. Ein Teil der Eizellen geht durch die Einfrieren von Keimzellen (Kryokonservierung) jedoch verloren. Daher wird diese Behandlung vor allem jungen Frauen empfohlen, weil sie im Vergleich zu älteren Frauen noch über viele Eizellen verfügen. Das Verpflanzen von Eierstockgewebe ist bislang kein Standardverfahren in der Medizin und befindet sich noch in der Erprobungsphase.

Während des Zeitraums der Chemotherapie können die Eierstöcke in einen künstlichen Tiefschlaf gesetzt werden. So verbleiben die Eizellen in ihrem unreifen Stadium und können von den Zytostatika nicht so schwer geschädigt werden. Diesen Zustand erreicht man durch die Gabe bestimmter Arzneimittel (Gonadotropin-releasing-Hormon-Analoga). Bislang ist allerdings unklar, wie gut die Eierstöcke bei dieser Methode wirklich geschützt werden.

Behandlungsmöglichkeiten für Männer

Die Behandlungsmöglichkeiten für Männer mit Kinderwunsch im Vorfeld einer Chemotherapie gestalten sich wesentlich einfacher und unkomplizierter als bei einer Frau.

Vor Beginn der Krebstherapie können Männer eine Spermaprobe in einem reproduktionsmedizinischen Zentrum abgeben. Dort wird das Sperma tiefgefroren. Bei einem Kinderwunsch kann sich die Partnerin zu einem späteren Zeitpunkt mit den Samen des Mannes einer künstlichen Befruchtung unterziehen.

In einigen Fällen können Männer durch eine Krebserkrankung keinen Samenerguss mehr bekommen und demzufolge keinen Samen spenden. In den Hoden befinden sich jedoch befruchtungsfähige Spermien. Diese können durch eine Operation entnommen und so lange tiefgekühlt werden, bis eine künstliche Befruchtung der Partnerin stattfinden soll.

Nach der Chemotherapie: Künstliche Befruchtung

Nach einer Chemotherapie geben medizinische Untersuchungen Aufschluss darüber, ob und in welchem Ausmaß die Fruchtbarkeit geschädigt wurde. Falls es Paaren nicht mehr möglich ist, auf natürliche Weise ein Kind zu zeugen, können sie versuchen, mit den verschiedenen Methoden der künstlichen Befruchtung ein Kind zu bekommen. Die behandelnden Ärzte werden eine geeignete Methode wie beispielsweise die In-vitro-Fertilisation (IVF), die Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion, Mikroinjektion)) oder die Insemination empfehlen. Die Wahl ist unter anderem abhängig davon, ob sich der Mann oder die Frau einer Chemotherapie unterziehen musste.

Experten raten Frauen mit Kinderwunsch jedoch dazu, während und auch noch sechs bis 24 Monate nach einer Chemotherapie sicher zu verhüten beziehungsweise erst nach Ablauf dieser Zeit eine Schwangerschaft zu planen oder mit einer Kinderwunschbehandlung zu beginnen. So ist gewährleistet, dass sich der Körper von den Anstrengungen der Krebsbehandlung erholt hat. Gleichzeitig verringert sich das Risiko für einen Rückfall der Krebserkrankung.

Die Methoden der künstlichen Befruchtung im Überblick

Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. August 2018
Quellen

Beiträge im Forum "Kinderwunsch: Ich will schwanger werden - wer noch?"
Neuste Artikel in dieser Rubrik
Schwermetalle und Chemikalien können unfruchtbar machen

Zunehmende Unfruchtbarkeit durch Umweltgifte? Diese Zusammenhänge zwischen der zunehmenden Belastung mit Schwermetallen und Chemikalien und dem Rückgang der Fruchtbarkeit werden diskutiert. Mehr...

Richtige Ernährung bei Kinderwunsch

Wie Sie mit der richtigen Ernährung Ihre Fruchtbarkeit positiv beeinflussen. Mehr...

Beziehung & Sexualität

Die Temperaturmethode ist eine Möglichkeit der natürlichen Familienplanung. Dabei wird morgens die Basaltemperatur gemessen, um den Zyklusverlauf zu bestimmen. Lesen Sie hier alles Wissenswerte über diese... Mehr...

Nutze unsere Zyklus-App inklusive Eisprungkalender und Temperaturkurve (Android & iOS) bei Kinderwunsch.

Mehr zur App > Alle Tools & Services
Weitere interessante Themen
  • Kinderwunsch-Checkliste

    Die Chancen, schwanger zu werden, liegen auch bei einem gesunden jungen Paar innerhalb von einem halben Jahr bei etwa 50-60%. Daher ist es normal, wenn die Schwangerschaft auf sich... Mehr...

Zum Seitenanfang