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Mittwoch, 26. Juli 2017
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Ausschabung (Abrasio) nach Fehlgeburt

Ausschabung nach Fehlgeburt
Eine Ausschabung nach einer Fehlgeburt ist zwar medizinisch ein kleiner Eingriff, für das betroffene Paar jedoch oft von großer Tragweite
(c) iStockphoto/AntonioGuillem

Ausschabungen (Abrasio, Kürettage) werden häufig nach Fehlgeburten durchgeführt. Die Ausschabung eignet sich aber auch für die Entnahme von Gewebeproben zu diagnostischen Zwecken.

Bei der Ausschabung wird die Gebärmutterschleimhaut abgetragen und Gewebe innerhalb der Gebärmutter entfernt. Nach einer Fehlgeburt können so noch vorhandene Teile von Mutterkuchen (Plazenta) und Embryo entfernt werden. Ausschabungen werden außerdem noch bei Krebserkrankungen durchgeführt oder wenn Gewebeproben zu diagnostischen Zwecken benötigt werden.

Was wird bei einer Ausschabung gemacht?

Bei der Ausschabung wird Gewebe aus der Gebärmutter entnommen. Nach einer Fehlgeburt befinden sich häufig noch Teile von Plazenta und Embryo in der Gebärmutter. Da dieses Gewebe sich in der Gebärmutter entzünden zu gefährlichen Infektionen führen kann, wird nach einer Fehlgeburt in der Regel eine Ausschabung durchgeführt, wenn kein vollständiger Abgang erfolgt ist. Dabei wird das Gewebe mit Hilfe spezieller Instrumente aus der Gebärmutter entfernt. Die Ausschabung erfolgt unter Vollnarkose und häufig ambulant.

Ist eine Ausschabung nach einer Fehlgeburt immer notwendig?

Nicht immer ist eine Ausschabung nach einer Fehlgeburt erforderlich. Grundsätzlich gilt: Wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, kann man zunächst abwarten, ob der Körper in den Tagen nach der Fehlgeburt das verbliebene Gewebe von allein ausstößt. Jede Frau hat also die Wahl, ob sie warten oder gleich eine Ausschabung vornehmen lassen möchte.

Manche Frauen wollen sich in der Zeit bis zum Abgang des letzten Gewebes von ihrer Schwangerschaft und ihrem ungeborenen Kind verabschieden. Eine Ausschabung erscheint ihnen trotz Fehlgeburt als zu abrupt und "kalt". Auch das Spüren der körperlichen (Rück-)Veränderung kann dabei helfen, den Verlust besser zu verarbeiten und sich damit auseinandersetzen zu können. Andere Frauen wollen nicht länger an ihre nicht mehr bestehende Schwangerschaft erinnert werden und befürworten daher eine Ausschabung nach ihrer Fehlgeburt.

Vor allem bei frühen Abgängen in den ersten Schwangerschaftswochen (im ersten Schwangerschaftsdrittel), beispielsweise durch ein Windei , ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Embryo und Mutterkuchen mit einer starken Blutung komplett ausgestoßen werden. Manchmal wissen die Frauen zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts von ihrer Schwangerschaft und nehmen die Fehlgeburt als starke Menstruationsblutung wahr.

Stößt der Körper das verbliebene Gewebe nach einer Fehlgeburt nicht von vollständig allein ab, ist eine Ausschabung auf jeden Fall notwendig. Die Gewebereste in der Gebärmutter können sich sonst entzünden und zu gefährlichen Infektionen führen.

Wird die Ausschabung nach einer Fehlgeburt auch ambulant durchgeführt?

In den meisten Fällen kann die Ausschabung nach einer Fehlgeburt ambulant erfolgen. Viele Frauen ziehen nach einer Fehlgeburt eine ambulant durchgeführte Ausschabung vor, da sie sich zu Hause in der vertrauten Umgebung erholen und nicht noch in der Klinik bleiben möchten.

Viele gynäkologische Praxen und Kliniken führen Ausschabungen durch. Für den Eingriff erhält man eine Vollnarkose und muss daher noch einige Stunden in der Praxis oder Klinik zur Beobachtung verbringen. Treten keine Komplikationen auf, geht es in der Regel abends wieder nach Hause. Am Tag des Eingriffs darf man allerdings kein Auto mehr fahren und sollte sich noch schonen.

Wie ist der Ablauf einer Ausschabung nach einer Fehlgeburt?

Die Ausschabung nach einer Fehlgeburt ist ein kurzer Eingriff, der unter Vollnarkose und häufig ambulant vorgenommen wird. Nach ausführlicher Desinfektion des Genitalbereichs führt der Gynäkologe ein trichterartiges Instrument (Spekulum) in die Scheide ein. Nun kann er den Muttermund sehen, den er mit Instrumenten festhält, um ihn behutsam zu weiten. Dann kommt die Kürette zum Einsatz, ein löffelartiges Instrument mit mehr oder weniger scharfen Rändern. Mit ihr führt der Gynäkologe die Ausschabung durch. Er schabt die oberflächliche Gebärmutterschleimhaut und noch weitere vorhandene Gewebereste ab.

Auch dies soll möglichst vorsichtig geschehen, um Komplikationen wie Verletzungen der Gebärmutter zu vermeiden. Das entnommene Gewebe kommt anschließend zur Untersuchung in ein Labor. Hier kann die Ursache für die Fehlgeburt festgestellt werden. Bei einer Ausschabung aus diagnostischen Gründen wird das entfernte Gewebe im Labor histologisch untersucht.

Bei der Saugkürettage kommt statt der schaubenden Kürette ein Sauger zum Einsatz, mit dem das Gewebe aus der Gebärmutter abgesaugt wird.

Kann man sich wegen der Ausschabung nach einer Fehlgeburt krankschreiben lassen?

Normalerweise wird der Arzt wegen der Ausschabung eine Krankschreibung für einige Tage ausstellen. Nach einer Fehlgeburt fühlen sich viele Frauen zunächst ohnehin nicht in der Lage, wieder ganz normal zu arbeiten. In diesem Fall sollte man mit dem Arzt über eine längere Krankschreibung sprechen. Jede Frau geht mit einer Fehlgeburt anders um. Einigen hilft die Ablenkung durch ihren Beruf, andere können noch nicht sofort wieder in den Alltag zurückkehren.

Nach der Ausschabung nach Fehlgeburt: Schonung und leichte Schmerzen

Drei bis fünf Tage Blutungen und bis zu vierzehn Tage bräunlicher Ausfluss sind nach einer Ausschabung normal. Die Blutungen sind meist wesentlich geringer als nach einer Fehlgeburt ohne Ausschabung mit komplettem, natürlichem Abgang.

In diesem Zeitraum sind manchmal Schmerzen möglich, die einem Menstruationsschmerz ähnlich sind. Die Stärke der Schmerzen ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Treten in den Tagen nach der Ausschabung starke Schmerzen auf, ist es ratsam, sich noch einmal ärztlich untersuchen zu lassen.

In den ersten zwei bis drei Wochen nach einer Ausschabung sollte auf Baden, Schwimmen, Sauna und Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Durch den noch leicht gedehnten Muttermund kann es in dieser Zeit leichter zu Infektionen kommen. Auch auf Tampons sollte in dieser Zeit verzichtet werden.

Wann wieder schwanger werden?

Eine (erneute) Schwangerschaft nach der Ausschabung wegen einer Fehlgeburt wird oft erst nach drei Monaten empfohlen, viele Gynäkologen schränken die Frau heute in dieser Hinsicht jedoch nicht mehr ein. Studienergebnisse deuten darauf hin, dass sich eine Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt schneller einstellt, wenn keine Ausschabung durchgeführt wurde.

Wann wird eine Ausschabung sonst noch empfohlen?

Diagnostische Gründe sprechen am häufigsten für eine Ausschabung. Bei Blutungsstörungen, auch bei übermäßigen Blutungen in den Wechseljahren, oder bei Verdacht auf eine Krebserkrankung wird eine Ausschabung diagnostisch durchgeführt. In den meisten Fällen stecken jedoch harmlose Ursachen hinter den Beschwerden. Desweiteren wird eine Ausschabung bei einem Schwangerschaftsabbruch durchgeführt.

Welche Komplikationen kann eine Ausschabung mit sich bringen?

Eine Ausschabung ist für Gynäkologen ein Routineeingriff. Trotzdem kann es bei einer Ausschabung manchmal durch das scharfkantige Werkzeug zu Verletzungen der Gebärmutter kommen. Auch die Narkose birgt gewisse Risiken, die aber zuvor mit einem Anästhesisten abgeklärt werden. Außerdem kann es in seltenen Fällen zu einer Thrombophilie oder Infektionen kommen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. Mai 2017
Quellen: De Gruyter, Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2013, de Gruyter Verlag, Berlin 2012; Breckwoldt, M.; Kaufmann, M.; Pfleiderer, A.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme Verlag, Stuttgart 2008; Online-Informationen des Bundesverbandes für Ambulantes Operieren e.V. (BAO): http://www.operieren.de (Stand: Dezember: 2013)

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