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Sonntag, 18. Februar 2018
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Fehlgeburt vorbeugen - geht das überhaupt?

Das vorzeitige Ende einer Schwangerschaft – die Fehlgeburt – ist ein Szenario, vor dem viele Schwangere Angst haben. Sie machen sich Gedanken darüber, wie sie eine Fehlgeburt vermeiden können.

Fehlgeburt vorbeugen - geht das überhaupt?
Viele Frauen machen sich Gedanken darüber, wie sie einer Fehlgeburt vorbeugen können
iStock/PeopleImages

Dabei gibt es nicht das  Patentrezept, einer Fehlgeburt vorzubeugen. Warum einige Schwangerschaften zur Geburt eines Kindes führen und andere frühzeitig enden, kann man nicht auf ein konkretes Ereignis und selten auf ein bestimmtes Verhalten zurückführen. Die Ursachen der Fehlgeburt bleiben in den meisten Fällen unklar. Da Fehlgeburten vorzugsweise in den ersten Schwangerschaftswochen stattfinden, kann man davon ausgehen, dass für die meisten Fehlgeburten Chromosomenstörungen beim Embryo verantwortlich sind. Diesen kann man nicht vorbeugen. Es handelt sich dabei um einen natürlichen "Auswahlprozess" des Körpers.

Alles über die Fehlgeburt - Fehlgeburtsrisiko, Anzeichen, Gegenmaßnahmen und Hilfe zur Verarbeitung gibt es hier.

Fehlgeburt häufiger in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen

In den ersten zwölf Wochen ihrer Schwangerschaft (erstes Schwangerschaftsdrittel) erlebt jede fünfte Frau eine Fehlgeburt. Die Gründe dieser "Frühabgänge" liegen meist in der fehlerhaften Entwicklung des Embryos. So hart es klingt – entstehen in den ersten Wochen Chromosomenschäden, Anomalien oder andere Störungen, kommt es meist automatisch zu einem Entwicklungsstopp und damit zur Fehlgeburt. Dieser natürliche Prozess soll verhindern, dass ein nicht überlebensfähiges Baby ausgetragen wird. Es handelt sich um einen Schutzmechanismus der Natur. Darauf Einfluss nehmen oder dieser Fehlgeburt sogar vorbeugen kann man nicht.

Medizinischen Ursachen für Fehlgeburten vorbeugen

Am häufigsten sind nicht vorbeugbare Chromosomen- und Entwicklungsstörungen beim Embryo der Grund für Fehlgeburten. Wenn bei einer Frau bereits zwei oder mehr Fehlgeburten vorliegen, macht es Sinn, sich verschiedenen Untersuchungen zu unterziehen. Denn wenn eine Vorerkrankung für die Fehlgeburten verantwortlich ist und festgestellt wurde, kann man einer weiteren Fehlgeburt eventuell vorbeugen, wenn diese Vorerkrankung behandelt wurde. Infrage kommen:

Manchmal kann einfach keine körperliche Ursache für eine Fehlgeburt gefunden und dementsprechend nicht vorgebeugt werden.

Fehlgeburt vorbeugen mit Magnesium?

Magnesium hat eine muskelentspannende und krampflösende Wirkung. Schwangere und stillende Frauen haben einen erhöhten Bedarf an Magnesium. Dieser Bedarf nimmt im Laufe der Schwangerschaft noch zu. Ein Magnesium-Präparat wird Schwangeren häufig vorbeugend vom Arzt empfohlen, wenn ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten oder Fehlgeburten besteht.

Grundsätzlich sollten Schwangere darauf achten, dass sie ausreichend Magnesium zu sich nehmen. Denn ein andauernder, hoher Magnesiummangel kann zu einer verzögerten Entwicklung des Fötus oder vorzeitiger Wehentätigkeit führen.

Fehlgeburt vorbeugen mit Folsäure?

Auch Folsäure ist ein wichtiger Nährstoff insbesondere in der Schwangerschaft. Folsäure (oder Folat) ist besonders essentiell für die Zellteilung, das Zellwachstum und die Blutbildung. Frauen haben durch die zahlreichen Wachstumsprozesse in der Schwangerschaft einen erhöhten Folsäure-Bedarf. Zwar haben Studien gezeigt, dass durch die rechtzeitige Einnahme von Folsäure-Präparaten – am besten schon vor Beginn der Schwangerschaft – Fehlbildungen vorbeugen kann. Ob man mit Folsäure aber auch direkt Fehlgeburten vorbeugen kann, ist bislang nicht erwiesen.

Der Lebensstil kann bei der Vorbeugung einer Fehlgeburt eine Rolle spielen

Natürlich kann jede Schwangere sich so verhalten und ihren Lebensstil so anpassen, dass die Risiken einer Fehlgeburt möglichst minimiert werden. Dazu gehört vor allem der Verzicht auf illegale oder legale Drogen wie Alkohol und Zigaretten oder Medikamente. Eine dänische Studie aus dem Jahr 2014 ergab, dass Alkohol trinkende Schwangere neun Prozent aller Fehlgeburten in Dänemark in den Jahren 1996 bis 2002 erlitten. Auch Raucherinnen haben ein erhöhtes Fehlgeburtenrisiko.

Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung ist in der Schwangerschaft ohnehin wichtig. Diäten sind während der Schwangerschaft tabu. Leichte körperliche Bewegung und Sport sind in der Schwangerschaft durchaus erlaubt. Gut eignen sich (Nordic) Walking, langsames Joggen, Schwimmen oder Yoga. Bewegung hilft auch, Verspannungen zu lockern, Rückenschmerzen vorzubeugen und den Kopf frei zu bekommen. Erschütterungen wie sie beim Tennis oder Squash auftreten sowie Leichtathletik eignen sich nicht so gut für die Schwangerschaft.

Da Scheideninfektionen nicht ungefährlich für das ungeborene Kind sind, ist es wichtig, auch in der Schwangerschaft regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen zu gehen. Treten Symptome wie Brennen, Jucken, vermehrter, oft gelblicher, Ausfluss oder Geruch auf, sollte sobald wie möglich ein Arzt aufgesucht werden.

Wer am Arbeitsplatz besonderer Belastung oder Stress ausgesetzt ist, für den gilt eventuell ein allgemeines oder individuelles Beschäftigungsverbot. Das gilt besonders für Schwangere, die an ihrer Arbeit körperlich arbeiten oder tragen müssen oder gesundheitsschädlichen Stoffen wie Dämpfen oder Gasen ausgesetzt sind.

Stress ist ein unterschätzter Risikofaktor

Unter Stress im beruflichen und/oder privaten Bereich leiden viele Menschen. Auch Schwangere sind davor nicht gefeit. Ständiger (chronischer) Stress in der Schwangerschaft kann erwiesenermaßen im Körper zu Störungen führen. Vor allem der Hormonhaushalt kommt unter chronischem Stress durcheinander. Während einer Schwangerschaft greifen jedoch komplizierte und empfindliche hormonelle Prozesse ineinander. Ihr natürliches Gleichgewicht ist zur Aufrechterhaltung der Schwangerschaft und für das Wachstum des Babys enorm wichtig.

Seelischer oder körperlicher Stress bewirkt im Körper zum Beispiel die Ausschüttung des "Stresshormons" Kortisol. Kortisol bewirkt unter anderem einen Rückgang des Hormons Progesteron. Progesteron ist aber für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft enorm wichtig. Da Stresshormone gefäßverengend wirken, beeinflussen sie auch die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Kindes. Die Reduzierung von Stress und chronischer Belastung ist also enorm wichtig für die Schwangerschaft und die Gesundheit des Kindes.

Übrigens – manche Frauen steigern sich auch in die Angst vor einer Fehlgeburt hinein. Das betrifft oft Frauen, die bereits eine Fehlgeburt durchgemacht haben. Verständlich, dass man so etwas nicht wieder erleben möchte. Hier empfiehlt sich bewusste Entspannung und auch ein Anerkennen der eigenen Ängste. Vielleicht gibt es jemanden aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis, mit dem man darüber sprechen kann. Denn das Bewusstmachen der Angstmechanismen im Gespräch mit anderen kann helfen, die eigenen Ängste besser einzuordnen und damit umzugehen.

Fehlgeburt vorbeugen: Alter spielt wahrscheinlich eine Rolle

Je älter eine Schwangere ist, desto höher ist stastisch gesehen ihr Fehlgeburtsrisiko. Frauen, die während ihrer Schwangerschaft älter als 35 Jahre sind, werden pro forma als Risikoschwangere eingestuft. Das heißt natürlich nicht, dass eine Fehlgeburt auch wirklich eintrifft. Der Lebensstil spielt bei der Vorbeugung einer Fehlgeburt eine Rolle. Ältere Schwangere achten häufig besonders gut auf sich und ihr ungeborenes Baby. Sie ernähren sich gesund, verzichten auf Alkohol, Zigaretten und andere Stoffe, die der Schwangerschaft schaden könnten.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 13. Dezember 2017
Quellen: Briggs, G. G. Bpharm, FCCP, Nageotte, M., M.D.: Diseases, Complications and Drug Therapy in Obstetrics. American Society of Health-System Pharmacists, Bethesda 2009; Höfer, S., Scholz, Dr. med. A.: Meine Schwangerschaft. Gräfe und Unzer, München 2014; Studie: Lebensstil erklärt ein Viertel aller Fehlgeburten. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/57679/Studie-Lebensstil-erklaert-ein-Viertel-aller-Fehlgeburten (Februar 2014)

Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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