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Gefährlich in der Schwangerschaft

Listeriose: Symptome und Übertragung von Listerien

Autor: Yvonne Leupold, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 12. Oktober 2018

Die Infektionskrankheit Listeriose trifft in der Regel nur Menschen mit schwachem Immunsystem. Sie kann in der Schwangerschaft für den Fötus oder ein neugeborenes Kind gefährlich werden. Schwangere zeigen häufig grippeähnliche Symptome, während die Infektion ansonsten nur sehr schwache oder gar keine Beschwerden verursacht. Die Therapie erfolgt mit Antibiotika.

Listeriose
Um einer Infektion mit Listeriose bzw. mit Listerien zu vermeiden, sollte auch Salat immer gründlich gewaschen werden - vor allem während der Schwangerschaft
© iStock.com/KatarzynaBialasiewicz

Die Listeriose ist eine seltene, weltweit verbreitete Infektionskrankheit. Sie wird durch Bakterien der Gattung Listeria, bei uns eher bekannt als Listerien, ausgelöst. Listerien können in verschiedenen Lebensmitteln vorkommen und werden meist darüber aufgenommen.

In diesem Artikel lesen Sie:

Was sollte man in der Schwangerschaft nicht essen?

Verbreitung und Vorkommen von Listerien

Aufgrund der weiten Verbreitung von Listerien ist der Mensch ihnen beinahe täglich ausgesetzt. Die Infektion führt bei gesunden Erwachsenen in den meisten Fällen jedoch nicht zur Erkrankung, da ein funktionsfähiges Immunsystem die Bakterien sehr schnell beseitigt. So erkrankten im Jahr 2014 in Deutschland nur 608 Menschen an Listeriose.

Ist das Immunsystem eines Menschen aber geschwächt, kann sich eine Listeriose entwickeln. Diese kann teilweise sogar lebensbedrohlich sein. Die Beschwerden reichen von leichtem Fieber und Kopfschmerzen bis hin zu einer Blutvergiftung (Sepsis) und einer Entzündung der Hirnhäute (Meningitis). In Deutschland sind vor allem ältere Menschen über 50 Jahre mit einer Grunderkrankung betroffen. Durchschnittlich 10 Prozent aller Erkrankten sind Schwangere.

Ursachen einer Listeriose

Die Listeriose ist auf eine Infektion mit Listerien zurückzuführen. Es handelt sich um sehr widerstandsfähige Bakterien, die sich bei Temperaturen zwischen -0,4 und +45 Grad Celsius, also auch bei Kühlschranktemperaturen, vermehren können.

Listerien können praktisch überall in der Umwelt überleben. Sie kommen im Erdboden, auf Pflanzen und in Abwässern sowie in der Landwirtschaft vor. Oft befallen sie auch Tiere, wobei eine häufige Quelle das Tierfutter (aus Futtersilos) ist.

Der Mensch nimmt die Bakterien vor allem durch den Verzehr verunreinigter pflanzlicher und tierischer Lebensmittel auf. Zu ihnen zählen ungewaschene Salate, Rohmilchprodukte und Rohwurstprodukte wie Mett-, Teewurst und Salami. Auch Milchprodukte wie Käse, insbesondere die Käserinde, können Listerien enthalten.

Während der Schwangerschaft ist auch das ungeborene Kind gefährdet. Die Listerien können das Kind sowohl über den Blutkreislauf der Mutter als auch über den Geburtskanal (auch während der Geburt) erreichen. Zwischen der Aufnahme der Bakterien und dem Auftreten erster Beschwerden (Inkubationszeit) vergehen zwischen drei und 70 Tage (durchschnittlich drei Wochen).

Symptome einer Listeriose

Die Symptome der Listeriose sind vor allem abhängig vom Immunsystem der Betroffenen und der Menge der aufgenommen Bakterien (Infektionsdosis). Bei einem gesunden Erwachsenen treten meist keine Beschwerden auf, sodass die Infektion häufig unentdeckt bleibt. Selten bemerken die Betroffenen leichtes Fieber.

Nach Hautkontakt mit listerienhaltiger Erde oder infizierten Tieren können an der Kontaktstelle kleine Pusteln entstehen.

Eine größere Rolle spielt die Listeriose für abwehrgeschwächte Menschen wie:

Listeriose in der Schwangerschaft

Für Schwangere und ihr ungeborenes Kind ist die Listeriose besonders gefährlich. Die schwangeren Frauen können neben grippeähnlichen Beschwerden auch eine Blasenentzündung und vorzeitige Wehen entwickeln. Oft verläuft eine Infektion mit Listerien in der Schwangerschaft aber auch völlig symptomfrei oder mit unauffälligen, kaum zuordbaren Symptomen.

Hat sich das Kind im Mutterleib infiziert, kann es zu einer Fehlgeburt, Frühgeburt oder Totgeburt kommen. Lebende Neugeborene sind häufig in einem sehr schlechten Zustand, da sie den Listerien ohne ein funktionsfähiges Immunsystem schutzlos ausgeliefert waren. Sie sind benommen und leiden hauptsächlich an Atemnot, Erbrechen, Krämpfen und zahlreichen Haut- und Schleimhautgeschwüren. In über 50 Prozent der Fälle versterben sie meist noch innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt. Im Überlebensfall können geistige Entwicklungsstörungen auftreten.

Diagnose einer Listeriose

Erste Hinweise auf eine Listeriose gewinnt der Arzt aus der ausführlichen Befragung des Betroffenen zur Krankheitsgeschichte und zu den aktuellen Beschwerden (Anamnese). Die anschließende körperliche Untersuchung kann weitere Anhaltspunkte für eine Listeriose liefern. Da sich hinter den Beschwerden aber auch zahlreiche andere Infektionskrankheiten verbergen können, ist der Arzt bei der Diagnose auf zusätzliche Laboruntersuchungen angewiesen.

Listerien lassen sich in verschiedenen Körpersäften und -ausscheidungen wie Hirnflüssigkeit (Liquor), Blut, Magensaft, Fruchtwasser, Mekonium (erster Stuhl eines Neugeborenen, auch "Kindspech") und dem Rachenabstrich nachweisen. In manchen Fällen erkennt der Arzt bereits unter dem Mikroskop kurze, stäbchenförmige Bakterien. Sichern lässt sich die Diagnose einer Listeriose allerdings nur durch eine Anzüchtung der Listerien auf speziellen Nährböden (Kultur).

Therapie einer Listeriose

Die Listeriose wird mit Antibiotika behandelt. Kombiniert werden Amoxicillin und Gentamycin. Bleibt die Heilung aus, erfolgt ein zweiter Versuch mit Cotrimoxazol. In Frage kommen weiterhin Chloramphenicol, Makrolide und Vancomycin. Eine ausreichend lange Therapie über mindestens 14 Tage ist unbedingt empfehlenswert. Da die eindeutige Diagnose einer Listeriose einige Tage in Anspruch nimmt, wird die Therapie häufig erst zeitlich verzögert aufgenommen. Lässt sich ein ernsthafter Verlauf erkennen, kann mit der Therapie auch schon bei dem Verdacht auf eine Listeriose begonnen werden, um die Chancen auf eine Heilung zu verbessern.

Verlauf der Listeriose

Der Verlauf einer Listeriose ist abhängig vom Immunsystem des Betroffenen. Ein funktionsfähiges Immunsystem schützt meist vor einer ernsthaften Erkrankung. Die Infektion wird unbemerkt bekämpft. Auch Schwangere erholen sich meist relativ schnell.

Menschen mit einem deutlich geschwächten Immunsystem hingegen können ernsthafte Beschwerden wie eine Blutvergiftung und eine Hirnhautentzündung (Meningitis) entwickeln. In fortgeschrittenen Fällen versterben bis zu 30 Prozent der Betroffenen, Neugeborene sogar in über 50 Prozent.

Wie kann man einer Listeriose vorbeugen?

Eine Impfung gegen Listerien gibt es bis heute nicht. Da die Bakterien aber sehr empfindlich auf Hitze reagieren, spielt die Verarbeitung der Lebensmittel eine besondere Rolle, um einer Listeriose vorzubeugen. Jegliches Erhitzen beispielsweise in Form von Kochen, Braten oder Pasteurisieren tötet die Listerien ab. Es genügen häufig schon zwei Minuten bei Temperaturen über 60 Grad Celsius. Zudem ist zu empfehlen, sich vor dem Kochen die Hände zu waschen. Lebensmittel, die nicht weiter verarbeitet werden, sollten nicht zusammen mit Fleisch gelagert werden. Man sollte sie auch nicht auf derselben Arbeitsfläche zubereiten.

Besonders für Schwangere ist es empfehlenswert, weder Rohmilch, Rohmilcherzeugnisse, Weichkäse, rohes oder halbrohes Fleisch noch rohen oder halbrohen Fisch zu verzehren. Salate, Obst und Gemüse sollten immer gründlich gewaschen werden. Auch vakuumverpackte Lebensmittel wie Räucherlachs können Listerien enthalten und sollten gemieden werden. Vorgeschnittene und -gewaschene Salate sind in der Schwangerschaft ebenfalls nicht ratsam.

Bei der Gartenarbeit empfiehlt es sich insbesondere für Schwangere, Handschuhe zu tragen. Der enge Kontakt zu Nutz- und Haustieren sollte möglichst gemieden werden oder zumindest sollten die Hände und sonstigen Kontaktstellen danach gründlich gereinigt werden.

Listeriose gehört zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten.

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Die häufigsten Fragen zur Listeriose und Listerien

Was sind Listerien?

Listerien sind Bakterien der Gattung Listeria, die für den Menschen gefährlich werden können. Für den Menschen pathogen (krankmachend) ist nur die Gattung Listeria monocytogenes. Die ist eine seltene Erkrankung, verläuft bei gesunden Erwachsenen normalerweise harmlos, kann aber für Kleinkinder, alte und geschwächte Menschen und Schwangere lebensgefährlich verlaufen.

Wie steckt man sich an Listeriose an?

Sie stecken sich an Listeriose an, wenn Sie Lebensmittel essen, in denen der Erreger zu finden ist. Listerien sind in Rohmilchprodukten zu finden und reichern sich besonders in der Rinde von Weichkäsen (z. B. Romadur, Limburger) und Schimmelkäse (Blau- und Weißschimmelkäse) an. Dabei ist ausschließlich die Rinde betroffen, da Listerien ein alkalisches Milieu benötigen, das hier während der Reifung entsteht. Die Bakterien wurden auch auf natürlich gedüngtem Gemüse und Salat gefunden.

Welche Lebensmittel sind am gefährlichsten?

Listerien finden sich insbesondere in Rohmilch und Rohmilchprodukten, aber auch in gekochten Lebensmitteln, die mit rohen in Kontakt waren oder / und unhygienisch zubereitet wurden. Einmal aufgetautes und wieder gekühlte Lebensmittel können gefährlich sein, sofern sie vor dem Essen nicht noch einmal erhitzt werden.

Können Listeriose-Erreger den Kühlschrank überleben?

Ja. Der Erreger der Listeriose kann sowohl die Temperatur im Kühlschrank aber auch die im Eisfach überleben. Daher sollten Sie auch gekühlte und tiefgefrorene Reste erhitzen.

Kann man die Listeriose-Erreger riechen oder sehen?

Nein. Man kann die Listeriose-Erreger weder riechen noch sehen.

Was tun die Lebensmittelhersteller, um die Konsumenten zu schützen?

Lebensmittelhersteller sind bemüht ihre Produkte hygienisch herzustellen, um eine Listerienansteckung zu vermeiden. Hersteller von Rohmilchprodukten lassen ihre Produkte zusätzlich prüfen, um zu gewährleisten, dass ihre Produkte nicht mit Listerien verunreinigt sind.

Was kann man gegen die Ansteckungsgefahr tun?

Durch Erhitzen der Lebensmittel auf 70 Grad Celsius werden Listerien abgetötet.

Was können wir tun, um eine Listerien Ansteckung zu vermeiden?

Um eine Listeriose Ansteckung zu vermeiden, verwenden Sie Milch nur abgekocht oder pasteurisiert, essen Sie durchgegartes Fleisch und waschen Sie das Gemüse und den Salat sorgfältig. Das gilt insbesondere für Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Stillende sowie immungeschwächte Personen.

Wie sind die Lebensmittelvorschriften?

Nach den geltenden deutschen Rechtsvorschriften muss die Milch zur Herstellung von Frischkäse, Sauermilchkäse und Weichkäse wärmebehandelt sein, während für alle anderen Käse eine Wärmebehandlung der Milch nicht vorgeschrieben, aber gebräuchlich ist. Weichkäse darf nur dann aus Rohmilch hergestellt werden, wenn durch andere Maßnahmen wie Untersuchung der Rohmilch und des fertigen Käses, das Nichtvorhandensein von Krankheitserregern gesichert ist. Allerdings sind Weich- und Frischkäse aufgrund ihres hohen Feuchtigkeitsgehaltes besonders anfällig für Mikroorganismen.

Wie groß ist das Risiko für Listeriose?

In den USA wurden schätzungsweise 1.850 Personen durch Listeriose ernsthaft krank, 425 Menschen starben.
Das Vorkommen von Listeriose-Erkrankungsfällen in Deutschland ist wegen fehlender Daten nur schwer einzuschätzen. In den letzten Jahren wurden 30 bis 40 unter der Geburt erworbene Listeriosefälle pro Jahr durch Meldung erfasst.

Wer ist einem erhöhten Risiko ausgesetzt?

Einem erhöhtem Listeriose-Risiko ausgesetzt sind:

  • Schwangere Frauen: Sie bekommen 20-mal eher Listeriose als andere gesunde Menschen. Zirka ein Drittel der Erkrankungen durch Listeriose ereignen sich während der Schwangerschaft.
  • Neugeborene : Neugeborene erleiden eher als Schwangere die gefährliche Wirkung der Infektion während der Schwangerschaft.
  • Personen, die ein schwaches Immunsystem haben: Menschen mit Krebs, Diabetes oder Nierenkrankheiten, Menschen mit AIDS
    Diese Personen bekommen Listeriose fast 300-mal eher als Menschen mit einem funktionierenden Immunsystem.
  • Menschen die Kortison-Medikamente einnehmen
  • Ältere Personen

Wie gelangt Listeria ins Lebensmittel?

Listeria monocytogenes befindet sich im Boden und im Wasser. Gemüse kann mit dem Erde verunreinigt werden oder durch Jauche, die als Düngemittel verwendet wird. Tiere können das Bakterium in sich tragen, ohne krank zu werden und deshalb können das Fleisch und Molkereiprodukte verunreinigt sein. Das Bakterium hat man in vielen rohen Produkten, wie zum Beispiel ungekochtem Fleisch und Gemüse, wie auch in Lebensmitteln, die nach der Zubereitung verunreinigt wurden, wie zum Beispiel Käse und ausgekühlten Fleischstücken, gefunden.

Werden Listerien durch Pasteurisieren abgetötet?

Ja. Listerien werden durch Pasteurisieren und durch Erhitzen abgetötet. Deshalb sollte zum Beispiel Fleisch auch genügend erhitzt werden.

Wie kann man Listeriose feststellen?

Die sichere Diagnose für Listeriose ist schwierig.
Der Erregernachweis der Listerien im Blut, im Liquor (Hirnflüssigkeit), im Stuhl, im Vaginalsekret und eventuell in Gewebeproben oder (bei Neugeborenen) in Abstrichen von Nabel, Ohr oder aus Mekonium ist anzustreben.

Die serologische Untersuchung, das heißt die Untersuchung der Antikörpertiter, spielt nur eine untergeordnete Rolle.

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Autor: Yvonne Leupold, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 12. Oktober 2018
Quellen

Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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