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Häufiger Erreger von Atemwegsinfektionen

RSV: Besonders für Babys eine Gefahr

Das RS-Virus (RSV) verursacht weltweit Infektionen der oberen und unteren Atemwege. Vor allem Babys und Kleinkinder sind betroffen: Man geht davon aus, dass nahezu alle Kinder bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr eine RSV-Infektion durchgemacht haben. Neue Impfstoffe könnten Neugeborene aber schon bald vor dem Erreger schützen. Alles, was du zu RSV wissen solltest!

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© GettyImages/tatyana_tomsickova

Das RS-Virus (RSV) kommt auf der ganzen Welt vor und ist einer der häufigsten Erreger von Atemwegsinfektionen in der frühen Kindheit. Bis zum zweiten Geburtstag haben fast alle Kinder eine RSV-Erkrankung durchgemacht. Rund ein Drittel muss deshalb in kinderärztliche Behandlung, stationär im Krankenhaus behandelt werden etwa zwei bis drei Prozent aller Fälle.

Der Erreger gehört zur selben Virenfamilie wie jene, die Masern und Mumps hervorrufen. In den ersten Lebensmonaten verläuft die RSV-Infektion oft schwerer. Aber auch Erwachsene können sich mit RSV infizieren.

In unseren Breitengraden dauert die RSV-Saison etwa von November bis März. Im Januar und Februar treten die meisten Erkrankungen auf, ähnlich wie bei der Grippe (Influenza). Vereinzelte Infektionen in den Sommermonaten kommen aber auch vor. Dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge gibt es pro 1.000 Kindern im ersten Lebensjahr knapp 50 RSV-Fälle, bei etwa fünf davon verläuft die Infektion schwer.

Artikel-Inhalte auf einen Blick:

Kinderkrankheiten und ihre typischen Beschwerden

Nachholinfektionen: Coronabedingte RSV-Wellen 2021 und 2022

Im Spätsommer 2021 kam es laut RKI deutlich früher als normalerweise zu einem Anstieg der RSV-Infektionen sowie dadurch bedingter Krankenhauseinweisungen. Expert*innen zufolge war der Grund dafür in den Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie zu suchen. Dadurch waren die Kinder nicht wie normalerweise mit dem RS-Virus in Berührung gekommen. So konnten sie auch keinen Immunschutz gegen den Erreger aufbauen, weshalb die Infektionswelle danach umso heftiger rollte: Es haben zeitgleich zwei Jahrgänge statt nur einem die erste RSV-Infektion des Lebens durchgemacht.

2022 kam es erneut zu einer heftigen RSV-Welle. Gründe dafür sind Fachleuten zufolge die gelockerten oder ganz weggefallenen Regelungen zu Abstand und Maskenpflicht. Auch konnte sich das Virus in seiner eigentlich Saison erfolgreicher verbreiten. 

Ansteckung mit RSV erfolgt über Tröpfchen

RSV wird per Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Nasensekret) übertragen. Auch eine Schmierinfektion ist möglich, zum Beispiel über gemeinsam benutzte Gegenstände, Spielzeug, Türklinken, Wasserhähne. Auf Händen kann das RS-Virus bis zu 20 Minuten infektiös bleiben, auf Gegenständen bis zu mehrere Stunden. Eine besonders gute Hygiene und ausreichendes Lüften ist während der Erkrankungszeit also wichtig, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome, beträgt zwei bis acht Tage.

Ein erhöhtes Risiko für eine Ansteckung haben Frühgeborene, vor allem, wenn sie unter maschineller Beatmung eine Bronchopulmonale Dysplasie (BPD) entwickelt haben. Auch für Babys mit einem geschwächten Immunsystem sowie Kinder mit angeborenen Herzfehlern, Mukoviszidose, neuromuskulären Erkrankungen oder Asthma besteht ein höheres Risiko, sich mit dem RS-Virus anzustecken.

Eine RSV-Infektion kann ohne Beschwerden verlaufen und damit nicht bemerkt werden. Das ist häufig bei Erwachsenen und älteren Kindern der Fall. Auch, wenn keine Symptome auftreten, sind infizierte Personen während dieser Zeit trotzdem unwissend ansteckend, was einer der Gründe für die relativ weite Verbreitung des RS-Virus sein dürfte.

Corona-Impfung: Auch für Schwangere und Kinder?

Wie lange ist RSV ansteckend?

Das RS-Virus ist hochansteckend. Nach der Ansteckung mit dem RSV dauert es zwischen zwei und acht Tagen, bis die Erkrankung ausbricht (Inkubationszeit) und sich Symptome zeigen. Bereits ab etwa einem Tag nach der Ansteckung kann das RS-Virus jedoch weiter verbreitet werden, etwa über Speichel.

In der Regel beträgt die Dauer der Ansteckungsfähigkeit drei bis acht Tage. Frühgeborene, Neugeborene oder Personen mit einem nicht intakten Immunsystem können das RS-Virus noch weit darüber hinaus ausscheiden – bis zu mehrere Monate lang.

Es empfiehlt sich eine räumliche Trennung von anderen Familienmitgliedern, sobald die Erkrankung ausgebrochen ist. Da Viren besonders leicht über die Hände weitergegeben werden können (Hand-Mund-Infektion), ist häufiges und gründliches Händewaschen oder Händedesinfektion vor allem für die Eltern von infizierten Kindern wichtig.

Symptome der RS-Virusinfektion

Die Symptome des RSV gleichen denen einer Erkältung oder Atemwegserkrankung. Auftreten können:

Hat sich der Körper zum ersten Mal mit dem RS-Virus infiziert, zeigen sich die genannten Symptome deutlich. Es geht meist mit Schnupfen, Halskratzen und Husten ohne Auswurf los, eventuell mit Fieber. Nach ein bis drei Tagen können auch die unteren Atemwege (Bronchien) betroffen sein, der Husten wird stärker und es zeigt sich Auswurf. Bei ansonsten gesunden Erwachsenen sowie älteren Kindern sind die Symptome des RS-Virus meist mild bis beschwerdefrei.

Husten beim Baby: Das kannst du selbst tun

Frühchen und Kinder mit Vorerkrankungen der Atemwege sowie generell Personen mit Vorerkrankungen des Herzens oder der Lunge oder einem schwächeren Immunsystem haben ein gewisses Risiko, einen schweren Verlauf zu entwickeln. Dazu gehören vor allem Empfänger von Organtransplantaten. Bei ihnen kann sich aufgrund des medikamentös unterdrückten Immunsystems durch das RS-Virus eine schwere Lungenentzündung entwickeln.

Bei Personen mit Vorerkrankungen des Herzens oder der Atemwege (zum Beispiel Asthma) kommt es durch das RS-Virus häufig zu einer Verschlechterung dieser Vorerkrankung.

Diagnose von RSV

Um ein RS-Virus sicher diagnostizieren zu können, ist ein Abstrich des Erregers aus dem Nasenrachensekret notwendig. Dieser wird dann im Labor untersucht.

Therapie der RSV-Infektion

Normalerweise klingen RSV-Infektionen innerhalb weniger Tage von allein wieder ab, sodass die Behandlung in der Linderung der Symptome besteht. Eine Therapie mit dem Virustatikum Ribavirin wird heute eigentlich nicht mehr empfohlen, weil die Wirksamkeit in Studien nicht ausreichend belegt werden konnte. Auch Kortison – früher genau wie Ribavirin per Inhalation verabreicht – wird nicht mehr gegeben. Manche Ärzte verordnen das entzündungshemmende Kortison zur Linderung der akuten Symptome. Die systemische Anwendung von Kortison bei RSV kommt aber nicht mehr so häufig zur Anwendung.

Antibiotika sind gegen das RS-Virus unwirksam, da sie nur gegen Bakterien helfen. Eine Superinfektion, also eine zusätzliche Infektion mit Bakterien, kommt bei RSV eher selten vor.

RSV-Behandlung bei Babys und Kindern

Auch bei Baby und Kind wird das RS-Virus symptombezogen behandelt. Achte auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr, damit sich der Schleim besser lösen kann. Wenn du stillst, versuche, dein Baby weiterhin regelmäßig anzulegen. Dein*e Arzt*Ärztin wird deinem Kind eventuell ein Nasenspray verschreiben. Wenn du das Gefühl hast, dass sich der Zustand deines Babys verschlechtert, zögere bitte nicht, wieder die Praxis aufzusuchen.

Manchmal ist bei Babys und Kindern auch eine Atemunterstützung in Form von Sauerstoff oder Beatmung notwendig. Die Behandlung erfolgt dann im Krankenhaus. Das gilt besonders für Frühchen und Kinder mit einer Vorerkrankung oder geschwächten Immunabwehr. Zur Unterstützung der Atemfunktion können auch bronchienerweiternde Medikamente (Bronchodilatatoren) verabreicht werden.

Langzeitfolgen der RSV-Infektion

Üblicherweise verläuft eine Infektion mit dem RS-Virus bei ansonsten gesunden Menschen ohne Folgeschäden: Die akuten Beschwerden geben sich nach spätestens ein bis zwei Wochen wieder. Das Gewebe in den Bronchien hat sich innerhalb von vier bis acht Wochen nach dem Beginn der Erkrankung wieder vollständig erholt. Bei schweren Verläufen kann die Regenerationszeit entsprechend länger dauern.

Vorbeugen: Hygiene ist wichtig

Neugeborene Babys haben unter Umständen in ihren ersten vier bis sechs Lebenswochen einen gewissen "Nestschutz" über plazentar übertragene Antikörper. Diesen Schutz haben Frühchen in der Regel nicht, weil sie ungenügend mit den mütterlichen Antikörpern versorgt wurden. Deshalb verlaufen die Erkrankungen Frühgeborener eher schwer als die Reifgeborener.

Um einer Ansteckung mit dem RS-Virus vorzubeugen, sollte auf einen hygienischen Umgang – besonders in der RSV-Saison in den Wintermonaten – geachtet werden:

  • regelmäßiges Händewaschen
  • regelmäßiges Reinigen von Türgriffen, Spielzeug, etc.
  • häufiges Lüften

Innerhalb der Familie ist häufiges Reinigen möglicher kontaminierter Gegenstände und Oberflächen, vor allem Türklinken, Wasserhähne, Spielzeug, enorm wichtig, vor allem, wenn sich weitere Kinder im Haushalt befinden. Wasche dir sich immer, wenn du mit Sekreten deines Kindes in Kontakt gekommen bist, sorgfältig die Hände.

Du selbst steckst dich möglicherweise nicht an, kannst das RS-Virus aber weitergeben. Bring deinen Kindern möglichst frühzeitig hygienisches Husten oder Niesen (in die Armbeuge oder ein Taschentuch, Wegdrehen von anderen Personen, Verwenden von Einmaltaschentüchern, Händewaschen) bei. Kranke Babys und Kinder sollten keine Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten, Tagesmutter oder Krabbelgruppen besuchen.

Gibt es eine Impfung gegen das RS-Virus?

Eine einmal durchgemachte Infektion gewährt keinen Schutz vor dem Virus – man kann immer wieder daran erkranken, sogar innerhalb einer "Saison". Bislang gibt es keine standardmäßige Impfung gegen das RS-Virus.

Für besonders gefährdete Babys und Kleinkinder (Frühgeburten, chronische Lungenerkrankungen, angeborenen Herzfehlern, Immundefekte, bestimmte Chromosomenstörungen) steht eine sogenannte passive Impfung bereit. Es wird eine Immunisierung in fünf Einzeldosen während der RSV-Saison zwischen November und März empfohlen. Die Impfung erfolgt während dieser Zeit alle vier Wochen und ist nach der zweiten Dosis wirksam.

Neue RSV-Impfstoffe könnten bald alle Babys schützen

Eine Impfung auch für reif geborene Babys wurde inzwischen ebenfalls auf den Weg gebracht: Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt, den Impfstoff Nirsevimab von Sanofi und Astra-Zeneca zuzulassen. In einer Studie mit fast 1.500 Kindern konnte die RSV-Impfung das Auftreten behandlungsbedürftiger Infektionen um knapp 75 Prozent reduzieren.

Auch der US-Konzern Pfizer hat einen RSV-Impfstoff entwickelt, der sich aktuell noch in der Erprobungsphase befindet. Erste Studien sind aber vielversprechend: Demnach gewährte das Serum namens RSVpreF 82-prozentigen Schutz vor einer schweren RSV-Infektion bei Neugeborenen. Der Impfstoff wird der werdenden Mutter verabreicht. Pfizer möchte noch 2022 eine Zulassung für das Vakzin bei der US-Behörde FDA (Food and Drug Administration) beantragen.

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