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Potenziell gefährlich

RSV: Häufiger Auslöser von Atemwegserkrankungen bei Baby und Kleinkind

Das RS-Virus (RSV) verursacht weltweit Infektionen der oberen und unteren Atemwege. Vor allem Babys und Kleinkinder sind betroffen. Man geht davon aus, dass nahezu alle Kinder bis zu ihrem zweiten Lebensjahr eine RSV-Infektion durchgemacht haben.

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© GettyImages/Westend61

Das RS-Virus (RSV) kommt auf der ganzen Welt vor und ist einer der häufigsten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Babys und Kleinkindern. Der Erreger gehört zur selben Virenfamilie wie jene, die Masern und Mumps hervorrufen. In den ersten Lebensmonaten verläuft die RS-Infektion oft schwerer. Aber auch Erwachsene können sich mit RSV infizieren.

Artikel-Inhalte auf einen Blick:

Kinderkrankheiten und ihre typischen Beschwerden

In unseren Breitengraden liegt die RSV-Haupterkrankungszeit in den Wintermonaten bis ins Frühjahr hinein, etwa von November bis April. Im Januar und Februar treten die meisten Erkrankungen auf, ähnlich wie bei der Grippe (Influenza). Vereinzelte Infektionen in den Sommermonaten gibt es aber auch.

Coronabedingte Häufung der RSV-Fälle

Im Spätsommer 2021 kam es deutlich verfrüht zu einem Anstieg der RSV-Infektionen sowie dadurch bedingter Krankenhauseinweisungen, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtet. In Kalenderwoche 37 lag die RSV-Rate doppelt so hoch wie sonst um diese Jahreszeit. Auch aus Israel, den USA, Australien und Japan kamen Meldungen, dass die Infektionszahlen im Sommer weit über dem Normalniveau gelegen hatten.

Expert*innen zufolge ist der Grund dafür in den Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie zu suchen: Dadurch sind die Kinder nicht wie normalerweise mit dem RS-Virus in Berührung gekommen. So konnten sie auch keinen Immunschutz gegen den Erreger aufbauen, weshalb die Infektionswelle nun umso heftiger heranrollt.

Die Bedeutung von RSV als Verursacher von Atemwegsinfektionen ist nicht unerheblich: Man geht davon aus, dass nahezu alle Babys und Kleinkinder bis zu ihrem zweiten Lebensjahr mindestens ein Mal an RSV erkrankt sind. Eine einmal durchgemachte Infektion gewährt keinen Schutz vor dem Virus – man kann immer wieder daran erkranken, sogar innerhalb einer "Saison".

Ansteckung mit RSV erfolgt über Tröpfchen

RSV wird per Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Nasensekret) übertragen. Auch eine Schmierinfektion ist möglich, zum Beispiel über gemeinsam benutzte Gegenstände, Spielzeug, Türklinken, Wasserhähne. Auf Händen kann das RS-Virus bis zu 20 Minuten infektiös bleiben, auf Gegenständen bis zu mehrere Stunden. Eine besonders gute Hygiene und ausreichendes Lüften ist während der Erkrankungszeit also wichtig, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome, beträgt zwei bis acht Tage.

Ein erhöhtes Risiko für eine Ansteckung haben Frühgeborene, vor allem, wenn sie unter maschineller Beatmung eine Bronchopulmonale Dysplasie (BPD) entwickelt haben. Auch für Babys mit einem geschwächten Immunsystem sowie Kinder mit angeborenen Herzfehlern, Mukoviszidose, neuromuskulären Erkrankungen oder Asthma besteht ein höheres Risiko, sich mit dem RS-Virus anzustecken.

Eine RSV-Infektion kann ohne Beschwerden verlaufen und damit nicht bemerkt werden. Das ist häufig bei Erwachsenen und älteren Kindern der Fall. Auch, wenn keine Symptome auftreten, sind infizierte Personen während dieser Zeit trotzdem unwissend ansteckend, was einer der Gründe für die relativ weite Verbreitung des RS-Virus sein dürfte.

Corona-Impfung: Auch für Schwangere und Kinder?

Wie lange ist RSV ansteckend?

Das RS-Virus ist hochansteckend. Nach der Ansteckung mit dem RSV dauert es zwischen zwei und acht Tagen, bis die Erkrankung ausbricht (Inkubationszeit) und sich Symptome zeigen. Bereits ab etwa einem Tag nach der Ansteckung kann das RS-Virus jedoch weiter verbreitet werden, etwa über Speichel. In der Regel beträgt die Dauer der Ansteckungsfähigkeit drei bis acht Tage. Frühgeborene, Neugeborene oder Personen mit einem nicht intakten Immunsystem können das RS-Virus noch weit darüber hinaus ausscheiden – bis zu mehrere Monate lang.

Es empfiehlt sich eine räumliche Trennung von anderen Familienmitgliedern, sobald die Erkrankung ausgebrochen ist. Da Viren besonders leicht über die Hände weitergegeben werden können (Hand-Mund-Infektion), ist häufiges und gründliches Händewaschen oder Händedesinfektion vor allem für die Eltern von infizierten Kindern wichtig.

Symptome der RS-Virusinfektion

Die Symptome des RSV gleichen denen einer Erkältung oder Atemwegserkrankung. Auftreten können:

Hat sich der Körper zum ersten Mal mit dem RS-Virus infiziert, zeigen sich die genannten Symptome deutlich. Es geht meist mit Schnupfen, Halskratzen und Husten ohne Auswurf los, eventuell mit Fieber. Nach ein bis drei Tagen können auch die unteren Atemwege (Bronchien) betroffen sein, der Husten wird stärker und es zeigt sich Auswurf. Bei ansonsten gesunden Erwachsenen sowie älteren Kindern sind die Symptome des RS-Virus meist mild bis beschwerdefrei.

Husten beim Baby: Das können Sie selbst tun

Frühchen und Kinder mit Vorerkrankungen der Atemwege sowie generell Personen mit Vorerkrankungen des Herzens oder der Lunge oder einem schwächeren Immunsystem haben ein gewisses Risiko, einen schweren Verlauf zu entwickeln. Dazu gehören vor allem Empfänger von Organtransplantaten. Bei ihnen kann sich aufgrund des medikamentös unterdrückten Immunsystems durch das RS-Virus eine schwere Lungenentzündung entwickeln.

Bei Personen mit Vorerkrankungen des Herzens oder der Atemwege (zum Beispiel Asthma) kommt es durch das RS-Virus häufig zu einer Verschlechterung dieser Vorerkrankung.

Diagnose von RSV

Um ein RS-Virus sicher diagnostizieren zu können, ist ein Abstrich des Erregers aus dem Nasenrachensekret notwendig. Dieser wird dann im Labor untersucht.

Therapie der RSV-Infektion

Normalerweise klingen RSV-Infektionen innerhalb weniger Tage von allein wieder ab, sodass die Behandlung in der Linderung der Symptome besteht. Eine Therapie mit dem Virustatikum Ribavirin wird heute eigentlich nicht mehr empfohlen, weil die Wirksamkeit in Studien nicht ausreichend belegt werden konnte. Auch Kortison – früher genau wie Ribavirin per Inhalation verabreicht – wird nicht mehr gegeben. Manche Ärzte verordnen das entzündungshemmende Kortison zur Linderung der akuten Symptome. Die systemische Anwendung von Kortison bei RSV kommt aber nicht mehr so häufig zur Anwendung.

Antibiotika sind gegen das RS-Virus unwirksam, da sie nur gegen Bakterien helfen. Eine Superinfektion, also eine zusätzliche Infektion mit Bakterien, kommt bei RSV eher selten vor.

RSV-Behandlung bei Babys und Kindern

Auch bei Baby und Kind wird das RS-Virus symptombezogen behandelt. Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, damit sich der Schleim besser lösen kann. Wenn Sie stillen, versuchen Sie, Ihr Baby weiterhin regelmäßig zu stillen. Ihr Arzt wird Ihrem Kind eventuell ein Nasenspray verschreiben. Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich der Zustand Ihres Babys verschlechtert, zögern Sie nicht, wieder den Arzt aufzusuchen.

Manchmal ist bei Babys und Kindern auch eine Atemunterstützung in Form von Sauerstoff oder Beatmung notwendig. Die Behandlung erfolgt dann im Krankenhaus. Das gilt besonders für Frühchen und Kinder mit einer Vorerkrankung oder geschwächten Immunabwehr. Zur Unterstützung der Atemfunktion können auch bronchienerweiternde Medikamente (Bronchodilatatoren) verabreicht werden.

Langzeitfolgen der RSV-Infektion

Üblicherweise verläuft eine Infektion mit dem RS-Virus bei ansonsten gesunden Menschen ohne Folgeschäden: Die akuten Beschwerden geben sich nach spätestens ein bis zwei Wochen wieder. Das Gewebe in den Bronchien hat sich innerhalb von vier bis acht Wochen nach dem Beginn der Erkrankung wieder vollständig erholt. Bei schweren Verläufen kann die Regenerationszeit entsprechend länger dauern.

Vorbeugen: Hygiene ist wichtig

Neugeborene Babys haben unter Umständen in ihren ersten vier bis sechs Lebenswochen einen gewissen "Nestschutz" über plazentar übertragene Antikörper. Diesen Schutz haben Frühchen in der Regel nicht, weil sie ungenügend mit den mütterlichen Antikörpern versorgt wurden. Deshalb verlaufen die Erkrankungen Frühgeborener eher schwer als die Reifgeborener.

Um einer Ansteckung mit dem RS-Virus vorzubeugen, sollte auf einen hygienischen Umgang – besonders in der RSV-Saison in den Wintermonaten – geachtet werden:

  • regelmäßiges Händewaschen
  • regelmäßiges Reinigen von Türgriffen, Spielzeug, etc.
  • häufiges Lüften

Innerhalb der Familie ist häufiges Reinigen möglicher kontaminierter Gegenstände und Oberflächen, vor allem Türklinken, Wasserhähne, Spielzeug, enorm wichtig, vor allem, wenn sich weitere Kinder im Haushalt befinden. Waschen Sie sich immer, wenn Sie mit Sekreten Ihres Kindes in Kontakt kamen, sorgfältig die Hände. Sie selbst stecken Sich möglicherweise nicht an, können das RS-Virus aber weitergeben. Bringen Sie Ihren Kindern frühzeitig hygienisches Husten oder Niesen (in die Armbeuge oder in ein Taschentuch, Wegdrehen von anderen Personen, Verwenden von Einmaltaschentüchern, Händewaschen) bei. Kranke Babys und Kinder sollten keine Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten, Tagesmutter oder Krabbelgruppen besuchen.

Gibt es eine Impfung gegen das RS-Virus?

Bislang gibt es keine Impfung gegen das RS-Virus. Für besonders gefährdete Babys und Kleinkinder (Frühgeburten, chronische Lungenerkrankungen, angeborenen Herzfehlern, Immundefekte, bestimmte Chromosomenstörungen) steht eine sogenannte passive Immunisierung bereit: Dabei erfolgt eine Impfung mit speziellen Antikörpern (Palivizumab), die für das RS-Virus lebenswichtiges Protein bekämpfen. Konkret bindet Palivizumab ein Protein, welches das Virus benötigt, um in Zellen eindringen zu können. Es wird eine Immunisierung während der RSV-Saison zwischen November und April empfohlen. Die Impfung erfolgt während dieser Zeit monatlich und ist nach der zweiten Dosis wirksam.

In den Zulassungsstudien für den Impfstoff  gegen RS hat sich gezeigt, dass die Schwere und Dauer der Erkrankung bei den geimpften Kindern im Vergleich zu ungeimpften Kindern geringer war, die Infektion selbst wird aber nicht verhindert.

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