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Geburtsphasen: So läuft eine natürliche Geburt ab

Jede vaginale Geburt verläuft in verschiedenen Geburtsphasen. Wie lange sie jeweils dauern und wie stark die Schmerzen dabei empfunden werden, ist von Frau zu Frau ganz unterschiedlich. Wir zeigen dir, was in welchem Abschnitt der Geburt auf dich zukommt.

Geburtsphasen
© iStock.com/RyanJLane

In der Regel werden drei Geburtsphasen unterschieden: Eröffnungsphase, Austreibungs- sowie Nachgeburtsphase. Wie lange es dauert, bis alle Geburtsphasen durchlaufen sind, ist kaum vorhersehbar: Manche Geburten dauern nur zwei Stunden, andere über 20.

Was in diesem Artikel steht:

Welche Geburtspositionen gibt es?

Eröffnungsphase – jetzt geht es los

Einige Fachleute gliedern die Eröffnungsphase in die Latenzphase und die aktive Geburtsphase. In der Latenzphase treten unregelmäßige Vorwehen auf, die nicht lange andauern – sie kündigen die Geburt an. In der aktiven Geburtsphase fällt dann der tatsächliche Startschuss zur Geburt. Sie beginnt zu dem Zeitpunkt, ab dem regelmäßige Wehen bestehen und endet mit der fast vollständigen Öffnung des Muttermunds.

Wann sollte ich zum Geburtsort aufbrechen?

Irgendwann in diesem Zeitfenster kommen die meisten Schwangeren an ihrem Geburtsort an. Meist werden sie zunächst einmal von einer Hebamme untersucht. Sie prüft durch eine vaginale Tastuntersuchung, wie weit sich der Muttermund bereits geöffnet hat.

Wann aber solltest du Richtung Klinik/Geburtshaus aufbrechen beziehungsweise deine Hausgeburtshebamme informieren? Die Faustregel lautet hier: Sobald du dich ohne geburtshilfliche Fachperson nicht mehr wohl oder sicher fühlst. Wenn du unsicher bist, ob es sich um echte, also muttermundwirksame Wehen handelt, hilft der Badewannentest: Richtige Geburtswehen werden im Wasser stärker, Vorwehen dagegen gelindert.

Wie du regelmäßige Wehen in Gang bringen kannst

Meist dauert es eine Weile, bis die Wehen regelmäßig einsetzen und du wirst gebeten, die Tätigkeit der Gebärmutter mit ein paar Tricks anzuregen. Dazu gehören entspannende Maßnahmen wie ein warmes Bad oder Bewegung durch Spazierengehen.

Während am Anfang der Eröffnungsphase noch zwei bis drei Wehen innerhalb von 30 Minuten auftreten, erhöht sich die Frequenz langsam auf zwei bis drei Wehen in zehn Minuten. In der Aktivphase werden die Abstände immer kürzer und die Intensität nimmt zu. Eine Wehe dauert in dieser Geburtsphase etwa 30 bis 60 Sekunden.

  • Dauer der Eröffnungsphase: Diese Phase ist die längste der gesamten Geburt. Die Dauer der Eröffnungsphase fällt individuell sehr unterschiedlich aus. Bei Erstgebärenden dauert sie im Durchschnitt neun Stunden. Bei Frauen, die bereits zuvor ein Kind geboren haben, verkürzt sie sich auf rund sieben Stunden.

  • Das Baby in der Eröffnungsphase: Mit jeder Wehe bewegt sich das Baby ein Stückchen weiter vor – es tritt in den knöchernen Beckenring ein. Dadurch wird Druck auf den Muttermund ausgeübt, sodass sich dieser immer weiter öffnet. Ist die Fruchtblase geplatzt, drückt das Baby ungepolstert auf den Muttermund. Dadurch werden die Wehen meist stärker spürbar und die Geburt wird schneller vorangetrieben.

  • Die Mutter in der Eröffnungsphase: Die Eröffnungsphase kann sehr lange und anstrengend sein, deshalb sollten die Pausen zwischen den Wehen zur Erholung genutzt werden. Frauen verspüren in dieser Geburtsphase oft Übelkeit und müssen sich übergeben. Sie sollten nun kleine Snacks wie Müsliriegel essen, die Energie spenden, den Magen aber nicht belasten. Um den Wehenschmerz besser zu verarbeiten, helfen Entspannung, Ablenkung durch die Begleitperson sowie Bewegung. Auch Methoden zur Schmerzlinderung können in Betracht gezogen werden – zum Beispiel eine PDA (Periduralanästhesie), Akupunktur oder spezielle Entspannungs- und Atemtechniken.

  • Untersuchungen in der Eröffnungsphase: Während dieser Geburtsphase finden verschiedene Untersuchungen statt, um den Gesundheitszustand von Mutter und Baby zu überprüfen. Durch eine Tastuntersuchung wird kontrolliert, wie weit sich der Muttermund bereits geöffnet hat. Die Herztöne des Babys werden gemessen. Außerdem wird festgestellt, ob sich der Kopf des Babys richtig dreht. Gegebenenfalls können weitere Untersuchungen wie Blutdruckmessungen erfolgen. Auf Wunsch erhalten Frauen in dieser Phase außerdem einen Einlauf, um den Darm zu entleeren.

Übergangsphase – eine turbulente Zeit

Diese Geburtsphase bildet den Übergang zwischen Eröffnungs- und Austreibungsphase. Sie kann auch als eigenständige, vierte Geburtsphase betrachtet werden. Die Übergangsphase tritt ein, wenn der Muttermund etwa acht Zentimeter geöffnet ist und dauert bis zur vollständigen Öffnung – von etwa zehn Zentimetern – an.

Die Pausen zwischen den Wehen sind in dieser Zeit kurz, weshalb in der Übergangsphase wenig Zeit für Erholung bleibt. Am Ende dieser Phase kann es vorkommen, dass die Wehen eine Zeit lang nachlassen und zumindest eine kurze Verschnaufpause möglich ist.

  • Dauer der Übergangsphase: Diese Geburtsphase dauert von etwa 20 Minuten bis zu zwei Stunden.

  • Die Mutter in der Übergangsphase: Die Übergangsphase wird von vielen Müttern als eine chaotische Zeit erlebt. Der Grund: Während der langen Eröffnungsphase haben sie gelernt, wie sie mit den Wehen umgehen können. In dieser Phase ist plötzlich alles anders: Die Wehen treten unregelmäßig auf und folgen schnell aufeinander. Sie lassen sich deshalb nicht mehr so gut veratmen wie zuvor. Es kann zu Übelkeit und Zittern kommen und Mütter hegen plötzlich den Wunsch nach Schmerzlinderung, einem Kaiserschnitt oder sie äußern Erschöpfung durch Sätze wie "Ich kann/mag nicht mehr". Jetzt ist es besonders wichtig, den Mut nicht zu verlieren. Denn die gute Nachricht lautet: Befindest du dich erst einmal in der Übergangsphase, ist das ein Zeichen dafür, dass die Geburt kurz bevorsteht. Übrigens kann es ebenso vorkommen, dass Frauen diese Phase gar nicht so bewusst wahrnehmen.

Geburtsfotos: Das sind die beeindruckendsten Bilder

Austreibungsphase – bald ist das Köpfchen zu sehen

Der Begriff Austreibungsphase entstand vor mehreren hundert Jahren. Heute wird er von einigen Expert*innen als nicht mehr zeitgemäß und von Frauen als brutal empfunden. Alternativ wird diese Geburtsphase deshalb auch als Durchtrittsphase bezeichnet. Sie dauert von der vollständigen Öffnung des Muttermunds bis zur Kindsgeburt.

In der Austreibungsphase kommt es dazu, dass der Kopf des Babys auf den Beckenboden der Gebärenden drückt. Dies löst bei der Mutter reflexartig einen Pressdrang aus. Ein Zeichen, dass es an der Zeit ist, aktiv mitzuhelfen, das Baby zur Welt zu bringen. Nun wird mit dem Schieben begonnen!

  • Dauer der Austreibungsphase: Bei Erstgebärenden dauert diese Geburtsphase durchschnittlich zwei bis drei Stunden. Bei Frauen, die bereits Kinder auf natürlichem Weg zur Welt gebracht haben, beträgt die Dauer rund eine halbe bis zu einer Stunde. Die aktive Phase des Pressens (Pressphase) sollte bei Erstgebärenden nicht länger als 30 Minuten dauern, bei Frauen, die schon entbunden haben, nicht länger als 20.

  • Das Baby in der Austreibungsphase: Das Baby gelangt nun in den Geburtskanal und bewegt sich mit jeder Wehe Stück für Stück weiter durch das Becken fort. Auf seinem Weg dreht es sich dabei schon so, wie es der weibliche Körper anatomisch vorgibt. Anfangs rutscht der Kopf in den Wehenpausen wieder etwas zurück. Sobald das Köpfchen nicht mehr zurückrutscht, ist es so weit: Mit den nächsten Presswehen wird erst das Hinterhaupt, dann die Stirn und schließlich der ganze Kopf geboren, danach folgen die Schultern und der Rest des Körpers.

  • Die Mutter in der Austreibungsphase: Viele Frauen empfinden es als Erleichterung, dass sie nun aktiv mithelfen können, das Baby herauszuschieben. Welche Position am angenehmsten ist, kann an die Bedürfnisse der Mutter angepasst werden. Die Wehen sind in dieser Geburtsphase zwar am intensivsten, sehr stark und rasch aufeinanderfolgend, gleichzeitig schüttet der Körper jetzt aber auch die meisten Hormone aus, um den Geburtsschmerz zu dämpfen. Viele Frauen konzentrieren sich nun ausschließlich auf sich und das Baby, vergessen alles andere um sich herum und beschreiben ihren Zustand im Nachhinein so, als seien sie in Trance gewesen. Bei Frauen, die zuvor keinen Einlauf zur Darmentleerung erhalten haben, kommt es während der Pressphase in einigen Fällen zu Stuhlgang. Dies ist kein Grund sich zu schämen, sondern gehört zu einer natürlichen Geburt dazu. Hebammen entfernen die meist kleinen Mengen Stuhl zügig und routiniert.

  • Untersuchungen in der Austreibungsphase: Das Köpfchen des Kindes dehnt die Vagina aus, bei einer zu starken Dehnung kann es zu einem Dammriss kommen oder es ist ein gezielter Dammschnitt erforderlich. Auch Scheiden- und Labienrisse oder Klitorisverletzungen sind möglich, jedoch sehr selten. Durch das CTG werden die Herztöne des Babys in dieser Geburtsphase überwacht.

Nachgeburtsphase – die ersten Momente als Familie

Auch wenn das Baby schon auf der Welt ist, ist die Geburt noch nicht ganz abgeschlossen. Sie ist erst beendet, wenn auch die Plazenta (Mutterkuchen) restlos geboren wurde. Wenn sich die Plazenta nicht von alleine löst, kommen unterstützende Maßnahmen zum Einsatz – zum Beispiel das Anlegen des Babys an die Brust. Helfen diese Maßnahmen nicht, muss die Plazenta manuell bei einem Eingriff unter Betäubung gelöst werden.

  • Dauer der Nachgeburtsphase: Als Nachgeburtsphase wird die Zeit von der Kindsgeburt bis etwa zwei Stunden danach bezeichnet. Die Plazenta löst sich in der Regel etwa 30 Minuten nach der Geburt des Babys.

  • Das Baby in der Nachgeburtsphase: Heute ermöglichen Kliniken möglichst früh – bereits im Kreißsaal – den Hautkontakt zwischen Mutter und Kind. Dies wird auch als Bonding bezeichnet. Dazu wird der frischgebackenen Mutter ihr Baby auf die Brust gelegt. Manche Babys beginnen nun schon eigenständig die Brust zu suchen und daran zu saugen. Ein faszinierendes Phänomen, das auch unter dem englischen Begriff Breast Crawl bekannt ist. Wird die Mutter noch medizinisch versorgt – etwa aufgrund von Schwierigkeiten bei der Plazentaablösung – kann der Vater oder die Partnerin das Baby in Empfang nehmen und mit ihm kuscheln und bonden.

  • Die Mutter in der Nachgeburtsphase: Nach der Kindsgeburt arbeitet die Gebärmutter weiter, um die Plazenta auf die Welt zu bringen. Die Hebamme wird dich deshalb auffordern, bei einer dieser Wehen noch einmal kräftig mitzudrücken – und dann ist es endgültig geschafft! Die meisten Frauen erleben die Geburt der Plazenta nicht als schmerzhaft, da sie sehr viel kleiner und weicher ist als das Baby. Oftmals sind Mütter von ihrem Neugeborenen so fasziniert, dass sie davon kaum etwas mitbekommen.

  • Untersuchungen in der Nachgeburtsphase: Je nachdem, wie die Geburt verlaufen ist, wird die Mutter nun noch medizinisch versorgt – zum Beispiel im Falle eines Dammrisses oder -schnitts. Die Untersuchung der Plazenta nimmt in dieser Geburtsphase eine besondere Rolle ein und bedarf größter Sorgfalt. Die Plazenta muss komplett ausgestoßen werden, damit keine Blutungen oder Infektionen entstehen. Dazu wird der Mutterkuchen auf seine Vollständigkeit überprüft. Ist ein Teil der Plazenta im Mutterleib verblieben, wird eine Ausschabung vorgenommen. Auch das Baby wird nun noch untersucht – dann beginnt die ungestörte Zeit des Kennenlernens.

Atmung während der Geburtsphasen

Im Geburtsvorbereitungskurs erlernen Schwangere, welche Atemtechniken sie bei der Geburt anwenden können. Und das aus einem bestimmten Grund: Die richtige Atemtechnik hilft dabei, die Anspannung während der Wehen zu bewältigen und das Baby schneller auf die Welt zu bringen.

Welche Atemtechnik als angenehm empfunden wird, kann individuell unterschiedlich sein. Es passiert durchaus, dass sich vorher einstudierte Atemtechniken in der Praxis doch als ungeeignet erweisen. Manche Frauen lassen den Atem durch tiefes Ein- und Ausatmen fließen, andere fügen dem Ausatmen die Vokale "A" oder "O" hinzu und wieder anderen hilft tiefes Stöhnen.

Am besten ist es, den Anweisungen der Hebamme zu folgen: Eine erfahrene Geburtsfachkraft weiß genau, wann die werdende Mutter Luft holen, sie anhalten oder aktiv mitschieben muss.

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