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Geburt ohne Abnabelung

Lotusgeburt: Was steckt hinter dem Geburtsritual?

Bei einer Lotusgeburt wird die Nabelschnur nach der Entbindung nicht durchtrennt. Stattdessen bleibt das Baby mit der Plazenta verbunden, bis sich die Nabelschnur selbstständig löst. Ist das sinnvoll oder könnte der Verzicht auf eine Abnabelung gar gefährlich werden?

Lotusgeburt: Was steckt hinter dem Geburtsritual?
© Getty Images/Westend61

Die Lotusgeburt ist ein seltenes, eher ungewöhnliches Geburtsritual. Im Fokus steht der Wunsch, dass sich das Neugeborene und die Plazenta ohne äußerliche Eingriffe auf vollkommen natürliche Weise voneinander trennen. Wissenschaftliche Beweise für Vorteile gibt es bisher aber nicht. Benannt ist das Ritual nicht nach der Lotusblume, sondern nach seiner "Erfinderin", der US-Amerikanerin Clair Lotus Day.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist eine Lotusgeburt?

Hat ein Neugeborenes das Licht der Welt erblickt, wird normalerweise die Nabelschnur durchtrennt und das Baby dadurch vom Mutterkuchen, der Plazenta, gelöst. In der Fachsprache wird hierfür der Begriff „Abnabelung“ verwendet. Entweder übernehmen die Hebammen, Ärzt*innen oder der*die Partner*in der Schwangeren das Durchtrennen der Nabelschnur im Kreißsaal, Geburtshaus oder zu Hause. Bei einer Lotusgeburt findet genau diese Abnabelung nicht statt: Das Baby bleibt über die Nabelschnur mit der geborenen Plazenta verbunden. Und zwar so lange, bis sich die Nabelschnur durch Austrocknung von selbst löst.

Ablauf einer Lotusgeburt

Während der Schwangerschaft übernimmt die Plazenta lebenswichtige Funktionen, denn sie versorgt das Ungeborene mit Sauerstoff und Nährstoffen. Über die Nabelschnur sind Baby und Plazenta in der Gebärmutter miteinander verbunden. Nach der Entbindung wird die Nabelschnurverbindung getrennt. Doch dies soll bei einer Lotusgeburt anders gehandhabt werden.

Die Plazenta (auch Nachgeburt genannt) wird nach der Entbindung des Babys geboren, anschließend aber nicht entsorgt, sondern in ein spezielles Gefäß oder in eine sogenannte Plazentatasche verpackt. Dort soll sie – unter anderem durch die Zugabe von Salz – so lange konserviert werden, bis die Nabelschnur durch Austrocknung von selbst abfällt und damit die Verbindung von Plazenta und Baby trennt. Dies geschieht etwa drei bis zehn Tage nach der Geburt. Manche Eltern streuen auch Kräuter auf den Mutterkuchen oder fügen dem Salz ätherische Öle hinzu.

Wie jedes Neugeborene ist ein Kind auch nach einer Lotusgeburt auf Nahrung in Form von Muttermilch oder Milchersatznahrung angewiesen. Denn es ist nicht möglich, dass die Plazenta das Baby über diesen Zeitraum weiterhin mit Nährstoffen versorgt.

Vor- und Nachteile einer Lotusgeburt

Wann der richtige Zeitpunkt für das Durchtrennen der Nabelschnur gekommen ist, wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Meist heben Expert*innen die Vorteile eines späten Abnabelns von Experten*Expertinnen hervor. Was genau unter spätem Abnabeln zu verstehen ist, wird je nach Literatur jedoch unterschiedlich definiert. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) soll die Abnabelung zwischen einer und drei Minuten nach der Geburt des Kindes erfolgen.

Es ist auch möglich, die Nabelschnur noch später zu durchtrennen. Laut Leitlinie „Vaginale Geburt am Termin“ der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft handelt es sich um eine verzögerte Abnabelung, wenn dies zwischen einer und fünf Minuten nach der Geburt oder nach dem Auspulsieren der Nabelschnur passiert. Empfohlen wird hier eine Zeitspanne von mindestens einer Minute, längstens aber fünf Minuten. Ob das Abnabeln später als nach fünf Minuten Vor- oder Nachteile bietet, wurde bisher nicht ausreichend untersucht. Es existieren daher auch keine wissenschaftlichen Belege zu den Vor- und Nachteilen einer Lotusgeburt.

Die Vorteile einer Lotusgeburt sollen darin liegen, dass diese Form eine weniger traumatische Geburtserfahrung für das Babys darstellen soll. Auch wird davon gesprochen, dass hierdurch eine besonders enge Mutter-Kind-Bindung entsteht. Wissenschaftliche Beweise hierzu gibt es nicht. Zudem heißt es seitens der Befürworter*innen, das Baby würde durch die Lotusgeburt mit einem Extra an Nährstoffen versorgt. Jedoch endet die Versorgung des Babys durch die Plazenta, nachdem diese auspulsiert ist. Somit findet in den folgenden Tagen, bis die Nabelschnur von selbst abfällt, auch kein Blut- und Nährstoffaustausch mehr statt.

Bei richtiger Anwendung geht man davon aus, dass die Risiken einer Lotusgeburt eher gering sind. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass es vor allem bei nicht fachgerechter Anwendung zu Infektionen beim Neugeborenen kommt. Auch der Alltag kann sich als kompliziert gestalten, denn bei Tätigkeiten wie Wickeln oder Füttern muss darauf geachtet werden, die Nabelschnur nicht zu verletzten.

Tipps für die Lotusgeburt: Das musst du beachten

Da eine Lotusgeburt aus medizinischer Sicht keinen Vorteil bietet und sie für den Klinikalltag nicht praktikabel ist, wird sie dir nicht automatisch als Option angeboten. Solltest du dich für eine Lotusgeburt interessieren, beachte Folgendes:

  • Beratung: Generell werden persönliche Wünsche bei einer Geburt berücksichtigt, aber eine Lotusgeburt ist nicht immer und überall möglich. Besprich dein Vorhaben daher unbedingt vorab mit deinem*deiner Frauenarzt*Frauenärztin, deiner Hebamme oder Doula. Möglicherweise gibt es Gründe, die gegen ein solches Ritual sprechen – etwa ein komplizierter Schwangerschaftsverlauf. Die Gesundheit von dir und deinem Baby geht immer vor!

  • Geburtsort: Lotusgeburten finden in normalen Entbindungskliniken nicht statt. Ob sich ein Geburtshaus oder eine Hebamme für eine Hausgeburt dazu bereit erklärt, solltest du vorab für deinen individuellen Fall klären.

  • Nachsorge: Da die Möglichkeit besteht, dass bei einer Lotusgeburt Infektionen auftreten, solltest du auf die richtige Anwendung achten, die du dir von einer ausgebildeten Fachkraft erklären lassen musst. Achte bei deinem Neugeborenen stets auf Anzeichen wie Rötungen oder Fieber, die auf eine Infektion hinweisen könnten.

  • Unterstützung: Der Alltag mit einem Neugeborenen ist meist ohnehin ziemlich turbulent, denn an die neuen Aufgaben müssen sich Mutter und Kind im Wochenbett erst einmal gewöhnen. Muss man zusätzlich zum Baby bei einer Lotusgeburt nun auch noch die Plazenta herumtragen, kann das normale Tätigkeiten erschweren. Stelle daher sicher, dass dir dabei jemand unter die Arme greifen kann.

  • Unerwartetes: Mach dich gedanklich darauf gefasst, dass dein Plan von einer Lotusgeburt nicht zwingend aufgeht. Während der Geburt können unerwartete Vorgänge passieren, die ein schnelles Handeln erfordern, das aus medizinischer Sicht notwendig ist. Jeder*jede Geburtshelfer*in wird dein Wohl und das des Kindes an erste Stelle setzen. Auch in der Zeit nach der Entbindung können sich Pläne ändern: Tritt zum Beispiel eine Infektion auf, kann es erforderlich sein, dass die Nabelschnur irgendwann trotzdem mechanisch durchtrennt werden muss. Außerdem ist es möglich, dass eine bakterielle Infektion die Gabe von Antibiotika erfordert.

Alternativen zur Lotusgeburt: Welche gibt es?

Der Zeitpunkt des Abnabelns richtet sich generell nach den individuellen Bedürfnissen und der jeweiligen Situation. Solltest du dir eine möglichst späte Abnabelung wünschen, besprich dies vorab mit der Geburtsklinik.

Eine Sofortabnabelung, direkt wenn die Nabelschnur greifbar ist, wird meist ohnehin nur im Notfall durchgeführt – zum Beispiel bei einer sehr straffen Nabelschnurumschlingung. Besteht keine Gefahr für Mutter und Kind, wird nicht vor dem Ablauf von einer Minute abgenabelt. Studien haben gezeigt, dass hierdurch eine längerfristige Verbesserung der Eisenversorgung für das Baby entsteht.

Es besteht auch die Möglichkeit, die Nabelschnur erst dann zu durchtrennen, wenn sie auspulsiert ist. Das heißt, der Puls in der Nabelschnur ist erloschen. Wann dieser Zeitpunkt eintritt, kann je nach Neugeborenem stark variieren. In der Leitlinie „Vaginale Geburt am Termin“ der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft heißt es hierzu, dass der Wunsch einer Frau für eine Abnabelung nach dem Ablauf von fünf Minuten respektiert und unterstützt werden sollte.

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