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Hebamme: Hilfe für Geburt und Wochenbett

Autor: Viola Lex, Medizinautorin | Theresa Nikley, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 04. Juni 2019

Eine Hebamme betreut werdende Mütter während der Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett. Wer schwanger ist, sollte rechtzeitig nach einer Hebamme suchen.

Hebamme: Was sie macht und ab wann Mütter sie brauchen
Eine Hebamme kümmert sich im Wochenbett um die Nachsorge von Mutter und Baby.
© iStock.com/LSOphoto
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Was macht eine Hebamme?

Hebammen arbeiten in Kliniken, Geburtshäusern, ärztlichen Praxen in Zusammenarbeit mit Frauenärzten oder sind selbstständig tätig. Sie sind Spezialistinnen auf dem Gebiet der Schwangerschaft, Geburt und für die Stillzeit.

Zu den Aufgaben einer Hebamme gehören:

Ab wann wird eine Hebamme benötigt?

Auf Wunsch betreut eine Hebamme die schwangere Frau bereits von Beginn an: Hebammen können die Schwangerschaft feststellen und den Mutterpass aushändigen. Welche Aufgaben die Hebamme im Verlauf der Schwangerschaft übernehmen soll, entscheidet jede Frau selbst. Manche wünschen sich zum Beispiel lediglich eine Betreuung im Wochenbett, andere möchten die Schwangerschaftsvorsorge statt vom Frauenarzt von der Hebamme durchführen lassen.

Es ist ratsam, die richtige Hebamme früh zu suchen und zu kontaktieren, denn sie haben nur beschränkte Kapazitäten. Auch wer die Leistungen einer Hebamme ausschließlich zur Betreuung im Wochenbett in Anspruch nehmen möchte, sollte rechtzeitig mit der Suche beginnen. Hebammen sind schon weit im Voraus ausgebucht. Viele Frauenärzte raten deshalb, vor allem in Großstädten, die Suche bereits vor dem Ende der 12. Schwangerschaftswoche in Angriff zu nehmen.

Wer hat Anspruch auf eine Hebamme?

Jede schwangere Frau in Deutschland hat Anspruch darauf, von einer Hebamme betreut zu werden. Fast alle Leistungen werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen:

  • Beratungen während der Schwangerschaft
  • Vorsorgeuntersuchungen (wenn nicht beim Arzt wahrgenommen)
  • Hilfe bei Schwangerschaftsbeschwerden
  • Geburtsvorbereitung (Gebühren für die Teilnahme des Partners werden nicht übernommen)
  • Betreuung während der Geburt
  • Rückbildungsgymnastik

Ausnahmen können die Kinderwunschberatung oder bestimmte Kurse sein, doch auch hier erstatten viele Krankenkassen auf Anfrage diese Zusatzleistungen.

Für die Nachsorge werden folgende Leistungen übernommen:

  • Anspruch auf Unterstützung bis zu zwölf Wochen nach der Geburt
  • bis zum zehnten Tag nach der Geburt maximal 20 Hebammenbesuche
  • danach 16 weitere Beratungen telefonisch oder durch Hausbesuche
  • auf ärztliche Anordnung bei Komplikationen oder Schwierigkeiten weitere Hausbesuche

Hinweis für Frauen, die in der Klinik entbinden: Bleiben Sie nach der Geburt noch einige Tage im Krankenhaus verkürzt sich die Zeit der Betreuung entsprechend: Nach Ihrer Rückkehr ins Zuhause stehen Ihnen noch so lange tägliche Hebammenbesuche zu, bis die zehn Tage nach der Geburt des Kindes verstrichen sind.

Welche Leistungen von der privaten Krankenversicherung getragen werden, ist bei der jeweiligen Versicherungsgesellschaft zu erfragen.

Schwangerschaftsvorsorge durch die Hebamme

Während der Schwangerschaft ist die Hebamme die wichtigste Kontaktperson bei Fragen und Beschwerden. Zudem führt sie Vorsorgeuntersuchungen durch, die im Mutterpass dokumentiert werden. Dazu gehören Fragen nach der Befindlichkeit, Gewichts- und Blutdruckmessungen, Urin- und Blutuntersuchungen, Feststellen und Kontrolle der Lage und Größe des Kindes sowie die Kontrolle der Herztöne des Kindes. Ultraschalluntersuchungen können hingegen nur von Ärzten durchgeführt werden.

Zudem berät und hilft die Hebamme bei Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit oder Rückenschmerzen und der Wahl des Geburtsorts. Auch bei Ernährungsfragen, bei Problemen am Arbeitsplatz oder bei Fragen zum Thema Sex in der Schwangerschaft gibt die Hebamme Auskunft. Außerdem kann die Hebamme Eltern über die Möglichkeiten und auch Risiken der pränatalen Diagnostik informieren.

Beobachtet die Hebamme bei Untersuchungen Auffälligkeiten oder Abweichungen vom normalen Schwangerschaftsverlauf – wie vorzeitige Wehen oder spezifischen Erkrankungen –, zieht sie einen Frauenarzt hinzu.

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Geburtsvorbereitung bei der Hebamme

Hebammen bieten Geburtsvorbereitungskurse an, in denen Schwangere oder Paare verschiedene Übungen, Massage- und Atemtechniken zur Geburtserleichterung kennenlernen und sachliche Informationen rund um die Geburt, Geburtsmethoden und die Risiken erhalten. In den Kursen können Schwangere untereinander über ihre Wünsche und Sorgen sprechen. Es ist ratsam, sich frühzeitig über mögliche Kurse zu informieren und in der 20. Schwangerschaftswoche mit dem Kurs zu beginnen.

Aufgaben der Hebamme während der Geburt

Hebammen betreuen Geburten, egal wo diese stattfinden – ob zu Hause, in der Klinik oder in einem Geburtshaus.

  • Jede Klinikgeburt wird von einer Klinikhebamme begleitet. In Krankenhäusern sind häufig Beleghebammen tätig, die als freiberufliche Hebammen die Kreißsäle für Geburten nutzen. Sie überwachen den Geburtsverlauf, die Vitalität des Ungeborenen und helfen der Schwangeren, sich durch verschiedene Liegepositionen und Atemtechnik zu entspannen.

  • Bei einer Hausgeburt oder Entbindung im Geburtshaus kann die Hebamme – falls erforderlich – einen Dammschnitt durchführen. In Kliniken werden Dammschnitte in der Regel von Ärzten durchgeführt, die in der Endphase der Geburt hinzukommen.

  • Es gibt Kliniken, die es ermöglichen, eine eigene Begleithebamme zur Geburt mitzubringen, die dann die Eins-zu-Eins-Betreuung übernimmt.

Wochenbett-Betreuung durch die Hebamme

Die Nachsorgehebamme kann die Mutter und das Neugeborene in den ersten zehn Tagen und darüber hinaus im Wochenbett betreuen. Dass die Hebamme Mutter und Baby in ihrem Zuhause besucht, ist eine Besonderheit des deutschen Gesundheitssystems.

Die Hebamme erklärt den Eltern die Pflege des Babys wie Wickeln, Baden oder Nabelpflege und worauf sie achten müssen, um beispielsweise dem plötzlichen Kindstod vorzubeugen. Zudem erkundigt sie sich nach dem Wohlbefinden der Eltern und kontrolliert die körperliche Kindsentwicklung. Sind Mutter und Kind am dritten Tag nach der Geburt nicht mehr im Krankenhaus, kann die Hebamme die empfohlene Blutentnahme beim Kind, das Neugeborenenscreening, durchführen. Bei Auffälligkeiten oder Komplikationen zieht sie einen Frauenarzt oder Kinderarzt hinzu.

Ein wesentlicher Bestandteil der Betreuung im Wochenbett ist die Stillberatung. Die Hebamme zeigt der Frau verschiedene Stillpositionen und hilft bei Problemen wie Milchstau. Entscheidet sich eine Mutter gegen das Stillen, informiert die Hebamme über die Säuglingsersatznahrung und deren Zubereitung.

Rückbildung und Hilfe in Krisensituationen

Bereits im Wochenbett zeigt die Hebamme geeignete Übungen zur Rückbildung. Auch Rückbildungskurse werden von den Hebammen angeboten. Wenn ein solcher Kurs bis vier Monate nach der Geburt begonnen und bis zum Ende des neunten Monats abgeschlossen ist, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten.

Eine Hebamme ist auch in Krisensituationen für Mutter und Kind da. Bei Krankheits- oder Todesfällen vermittelt sie den Kontakt zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder Psychologen. Familien, die verstärkt Hilfe benötigen, werden von sogenannten Familienhebammen betreut. Diese Fachkräfte verfügen über eine Zusatzqualifikation und sind darauf spezialisiert, Teenagermütter, Familien mit psychischen Belastungen oder Suchterkrankungen zu unterstützen. Mehr Informationen dazu finden Sie beim Nationalen Zentrum Frühe Hilfen.

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Wie Sie eine Hebamme suchen und finden

Das Verhältnis zwischen der Schwangeren und der Hebamme ist während und nach der Schwangerschaft häufig sehr intensiv, daher sollte Sympathie untereinander bestehen. Eine Hebamme muss abhängig vom geplanten Geburtsort und der Geburtsmethode gesucht werden. Geburtshäuser und Krankenhäuser, welche Belegbetten zur Verfügung stellen, arbeiten mit vielen Hebammen zusammen und können bei der Suche nach einer Hebamme helfen. Zudem gibt es Hebammenverbände und -netzwerke, die eine Liste mit Hebammen zur Verfügung stellen.

Kontaktdaten und Adressen finden Sie zum Beispiel hier:

Keine Hebamme gefunden? Notfallnummern und Ambulanzen helfen

Die Suche nach einer Hebamme gestaltet sich oft schwierig, denn es gibt immer weniger Hebammen und die Kapazitäten sind begrenzt. Wer spät mit der Suche beginnt, findet deshalb möglicherweise keine Betreuung mehr. Viele Städte haben darauf reagiert und Notfallnummern oder Ambulanzen eingerichtet, an die sich betroffene Frauen wenden können. Sie dienen dazu, entweder noch kurzfristig Kontakte zu vermitteln oder bieten Sprechstunden an, in denen die Frauen mit ihren Babys vorbeikommen können. Bei vielen Maßnahmen handelt es sich aktuell noch um Pilotprojekte: Betroffene sollten sich über bestehende Angebote in ihrem Umfeld erkundigen.

Für jeden Notfall, der das Baby betrifft, ist auch der Kinderarzt oder die nächstgelegene Klinik zuständig. Bei Notfällen, die den gesundheitlichen Zustand der Mutter betreffen, sind der Frauenarzt, die zuständige Bereitschaftspraxis oder eine Klinik Ansprechpartner.

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Autor: Viola Lex, Medizinautorin | Theresa Nikley, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 04. Juni 2019
Quellen
Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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