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Dammschnitt (Episiotomie): Häufiger Eingriff unter der Geburt

Erleichterung der Geburt: Vom routinemäßig durchgeführten Dammschnitt ist man mittlerweile vielerorts abgerückt. Trotzdem kann ein Dammschnitt in manchen Fällen hilfreich sein.

Dammschnitt (Episiotomie): Häufiger Eingriff unter der Geburt
Obwohl der Dammschnitt nicht unumstritten ist, gehört er zu den häufigsten geburtshilflichen Eingriffen in Deutschland.
© GettyImages/Catherine Delahaye

Artikelinhalte auf einen Blick:

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Was ist ein Dammschnitt?

Der Dammschnitt (medizinisch: Episiotomie) ist ein geburtshilflicher Eingriff, bei dem der Damm während der Geburt zwischen dem hinteren Ende der Scheide in Richtung After eingeschnitten wird. Der Damm (medizinisch: Perineum) ist ein Gebilde aus Muskelfasern und Bindegewebe und liegt zwischen Vagina und After (beim Mann zwischen Hoden und After). Beim Durchtritt des Köpfchens des Kindes in der Austreibungsphase wird der Damm extrem gedehnt und es entsteht großer Druck.

Dieser große Druck kann zu Geburtsverletzungen wie Dammriss, Scheidenriss, Labienriss oder Klitorisriss führen, wobei Letzterer sehr selten ist. Um solchen unkontrollierbaren Geburtsverletzungen vorzubeugen und die Geburt zu erleichtern, wurde noch bis vor wenigen Jahren routinemäßig ein Dammschnitt durchgeführt. Der Damm wird dabei mit einer speziellen Schere wenn möglich während einer Presswehe eingeschnitten. Durch den Schnitt während der Presswehe bleibt der Dammschnitt häufig völlig unbemerkt.

Wann wird ein Dammschnitt durchgeführt?

Grundsätzliche Vorgaben, wann ein Dammschnitt unter der Geburt erforderlich ist, gibt es nicht. Vielmehr sind die Geburtshelfer*innen angehalten, eine Episiotomie nur dann durchzuführen, wenn sich dadurch Vorteile für Mutter und Baby ergeben (selektiver Dammschnitt). Dies kann nur in der individuellen Situation entschieden werden.

Mögliche Vorteile durch einen Dammschnitt wären beispielsweise in folgenden Fällen gegeben:

Insbesondere bei einer vaginal-operativen Entbindung unter Zuhilfenahme von Saugglocke oder Zange kommt der Dammschnitt häufig zum Einsatz. Studien zeigen, dass die Gebärenden davon profitieren, da die Risiken anderer Geburtsverletzungen reduziert werden. Auch bei Erstgebärenden sowie Frauen mit einem kurzen Damm kommt es häufiger zu Dammschnitten.

Wichtig: Ein Dammschnitt darf nur mit Einverständnis der Gebärenden durchgeführt werden!

Dammschnitte sind heute seltener

Um Geburtsverletzungen zu vermeiden und die Geburt zu erleichtern, wurde der Dammschnitt bis vor einigen Jahren noch prophylaktisch bei den meisten Frauen durchgeführt. Das hat sich mittlerweile geändert. Immer mehr Expert*innen sprechen sich gegen den prophylaktischen Dammschnitt bei der spontanen vaginalen Geburt aus und für den selektiven Dammschnitt – also den Dammschnitt nur bei Bedarf. Das spiegelt sich auch in den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft wider.

Ob routinemäßig oder im Einzelfall – obwohl sich die Zahl der Dammschnitte in den vergangenen Jahren in Deutschland reduziert hat, gehört der Dammschnitt immer noch zu den häufigsten operativen Eingriffen während der Geburt.

Durchschnittlich ein Viertel (25 Prozent) beträgt die Quote in deutschen Kliniken, dabei schwanken die Zahlen zwischen acht und 70 Prozent. Bei außerklinischen Geburten, beispielsweise im Geburtshaus oder bei Hausgeburten, liegt die Dammschnittrate dagegen bei knapp unter sechs Prozent.

Kritiker*innen sehen die immer noch recht hohe Zahl der Dammschnitte auch in der häufig mangelnden Betreuung der Gebärenden unter der Geburt begründet. Den Frauen würde heute oft nicht genügend Zeit gelassen, damit sich der Damm dehnen könne, in Kliniken sei man häufig auf eine möglichst schnelle Geburt bedacht.

Bei Gebärenden mit Querschnittslähmung sollte der prophylaktische Dammschnitt (genau wie andere Geburtsverletzungen) wenn möglich vermieden werden, da hier eine schlechtere Heilung des Gewebes zu erwarten ist.

Arten von Dammschnitten unterscheiden sich auch in der Heilungsdauer

Heute werden in der Geburtshilfe fast ausschließlich zwei Arten von Dammschnitten durchgeführt: Der gerade Schnitt genau in der Mittellinie zwischen Vagina und Anus (mediane Episiotomie) sowie der Schnitt im 45-Grad-Winkel von der Vagina schräg nach hinten (mediolaterale Episiotomie).

Eine dritte Schnittführung, der seitliche Schnitt ein bis zwei Zentimeter von der Mittellinie entfernt nach rechts oder links (lateral), ist später mit starken Beschwerden und erschwerter Heilung verbunden und wird deshalb kaum noch durchgeführt.

Mediane Episiotomie

Eine Schnittführung genau in der Mittellinie zwischen Vagina und Anus ist die heute gebräuchlichste Methode. Sie hat den Vorteil, dass sie von allen drei Schnittführungen im Normalfall am wenigsten Beschwerden im Wochenbett bereitet.

Der Nachteil aber ist, dass das Dammgewebe trotz des Entlastungsschnittes in Richtung After weiterreißen kann. Die anschließende chirurgische Versorgung dieser nicht seltenen Komplikation ist aufwändig und erfordert chirurgisches Fingerspitzengefühl. Das Risiko einer Stuhlinkontinenz ist bei dieser Schnittführung etwas erhöht.

Mediolaterale Episiotomie

Eine Schnittführung von der Mitte aus in ca. 45 Grad Abweichung nach rechts oder links bringt den meisten Raumgewinn. Sie wird bei sehr engem Geburtskanal oder einem sehr großen Kind gewählt sowie bei Zangengeburt- oder Saugglocken-Entbindung. Der schräge Schnitt verursacht deutlich mehr Beschwerden im Wochenbett als der Schnitt in der Mittellinie und ist mit stärkeren Blutungen verbunden. Vorteil: Der Schnitt ist erweiterbar und das Risiko eines Dammrisses 3. Grades ist äußerst gering.

Versorgung des Damms nach der Geburt

Ein Dammschnitt ist mit Blutungen verbunden. Nach der Geburt wird der Damm unter örtlicher Betäubung vernäht. Die Fäden lösen sich nach einiger Zeit von selbst auf und müssen nicht gezogen werden. Kleinere Schnitte müssen nicht zwangsläufig genäht werden.

Vor allem in den ersten Tagen nach dem Dammschnitt ist körperliche Schonung angesagt. Langes Sitzen sollte vermieden werden und ist häufig sowieso zu unangenehm. Das gilt auch für langes Gehen. Auch beim Wasserlassen können Schmerzen auftreten. Tipp: Füllen Sie ein sauberes Gefäß mit lauwarmem Wasser. Lassen Sie das Wasser beim Wasserlassen einfach in Richtung Harnröhre laufen, das verdünnt den Urin und mindert den brennenden Schmerz.

Dammschnitt: Heilung benötigt Zeit

Je nach Schnitt und Zustand der Wunde kann die Heilungsdauer von Dammschnitten sehr unterschiedlich sein. Es kommt vor, dass die Naht bereits nach einer Woche abgeheilt ist, aber auch eine Heilungsdauer von mehreren Wochen ist nicht ungewöhnlich. Viele Frauen leiden noch einige Zeit nach dem Dammschnitt unter Schmerzen: zehn Tage danach immerhin noch durchschnittlich 225 von 1.000.

Wichtig: Nehmen Sie Schmerzmittel nicht ohne Absprache mit Ihrer*Ihrem Ärztin*Arzt ein, wenn Sie stillen, denn die Wirkstoffe gelangen über die Muttermilch zum Baby.

Um Infektionen der Wunde zu vermeiden, halten Sie sie möglichst sauber. Beim Stuhlgang sollten Sie unbedingt von vorne nach hinten wischen, damit keine Keime zum Damm gelangen.

Wenn die Beschwerden noch stark sind, können folgende Maßnahmen die Beschwerden lindern sowie die Heilung unterstützen:

  • Kondom mit Wasser füllen, zuknoten und ins Eisfach legen. Das gefrorene Kondom in ein Tuch wickeln und an den Nahtbereich legen. Achtung: Immer nur wenige Minuten kühlen und niemals direkt auflegen! Auch Cool Packs können verwendet werden.
  • Sitzbäder mit Ölen wie Calendula oder Kamille (jeweils nur kurz baden, damit die Naht nicht "aufweicht") können schmerzlindernd wirken. Wichtig: nicht heiß baden, lieber mit lauwarmem/handwarmem Wasser.
  • Ernähren Sie sich möglichst ballaststoffreich und trinken Sie genug, damit der Stuhl etwas weicher ist.
  • Vermeiden Sie beim Stuhlgang das Pressen.
  • Luft an die Naht lassen: "Unten ohne" ist für viele Frauen eine Erleichterung nach dem Dammschnitt. Die Naht kann so auch besser heilen.

Dammschnitt vorbeugen vor und während der Geburt

Unter der Geburt spielt Zeit eine nicht unwesentliche Rolle. Diese braucht der Damm nämlich, um sich nach und nach zu dehnen. Besonders bei Erstgebärenden und/oder Frauen mit sehr festem Gewebe kann das auch mal etwas dauern. Als Hilfestellung legen Hebammen häufig warme Kompressen auf den Damm oder massieren ihn sanft.

Auch der Dammschutz spielt eine große Rolle: Um Rissverletzungen vorzubeugen, wird der Damm während der Geburt durch die Hebamme geschützt, indem eine Hand am Damm liegt. Mit der anderen Hand lässt sich der Durchtritt des Köpfchens "steuern", damit der Kopf nicht mit zu großer Wucht hindurchtritt.

Vorbeugend empfehlen viele Hebammen außerdem die regelmäßige Dammmassage, beginnend etwa neun Wochen vor dem errechneten Geburtstermin.

Komplikationen nach dem Dammschnitt

Unter Schwangeren und in den Geburtsvorbereitungskursen sorgt das Thema Dammschnitt immer wieder für heftige und widersprüchliche Diskussionen. Zahllos sind Berichte von Frauen, deren Dammschnitte nur zögerlich verheilen. Nicht selten klagen Frauen nach einem Dammschnitt auch über wochenlange Schmerzen beim Wasserlassen und beim Stuhlgang sowie beim Geschlechtsverkehr bis hin zur Unfähigkeit, wegen eines zu eng genähten Dammschnitts Geschlechtsverkehr auszuüben ("katholische Naht").

Tatsächlich kann es in Einzelfällen notwendig werden, die Naht wieder zu öffnen und erneut zu vernähen. Das ist aber selten. Trotzdem: Wie die Naht gesetzt ist, hat einen wesentlichen Einfluss auf die Heilung und das Wohlbefinden der Frau nach der Entbindung.

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