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Dammschnitt (Episiotomie)

Autor: Christian Fiala
Letzte Aktualisierung: 06. November 2017

Ein Dammschnitt, medizinisch Episiotomie genannt (griech. episio = Schamgegend, tomie = Schnitt, Abschnitt), ist eine gynäkologisch-geburtshilfliche Operationsmethode, bei der der Damm eingeschnitten wird, um den Scheideneingang zu erweitern.

Dammschnitt
Ein Dammschnitt kann notwendig werden, wenn das Köpfchen bei der Geburt austritt
(c) Getty Images/iStockphoto

Dabei wird der Damm (griech. Perineum) als Bereich zwischen Vagina und Anus während der Austreibungsphase - wenn der Kopf des Babys aus der Scheide hervortritt - mit einer speziellen Operationsschere eingeschnitten und die Geburtsöffnung dadurch künstlich geweitet. Der Schnitt muss nach dem Ende der Geburt genäht werden. Die Häufigkeit von Dammschnitten kann nicht genau ermittelt werden, sie liegt in Deutschland bei rund 40 Prozent. Innerhalb Europas weichen die Raten voneinander ab. Hinzu kommt, ob die Schwangere in einer Klinik oder einem Geburtshaus entbindet. Genaue Angaben sind daher schwierig.

Die wichtigsten Fakten zum Dammschnitt auf einen Blick

  1. Der Dammschnitt gehört bei uns zu den häufigsten operativen Eingriffen während der Geburt.
  2. Dabei wird der Damm vom hinteren Ende der Vagina in Richtung Anus durchschnitten.
  3. Je nach Indikation unterscheidet man drei Arten von Dammschnitten.
  4. Die Heilungsdauer ist individuell sehr unterschiedlich und auch abhängig von der Art des Schnitts.
  5. Der Dammschnitt wird nach der Geburt wieder vernäht. Die Fäden lösen sich nach einiger Zeit selbst auf und müssen nicht gezogen werden.
  6. Vor allem in den ersten Tagen nach dem Dammschnitt ist körperliche Schonung angesagt. Vor allem langes Sitzen sollte vermieden werden.
  7. Viele Hebammen empfehlen die Dammmassage zur Vorbeugung von Dammschnitten.

Arten von Dammschnitten

Es gibt drei Richtungen, in die der Damm zwischen dem hinteren Ende der Vagina und dem Anus durchschnitten werden kann:

Die mediane Episiotomie (Schnittführung genau in der Mittellinie) ist die heute gebräuchlichste Methode. Sie hat den Vorteil, dass sie von allen drei Schnittführungen im Normalfall noch am wenigsten Beschwerden im Wochenbett bereitet. Der Nachteil aber ist, dass das Dammgewebe trotz des Entlastungsschnittes in Richtung After weiterreißen kann. Die anschließende chirurgische Versorgung dieser nicht seltenen Komplikation ist aufwendig und erfordert chirurgisches Fingerspitzengefühl. Wegen dieser Probleme sollte die mediane Schnittführung nur von einer erfahrenen Geburtshelferin gewählt werden.

Die mediolaterale Episiotomie (Schnittführung von der Mitte aus in ca. 45 Grad Abweichung nach rechts oder links), der schräge Schnitt von der Scheidenmitte nach links oder rechts, ist die Schnittführung, die den meisten Raumgewinn bringt. Sie wird bei sehr engem Geburtskanal oder einem sehr großen Kind gewählt sowie bei Zangen- oder Saugglocken-Entbindungen. Der schräge Schnitt macht deutlich mehr Beschwerden im Wochenbett als der Schnitt in der Mittellinie.

Die laterale Episiotomie (Schnittführung ca. zwei Zentimeter neben der Mittellinie nach rechts oder links), bei der der Schnitt ca. zwei Zentimeter seitlich der Mittellinie (links oder rechts) erfolgt, hat eine weniger gute Heilungstendenz. Aus diesem Grund gilt diese Schnittführung beim Dammschnitt heute als veraltet und kommt eher nicht mehr zur Anwendung.

Oberflächliche Scheiden- und Dammrisse entstehen bei jeder normal verlaufenden vaginalen Entbindung am Gebärmutterhals, an der Scheide und am Damm. Diese Risse sind natürlich (physiologisch). Zu kleineren Verletzungen am Geburtskanal kommt es bei etwa der Hälfte der Erstgebärenden. Im Normalfall erfordern diese Risse keine chirurgische Versorgung. Sie verheilen in der Regel komplikationslos.

Heilungsdauer und Tipps zur besseren Heilung

Je nach Schnitt und Zustand der Wunde kann die Heilungsdauer von Dammschnitten sehr unterschiedlich sein. bei der einen Frau ist die Naht nach einer Woche abgeheilt, bei einer anderen kann es mehrere Wochen dauern. Wenn die Beschwerden noch stark sind, können folgende Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden und Unterstützung der Heilung getroffen werden:

  • Kondom mit Wasser füllen, zuknoten und ins Eisfach legen, dann gefrorenes Kondom an den Nahtbereich legen (immer nur wenige Minuten kühlen!)
  • Sitzbäder mit Ölen wie Calendula oder Kamille (jeweils nur kurz baden, damit die Naht nicht "aufweicht")
  • beim Stuhlgang auf Toilette pressen vermeiden
  • wenn möglich, zwischendurch mal "unten ohne" zuhause rumlaufen oder hinlegen, damit Luft an die Naht kommt und sie besser heilen kann

Diskussionsthema Dammschnitt

Unter Schwangeren und in den Geburtsvorbereitungskursen sorgt das Thema Dammschnitt immer wieder für heftige und widersprüchliche Diskussionen. Von den (meist männlichen) Geburtshelfern auch heute noch in vielen Kliniken recht großzügig verordnet, ist der Dammschnitt ein chirurgischer Eingriff, vor dem viele Schwangere Angst haben. Zahllos sind Berichte von Frauen, deren Dammschnitt schlecht und nur zögerlich verheilen. Nicht selten klagen Frauen nach einem Dammschnitt auch über wochenlange Schmerzen beim Wasserlassen und beim Stuhlgang sowie beim Geschlechtsverkehr bis hin zur Unfähigkeit, wegen eines zu eng genähten Dammschnitts Geschlechtsverkehr auszuüben ("katholische Naht").

Autor: Christian Fiala
Letzte Aktualisierung: 06. November 2017
Quellen

Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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