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Geht es dem Baby gut?

CTG: Das verrät der Wehenschreiber über die Herztöne

Ein CTG (Kardiotokogramm) misst während Schwangerschaft und Geburt die Herztöne des ungeborenen Babys. Außerdem zeichnet es die Wehen der Mutter auf. Ein CTG wird meist ab der 30., manchmal aber auch schon ab der 25. Schwangerschaftswoche geschrieben. Lesen Sie hier, was es aussagt und welche Werte normal sind.

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Mit einem CTG lassen sich Herztöne des Kindes und Wehen der Mutter zeitgleich darstellen
© GettyImages/Topalov
Artikelinhalte auf einen Blick:
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Was ist ein CTG?

Das CTG (Kardiotokogramm oder Kardiotokografie) gehört zu den Standarduntersuchungen während der Schwangerschaft – es wird auch als Wehenschreiber bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine einfache und schmerzlose Untersuchung, die vor allem in den letzten Schwangerschaftswochen und während der Geburt zum Einsatz kommt.

Eine Kardiografie stellt die Herzfrequenz des Ungeborenen grafisch und akustisch dar. Eine Tokografie zeigt die Wehentätigkeit der Mutter grafisch an. Die Kardiotokografie (CTG) ist eine Kombination aus beiden Verfahren.

Das CTG dient dazu, das Wohlbefinden des Kindes und seine Sauerstoffversorgung simultan zur Wehentätigkeit zu überwachen. Es ist eine grafische Darstellung der mütterlichen Wehen und der Herztöne des Babys in Form einer Kurve.

Ab wann wird das CTG gemacht?

Ab wann ein CTG gemacht wird, ist sehr unterschiedlich. Den Richtlinien zufolge ist ein CTG nur unter folgenden Unterständen eine notwendige Untersuchung:

Die meisten Frauenärzt*innen schreiben jedoch etwa ab der 30. Schwangerschaftswoche regelmäßig ein CTG. Bei einer Risikoschwangerschaft oder bei Problemen während der Schwangerschaft kann ein CTG bereits ab der 25. Schwangerschaftswoche eingesetzt werden. Denn mit einem CTG lassen sich Notfall- oder Gefahrenzustände des Ungeborenen feststellen und kontrollieren. Ist das Wohlbefinden des Babys gefährdet, kann die*der Ärztin*Arzt oder die Hebamme sofort eingreifen. Auch vorzeitige Wehen lassen sich mit einem CTG feststellen und gegebenenfalls mit einer Tokolyse - Wehenhemmung mit Medikamenten (medikamentöser Wehenhemmung) in den Griff bekommen.

Ist ein CTG schädlich fürs Baby?

Nicht medizinisch notwendige CTGs sind ebenso wie unnötige Ultraschalluntersuchungen nicht mehr gestattet. Dies ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, denn mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist die Ultraschallenergie nicht schädlich fürs Baby. "Eine Gesundheitsgefährdung gilt bei fachgerechter Anwendung sowohl für die Schwangere als auch für das Kind als ausgeschlossen", teilt etwa das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit.

Bislang hat keine Studie gezeigt, dass beim Ultraschall ein Risiko für das Baby besteht. Zu 100 Prozent ausschließen kann man das allerdings nicht. Theoretisch könnte die Ultraschallenergie nämlich dazu führen, dass sich das bestrahlte Gewebe erwärmt und sich Bläschen darin bilden. Dies wäre eine potenzielle Gefahr für das Ungeborene. Das gilt allerdings vor allem für unsachgemäß und übermäßig lange angewendete Ultraschalluntersuchungen.

Auch während der Geburt soll deshalb nicht mehr standardmäßig dauerhaft ein CTG geschrieben werden. Eine kontinuierliche Kardiotokografie während der Geburt sieht die aktuelle Leitlinie nur noch vor, wenn Risiken und/oder Komplikationen vorliegen.

Wie funktioniert ein CTG?

Ein CTG basiert auf Ultraschallwellen. Während des CTGs liegt die Schwangere idealerweise auf der linken Seite oder sitzt. An ihrem Bauch werden zwei Sensoren mithilfe eines Gurtes befestigt. Der eine Sensor übermittelt die Herztöne des Babys, der andere die Wehentätigkeit der Mutter. Beide Werte werden auf einem Streifen Papier ausgedruckt.

Kindliche Herzöne: Die Herzfrequenz des Fötus ermittelt der sogenannte Doppler-Ultraschall-Transducer. Er sendet Ultraschallsignale ins Innere des Bauches, wo sie vom Herzen des Kindes reflektiert und von der Ultraschallsonde wieder empfangen werden. Auf dem Papier ist dann der Abstand der kindlichen Herztöne zu sehen. Die Signale sind relativ störempfindlich und können leicht durch Bewegungen des Kindes beeinflusst werden – also keine Panik, wenn die Aufzeichnung zwischendurch aussetzt.

Wehen: Der zweite Messfühler reagiert auf ein eventuelles Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur und erkennt so Wehen. Er sendet die Kontraktionen als elektrisches Signal an den Papierschreiber, der dies als Wehenkurve aufzeichnet. Anhand der Kurve auf dem Papier kann die*der Ärztin*Arzt sehen, ob und wie häufig und stark die Wehen sind.

CTG Kurven
Auf dem CTG-Ausdruck sind die Herztöne des Kindes und die Wehen der Mutter grafisch als Kurven dargestellt.
© GettyImages/AzmanL

Sehr selten wird ein Internes CTG gemacht. Es kann nur durchgeführt werden, wenn die Fruchtblase bereits gesprungen ist. Die*der Ärztin*Arzt führt eine Elektrode durch die Scheide der Schwangeren ein und befestigt sie am Kopf oder Steiß des Ungeborenen. Dadurch können die Herztöne aufgezeichnet werden. Die interne Kardiotokografie ist zuverlässiger und exakter als die externe. Besonders bei häufigen Lageveränderungen kann sie sinnvoll sein. Die interne Kardiotokografie ist jedoch aufwändiger als die externe und wird aufgrund des Verletzungsrisikos nur bei speziellen Indikationen, etwa einem vorangegangenen Kaiserschnitt, durchgeführt. Bei einem internen CTG können das Ungeborene oder der Plazenta (Mutterkuchen)verletzt werden, wenn die Elektrode befestigt wird. Zudem können Infektionen auftreten.

Wie lange dauert ein CTG?

Die Aufzeichnung der kindlichen Herztöne (fetale Herzfrequenz) erfolgt in der Regel rund 30 Minuten bis maximal eine Stunde lang und wird bis zur Entbindung meist in regelmäßigen Abständen wiederholt.

CTG während der Geburt

Auf ein CTG soll der aktuellen Leitlinie zur vaginalen Geburt zufolge zu Beginn der Geburt und in der aktiven Eröffnungsphase verzichtet werden, wenn bei der Schwangeren kein erhöhtes Risiko vorliegt. Stattdessen sollen die Herztöne über die Bauchdecke abgehört werden. Werden dabei Auffälligkeiten festgestellt, soll ein CTG gemacht werden. Ist dieses unauffällig, kann es nach 20 Minuten entfernt werden.

Liegen bestimmte Risiken oder Komplikationen wie ein erhöhter Puls der Mutter vor oder hat die Schwangere wehenfördernde Mittel bekommen, kann eine kontinuierliche Überwachung nötig sein. Bei einer Risikoschwangerschaft wird in der Regel während der gesamten Eröffnungs- und Austreibungsphase ein Kardiotokogramm geschrieben.

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CTG: Welche Werte sind wichtig?

Das Muster der fetalen Herzfrequenz gibt Aufschluss darüber, ob das Ungeborene ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist. Die Methode gilt als zuverlässig, wenn Ärzt*innen und Hebammen damit vertraut sind und die Daten korrekt interpretieren können.

Folgende Kriterien sind wichtig zur Beurteilung:

Die Basalfrequenz ist so etwas wie der Ruhepuls des ungeborenen Kindes.

Veränderungen der Herzfrequenz sind ganz normal. Als Bandbreite bezeichnet man dabei die Differenz zwischen der höchsten und niedrigsten Schwankung. Pro Minute gibt es etwa drei bis fünf solcher Ausreißer, bei denen die Herzfrequenz etwa fünf bis 15 Schläge ober- oder unterhalb der Basalfrequenz liegt. Ist die Herzfrequenz dauerhaft erhöht, spricht man von einer Tachykardie (Herzrasen), ab 170 Schlägen pro Minute von einer schweren Tachykardie.

Akzelerationen sind Ausreißer aus der Basalfrequenz nach oben um mehr als 15 Schläge pro Minute für mindestens 15 Sekunden. Eine solche Zunahme der Herzfrequenz kann beispielsweise durch Kindsbewegungen hervorgerufen werden. Bei einem CTG während der Schwangerschaft sollten in 20 Minuten mindestens zwei solcher Akzelerationen stattfinden. Ist das nicht der Fall, wird die*der Ärztin*Arzt oder die*der Arzthelfer*in versuchen, das Kind zu wecken. Periodische, immer unter einer Wehe auftretende Akzelerationen können auf einen Sauerstoffmangel des Kindes während der Wehe hindeuten.

Dezelerationen sind Verlangsamungen der Herzfrequenz von mindestens 15 Schlägen pro Minuten über mindestens 15 Sekunden. Sie können zu Beginn einer Wehe auftreten, weil sich der Druck auf den Kopf des Fötus beim Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur erhöht. Kritischer sind Dezelerationen, die nach einer Wehe auftreten. Sie können darauf hindeuten, dass die Plazenta nicht gut genug durchblutet ist und das Baby nicht ausreichend Sauerstoff bekommt. Auf einen Sauerstoffmangel reagiert der kindliche Organismus zunächst kompensatorisch mit einer Akzeleration, mit Unterschreiten einer kritischen Grenze jedoch mit Dezeleration.

Welche CTG-Werte sind normal?

Bei einem normalen CTG liegen folgende Werte vor:

  • Basalfrequenz: 110-160 Schläge pro Minute
  • Bandbreite: > 5 Schläge pro Minute
  • Akzelerationen: ≥2 pro 20 Minuten
  • Dezelerationen: keine oder nur periodische
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Was ist ein auffälliges CTG?

Um ein vorgeburtliches CTG zu beurteilen, verwenden Ärzt*innen den sogenannten Fischer-Score. Dabei werden neben der Basalfrequenz, der Bandbreite, Akzelerationen und Dezelerationen auch die Nulldurchgänge betrachtet und Punkte von 0-10 vergeben. Der Nulldurchgang beschreibt das Vorkommnis, dass die Herzfrequenz die Basalfrequenz durchbricht. Bei weniger als 5 Punkten liegt ein pathologischer, das heißt bedrohlicher Zustand für den Fötus vor, bei weniger als 7 Punkten ein suspekter Zustand.

Für ein CTG während der Geburt gibt es den FIGO-Score. Dabei werden die Basalfrequenz, die Bandbreite, Akzelerationen und Dezelerationen betrachtet. Sind alle vier Werte in der Norm, spricht man von einem Normalbefund. Ist ein Kriterium (außer den Akzelerationen) auffällig, ist der Zustand suspekt. Als pathologisch gilt das CTG unter der Geburt, wenn mindestens ein Kriterium stark abweicht oder mehrere Kriterien auffällig sind.

Nicht beunruhigt sein müssen Mütter aufgrund von Schwankungen während des CTGs. Die meisten von ihnen sind völlig unbedenklich und kommen daher, dass sich das Baby während der Untersuchung entweder viel bewegt oder aber schläft. Auch Lageveränderungen der Mutter und somit das Verrutschen der Sensoren können die Ergebnisse beeinflussen.

Welche Probleme können bei einem CTG auftreten?

Das Ergebnis eines CTG kann von zahlreichen Stör- und Einflussfaktoren wie der körperlichen Aktivität der Schwangeren oder Verhaltenszuständen des Ungeborenen beeinflusst werden. In folgenden Fällen können beim CTG Probleme auftreten – sie erfordern deshalb gegebenenfalls besondere Aufmerksamkeit von Hebamme oder Arzt:

  • Adipositas: Bei sehr starkem Übergewicht besteht die Möglichkeit, dass das CTG misslingt. Beim Anbringen der Knöpfe wird deshalb darauf geachtet, dass sie ausreichend auf die Bauchdecke drücken.

  • Mehrlingsschwangerschaft: Moderne CTG-Geräte ermöglichen es, die Herztöne beider Kinder gleichzeitig zu überwachen.

  • Aktives Baby: Die Auswertung wird erschwert, wenn das Kind zum Zeitpunkt der Messung sehr aktiv ist.

  • Lage des Kindes: Je nachdem, wie das Kind liegt, können die Herztöne schon einmal schwerer einzufangen sein. In solchen Fällen hilft eine Ultraschalluntersuchung dabei, die Lage des Kindes genau zu ermitteln.

Welche Ergänzungen zum CTG gibt es?

Ist das Ergebnis des CTG auffällig, führt der Arzt zusätzliche Untersuchungen durch, um das Wohlbefinden des Ungeborenen zu überprüfen. Dies können beispielsweise folgende Untersuchungen sein:

  • Dopplerultraschall: Er dient dazu, den Blutfluss in den Gefäßen und die Entwicklung des Herzens darzustellen.
  • fetale Stimulation: Der Arzt stimuliert das Ungeborene mit manuellen, akustischen und/oder lichtoptischen Impulsen und prüft erneut die Herzfrequenz.
  • Kineto-Kardiotokogramm (K-CTG): Mit einem dritten Messfühler wird während des CTG die Bewegungsintensität und -dauer des Ungeborenen geprüft.

Eine Telemetrie-Kardiotokografie (Telemetrie-CTG) ist eine Weiterentwicklung des CTG: Mit ihrer Hilfe kann auf die Verkabelung der Schwangeren verzichtet werden. Die CTG-Signale werden dabei über Funk an das Untersuchungsgerät übermittelt. Besonders bei Langzeitüberwachungen ist ein Telemetrie-CTG sinnvoll, damit die Schwangere sich möglichst frei bewegen kann. Zudem wird ein Telemetrie-CTG bei einer Wassergeburt angewendet.

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