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Plazentaablösung und vorzeitige Plazentalösung

Autor: Viola Booth
Letzte Aktualisierung: 20. Juni 2016

Die Plazenta (Mutterkuchen) ist ein lebenswichtiges Organ: Sie versorgt das Baby während der Schwangerschaft mit Nährstoffen und Sauerstoff. Im Normalfall wird sie nach der Geburt des Babys ausgeschieden. Kommt es während der Schwangerschaft zu einer vorzeitigen Plazentalösung, noch bevor das Baby geboren ist, besteht Gefahr für Mutter und Kind.

Plazentaablösung und vorzeitige Plazentalösung
In der Nachgeburtsphase kommt es zur Plazentaablösung - mit dem Ausscheiden des Mutterkuchens ist die Geburt abgeschlossen
(c) iStockphoto/Vasileios Economou

Sobald das Neugeborene zur Welt gekommen ist, hat die Plazenta ihre Aufgabe für Mutter und Kind erfüllt. Sie hat im Körper der Frau keine Funktion mehr und wird in der Nachgeburtsphase ausgestoßen. Erst, wenn die Plazenta ausgeschieden ist, gilt die Geburt als abgeschlossen.

Plazentaablösung während der Geburt

In der Regel löst sich die Plazenta innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Geburt des Kindes durch die große Volumenverringerung von alleine ab. Während der Nachwehen zieht sich die Gebärmutter zusammen, die Plazenta trennt sich von der Haftstelle an der Gebärmutterwand, wird in den Geburtskanal geschoben und gemeinsam mit Blut (etwa 200 bis 400 Milliliter bei einer vaginalen Geburt) ausgestoßen. Durch das Zusammenziehen der Gebärmutter schließen sich die Blutgefäße an der Haftstelle. Plazentaablösung und -ausstoßung dauern etwa zehn bis 20 Minuten.

Durch Abtasten kann die Hebamme feststellen, wann sich die Plazenta in der Gebärmutter gelöst hat. Sie wird die Mutter ggf. dazu auffordern, bei einer Nachwehe zu pressen und dann vorsichtig an der Nabelschnur ziehen.

Die Plazentaablösung von der Gebärmutterwand verursacht keinen Schmerz. Auch die Ausscheidung der Plazenta wird von Frauen meist eher als Druckgefühl und nicht als Geburtsschmerz wahrgenommen. Einige Frauen sind von ihrem Neugeborenen so abgelenkt, dass sie die Geburt der Plazenta kaum registrieren.

Nachdem die Plazenta ausgestoßen ist, muss sie von den Geburtshelfern mit größter Sorgfalt untersucht werden. Es ist wichtig, dass sie sich komplett abgelöst hat. Wenn Geweberückstände in der Gebärmutter verbleiben, können Komplikationen auftreten: Nachblutungen, Schmerzen, Blutverlust, Entzündungen oder bösartige Veränderungen des Gewebes. Ist die Plazenta nicht vollständig ausgestoßen worden, wird im Kreißsaal eine Ausschabung vorgenommen.

Komplikationen bei der Plazentaablösung während der Geburt

Eine verzögerte oder unvollständige Plazentaablösung kann schwere – für die sogar Mutter lebensgefährliche – Blutungen verursachen.

Das Risiko einer Blutung ist erhöht, wenn die Frau Zwillinge zur Welt bringt, sie sehr viel Fruchtwasser hat oder an einer angeborenen Gerinnungsstörung leidet. Nach einer langen Geburt ist es möglich, dass eine Kontraktionsschwäche der Gebärmutter (Uterusatonie) vorliegt: Der Gebärmuttermuskel zieht sich in diesem Fall nicht zusammen und die Blutgefäße schließen sich nicht. Auch Voroperationen an der Gebärmutter können für eine Blutung verantwortlich sein, wenn die Plazenta an einer alten Narbe festgewachsen ist.

Plazentaablösung aktiv unterstützen

Nicht bei allen Müttern kommt es innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Geburt des Kindes zur Nachgeburt. In einigen Fällen kann es bis zu eineinhalb Stunden dauern. Lässt die Geburt der Plazenta auf sich warten, werden unterstützende Maßnahmen eingeleitet, um die Plazentaablösung anzuregen:

  • Das Baby wird an die Brust angelegt oder es werden die Brustwarzen stimuliert, um die Ausschüttung von Oxytocin zu fördern. Dieses Hormon sorgt für Kontraktionen der Gebärmutter.
  • Die Blase wird entleert: Manchmal ist eine volle Blase schuld daran, dass die Plazenta nicht geboren wird. Möglicherweise wird diese deshalb mithilfe eines Katheters entleert.
  • Es werden Akupunkturnadeln gesetzt.
  • Der obere Teil der Gebärmutter wird massiert.
  • Der Mutter wird eine Kochsalzlösung mit einem Wehenhormon in die Nabelschnurvene injiziert oder die Plazentaablösung wird durch den Einsatz eines Wehentropfs unterstützt.

Manuelle Plazentalösung

Greifen die Maßnahmen zur Plazentalösung nicht oder es treten Komplikationen auf, wird der Mutterkuchen manuell gelöst. Der Eingriff findet unter einer Betäubung mittels PDA oder Vollnarkose statt. Die Frau befindet sich dabei in der Haltung wie auf einem gynäkologischen Stuhl, die Ärztin oder die Hebamme tastet mit der Hand in die Gebärmutterhöhle, löst die Plazenta und holt sie heraus. Wenn sie zu fest verwachsen ist, muss sie durch eine Ausschabung entfernt werden.

Vorzeitige Plazentalösung (Abruptio placentae): Häufigkeit und Wiederholungsrisiko

Eine vorzeitige Plazentalösung gehört zu den schweren Schwangerschaftskomplikationen. Sie tritt selten (bei 0,5 bis 1  Prozent aller Schwangerschaften) auf, ist aber sehr gefährlich. Hierbei löst sich die Plazenta schon während der Schwangerschaft teilweise oder vollständig von der Gebärmutter und der Stoffwechsel zwischen mütterlichem und kindlichem Kreislauf wird unterbrochen.

Die Ablösung führt zu einer schnellen Unterversorgung des Ungeborenen und zu Blutungen im Uterus – es besteht akute Lebensgefahr für Mutter und Kind. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ungeborene verstirbt ist abhängig vom Ausmaß der Ablösung und dem Schwangerschaftsalter. Bei der Mutter ist das Ausmaß der Ablösung und der damit einhergehende Blutverlust entscheidend.

Hat in der vorangegangenen Schwangerschaft eine vorzeitige Plazentalösung stattgefunden, liegt das Wiederholungsrisiko bei fünf bis 15 Prozent.

Vorzeitige Plazentalösung: Ursachen

Verschiedene Ursachen kommen als Risikofaktoren für eine vorzeitige Plazentalösung infrage. Dies sind zum Beispiel:

Vorzeitige Plazentalösung: Symptome

Welche Symptome bei einer vorzeitigen Plazentalösung auftreten, ist vom Grad der Plazentalösung abhängig. Die Ablösung selbst ist schmerzfrei. Sie tritt häufig nicht sofort (zum Beispiel bei einer Plazentalösung nach einem Sturz) auf, sondern erst nach mehreren Stunden. Deshalb ist es ratsam, nach so einem Ereignis den Arzt zu kontaktieren.

Folgende Symptome weisen auf eine vorzeitige Plazentalösung hin:

  • brettharter und druckempfindlicher Uterus
  • plötzlich einsetzender Schmerz und schmerzhafte Dauerkontraktion
  • Schockzeichen (Erhöhung der Pulsfrequenz, Blutdruckabfall)
  • vaginale Blutungen (Die Blutung nach außen ist oft nur gering, aber es kommt zu starken inneren Blutungen. Lassen Sie Blutungen deshalb sicherheitshalber immer abklären.)

Bei Hinweisen auf eine vorzeitige Plazentalösung müssen Sie sich sofort untersuchen lassen. Die Plazentalösung kann per Ultraschall festgestellt werden.

Vorzeitige Plazentalösung: Therapie

Da Mutter und Kind bei einer vorzeitigen Plazentalösung akuter Lebensgefahr ausgesetzt sind, müssen direkt Maßnahmen ergriffen werden. Bei Blutverlust ist die schnelle Therapie entscheidend für das Überleben der Mutter. Die Entbindung des Kindes soll auf dem schnellsten und sichersten Weg erfolgen. Dies geschieht mithilfe eines Notkaiserschnitts. Ist das Kind im Mutterleib verstorben und es besteht keine Gefahr für die Schwangere, wird dazu geraten, es auf natürlichem Weg zur Welt zu bringen.

Autor: Viola Booth
Letzte Aktualisierung: 20. Juni 2016
Quellen

Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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