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Geburtsvorbereitung

HypnoBirthing: Was bringt der Kurs gegen Schmerzen bei der Geburt?

Angstfrei und entspannt durch Selbsthypnose: HypnoBirthing soll es Frauen ermöglichen, die Geburt ihres Kindes ganz bewusst und ohne oder nur mit wenig Schmerzen zu erleben. Doch ist so etwas überhaupt möglich? Wir stellen die Methode vor.

Paar mit Baby nach der Geburt
© GettyImages/Westend61

Kurzübersicht: HypnoBirthing

Was ist das? HypnoBirthing ist eine Methode der Geburtsvorbereitung. Mittels Selbsthypnose soll die Geburt angstfrei verlaufen und mit weniger Schmerzen verbunden sein.

HypnoBirthing erlernen: In Kursen vermitteln zertifizierte Kursleiter*innen spezielle Übungen, die du zu Hause fortführen kannst. Im Gegensatz zu regulären Geburtsvorbereitungskursen empfiehlt es sich, schon früher starten, um genügend Zeit für das Üben zu Hause zu haben.

HypnoBirthing-Techniken: Atmungtechniken, die Vermittlung positiver innerer Bilder (Visualisierungen), Entspannungstechniken und Vertiefung sind die vier Säulen des HypnoBirthings. Auch das Wissen um die Vorgänge unter der Geburt spielt eine große Rolle.

Gibt es Studien zur Wirksamkeit? Kleinere Studien belegen positive Effekte des HypnoBirthings wie weniger Geburtsverletzungen, kürzere Geburt, weniger Schmerzen oder eine positivere Einstellung zum Neugeborenen. Kritiker*innen monieren die fehlende Aussagekraft dieser Studien.

Bei Hypnose denken viele an Fremdbestimmung, bei positiven Affirmationen an Aussagen wie "Ich bin schön und stark", die man seinem Spiegelbild sagt. Doch Selbsthypnose kann auch dazu beitragen, das Selbstvertrauen zu stärken und Ängste zu bewältigen. Dieses Prinzip macht man sich beim HypnoBirthing zur Geburtsvorbereitung zunutze.

In diesem Artikel liest du:

Welche Geburtspositionen gibt es?

Mehr als positiv denken: Mit HypnoBirthing tiefe Entspannung erreichen

Das HypnoBirthing ist eine Methode der Geburtsvorbereitung, die auf Selbsthypnose und einen damit zu erreichenden tiefen Entspannungszustand setzt. Durch Beeinflussung des eigenen Unterbewusstseins soll die Geburt selbstbestimmt, frei von Angst und vor allem entspannt verlaufen. Spezielle HypnoBirthing-Übungen bereiten dich und ggf. auch deine Geburtsbegleitung bereits während der Schwangerschaft darauf vor.

In HypnoBirthing-Kursen erlernst du, wie du dich selbst in einen Zustand versetzen kannst, in dem du weniger Angst hast und mehr eigene Stärke und Kompetenz erlebst – so lautet die Theorie hinter dem Konzept.

Das Prinzip: Mehr Wissen und Vertrauen in den eigenen Körper und verschiedene Methoden der Entspannung führen zu weniger Angst und damit zu weniger Schmerzen während der Geburt.

Ursprung in der Geburtshilfe

Der britische Arzt und Geburtshelfer Grantly Dick-Read ist einer der bekannteren Vorreiter der Selbsthypnose zur Geburtsvorbereitung. Er nannte den Grund, warum viele Frauen unter großen Schmerzen gebären, Angst-Spannung-Schmerz-Syndrom. Seine Beobachtung: Durch die Angst vor der Geburt entstehe Spannung und dadurch mehr Schmerz, was wiederum mehr Angst hervorrufe – ein Teufelskreis. Dadurch komme es häufiger zu Komplikationen, zur Hemmung des natürlichen Geburtsvorgangs und zu mehr Schmerzen.

Die heute verbreitete Methode des HypnoBirthings entwickelte Marie Mongan in den 1980er Jahren in den USA. Sie wollte Schwangeren damit helfen, die Geburt als natürlichen und gesunden Prozess zu erleben, zu dem sie von Natur aus in der Lage sind. Seit 2013 gibt es in Deutschland die HypnoBirthing Gesellschaft Europa (HBGE), die Kursleiter*innen ausbildet und zertifiziert.

HypnoBirthing-Kurs: Techniken erlernen in Präsenz oder online

Im HypnoBirthing-Kurs erlernen du und ggf. deine Begleitperson von der zertifizierten HypnoBirthing-Kursleitung Atem-, Entspannungs und Massagetechniken. Die Anleitung durch eine gut ausgebildete Kursleitung ist ganz entscheidend, jedoch müssen die Techniken zu Hause konsequent geübt werden, um sich für die Geburt auch wirklich zu konditionieren. Mittlerweile werden auch HypnoBirthing-Onlinekurse angeboten.

Im Kurs kommt auch das Wissen über den eigenen Körper nicht zu kurz, denn gerade bei der Geburt ist es wichtig, zu wissen, wie die Gebärmutter eigentlich arbeitet. So kannst du deine Gebärmutter aktiv in Phasen der An- und Entspannung unterstützen. Zudem lernst du, wie du mit Angst während der Geburt umgehst. Dies ist besonders essentiell, denn unter Anspannung und Angst verkrampfen die Muskeln im Körper, was unter der Geburt zu mehr Schmerzen führen kann.

HypnoBirthing ist zwar kein selbstverständlicher Teil der Geburtsvorbereitung, aber manche Krankenkassen übernehmen die Kosten für einen HypnoBirthing-Kurs, vor allem private. Kläre vorab mit deiner Kasse, ob sie sich zumindest daran beteiligt. Empfohlen wird der Kursbeginn spätestens um den sechsten Schwangerschaftsmonat herum, damit nach dem Kurs noch genügend Zeit zum Vertiefen und Weiterüben zu Hause bleibt.

HypnoBirthing-Übungen: Körper und Geist auf die Geburt vorbereiten

Mithilfe unterschiedlicher Übungen soll man sich laut HypnoBirthing-Versprechen während der Geburt selbst in eine tiefe Entspannung führen und so die Aufmerksamkeit voll und ganz auf den Geburtsvorgang lenken können. Dadurch soll eine bewusste und selbstbestimmte Geburt möglich werden.

Dem liegt die Annahme zugrunde, dass jede Frau das intuitive Wissen über das Gebären in sich trägt und somit die wichtigste "Expertin" für ihre Geburt ist. HypnoBirthing soll die Frau in die Lage versetzen, sich voll und ganz auf ihr inneres Wissen und ihr Erleben der Geburt einzulassen.

Marie Mongan, die Begründerin des HypnoBirthings, setzt neben dem Vermitteln von Wissen über die Vorgänge unter der Geburt sowie Themen wie Ernährung auf vier Basistechniken:

  • Atmung
  • positive innere Bilder (Visualisierung)
  • Entspannung
  • Vertiefung

Positive Effekte des HypnoBirthings

Das Internet ist voll von Geburtsberichten, in denen Frauen ihre positiven Erfahrungen mit HypnoBirthing teilen. Auch Kursleiter*innen sind häufig vor allem in sozialen Medien sehr aktiv und berichten von den Vorzügen dieser Art der Geburtsvorbereitung.

Zahlreiche Studien weisen auf die positiven Effekte des HypnoBirthings hin. Frauen, die bestimmte Techniken während ihrer Schwangerschaft erlernt hatten, hatten im Durchschnitt

  • weniger Schmerzen bei der Geburt und benötigten seltener Schmerzmittel
  • weniger Geburtsverletzungen
  • weniger Geburtsinterventionen und Kaiserschnitte
  • eine kürzere Geburtsdauer
  • weniger häufig Wochenbettdepressionen
  • eine positivere Einstellung zum Neugeborenen

und erlebten die Geburt insgesamt subjektiv angenehmer.

Auch der körperliche Zustand des Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt ist besser. So ist der APGAR-Index, der diesen Zustand bewertet, bei Frauen, die zur Geburtsvorbereitung HypnoBirthing erlernt haben, durchschnittlich etwas höher.

Du kannst HypnoBirthing unabhängig von deinem Geburtsort anwenden, auch in der Klinik ist das möglich. Sprich das Thema am besten bei der Geburtsanmeldung an.

Kritik am HypnoBirthing

Gerade in der heutigen Zeit bietet ein Konzept wie das HypnoBirthing eine weitere Möglichkeit, sich vermeintlich optimal auf die Geburt vorzubereiten. Immer häufiger sind Schwangere von dem Wunsch getrieben, alles Erdenkliche getan zu haben, damit ihre Geburt perfekt wird.

Bei allen positiven Aspekten wie der positiven mentalen Vorbereitung auf die Geburt ist HypnoBirthing jedoch leider keine Garantie für die "perfekte Geburt". Gerade, wenn du dich intensiv auf die Geburt vorbereitest, vielleicht sogar einen Geburtsplan erstellt hast, solltest du dir bewusst machen: Es kann passieren, dass es nicht genau so ablaufen wird, wie du es dir vorgestellt hast. Möglicherweise wird eine Intervention nötig sein. Und dann gilt es, dir selbst, aber auch deinen Geburtshelfer*innen zu vertrauen.

Gleichzeitig ist es enorm wichtig, eine Vertrauensperson an deiner Seite zu haben, der das HypnoBirthing-Konzept bekannt ist. Sie kann dabei helfen, den nötigen Schutzraum für dich zu schaffen, in dem du dich voll und ganz auf dich und deine Geburt konzentrieren kannst.

Keine wissenschaftlichen Studien zum Erfolg von HypnoBirthing

Die Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (AGG) weist in ihren FAQ zu HypnoBirthing darauf hin, dass es bislang keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit von HypnoBirthing gibt. Kleinere Studien mit positiven Erkenntnissen können "aufgrund ihrer Größe und ihrer Fragestellung angezweifelt werden (...)". Trotzdem könne sich eine positive mentale Beeinflussung durchaus günstig auf die Geburt auswirken und Ängste nehmen, sofern man nicht "dogmatisch" vorgehe.

Fachleute merken außerdem an, dass HypnoBirthing für Frauen mit einer psychischen Vorerkrankung nicht geeignet ist, da gerade während der Selbsthypnose negative Erfahrungen wieder auftauchen können und somit genau das Gegenteil von dem passieren könnte, was die Schwangere eigentlich erreichen möchte.

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