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Wunschkaiserschnitt: Wissenswertes für deine Entscheidung

Du bist schwanger und denkst über einen Wunschkaiserschnitt nach? Um eine sorgfältig überlegte Entscheidung treffen zu können, solltest du über alle Vor- und Nachteile eines Kaiserschnitts informiert sein. Wir geben dir einen Überblick.

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© Getty Images/sefa ozel

Kurzübersicht: Wunschkaiserschnitt

Definition: Bei einem Wunschkaiserschnitt wird das Baby auf Wunsch der Schwangeren bei einem operativen Eingriff auf die Welt geholt. Ein medizinischer Grund für den Kaiserschnitt liegt in solchen Fällen nicht vor.

Gründe: Frauen entscheiden sich aus verschiedenen Gründen für einen Wunschkaiserschnitt. Unter anderem können traumatische Vorerfahrungen und Ängste eine Rolle spielen.

Abwägung: Um eine selbstbestimmte, informierte Entscheidung treffen zu können, bedarf es einer ausführlichen Aufklärung zum Ablauf sowie zu den Vor- und Nachteilen eines Kaiserschnitts.

Kosten: Die Kosten eines reinen Wunschkaiserschnitts müssen selbst getragen werden. Ärzt*innen können bei triftigen Gründen den Eingriff als medizinisch notwendig einstufen, sodass die Kosten übernommen werden.

Artikelinhalte im Überblick:

PDA bei der Geburt: So läuft sie ab

Was ist ein Wunschkaiserschnitt?

Von einem Wunschkaiserschnitt wird gesprochen, wenn ein Kaiserschnitt auf Wunsch der Schwangeren durchgeführt wird. Es liegt kein medizinischer Grund für den Eingriff vor. Laut Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) wünschen sich 6,7 Prozent der Erstgebärenden zum Ende ihrer Schwangerschaft eine Schnittentbindung.

Darf man sich einen Kaiserschnitt wünschen?

In Deutschland darf jede Frau selbst über die Art der Geburt entscheiden. Daher ist es sowohl möglich, ein Kind vaginal zu entbinden als auch einen Wunschkaiserschnitt vornehmen zu lassen.

Viele Expert*innen stehen einem reinen Wunschkaiserschnitt, der zum Beispiel aus organisatorischen Gründen durchgeführt wird, kritisch gegenüber. Nicht jede Geburtsklinik ist offen für solche Wünsche.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten Kaiserschnitte nur durchgeführt werden, wenn sie medizinisch gerechtfertigt sind, um Mutter und Kind keinen unnötigen Operationsrisiken auszusetzen. Bei der Wahl der Geburtsmethode sollen aber auch die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt werden. Hierzu kann auch die Angst vor der Geburt zählen.

Gründe für einen Wunschkaiserschnitt

Echte Wunschkaiserschnitte sind in der Realität sehr selten und kommen nur bei etwa zwei Prozent der Mütter vor. Häufiger wird ein Kaiserschnitt durchgeführt, weil eine sogenannte relative Indikation vorliegt. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn sich das Baby in einer Beckenendlage (BEL) befindet oder die Mutter bereits einen vorherigen Kaiserschnitt hatte. Ein Kaiserschnitt ist dann nicht zwingend notwendig und es muss im individuellen Fall abgewogen werden, ob eine natürliche Geburt infrage kommt.

Es gibt auch Situationen, in denen der Kaiserschnitt als Mittel dient, um das Leben von Mutter und Kind zu retten – etwa bei einem Gebärmutterriss. In solchen Fällen liegen absolute Indikationen für den Eingriff vor, er ist also zwingend erforderlich.

Den Wunsch nach einem Kaiserschnitt ohne eine medizinische Notwendigkeit äußern Frauen aus unterschiedlichen Gründen, zum Beispiel:

  • Geburtsangst (zum Beispiel Angst vor Schmerzen oder vor Schädigungen des Kindes)
  • traumatische Geburtserlebnisse in der Vergangenheit
  • Wunsch nach wenigen Auswirkungen auf den Beckenboden
  • Sorge vor späteren Einschränkungen der Sexualität
  • Planbarkeit des Geburtstermins

Wunschkaiserschnitt – ja oder nein?

Die Entscheidung für einen Wunschkaiserschnitt sollte nicht leichtfertig, sondern wohl überlegt getroffen werden. Damit du eine informierte, selbstbestimmte Entscheidung treffen kannst, solltest du daher alle Fakten rund um den Wunschkaiserschnitt kennen und wissen, welche Kurz- und Langzeitfolgen damit einhergehen können. Ein Wunschkaiserschnitt sollte nicht den Eindruck erwecken, dass es sich dabei um eine schmerz- und risikofreie Geburt handelt, mit der man es sich „leicht“ macht.

Lasse dich vorab unbedingt ausführlich ärztlich beraten. Wie die Entscheidung danach ausfällt, bleibt alleine dir überlassen. Nur du kannst wissen, was richtig für dich ist. Lasse dich nicht von anderen unter Druck setzen. Es gibt außerdem keinen Grund, dass du dich wegen einer getroffenen Entscheidung schuldig fühlst oder dich gar schämst.

Folgende Überlegungen kannst du unter anderem in deine Entscheidungsfindung einfließen lassen:

  • Schmerzen: Generell stimmt es nicht, dass sich eine Frau durch einen Kaiserschnitt jegliche Schmerzen erspart. Zwar wirst du keinen Wehenschmerz verspüren, dafür aber den Wundschmerz nach der Entbindung. Je nach Verlauf kann eine vaginale Geburt im Nachhinein ebenfalls mit Schmerzen verbunden sein – zum Beispiel, wenn es zu Geburtsverletzungen gekommen ist. Verletzungen im Dammbereich sind jedoch nicht so ausgeprägt wie die Wunde des Kaiserschnitts. Wenn du Angst vor den Schmerzen einer vaginalen Geburt hast, solltest du dich gezielt dazu beraten lassen. Es gibt Möglichkeiten der Schmerzstillung für eine Spontangeburt – zum Beispiel eine PDA.

  • Risiken: Das mütterliche Risiko, bei einem Kaiserschnitt zu versterben, ist aufgrund der Risiken einer Bauchoperation höher als bei einer natürlichen Geburt, aber trotzdem sehr gering. Der Kaiserschnitt gilt heutzutage als Routineeingriff und ist sehr sicher. Wie bei jeder Operation sind aber auch bei einem Kaiserschnitt Komplikationen möglich. Dazu zählen zum Beispiel Nebenwirkungen der Narkose, Verletzungen der benachbarten Organe oder Infektionen. Die Risiken für das Kind sind im Vergleich niedriger: Möglich sind Schnittverletzungen und anfängliche Anpassungsstörungen nach der Geburt. Atemstörungen treten gehäuft auf, wenn der Wunschkaiserschnitt vor der 39. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird. Wer Angst vor den Schädigungen des Kindes bei einer vaginalen Geburt hat, sollte sich hierzu noch einmal gezielt beraten lassen. Während der Geburt wird der Zustand des Kindes überwacht, sodass bei Problemen frühzeitig eingegriffen werden kann.

  • Spätere Auswirkungen auf die Gesundheit: Der Kaiserschnitt wird damit assoziiert, dass Kinder später häufiger an Erkrankungen des Immunsystems wie zum Beispiel Asthma leiden, öfter Allergien haben oder an Adipositas erkranken. Wie genau diese Zusammenhänge zu erklären sind, ist noch nicht abschließend erforscht.

  • Geburtserlebnis: Wer sich für einen Wunschkaiserschnitt entscheidet, verzichtet auf das natürliche Geburtserlebnis. Ob die Wahl der Geburtsmethode später bereut wird oder die Mutter mit dem Geburtsverlauf zufrieden ist, kann individuell vollkommen unterschiedlich sein. Sollte Angst vor der Geburt bei der Entscheidung eine Rolle spielen, ist eine Beratung hilfreich, bei der das Vertrauen in die eigene Gebärfähigkeit gestärkt wird. Auch ein Geburtsvorbereitungskurs ist sinnvoll. Für das Kind bedeutet der Kaiserschnitt ebenfalls einen Eingriff in das natürliche Geburtserlebnis, da es nicht selbst den Startschuss für die Geburt gibt. Manchmal ist es möglich, vor dem Kaiserschnitt erst den Beginn der Wehen abzuwarten. Aufgrund der mangelnden Planbarkeit kann dieses Vorgehen von Kliniken aber auch abgelehnt werden.

  • Folgen für weitere Schwangerschaften: Frauen, die bereits einen Kaiserschnitt hatten, bringen bei einer erneuten Schwangerschaft das Kind häufig ebenfalls per Kaiserschnitt zur Welt. Bestimmte Risiken wie eine Placenta praevia steigen mit der Anzahl der Kaiserschnitte. Im Gegensatz zu früher gilt heute aber nicht mehr die Aussage „einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt“. Die Risiken müssen im individuellen Fall abgewogen werden: Spricht nichts dagegen, kann auch nach einem Kaiserschnitt beim nächsten Kind eine natürliche Geburt erfolgen. Möglicherweise müssen besondere Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden.

  • Krankenhausaufenthalt: In der Regel heißt es, dass Frauen nach einer natürlichen Geburt schneller wieder fit sind und die Klinik verlassen dürfen. Der Krankenhausaufenthalt nach einem Kaiserschnitt beträgt ungefähr eine Woche. Wie lange du nach einer Geburt im Krankenhaus bleiben musst, ist jedoch auch von der individuellen Situation abhängig. Auch bei einer natürlichen Geburt kann es aufgrund von größeren Geburtsverletzungen vorkommen, dass du länger medizinisch versorgt werden musst.

  • Mobilität: Nach einem Kaiserschnitt wirst du anfangs auf Hilfe angewiesen sein, da du deine Bauchwunde schonen musst. Während des Heilungsprozesses sind bestimmte Bewegungen schmerzhaft oder nicht möglich. Die Schmerzen können es möglicherweise erschweren, dass du dein Neugeborenes hochhebst, trägst oder wickelst. Verläuft eine natürliche Geburt komplikationslos, bist du danach in der Regel schnell wieder vollständig einsatzbereit.

  • Mutter-Kind-Bindung: Das frühe Bonding, das durch den Körperkontakt von Mutter und Baby direkt nach der Geburt erfolgen soll, ist sowohl bei einer natürlichen Entbindung als auch bei einem Kaiserschnitt möglich. Das Baby wird direkt nach der Geburt auf deine Brust gelegt.

  • Stillen nach Kaiserschnitt: Ein Wunschkaiserschnitt stellt generell kein Hindernis für das Stillen dar. Dennoch ist zu beobachten, dass Frauen nach einem Kaiserschnitt seltener stillen. Möglicherweise kann das Stillen – oder der Still-Start – nach einem Kaiserschnitt erschwert sein und es wird besondere Unterstützung durch die Hebamme benötigt. Der Milcheinschuss findet möglicherweise etwas verzögert statt.

  • Beckenboden: Die Rückbildung der Gebärmutter kann nach einer Schnittentbindung etwas länger dauern und mit dem Rückbildungskurs wird erst später begonnen. Ein solcher Kurs ist aber auch nach einem Kaiserschnitt sehr wichtig. Denn: Der Beckenboden wird bei einem Kaiserschnitt zwar weniger belastet als bei einer natürlichen Geburt, trotzdem wurde er bereits durch die Schwangerschaft geschwächt.

  • Sexualität: Es gibt keine anerkannten Studien, die eine zuverlässige Auswertung erlauben, ob die Sexualität nach einer vaginalen Geburt anders erlebt wird als nach einem Kaiserschnitt.

  • Kaiserschnittnarbe: Der Bauchschnitt wird waagerecht etwas oberhalb deines Schambeins gesetzt. Wenn du Unterwäsche oder einen Bikini trägst, wird die Narbe später verdeckt sein. Wie sie sich entwickelt, ist individuell unterschiedlich. Sie kann verblassen und relativ unscheinbar aussehen oder sich als wulstige Narbe zeigen. Vollkommen verschwinden wird sie nicht mehr. Bei manchen Frauen macht sich das betroffene Nervengewebe auch öfters noch durch Missempfindungen bemerkbar – zum Beispiel bei einem Temperaturumschwung.

  • Planbarkeit: Bei einem Wunschkaiserschnitt wird der Termin vorab festgelegt. Im Gegensatz zu einer natürlichen Entbindung erfolgt die Geburt also nicht überraschend. Die bessere Planbarkeit könnte für Kliniken eine Rolle spielen. Einen Wunschkaiserschnitt nur aus organisatorischen Gründen durchführen zu lassen, ist bei Schwangeren in Deutschland äußerst selten der Fall.

Kosten: Wunschkaiserschnitt von der Krankenkasse bezahlt?

Ein Wunschkaiserschnitt, der zum Beispiel aufgrund von besserer Planbarkeit durchgeführt wird, kann nicht von der Krankenkasse bezahlt werden. In solchen Fällen handelt es sich um eine private Leistung, da keine medizinische Indikation vorliegt. Die Kosten können um die 4.000 Euro betragen und sind bei der jeweiligen Geburtsklinik zu erfragen.

Wenn triftige Gründe vorliegen, können Ärzt*innen den Wunsch nach einem Kaiserschnitt als medizinisch notwendigen Eingriff einstufen. Wird beispielsweise die Geburtsangst als Grund für den Wunschkaiserschnitt genannt und der Wunsch besteht auch nach einer eingängigen Beratung noch, könnte der*die Arzt*Ärztin diese als Indikation anerkennen. Die Kosten müssten demnach nicht von der Schwangeren selbst getragen werden. Das genaue Vorgehen solltest du mit den behandelnden Ärzt*innen und der Geburtsklinik besprechen.

Vorgehen bei Wunschkaiserschnitt: Was muss du tun?

Wenn du den Wunsch nach einem Kaiserschnitt hast, solltest du folgendermaßen vorgehen:

  • Sprich mit deinem*deiner Arzt*Ärztin über deine Gedanken.
  • Lass dich ausführlich zum Ablauf und zu allen Vor- und Nachteilen informieren.
  • Nimm spezielle Beratungen zum Thema Angst oder Schmerzen in Anspruch.
  • Wenn dein Entschluss feststeht: Teile den Wunsch deinem*deiner Arzt*Ärztin mit, gib ihn bei dem Gespräch zur Geburtsplanung in der Klinik an und informiere gegebenenfalls auch deine Nachsorgehebamme darüber.
  • Informiere dich, welche Untersuchungen nötig sind – etwa Voruntersuchungen in der Klinik, Termine beim*bei der Operateur*in oder Aufklärungsgespräche zur Narkose.
  • Triff Vorbereitungen für die Zeit danach – zum Beispiel Hilfe bei der Versorgung deines Babys in den ersten Tagen nach der Geburt.
  • Melde dich für einen Rückbildungskurs an, der acht bis zehn Wochen nach der Geburt beginnt.

Kommen bei dir im weiteren Verlauf deiner Schwangerschaft doch noch einmal Zweifel auf, besprich deine Optionen zur natürlichen Geburt rechtzeitig mit deinen behandelnden Ärzt*innen. Deine Wünsche für die Entbindung werden bestmöglich berücksichtigt.

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