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Montag, 20. November 2017
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Eileiterschwangerschaft (Extrauteringravidität)

Eileiterschwangerschaft
Auch bei einer Bauchhöhlen- und Eileiterschwangerschaft ist der Schwangerschaftstest positiv
(c) iStockphoto/SolStock

Bei einer Eileiterschwangerschaft, die in der Fachsprache als Extrauteringravidität (lat.: extra= außerhalb, uterus= Gebärmutter, graviditas= Schwangerschaft - EUG) bezeichnet wird, nistet sich die befruchtete Eizelle nicht innerhalb, sondern außerhalb der Gebärmutterhöhle im Eileiter ein. In über 95 Prozent der Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter liegt eine Eileiterschwangerschaft vor.

In über 95 Prozent der Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter liegt eine Eileiterschwangerschaft vor. Dass sich der Embryo in  den Eierstöcken, der Bauchhöhle oder im Gebärmutterhals einnistet, ist wesentlich seltener. Insgesamt liegt eine Extrauteringravidität nur in etwa ein bis zwei Prozent aller Schwangerschaften vor. Bis Ende des 19. Jahrhundert war eine Eileiterschwangerschaft die häufigste Todesursache bei jungen Frauen. Durch den medizinischen Fortschritt und die verbesserten Operationsmethoden (minimal-invasive Chirurgie) konnte die Todesrate bei EUG deutlich gesenkt werden, nämlich auf unter 0,01 Prozent. Die Zahl der Eileiterschwangerschaften nimmt in den letzten Jahren wieder zu. Die Ursache hierfür liegt vermutlich in der steigenden Zahl künstlicher Befruchtungen, bei denen das Risiko einer Eileiterschwangerschaft immer erhöht ist.

Woran erkennt man eine Eileiterschwangerschaft?

  • Eine Eileiterschwangerschaft verursacht in den ersten Schwangerschaftswochen (SSW) erst einmal keine auffälligen Symptome.
  • Der Schwangerschaftstest ist positiv.
  • Etwa zwischen der 6. und 9. SSW treten leichte bis starke Blutungen auf.
  • Unterbauchschmerzen (meist einseitig auf der betroffenen Seite des Eileiters) können auf eine Eileiterschwangerschaft hinweisen.
  • Der Unterbauch ist oft berührungsempfindlich.
  • Auch leichtes Fieber kann auftreten.
  • Die Diagnose erfolgt beim Frauenarzt via Ultraschall oder per Bluttest.
  • In schwierig zu diagnostizierenden Fällen kann eine Bauchspiegelung Aufschluss darüber geben, ob eine Eileiterschwangerschaft besteht.

Anatomie der Eileiterschwangerschaft

Die Eileiter (Tuben) verlaufen als etwa zehn bis 14 Zentimeter lange Röhren von der Gebärmutter zu den Eierstöcken. Normalerweise wird die befruchtungsfähige Eizelle zum Zeitpunkt des Eisprung – Symptome und Anzeichen aus einem Eierstock ausgestoßen und vom Ende des Eileiters aufgefangen. Im Eileiter trifft die Eizelle auf die Spermien, wird befruchtet und innerhalb von drei bis fünf Tagen in die Gebärmutterhöhle weitertransportiert. Ist dieser Transport gestört, kann sich die Eizelle als Eileiterschwangerschaft in die Schleimhaut der Eileiter einnisten. Gelangt sie in die Bauchhöhle und heftet sich hier beispielsweise am Bauchfell an, entsteht die seltene Bauchhöhlenschwangerschaft.

Ursachen einer Eileiterschwangerschaft

Die Eileiterschwangerschaft ist meist auf einen gestörten Eitransport durch die Eileiter zurückzuführen. Folgende Ursachen können verantwortlich sein:

  • Angeboren sind beispielsweise kleine Aussackungen des Eileiters oder ein zusätzlich angelegter Nebeneileiter, der in einer Sackgasse endet. Auch zu lange Eileiter können zu gehäuften Eileiterschwangerschaften führen, da sich die Eizelle immer an dem Ort einnistet, an dem sie sich etwa am sechsten bis siebten Tagen nach der Befruchtung aufhält.
  • Als Folge von Eileiterentzündungen, vor allem durch Bakterien wie Chlamydien: Übertragung, Symptome & Behandlung, können die Eileiter verkleben und so die Wanderung der befruchteten Eizelle behindern. Eileiterentzündungen entstehen meist als sogenannte aufsteigende Entzündung über die Scheide. Begünstigt werden sie beispielsweise durch eine Spirale.
  • So genannte Endometriose-Herde stellen eine weitere häufige Ursache für verlegte Eileiter dar. Es handelt sich dabei um Gebärmutterschleimhaut, die nicht wie gewöhnlich innerhalb, sondern außerhalb der Gebärmutterhöhle vorliegt.
  • Operative Eingriffe an den Eileitern können Vernarbungen verursachen und damit die Eileiterdurchlässigkeit beeinträchtigen. Hierzu zählen auch Eingriffe, die die Eileiterdurchlässigkeit ursprünglich wiederherstellen sollten.
  • Wurden die Eileiter im Rahmen einer Sterilisation nicht komplett durchtrennt, kann es ebenfalls zu einer Extrauteringravidität oder Eileiterschwangerschaft kommen.
  • Nach einer künstlichen Befruchtung, einer Operation am Unterbauch oder vorausgegangenen Eileiterschwangerschaften ist das Risiko für eine EUG erhöht.

Symptome einer Eileiterschwangerschaft

Eine Eileiterschwangerschaft ist zu Beginn der Schwangerschaft unauffällig, der Schwangerschaftstest ist normal positiv ohne Auffälligkeiten. In der sechsten bis neunten Schwangerschaftswoche (SSW) treten bei einer Eileiterschwangerschaft jedoch häufig Blutungen, möglicherweise auch nur Schmierblutungen und unterschiedlich starke Unterleibsschmerzen auf. Die Schmerzen sind meist einseitig auf der Seite der Eileiterschwangerschaft. Leichtes Fieber und eine berührungsempfindliche Bauchdecke sind möglich. Selten geben die betroffenen Frauen auch Schmerzen im Schulterbereich an.

Bei welchen Symptomen zum Arzt?

Blutungen und starke Schmerzen in der Schwangerschaft sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Allerdings kann eine Eileiterschwangerschaft in der Regel frühestens ab Ende der 6. Schwangerschaftswoche (6. SSW) im Ultraschall gesehen werden.

Speziell die Bauchhöhlenschwangerschaft kann sich in seltenen Fällen weit über die 12. Schwangerschaftswoche (12. SSW) hinaus entwickeln. Mögliche Beschwerden sind Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit und spürbare, schmerzhafte Kindsbewegungen: vom Schmetterlingsflügel-Flattern zum Purzelbaum schlagen.

Diagnose einer Eileiterschwangerschaft

Erste Hinweise auf eine Eileiterschwangerschaft gewinnt der Arzt aus der ausführlichen Befragung der Frau zur Krankheitsgeschichte (Anamnese) und den aktuellen Beschwerden. Bei der anschließenden gynäkologischen Untersuchung kann gelegentlich ein schmerzhafter und geschwollener Eileiter auf der betroffenen Seite ertastet werden. Auch der Gebärmutterhals ist häufig berührungsempfindlich.

Sowohl bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft als auch bei einer Eileiterschwangerschaft zeigt ein gebräuchlicher Schwangerschaftstest ein positives Ergebnis. Er weist das Schwangerschaftshormon HCG im Urin nach, lässt aber keine Rückschlüsse auf den Ort der Schwangerschaft zu. Hinweise auf eine Eileiterschwangerschaft liefert der Verlauf der HCG-Konzentration im Blut. Zu diesem Zweck wird die HCG-Konzentration im Blut an mehreren Tagen gemessen. Bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft steigt HCG schnell an und der Wert verdoppelt sich alle zwei Tage. Steigt der Wert nur langsam, verändert sich nicht oder fällt sogar wieder ab, wird der Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft weiter untermauert.

Ultraschalluntersuchungen durch die Scheide (vaginale Sonographie) und über die Bauchdecke können Aufschluss über den genauen Sitz einer Schwangerschaft geben. Die Gebärmutterhöhle ist bei einer Eileiterschwangerschaft meist leer. Unter Umständen lässt sich eine fruchthöhlenähnliche Struktur nachweisen, die jedoch durch eine Ansammlung von Flüssigkeit in der Gebärmutterschleimhaut verursacht wird. Gelegentlich sind ein verdickter Eileiter oder Flüssigkeit im Bauchraum sichtbar.

Ermöglichen diese Untersuchungsmethoden bei deutlichen Beschwerden der Frau keine sichere Diagnose einer Eileiterschwangerschaft oder anderen Extrauteringravidität, muss eine Laparoskopie (Bauchspiegelung/Pelviskopie) durchgeführt werden.

Behandlung der Eileiterschwangerschaft: Operation, Medikamente oder Abwarten

Über die Therapie einer Eileiterschwangerschaft  wird in Abhängigkeit von einem bestehenden Kinderwunsch, den Untersuchungsergebnissen und dem seelischen Zustand der betroffenen Frau entschieden.

Operation der Eileiterschwangerschaft

Ziel der Operation ist es leider, die fehleingenistete Frucht zu entfernen. Die Bauchhöhlenschwangerschaft erfordert dabei in der Regel einen Bauchschnitt. Eine Eileiterschwangerschaft kann meist im Rahmen einer Laparoskopie (Bauchspiegelung/Pelviskopie) entfernt werden. Bei bestehendem Kinderwunsch versucht der Operateur den betroffenen Eileiter zu erhalten und die Eileiterschwangerschaft  über einen kleinen Schnitt im Eileiter zu entfernen oder über die Öffnung des Eileiters abzusaugen. Ist der betroffene Eileiter jedoch zu stark geschädigt oder schon geplatzt, wird er in der Regel komplett entfernt. Nach der Operation sollte es innerhalb von 48 Stunden zu einem deutlichen Sinken des HCG-Werts kommen, um sicher zu sein, dass kein Restgewebe der Schwangerschaft im Eileiter verblieben ist. Bei etwa fünf Prozent aller Eileiterschwangerschaften bleiben als Komplikation Zellen im Körper der Frau zurück, die weiterhin HCG produzieren.

Medikamentöse Therapie der Eileiterschwangerschaft

Die alleinige medikamentöse Therapie ist möglich, wenn die Eileiterschwangerschaft noch keine Beschwerden verursacht. Ansonsten kann sich diese Behandlung auch an eine Operation anschließen, wenn nicht die gesamte Frucht mit dem Plazentagewebe entfernt werden konnte. Eingesetzt wird das Zellgift Methotrexat (MTX), welches das weitere Wachstum der Schwangerschaft verhindert. Meist wird es entweder als Infusion über die Venen verabreicht oder in die Muskulatur gespritzt.

Es kann nicht sicher ausgeschlossen werden, ob eine Therapie mit MTX bei einer sehr baldigen erneuten Schwangerschaft Fehlbildungen auslösen kann. Daher ist es empfehlenswert, für etwa sechs bis zwölf Monate nach der Therapie zu verhüten.

Abwartendes Verhalten

In manchen Fällen wird die Extrauteringravidität auch ohne Eingreifen abgestoßen. Wird die Eileiterschwangerschaft in einem sehr frühen Stadium festgestellt, kann man unter strenger ärztlicher Kontrolle auch zunächst auf den natürlichen Abgang warten. Wegen möglicher Komplikationen und Gefahr für die Frau wird die Therapieoption aber nur selten gewählt.

Verlauf einer Eileiterschwangerschaft

Der HCG-Anstieg kann bei einer Eileiterschwangerschaft zunächst unauffällig sein, aber auch verlangsamt ansteigen.

Der Verlauf einer Extrauteringravidität hängt vor allem davon ab, wo sich die befruchtete Eizelle eingenistet hat. Bei einer Eileiterschwangerschaft kann der Embryo zunächst unbemerkt einige Wochen heranwachsen. Da sie im Eileiter aber nicht optimal mit Nährstoffen versorgt werden kann, stirbt der Embryo meist ab und wird über die offene Verbindung der Eileiter zur Bauchhöhle abgestoßen (Tubarabort) und dort abgebaut. Dies kann von der Frau unbemerkt bleiben. Nistet sich die Eizelle jedoch im engen Abschnitt des Eileiters ein, wird der Eileiter schon zu einem frühen Zeitpunkt gedehnt, was zu typischen einseitigen Unterbauchschmerzen führt. Durch das weitere Wachstum kann schließlich der Eileiter reißen (Tubarruptur). Es kann zu schweren inneren Blutungen und damit zu einem lebensbedrohlichen Zustand bis hin zum Tod der Frau kommen.

Verlauf der Bauchhöhlenschwangerschaft

Der HCG-Anstieg kann bei einer Bauchhöhlenschwangerschaft zu Beginn der Schwangerschaft unauffällig sein, aber auch verlangsamt ansteigen. Je länger eine Bauchhöhlenschwangerschaft besteht, desto stärker ist die Mutter beispielsweise durch mögliche innere Blutungen gefährdet. Die Sterblichkeit liegt bei bis zu 20 Prozent. Daher wird eine Therapie nach Diagnosestellung zügig vorgenommen. Bei rechtzeitiger Therapie lässt sich eine EUG gut behandeln. Das Risiko für eine erneute EUG liegt danach bei etwa zehn Prozent. Eine Bauchhöhlenschwangerschaft kann ebenso wie eine Eileiterschwangerschaft nicht ausgetragen werden.

Wie kann man einer Eileiterschwangerschaft vorbeugen?

Eine sehr häufige erworbene Ursache einer Eileiterschwangerschaft sind vorausgegangene Entzündungen der Eileiter. Tritt eine solche Entzündung auf, sollte diese rasch und konsequent therapiert werden, um das Risiko von Verklebungen des Eileiters zu minimieren. Ansonsten ist es kaum möglich, einer Eileiterschwangerschaft vorzubeugen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 07. November 2017
Quellen: Kreienberg R., Ludwig, H.: 125 Jahre Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburthilfe. Springer Verlag. Stuttgart 2011.

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