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Ende der Stillbeziehung

Abstillen: Tipps, wie Sie Ihr Kind einfach abstillen

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin | Miriam Funk, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 31. Januar 2019

Abstillen bedeutet das Beenden des Stillens. Es kann verschiedene Gründe geben, warum die Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind beendet werden soll. Wichtig ist, ein paar Dinge zu beachten, wenn abgestillt werden soll.

Abstillen: Tipps, wie Sie Ihr Kind einfach abstillen
Schmusen und kuscheln Sie in der Zeit der Entwöhnung viel mit Ihrem Baby, das erleichtert ihm das Abstillen.
© iStock.com/monkeybusinessimages

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Wann ist der beste Zeitpunkt für das Abstillen?

Ab wann idealerweise mit dem Abstillen begonnen wird, ist immer noch umstritten. Viele Experten raten, ab dem fünften Lebensmonat mit Einführung der Beikost das Entwöhnen des Babys zu beginnen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, mindestens sechs Monate lang voll zu stillen und frühestens dann mit dem Abstillen zu beginnen. Weiterhin lautet die Empfehlung, Kinder bis zum Alter von zwei Jahren nach Bedarf weiter zu stillen. Mit der Initiative Babyfreundliches Krankenhaus, initiiert von der WHO und UNICEF, soll sogar weltweit das lange Stillen gefördert werden.

Viele Mütter sind verunsichert, wenn ihr Baby lange gestillt werden möchte oder sehr früh das Interesse am Stillen verliert. Dazu besteht aber keine Veranlassung. Jedes Baby is(s)t anders. Solange das Kind aufgeweckt, gesund und zufrieden ist, besteht kein Grund zur Sorge.

Es gibt jedoch auch Hinweis darauf, dass das Kind sich selbst abstillen möchte. Wenn es zum Beispiel immer weniger trinkt und sich bald nach dem Anlegen von der Brust abwendet, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass es mehr feste Nahrung zu sich nehmen möchte. Das aufmerksame Beobachten der Nahrungsaufnahme Erwachsener kann ebenfalls ein Zeichen dafür sein, dass das Abstillen naht. Grundsätzlich aber gilt: Mütter sollten ihrem Gefühl vertrauen, sich nicht verunsichern lassen und sich erst dann zum Abstillen entscheiden, wenn es für sie und ihr Kind in Ordnung ist.

Zehn Tipps, um das Abstillen zu unterstützen

Fest steht: Den Zeitpunkt für das Abstillen entscheidet meist die Mutter. Diese Entscheidung hängt häufig von vielen verschiedenen Faktoren ab, die unabhängig voneinander oder gemeinsam zur Entscheidung für das Abstillen führen:

  • Berufliche Situation

  • Druck oder "gute Ratschläge" aus dem Umfeld

  • Wunsch des Partners

  • Ernsthafte Erkrankungen der Mutter

  • Medikamenteneinnahme der Mutter

  • Sinkende Milchproduktion der Brust

  • Nachlassendes Interesse des Babys am Stillen

Wie das Abstillen funktioniert

Das allmähliche, langsame Abstillen beginnt eigentlich schon mit der Einführung der Beikost, also frühestens zu Beginn 5. und spätestens Anfang des 7. Lebensmonats. Mit der Beikostmahlzeit wird eine Stillmahlzeit am Tag ersetzt. Dieses Schema kann fortgeführt werden, indem alle paar Wochen eine weitere Stillmahlzeit durch Beikost wird. Beim bei uns am weitesten verbreiteten allmählichen, langsamen Abstillen wird das Stillen also ab dem Einführen der Beikost nach und nach reduziert, bis es zum kompletten Abstillen kommt – meist innerhalb des ersten Lebensjahres.

Stillt sich ein Kind selber ab (natürliches Abstillen) und bestimmt damit den Zeitpunkt, dauert dieser Prozess in der Regel länger. Aber auch hier gilt: Jedes Kind ist anders und während manche schon sehr früh und eigenständig Brei- oder feste Mahlzeiten einfordern und wenig Interesse an der Brust haben, brauchen andere das Stillen einfach länger. Es gibt also kein Patentrezept zum richtigen Abstillen.

Die drei Arten des Abstillens

Je nach Veranlassung für das Abstillen unterscheidet man:

Natürliches Abstillen

Beim natürlichen Abstillen entscheidet das Kind selbst, wann es entwöhnt wird – es stillt sich sozusagen selbst ab. Der Zeitpunkt dafür ist sehr unterschiedlich und reicht von einem bis drei Jahren. Weil das Kind nicht abrupt aufhört, von der Mutterbrust zu trinken, sondern von allein über einen gewissen Zeitraum immer weniger Muttermilch trinkt, lässt automatisch auch die Milchproduktion in den Brüsten der Mutter nach. Durch die sinkende Nachfrage sinkt also auch das Milchangebot, bis es irgendwann ganz versiegt. Das natürliche Abstillen gilt als sanfteste Methode des Abstillens.

Allmähliches, langsames Abstillen

Das allmähliche Abstillen funktioniert ähnlich wie das natürliche Abstillen. Der Unterschied besteht darin, dass nicht das Kind, sondern die Mutter über den Zeitpunkt der Entwöhnung entscheidet. Hier ist es deshalb besonders ratsam, das Abstillen vorzubereiten, indem über einen längeren Zeitraum das Stillen nach und nach reduziert und gleichzeitig die Ernährung mit Beikost erhöht wird. Auch das allmähliche Abstillen hat den Vorteil, dass sich die Milchmenge reduzieren kann, bis die Milchproduktion, mit der vollständigen Entwöhnung, vollständig zurückgeht.

Empfehlenswert ist anfangs das Ersetzen einer Stillmahlzeit täglich über mehrere Wochen hinweg. Sobald das Kind diese Reduktion akzeptiert, können weitere Mahlzeiten ersetzt werden, bis die Mutter irgendwann entscheidet, das Stillen ganz aufzugeben. Das allmähliche Abstillen gilt als die am häufigsten von Hebammen empfohlene Form des Abstillens. Je langsamer, desto besser. Das hat auch ästhetische Vorteile, denn durch das Zurückgehen der Milchdrüsen wirkt die Brust zunächst schlaff, da ihr schlicht das Fettgewebe fehlt. Dieses baut sich erst nach und nach wieder auf.

Abruptes Abstillen

Manchmal ist es notwendig, das Stillen abrupt zu beenden. Diese Art des Abstillens sollte nur durchgeführt werden, wenn es absolut notwendig ist, zum Beispiel bei einer ernsthaften Erkrankung der Mutter. Beim plötzlichen Abstillen kann es zu einer Reihe von Nebenwirkungen kommen: Babys werden völlig unvorbereitet mit der Situation konfrontiert und können darunter leiden. Deshalb ist es hier besonders wichtig, sich dem Kind nicht vollständig körperlich zu entziehen, weil es eventuell nach der Brust greifen könnte, im Gegenteil: Körperkontakt und kuscheln wird nun besonders wichtig für Mutter und Kind, um mit der neuen Situation besser fertig werden zu können.

Der Mutter kann das rasche Abstillen auch körperliche Probleme bereiten, weshalb unbedingt auch eine Hebamme zu Rate gezogen werden sollten.

Beratung durch die Hebamme oder Stillberaterin

Im Rahmen der Hebammenbetreuung haben Sie bis zum Ende der Stillzeit insgesamt acht Mal kostenfrei die Möglichkeit, sich von Ihrer Hebamme zum Stillen, Abstillen oder zur Babyernährung allgemein beraten zu lassen. Die Kosten dafür rechnet die Hebamme mit Ihrer Krankenkasse ab. Die Beratung kann persönlich oder auch telefonisch erfolgen. Wichtig: Benötigen Sie mehr als acht Beratungen, wenden Sie sich zunächst an Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, da weitere Besuche eventuell auf ärztliche Anordnung von der Krankenkasse übernommen werden.

Nur nachts abstillen?

Viele Babys mögen gerade nachts häufig gestillt werden. Das liegt nicht nur am Hunger, sondern auch an einem ganz natürlichen Kuschelbedürfnis. Die nächtlichen Unterbrechungen mit dem sich daraus ergebenden Schlafdefizit können auf Dauer aber auch je nach persönlicher- und Lebenssituation belastend sein. Der Wunsch nach dem nächtlichen Abstillen ist daher vor allem mit der Hoffnung verbunden, das Kind würde durch- oder zumindest in längeren Intervallen schlafen. Die gute Nachricht: Irgendwann lernt jedes Kind, auch ohne Brust ein- beziehungsweise durchzuschlafen. Der Zeitpunkt ist aber sehr unterschiedlich. Wenn Sie Ihr Kind nur für nachts abstillen und tagsüber weiterstillen möchten, sollte das nicht abrupt geschehen. Empfehlenswert ist auch hier das allmähliche Abstillen.

Tipps für unkompliziertes Abstillen

Wann Beikost gegeben und wann gestillt wird, ist für viele auch abhängig von der Tageszeit. Babys sind tagsüber ausgeruht und in der Regel offener für Neues als nachts – in diesem Fall Beikost.

Führen Sie die erste Beikostmahlzeit am besten zu einer Tageszeit ein, an der Sie weniger Milch haben.

Nehmen Sie Ihr Baby in der Zeit des Abstillens genau so häufig auf den Arm wie vorher. Kuscheln Sie intensiv miteinander, sodass Ihr Kind trotz selteneren Phasen an der Brust nichts vermisst.

Viele Mütter wünschen sich eine nächtliche Stillpause und möchten daher abstillen. Es kann aber auch sinnvoll sein, einfach nachts, zumindest in einem bestimmten Zeitraum, nicht zu stillen. Am ehesten funktioniert die Einführung dieser Stillpause bei Babys ab dem ersten Lebensjahr, da sie nun besser unterscheiden können, zu welchen Zeiten es die Brust gibt und zu welchen nicht.

Vor allem beim abrupten Abstillen kann es zu einer Reihe von Nebenwirkungen für die Mutter kommen, denen sich aber in der Regel mit altbewährten Methoden wie Quark- oder Kühlwickeln entgegentreten lässt. Das Kühlen der Brust hat auch den Vorteil, dass der Milchfluss dadurch etwas gehemmt wird. Medikamente werden nur im Notfall eingesetzt und entsprechend verordnet.

Milchstau durch Abstillen

Wenn die Brustdrüsen immer noch vermehrt Muttermilch produzieren, für die keine "Nachfrage" besteht, kann es zu einem Milchstau kommen. Der Milchstau äußert sich durch verhärtete und schmerzende Stellen in der Brust. Häufig fühlt man sich dabei schlapp und kränklich, gelegentlich tritt Fieber auf. Ein Milchstau tritt häufig auf, wenn das Abstillen zu schnell passiert. Pumpen Sie nach Möglichkeit nicht ab, wenn Sie abstillen möchten, denn dadurch wird die Milchproduktion angekurbelt. Streichen Sie die Brust lieber aus.

Bei Milchstau helfen kühlende, feuchte Wickel, zum Beispiel Quarkwickel. Da sich aus einem unbehandelten Milchstau eine Brustentzündung (Mastitis) entwickeln kann, sollte immer auch ein Arzt aufgesucht werden, wenn sich die Symptome nach einiger Zeit nicht legen.

Tee kann beim Abstillen helfen

Zumindest indirekt, denn manche Kräuter hemmen die Milchbildung, weshalb sie in der Stillzeit auch nicht empfehlenswert sind. Anders sieht das in der Zeit des Abstillens aus, denn gerade zu Beginn ist die Milchproduktion in den Brüsten noch auf eine höhere Nachfrage des Babys eingestellt. Durch das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage kann es im schlimmsten Fall zu einem Milchstau kommen. Das Abpumpen erleichtert zwar kurzfristig, langfristig wird dabei aber die Milchnachfrage künstlich auf einem höheren Level gehalten. Tee kann dazu beitragen, die Milchbildung zu reduzieren. Geeignet sind Salbei- und Pfefferminztee, da sie ein Zusammenziehen der Milchdrüsen bewirken – und damit eine verringerte Milchproduktion.

Aber Vorsicht: Trinken Sie bitte nicht zu viel auf einmal, denn das kann die Milch sehr abrupt zum Versiegen bringen – ein Zustand, der zum abrupten Abstillen führen kann, was nur in wenigen Fällen wirklich empfehlenswert ist. Tipp: Trinken Sie anfangs wirklich nur eine Tasse täglich. Die Unterstützung durch Tees ist vor allem bei Problemen wie häufigem Milchstau im Zusammenhang mit dem Abstillen empfehlenswert.

Medikamente zum Abstillen?

In schwierigen Fällen, zum Beispiel bei plötzlichen schweren Erkrankungen, die ein Weiterstillen absolut ausschließen, kann es sinnvoll sein, das Abstillen mit Medikamenten zu unterstützen. Zum Einsatz kommt dann in der Regel das Medikament Cabergolin, das im Gegensatz zu anderen Medikamenten weniger Nebenwirkungen hat. Es darf ausschließlich vom Arzt oder der Ärztin verschrieben werden. Cabergolin hemmt das für die Milchproduktion verantwortliche Hormon Prolaktin. Nach dem Absetzen der Tabletten kann es jedoch sein, dass die Milch wieder einschießt.

Tipps gegen wunde Brustwarzen
Autor: Karin Wunder, Medizinautorin | Miriam Funk, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 31. Januar 2019
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