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Wenn das Baby spuckt: Was tun & wann zum Arzt

Wenn das Baby spuckt: Was tun & wann zum Arzt
Wenn ihr Baby spuckt, sollten Sie nach dem Trinken die Bauchlage vermeiden
(c) iStockphoto/fizkes

Ihr Baby spuckt viel? Dies kann harmlose Ursachen haben oder auf eine Erkrankung hinweisen. Was Sie beachten müssen und wann Sie den Kinderarzt aufsuchen sollten.

40 Prozent der Neugeborenen spucken in den ersten Lebensmonaten häufig. Noch höher ist der Anteil bei den Frühgeborenen. Für Eltern kann dies besorgniserregend sein, denn sie müssen unbedenkliches Aufstoßen der Milchnahrung von krankhaftem Erbrechen unterscheiden. Mütter und Väter sollten ihre Kinder deshalb aufmerksam beobachten und bei Unsicherheiten die Hebamme oder den Kinderarzt um Rat bitten.

Das Baby spuckt nach dem Stillen

Anfangs ist es ganz normal, dass Neugeborenen nach dem Trinken wieder etwas von der aufgenommenen Flüssigkeit aus dem Mund herausläuft. Bei über der Hälfte der Babys geschieht das nach dem Stillen regelmäßig – bei einigen Kindern nach jeder Mahlzeit. Im Volksmund gibt es sogar das Sprichwort "Speikinder sind Gedeihkinder", weil sich spuckende Babys angeblich besonders prächtig entwickeln. Tatsächlich hat das Spucken nach dem Stillen meist nur eine harmlose Ursache und deutet nicht auf eine Krankheit hin.

Ursachen dafür, dass Ihr Baby spuckt

Beim Trinken schlucken Babys Luft, die wieder ausgestoßen werden muss. Dass dabei auch Milch mit heraus kommt, hat einen einfachen Grund: Der Schließmuskel am Mageneingang ist bei Neugeborenen noch nicht stark genug. Bis sich dieser ausreichend entwickelt hat, kann es bei einem übervollen Magen dazu kommen, dass die Nahrung zurück in die Speiseröhre fließt und wieder aus dem Mund herausläuft. Dieses Phänomen wird in der Fachsprache als gastroösophagealer Reflux bezeichnet.

Bis der Muskel vollständig entwickelt ist, vergeht zwar etwas Zeit, aber ab dem vierten bis sechsten Monat spucken Babys allmählich weniger – schließlich verschwindet das Spucken komplett. Wenn das Aufstoßen der Milch nicht von anderen Symptomen begleitet wird, ist es nicht behandlungsbedürftig.

Refluxkrankheit

Der Reflux wird als Erkrankung angesehen, wenn das Kind sehr häufig und stark spuckt und zusätzlich andere Beschwerden auftreten. Möglich sind:

  • Unruhe
  • Weinen nach dem Stillen oder nach der Flasche
  • vermehrtes Schreien
  • Nahrungsverweigerung.

Auch wenn sich das Baby nicht normal entwickelt (Gedeihstörung) oder die Schleimhaut der Speiseröhre angegriffen ist, kann das auf die Refluxkrankheit hinweisen.

Bei einem therapiebedürftigen Reflux können zum Beispiel Nahrungsmittelunverträglichkeiten sowie Störungen oder Fehlbildungen des Magen-Darm-Trakts für dessen Entstehung verantwortlich sein. Außerdem ist es möglich, dass andere Erkrankungen wie chronische oder akute Lungenkrankheiten einen Reflux verursachen.

Ihr Baby spuckt – wann müssen Sie zum Arzt?

Wenn Sie unsicher sind, was hinter dem Spucken steckt, können Sie sich mit Ihren Bedenken an Ihre Hebamme oder Ihren Kinderarzt wenden. Spuckende Babys, die nur wenig an Gewicht zunehmen oder bei denen sich andere Symptome einer Refluxkrankheit bemerkbar machen, sollten vom Arzt untersucht werden.

Starkes, explosionsartig Erbrechen könnte auf eine Magenpförtnerverengung oder einen Magenpförtnerverschluss hindeuten. Dies stellt der Arzt durch entsprechende Untersuchungen fest und leitet eine passende Behandlung ein.

Spucken oder Erbrechen: Den Unterschied erkennen

Um herauszufinden, ob es sich um harmloses Aufstoßen der Milchnahrung oder um Erbrechen handelt, sollten Sie beobachten, wann und wie häufig Ihr Baby spuckt. Im Zweifelsfall kontaktieren Sie Hebamme oder Arzt.

Spucken: Nach dem Stillen oder nach der Fläschchengabe wird ein kleiner Teil der aufgenommenen unverdauten oder angedauten Milch wieder ausgespuckt.

Treten gleichzeitig keine weiteren Beschwerden auf und ist das Kind munter und nimmt normal an Gewicht zu, handelt es sich dabei in der Regel nicht um das Symptom einer Krankheit, sondern um das typische, unbedenkliche Spucken nach dem Trinken.

Erbrechen: Der gesamte Mageninhalt wird schwallartig und in hohem Bogen erbrochen.

In einem solchen Fall handelt es sich nicht um das Aufstoßen von Milch, sondern möglicherweise um krankhaftes Erbrechen, das meist mit weiteren Beschwerden einhergeht. Dies muss ärztlich untersucht werden.

Weitere Hinweise für Erbrechen:

  • Ihr Baby hat Schmerzen, die sich durch Weinen oder Schreien äußern.
  • Das "Spucken" kommt nicht nur nach den Mahlzeiten vor.
  • Es treten zusätzlich Symptome wie Fieber oder Durchfall auf.
  • Ihr Baby nimmt nicht zu oder verliert an Gewicht.
  • Das Wachstum des Babys ist verzögert.

Baby spuckt Schleim oder Blut

In den Tagen nach der Entbindung kann es vorkommen, dass Babys Fruchtwasser, schwarzbraunes Blut oder Schleim spucken. Diese Flüssigkeiten wurden schon vor oder während der Geburt aufgenommen. Auch nach dem Saugen an wunden Brustwarzen ist es möglich, dass zusammen mit der Milch etwas Blut ausgespuckt wird.

Baby spuckt Milch: Was tun?

Folgende Tricks können helfen, wenn Ihr Baby viel spuckt:

  • Zögern Sie Mahlzeiten nicht zu lange heraus, damit Ihr Baby nicht hastig trinkt.
  • Halten Sie Ihr Kind beim Stillen in einer aufrechten Position, in der der Po tiefer liegt als der Oberkörper. Bitten Sie Ihre Hebamme um Unterstützung.
  • Ist ein starker Milchfluss dafür verantwortlich, dass Ihr Baby viel Luft schluckt, können Sie die Stillposition verändern. Auch hierzu berät Sie Ihre Hebamme.
  • Vermeiden Sie während und nach dem Füttern schnelle Lageveränderungen, Bewegungen und Hopsen.
  • Helfen Sie Ihrem Kind mit Umhertragen und sanftem Klopfen auf den Rücken dabei, Luft entweichen zu lassen und ein Bäuerchen zu machen.
  • Legen Sie Ihr Kind nach dem Trinken nicht in die Bauchlage.
  • Wickeln Sie Ihr Baby vor und nicht nach den Milchmahlzeiten, um die Bewegungen nach dem Füttern zu reduzieren.

Hinweis: Im Handel ist angedickte Spezialnahrung für spuckende Babys erhältlich. Geben Sie diese Nahrung nur, wenn Ihr Arzt Ihnen dazu geraten hat.

Baby-Spucktücher – eine sinnvolle Anschaffung

Spucktücher gehören zur Erstausstattung und sind für Eltern ein Muss. Verwenden Sie Spucktücher immer, wenn Ihr Kind ein Bäuerchen machen soll, denn beim Aufstoßen könnte Milch aus seinem Mund fließen. Vorsichtshalber sollten Sie stets ein Spucktuch griffbereit haben, um Ausgespucktes abzuwischen. In den Wochen nach der Geburt lohnt es sich außerdem, wenn Sie gut waschbare Kleidung tragen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 31. Mai 2017
Quellen: Deutscher Hebammenverband e. V. (Hrsg.): Entspannt erleben Babys 1. Jahr. Alles Wichtige: Ernährung, Schlafen, gesunde Entwicklung, Pflege. TRIAS Verlag, Stuttgart 2015; Höfer, S.; Szász N.: Hebammengesundheitswissen. Für Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach. Gräfe und Unzer Verlag, München 2015; Koletzko, B., Bauer, C.-P., Cierpka, M. et al.: Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen. Monatsschrift Kinderheilkunde. aidinfodienst, Bonn September 2016 (Sonderdruck); Largo, R. H.: Babyjahre. Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren. Piper Verlag, München 2015; Lentze, M. J.; Schaub, J.; Schulte. F-J.; Spranger J.: Pädiatrie: Grundlagen und Praxis. Springer-Verlag, Heidelberg 2013

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