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Empfindlicher Darm bei Neugeborenen

Verdauung beim Baby: Wann ist sie ausgereift und welche Probleme gibt es?

Bei Neugeborenen ist der Darm noch unreif, die Verdauung des Babys muss sich deshalb erst entwickeln. Vor allem in den ersten Lebensmonaten treten daher häufig Verdauungsbeschwerden auf. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Babys Verdauung für dich zusammengefasst.

Verdauung des Babys
© Getty Images/Vera Livchak

Kurzübersicht: Verdauung beim Baby

Wie entwickelt sie sich? Bereits im Mutterleib entwickelt sich das Verdauungssystem des Babys. Die erste aktive Verdauung beim Baby findet jedoch erst nach der Geburt statt, wenn das Neugeborene Milch trinkt und diese Nahrung verdauen muss.

Wann ist sie ausgereift? Für den Magen-Darm-Trakt des Neugeborenen ist die Nahrungsaufnahme eine vollkommen neue Erfahrung. Auch der Darm muss erst mit den wertvollen Bakterien besiedelt werden, die später die Darmflora (Mikrobiom) bilden und maßgeblich zur Gesunderhaltung eines Menschen beitragen. Bei Einführung der Beikost ist das Verdauungs- und Stoffwechselsystem schon belastbarer als in der Anfangszeit, ausgereift ist die Verdauung beim Kind aber erst im Alter von drei Jahren.

Wie lange dauert die Verdauung? Die Dauer der Verdauung ist unterschiedlich lang und von verschiedenen Faktoren abhängig. Für dich gilt: Du musst zwischen dem Stillen, dem Fläschchen oder dem Brei keine bestimmte Wartezeit bis zur nächsten Mahlzeit einhalten.

Was sagt der Stuhlgang aus? Wie oft, in welcher Farbe oder Konsistenz ein Baby Stuhlgang hat, gibt Aufschlüsse über sein Wohlbefinden. Die Häufigkeit variiert stark: Zwischen fünf Mal am Tag und alle fünf Tage einmal ist alles möglich und normal. Bei gefärbtem Stuhl oder Durchfall sollten Eltern die kinderärztliche Praxis kontaktieren.

Welche Verdauungsbeschwerden gibt es? Neugeborene müssen sich erst an die Nahrungsaufnahme gewöhnen und auch später kann es bei jeder Nahrungsumstellung zu Verdauungsproblemen kommen. Typisch sind Blähungen, Bauchschmerzen oder das Spucken von Milch. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden sowie bei krankhaften Veränderungen wie Erbrechen oder Durchfall solltest du ärztlichen Rat einholen.

Artikelinhalte im Überblick:

Stuhlgang beim Baby in Bildern: Das sagt ein Blick in die Windel aus

Wie entwickelt sich die Verdauung beim Baby?

Verdauung (Digestion) bezeichnet alle Vorgänge von der Nahrungsaufnahme im Mund bis zur Ausscheidung durch den After, die dabei helfen, Nährstoffe freizusetzen, zu zerlegen und aufzunehmen. Die Verdauung des Babys unterscheidet sich durch den zunächst unreifen Darm von der Verdauung Erwachsener.

Die Versorgung mit Nährstoffen findet im Mutterleib über die Nabelschnur statt, es werden noch keine Nährstoffe über den Magen-Darm-Trakt verdaut. Der Grundstein für eine funktionierende Verdauung beim Baby wird aber bereits im Mutterleib gelegt. In der 35. Schwangerschaftswoche (35. SSW) ist das Verdauungssystem des Babys so weit entwickelt, dass es als Neugeborenes die Nährstoffe aus der Milch aufspalten und verwerten kann. Jetzt muss das Verdauungssystem weiter reifen, um später auch komplexe Nährstoffe verarbeiten zu können.

Unmittelbar nach der Geburt ist der Darm noch steril und wird erst nach und nach durch die Nahrungsaufnahme mit Darmbakterien besiedelt. Muttermilch enthält Enzyme, die die empfindlichen Verdauungsorgane des Babys bei seiner Entwicklung unterstützen.

Verdauung: Wann ist der Darm des Babys ausgereift?

Verdauungsprobleme treten vor allem in den ersten drei Lebensmonaten eines Babys auf. In dieser Zeit ist der Darm des Neugeborenen noch sehr empfindlich und seine Verdauung muss sich erst an die neuen Gegebenheiten außerhalb des Mutterleibs gewöhnen.

Nach rund drei Monaten verbessern sich die typischen Verdauungsbeschwerden in der Regel. Der Darm des Babys ist aber trotzdem noch nicht vollständig ausgereift. Die hohen Protein- und Mineralstoffmengen in Kuhmilch vertragen Babys im ersten Lebensjahr zum Beispiel nicht. Im gesamten ersten Lebensjahr ist für Babys daher eine besondere Ernährung in Form von Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung erforderlich.

Erst etwa ab dem vollendeten vierten Monat ist der Magen-Darm-Trakt dazu in der Lage, Beikost zu verdauen. Ab dem zehnten Lebensmonat nimmt das Kind an der Familienkost teil, denn jetzt sind die Verdauungsorgane schon belastbarer. Bis die Darmflora ausgereift ist, dauert es dennoch eine Weile – ungefähr bis zum dritten Lebensjahr. Die Zusammensetzung dieser Darmflora hat zukünftig nicht nur Einfluss auf die Verdauung, sondern auch auf das Immunsystem.

Wie lange dauert die Verdauung beim Baby?

Anfangs ist der Magen von Babys noch so klein wie eine Murmel. Es verwundert daher nicht, dass Neugeborene über den Tag verteilt viele kleine Mahlzeiten benötigen. Wie lange die Verdauung von der Nahrungsaufnahme bis zur Stuhlausscheidung dauert, ist unterschiedlich und von der Art der aufgenommenen Nahrung sowie weiteren Faktoren abhängig.

Beim Stillen, der Gabe von Milchnahrung oder Babybrei muss keine bestimmte Dauer zwischen den Mahlzeiten eingehalten werden, um den Verdauungsprozess zu berücksichtigen. Gefüttert wird nach Bedarf. Das heißt: Eltern achten auf die Hungersignale ihres Babys und reagieren darauf durch eine erneute Fütterung.

Sind auf Packungen Portionsgrößen angegeben, handelt es sich dabei lediglich um Orientierungswerte, denn auch in puncto Sättigung sollten die Signale des Kindes wie das Wegdrehen des Kopfes ausschlaggebend sein.

Übrigens: Bei Erwachsenen heißt es, dass der Körper etwa vier bis fünf Stunden nach einer Mahlzeit für seine Stoffwechselprozesse braucht.

Was sagt der Stuhlgang des Babys über seine Verdauung aus?

Der erste Stuhlgang des neugeborenen Babys wird als Kindspech oder Mekonium bezeichnet. Mit dieser grün-schwarzen Flüssigkeit scheidet das Babys aus, was sich in der Zeit im Mutterleib in seinem Darm angesammelt hat.

Danach unterscheidet sich der Stuhlgang, je nachdem, ob das Baby gestillt wird oder Säuglingsnahrung bekommt. Auch mit der Einführung von Beikost ändert sich das Aussehen und die Beschaffenheit des Stuhls.

Lies hier, wie oft Stuhlgang beim Baby normal ist und was ein Blick in die Windel über den Gesundheitszustand verrät.

Wie oft muss ein Baby Verdauung haben?

Wie häufig ein Baby Stuhlgang hat, kann individuell vollkommen unterschiedlich ausfallen. In den ersten vier bis sechs Lebenswochen haben gestillte Babys oft mehrmals täglich Stuhlgang. Der Stuhlgang von Flaschenbabys ist grundsätzlich seltener. Im weiteren Verlauf ihrer Entwicklung variiert die Häufigkeit stark. Als Faustregel gilt: Ein Baby kann fünf Mal am Tag oder alle fünf Tage einmal Stuhlgang haben. Vergleiche mit anderen Kindern sind daher unbrauchbar.

Wenn ein Baby selten Stuhl ausscheidet, steckt auch nicht automatisch eine Verstopfung dahinter. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) liegt eine Verstopfung dann vor, wenn ein Baby sehr selten (einmal wöchentlich) Stuhlgang hat und es sich um harten, trockenen Stuhl handelt.

Was regt die Verdauung des Babys an?

Für eine reibungslose Verdauung sind verschiedene Faktoren wichtig:

  • Trinkmenge: In den ersten Lebensmonaten erhalten Babys nur Muttermilch oder Flaschennahrung, gesunde Babys benötigen keine zusätzliche Flüssigkeit. Die Trinkemenge ist aufgrund des kleinen Magens anfangs noch gering. Mit der Einführung des dritten Breis und ab Teilnahme an der Familienkost sollte dein Baby zusätzlich Wasser trinken. Wie hoch der Bedarf ist, kannst du hier in unserem Artikel nachlesen. Ausreichend Flüssigkeit ist für alle Körperfunktionen wichtig – auch für die Verdauung.

  • Ernährung: Muttermilch ist in den ersten Lebensmonaten die beste Nahrung für das Baby. Indem du dich selbst gesund und ausgewogen ernährst, bekommt auch dein Säugling alle wichtigen Nährstoffe.
    Frühestens nach vollendetem vierten Monat und spätestens mit Beginn des siebten Monats beginnt dann die Einführung von Beikost, um das Baby mit weiteren Nährstoffen zu versorgen.
    Bei der Auswahl gibt es eher stopfende Lebensmittel und solche, mit der die Verdauung angeregt wird. Stopfend sind zum Beispiel Bananen. Verdauungsfördernd wirkt Gemüse wie Fenchel, Obst wie Birne und Vollkorngetreide wie Hafer. Darin stecken viele Ballaststoffe, die dem Darm besonders gut schmecken. Ballaststoffe sind unverdauliche Faser- und Quellstoffe, die den Stuhl weicher machen und den guten Darmbakterien als Futter dienen.

  • Bewegung: Körperliche Bewegung ist perfekt, um den Stoffwechsel auf Trab zu halten und die Verdauung anzuregen. Schaue daher stets, dass dein Kind dafür genügend Freiräume erhält. Lege es zum Beispiel auf eine Decke auf dem Boden, statt es zu lange im Kinderstuhl sitzen zu lassen. Für zusätzliche Bewegung kannst du sorgen, indem du mit seinen Beinen Rad fährst.

Welche Verdauungsprobleme können beim Baby auftreten und was hilft?

Da es etwas Zeit braucht, die optimale Darmflora zu entwickeln, haben Säuglinge in den ersten Lebenswochen oder -monaten häufiger Verdauungsprobleme. Oft reichen ein paar Tricks, die von Ärztin*Arzt oder der Hebamme empfohlen werden, um die Beschwerden zu lindern.

Dazu gehören zum Beispiel bestimmte Positionen, um ein Bäuerchen hervorzubringen oder die Gabe von Fencheltee für Babys. Hausmittel sollten nicht auf eigene Faust gegeben werden. Auch Spezialnahrung, die zum Beispiel starkes Aufstoßen und das Spucken von Milch verhindert, sollte nur in ärztlicher Absprache gefüttert werden.

Typische Verdauungsprobleme beim Baby

  • Blähungen: Meist entstehen Blähungen bei Babys, wenn sie beim Trinken zu viel Luft einsaugen. Kreisende Massagen (im Uhrzeigersinn!) können in einem solchen Fall schon helfen.

  • Verstopfung: Seltene Stuhlentleerungen, harter Stuhl und Schmerzen beim Stuhlgang deuten auf eine Verstopfung hin. Im Breialter lässt sich eine solche Verstopfung häufig bereits gut durch die Gabe von mehr Obst und Gemüse beheben. Bei einer anhaltenden Verstopfung solltest du mit deinem Baby die kinderärztliche Praxis aufsuchen

  • Bauchschmerzen: Die Ursachen für Bauchschmerzen sind vielfältig – oft sind Blähungen, Verstopfung oder Durchfall daran schuld. Bei heftigen Schmerzen, die mit anhaltendem Schreien oder Berührungsempfindlichkeit verbunden sind, ist schnelle medizinische Hilfe notwendig.

  • Durchfall: Wässrige und breiige Stühle sind Anzeichen von Durchfall. Dann ist es wichtig, dass das Kind ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt, um einem gefährlichen Flüssigkeitsverlust vorzubeugen. Kontaktiere deine kinderärztliche Praxis und schildere die Beschwerden.

  • Spucken: Nach der Gabe von Milchmahlzeiten kommt es häufig dazu, dass ein Teil der Nahrung wieder ausgespuckt wird. Denn der Schließmuskel am Mageneingang ist bei Babys noch nicht ausreichend entwickelt und die Nahrung kann in die Speiseröhre zurückfließen. Dieses Aufstoßen der Milch ist meist harmlos und unterscheidet sich von krankhaftem Erbrechen.

  • Erbrechen: Beim tatsächlichen Erbrechen wird eine größere Menge Nahrung schwallartig ausgestoßen. Die Ursachen sind vielfältig: Es kann sich zum Beispiel um Infekte oder Magen-Darm-Erkrankungen handeln. Heftiges Erbrechen, das mit Fieber auftritt, ist ein Fall für eine ärztliche Abklärung.

  • Dreimonatskoliken: Früher wurde für heftige Schreiattacken bei ansonsten gesunden Babys der Begriff Dreimonatskoliken verwendet. Die genauen Ursachen für das Verhalten sind allerdings bis heute nicht eindeutig geklärt. Fachleute gehen aber davon aus, dass in den meisten Fällen ein Schlafdefizit verantwortlich ist. Nur bei einem geringen Anteil der Babys lassen sich die Schreiattacken wohl wirklich auf Magen-Darm-Probleme zurückführen. Die Schreiepisoden beginnen meist um die zweite Lebenswoche herum und gehen bis zum Ende des dritten Monats zurück.

  • Allergien: Auch Allergien können sich in Form von Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall oder Erbrechen zeigen – zum Beispiel eine Allergie auf das Eiweiß in Kuhmilch.

Wie funktioniert die Verdauung überhaupt?

Die Verdauung des Menschen ist ein komplexer Prozess, bei dem die Nahrung viele verschiedene Stationen durchläuft. Beim Baby müssen sich erst alle Enzyme bilden und die Darmbakterien ansiedeln, bevor die Verdauung schließlich folgendermaßen vonstattengeht.

  • Verdauung im Mund: Im Mund werden Lebensmittel bei Erwachsenen zunächst mithilfe der Zähne mechanisch zerkleinert. Da Babys Muttermilch oder andere Säuglingsnahrung bekommen, die flüssig ist, ist dies noch nicht notwendig. Der Speichel verflüssigt die aufgenommene Nahrung und sorgt mit dem Enzym Amylase bereits hier für eine chemische Aufspaltung von Stärke (Kohlenhydrate).

  • Verdauung im Magen: Über die Speiseröhre gelangt der Nahrungsbrei mithilfe der ringförmigen Muskulatur in den Magen. Dort führt die saure Umgebung zu einer Strukturveränderung in den aufgenommenen Eiweißen. Anschließend werden diese mithilfe des Enzyms Pepsin chemisch gespalten. Ein weiteres Enzym, die Magenlipase, ist für eine erste Zerlegung von Fetten zuständig. Die chemische Aufspaltung von Stärke pausiert im Magen, da das Enzym Amylase im sauren Milieu des Magens nicht wirken kann.

  • Verdauung im Dünndarm: Im Dünndarm wird die Kohlenhydratverdauung fortgesetzt. Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse und aus der Dünndarmschleimhaut zersetzen hier Stärke sowie verschiedene Zuckerarten zu einzelnen Molekülen. Auch Eiweiße und Fette werden im Dünndarm weiter zerlegt. So sorgt das Bauchspeicheldrüsen-Enzym Trypsin für eine Aufspaltung von Eiweißen in einzelne Bestandteile (Aminosäuren).
    Fette werden im Dünndarm mit Gallenflüssigkeit vermischt und durch ein weiteres Enzym aus der Bauchspeicheldrüse, der Pankreaslipase, in kleine Moleküle gespalten. Die einzelnen Bestandteile von Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten sowie Vitamine und Mineralstoffe werden über die Wand des Dünndarms aufgenommen (resorbiert) und gelangen in den Blutkreislauf.

  • Verdauung im Dickdarm: Der Dickdarm enthält Bakterien, die unverdaute Reste weiter abbauen und in Stuhl umwandeln. Außerdem werden dem Nahrungsbrei hier Wasser und Mineralien entzogen. Ballaststoffe bleiben unverdaut. Im Mastdarm, dem letzten Abschnitt des Dickdarms, wird der Stuhl vor der Ausscheidung gesammelt.

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