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Ersttrimesterscreening

Autor: Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 15. Dezember 2017

In der 11. bis 14. Schwangerschaftswoche kann das Ersttrimesterscreening durchgeführt werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Ultraschalluntersuchung zur Messung der Nackentransparenz. Zusätzlich kann eine Risikoberechnung für Chromosomenstörungen des Kindes durchgeführt werden.

Ersttrimesterscreening
Im Mittelpunkt des Erst-Trimester-Screenings steht eine Ultraschalluntersuchung
(c) iStockphoto

Das Ersttrimesternscreening, auch Ersttrimestertest genannt, ist eine Kombination von Werten, die gemessen werden. Die Untersuchung ergibt keine Diagnose, sondern ermittelt lediglich eine Wahrscheinlichkeit, nach der das Risiko einer Chromosomenstörung berechnet wird. Wichtig ist, dass das Ersttrimesterscreening in dem Zeitrahmen 11+0 bis 13+6 SSW (also 12. bis 14. Schwangerschaftswoche) durchgeführt wird, da nur dann ein relativ aussagekräftiges Ergebnis erwartet werden kann.

Für wen ist das Ersttrimesterscreening sinnvoll?

Die werdende Mutter beziehungsweise das Paar sollten sich vor Durchführung des Ersttrimesterscreenings sicher sein, inwieweit ihnen eine Angabe der Wahrscheinlichkeit hilft und welche Konsequenzen das für sie haben könnte. Aus folgenden Faktoren wird das Risiko berechnet:

  • Alter der Mutter
  • Genaue Schwangerschaftswoche
  • vorangegangene Schwangerschaften mit Chromosomenstörungen
  • die Breite der Nackentransparenz des Ungeborenen ("Nackenfaltenmessung")
  • Blutwerte: die Konzentration des Eiweißstoffs PAPP-A und des Schwangerschaftshormons freies ß-HCG im mütterlichen Blut
  • die Darstellbarkeit des kindlichen Nasenbeins
  • die Blutflüsse im Herzen und in den großen Blutgefäßen des Ungeborenen

Was bringt mir das Ergebnis?

Gerade für Frauen über 35 Jahre, denen in der Regel zu einer Fruchtwasseruntersuchung geraten wird, können von dem Ersttrimstersrceening profitieren. Denn wenn das Risiko im Verhältnis zum Alter als niedrig berechnet wird, fällt es ihnen möglicherweise leichter, auf weitere Diagnostik zu verzichten. Junge Frauen hingegen, denen man aufgrund ihres Alters keine weiteren Untersuchungen empfehlen würde, können bei einem Ergebnis, dass einen Verdacht weckt, eine Punktion durchführen lassen, wenn sie das möchten. Allerdings sollte auch bedacht werden, dass auch ein Baby mit einer verdickten Nackenfalte ein gesundes Baby sein kann. Das warten auf das Ergebnis und weitere Untersuchungen können durchaus psychisch sehr belastend für die Schwangere sein. Deshalb sollte jede Frau, die sich für das Ersttrimsterscreening entscheidet, sich überlegen, was das mögliche Wissen über eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für sie bedeuten würde und wie sie weiterführend damit umgehen möchte.

Wenn eine Schwangere wissen möchte, ob das Risiko für eine Chromosomenstörung, wie beispielsweise das Down-Syndrom, erhöht ist, werden während der Untersuchung verschiedene Faktoren erfasst. Daraus kann eine Wahrscheinlichkeit berechnet werden, mit der das Kind eine Chromosomenstörung hat. Die Aussagekraft des Ersttrimesterscreenings liegt bei 95 Prozent. das bedeutet, dass 95 von 100 Kindern mit Down-Syndrom entdeckt werden, fünf aber unerkannt bleiben. Außerdem werden 5 % der gesunden Kinder fälschlicherweise mit Verdacht auf Down-Syndrom diagnostiziert.

Kann dabei das Geschlecht bestimmt werden?

Das Geschlecht des Kindes kann möglicherweise bei der zum Ersttrimesterscreenig zugehörigen Ultraschalluntersuchung vom Arzt gesehen werden. Allerdings ist es in Deutschland gesetzlich geregelt, dass Ärzte das Geschlecht nicht vor der 13. Schwangerschaftswoche bekanntgeben dürfen. Zudem ist zu diesem Zeitpunkt selbst für Ultraschallexperten eine Diagnose des Geschlechts noch sehr unsicher.

Mehr zu Geschlechtsbestimmung beim Baby: Wann kann der Arzt es erkennen?

Welche Kosten entstehen der Schwangeren?

Das Ersttrimesterscreening ist bei einer unauffälligen Schwangerschaft nicht Teil der regulären Vorsorgeuntersuchungen. Die Kosten für Beratung, Ultraschall- und Laboruntersuchung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nicht. Die Höhe der Kosten ist unterschiedlich, variiert aber meist zwischen 150 und 200 Euro, die privat bezahlt werden müssen.

Gibt es Alternativen?

Seit einigen Jahren gibt es genauere Bluttests zur Bestimmung bestimmter Chromosomenschäden. Hierzu gehören der PraenaTest und der Harmony-Test. Auch diese Tests sind privat zu bezahlen und deutlich teurer als das Ersttrimesterscreening.

Erst-Trimester-Screening ist keine Vorsorge

Mit dem Erst-Trimester-Screening habe die invasive Diagnostik deutlich abgenommen, sagt Ute Germer, Leiterin des Zentrums für Pränatalmedizin der Universität Regensburg. "Im Jahr 2000 wurde noch bei zehn Prozent der Schwangeren eine Amniozentese gemacht, inzwischen sind es unter fünf Prozent, obwohl die Rate älterer Schwangerer massiv zugenommen hat." Damit rettet das Screening wohl so manches Leben: Etwa einer von 200 Feten überlebt eine Punktion nicht.

Auch die möglichen Folgen des Erst-Trimester-Screenings machten sich Frauen oft nicht bewusst, erklärt Angelika Wolff vom Zentrum Familie, Bildung und Engagement der Diakonie Deutschland. "Und es ist nicht unbedingt die Überzeugung des Berufsstandes Arzt, in der Beratung auch darauf einzugehen, dass man die Wahl hat, dass es ein Recht auf Nichtwissen gibt, dass Diagnostik Unsicherheiten verstärken kann, statt sie zu lösen." Das Gefühl der Schwangeren sei: "Das ist nicht invasiv, das kann man ja machen", sagt auch Hebamme Angelica Ensel. "Das Screening wird als Vorsorge empfunden – was es nicht ist."

Ergebe sich eine Auffälligkeit, seien die Frauen meist so verunsichert und beunruhigt, dass sie aus dem Diagnostik-Karussell nicht mehr aussteigen könnten, so Wolff. Es sei paradox: Die Kinder- und Müttersterblichkeit sei so gering wie nie, eine Schwangerschaft aber werde in der modernen Gesellschaft als etwas sehr Unsicheres empfunden. "Es ist absolut schwer geworden, einfach guter Hoffnung zu sein", betont auch Ensel.

Familien sollten sich auch klar machen, dass mit den Analysen viel Geld verdient werde, sagt sie. "Da kann es Profitdenken geben und unethischen Umgang mit Igelleistungen wie in anderen medizinischen Bereichen auch." Auch Regressangst spiele eine Rolle, ergänzt Wolff. "Es hat schon solche Klagen gegeben: Uns wurde zugemutet, so ein Kind zu bekommen, weil wir schlecht informiert wurden."

Für das Wohlbefinden der Frauen sind die vielen möglichen Zusatzuntersuchungen nach Ensels Ansicht keineswegs immer von Vorteil. "Die Schwangere gerät unter Stress, das gute Gefühl für sich selbst geht verloren, die Beziehung zum Kind wird gestört."

Seien Probleme früh bekannt, könne in vielen Fällen früh reagiert werden, betonen Mediziner. Beim Ultraschall lasse sich zum Beispiel eine verdickte Blase des Kindes erkennen und dann punktieren, erklärt Schild. Bei einem Herzfehler könne eine passende Klinik für die Geburt ausgewählt und dann direkt der Kinderkardiologe konsultiert werden.

"Drei bis vier Prozent der Schwangerschaften enden mit der Geburt eines Kindes mit einer Erkrankung, wobei die Rate der strukturellen Anomalien zehnmal höher liegt als die der Chromosomenstörung", erklärt Germer. Zu den Anomalien zählten schwere Defekte wie Herzfehler oder ein offener Rücken (Spina bifida (Offener Rücken)), aber auch das Fehlen einer Niere oder ein Ohranhängsel – eine harmlose Hautausstülpung am Ohr. Eine Trisomie habe nach wie vor jedes 600. bis 700. Kind, da es zwar immer mehr ältere Mütter mit höherem Risiko, aber auch mehr Abbrüche in solchen Fällen gebe.

Autor: Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 15. Dezember 2017
Quellen

Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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