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Ernährung in der Schwangerschaft

Louwen-Diät: Leichtere Geburt durch gesunde Ernährung?

Dank niedrigem Blutzuckerspiegel zu einer leichteren Geburt: Die Louwen-Diät basiert auf den Ernährungsempfehlungen von Prof. Dr. med. Frank Louwen. Doch was ist dran an dem Konzept?

Louwen-Diät: Leichtere Geburt durch Ernährung?
Lieber nicht: Bei der Louwen-Diät soll in den letzten Wochen vor der Geburt auf Zucker und Weißmehlprodukte verzichtet werden.
© GettyImages/AleksandarNakic

Zahlreiche Hebammen empfehlen die Ernährungsform nach Louwen, in Geburtsvorbereitungskursen oder Onlineforen macht sie die Runde und viele Mamas überschlagen sich geradezu mit positiven Erfahrungsberichten. Sie soll Terminüberschreitung verhindern und die Geburt leichter und schmerzärmer werden lassen. Also – was ist wirklich dran an der "Louwen-Diät"?

In diesem Artikel lesen Sie:

Die 15 besten Lebensmittel für die Schwangerschaft

Louwen-Diät: Ernährung in der Schwangerschaft

Zucker und einfache Kohlenhydrate meiden, vor allem bei Übergewicht: Wer sich in den letzten sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin so ernährt, kann möglicherweise mit einer termingerechten, leichteren und schmerzärmeren Geburt rechnen.

Die als Louwen-Diät bekannte Ernährung nach Prof Dr. med. Frank Louwen ist keine Diät zur Gewichtsreduktion, sondern zur Erleichterung der Geburt. Konkret verzichtet werden sollte bei dieser Ernährung auf alles, was den Blutzuckerspiegel zu stark ansteigen lässt.

Das Ernährungskonzept nach Louwen ähnelt einer Ernährung nach dem GLYX-Prinzip oder auch der LOGI-Diät. Auch bei diesen Ernährungsweisen spielt die Verringerung bestimmter Kohlenhydrate zur Vermeidung von Blutzuckerspitzen eine wesentliche Rolle. 

Vorteile der Louwen-Ernährung vor der Geburt:

Der Grund für die Ernährungsempfehlungen von Louwen: Ein hoher Blutzuckerspiegel hemmt die Produktion von Prostaglandinen und verhindert, dass diese in den Zellen wirken können. Prostaglandine spielen eine wichtige Rolle bei der Geburt. Diese hormonähnlichen Substanzen sind für die Öffnung des Muttermundes unerlässlich und sorgen gemeinsam mit dem Hormon Oxytocin und anderen für den Beginn der Wehentätigkeit.

Ein weiterer Grund, Zucker und Weißmehlprodukte vom Ernährungsplan zu streichen: Bestimmte Enzyme im mütterlichen Fettgewebe sorgen dafür, dass Prostaglandine schneller abgebaut werden, weshalb übergewichtige Schwangere häufiger Terminüberschreitungen bis hin zu Übertragungen haben. Für sie sind die Ernährungsempfehlungen im Sinne von Louwen besonders empfehlenswert.

Louwen-Diät: Blutzuckerspiegel runter, Hormonproduktion rauf!

Die in einer Mahlzeit enthaltenen Kohlenhydrate werden im Rahmen der Verdauung in den Einfachzucker Glukose (Traubenzucker) umgewandelt und ins Blut abgegeben. Damit die Glukose in die Muskelzellen gelangt, schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus. Das Insulin besetzt bestimmte Rezeptoren an den Zellen, damit diese den Zucker aufnehmen können. Die gleichen Rezeptoren werden auch von Prostaglandinen genutzt.

Prostaglandine sind wichtig für die Geburt

Während der Schwangerschaft ist der Anteil an Prostaglandinen in der Gebärmutter äußerst niedrig. Wahrscheinlich hemmt Progesteron ihre Produktion. Um die 36. SSW, mit Abschluss der Lungenreifung, schüttet das Kind vermehrt Kortisol aus – für die Plazenta das Signal, weniger Progesteron zu produzieren, sodass immer mehr Prostaglandine gebildet werden und die Geburt in Gang kommen kann.

Prostaglandine bauen als Signalverstärker kleine "Zellbrücken" in der Muskulatur der Gebärmutter, die das Übertragen der Bewegungen von Zelle zu Zelle koordinieren. Unter anderem zusammen mit Oxytocin sind Prostaglandine für den Beginn der Wehentätigkeit verantwortlich.

Ein hoher Insulinspiegel hemmt die Prostaglandinproduktion jedoch. Gleichzeitig baut ein bestimmtes Enzym der Fettzellen die vorhandenen Prostaglandine schneller ab. Das ist unter anderem ein Grund dafür, warum bei übergewichtigen Schwangeren häufiger Terminüberschreitungen auftreten. Für sie ist eine grundsätzlich kohlenhydratärmere Ernährung besonders ratsam.

Indem sie bestimmte Rezeptoren produzieren und im Anschluss besetzen, lassen Prostaglandine außerdem den Muttermund reifen, machen ihn dehnbarer und weicher und reduzieren die Schmerzempfindlichkeit. Sind diese Rezeptoren allerdings bereits durch Insulin besetzt, droht eine schmerzhaftere und längere Geburt, denn die Prostaglandine können nicht am Muttermund wirken.

In der Geburtshilfe kommen Prostaglandine zum Einsatz, um die Reifung des Muttermundes zu fördern. Sie werden meist als Gel direkt an den Muttermund gebracht.

Prostaglandine.

Louwen-Diät: Diese Lebensmittel sollten Sie meiden oder reduzieren

Um den Blutzuckerspiegel möglichst moderat steigen zu lassen, sind bei der Louwen-Diät vor allem die "üblichen Verdächtigen" tabu, also Zucker, Süßspeisen und Weißmehlprodukte. Doch auch andere Lebensmittel lassen den Blutzuckerspiegel stark und steil ansteigen. Das sind vor allem Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index (GI) über 70:

  • Zucker und zuckerhaltige Süßigkeiten wie Kuchen, Schokolade oder Schokoriegel, aber auch Marmelade, süße Aufstriche und Co. oder Honig
  • gezuckerte Getränke wie Limonade oder Cola
  • polierter Reis (Basmatireis, Jasminreis, Langkornreis) sowie Hirse
  • Weizenbrot, auch Weizenvollkornbrot
  • Weißmehlprodukte wie Weißbrot, Brötchen, Brezeln, Bagels, Cracker, Croissant, Baguette oder auch Cornflakes
  • Fast Food und viele (zuckerhaltige) Fertigprodukte
  • Gnocchi
  • Kartoffelprodukte wie Pommes Frites, Chips, gebackene Kartoffeln, Kartoffelklöße, Reibekuchen oder Kartoffelbrei
  • getrocknete Datteln
  • Wassermelone
  • Fertigsoßen und Dressings wie Ketchup, Barbecuesoße oder zuckerhaltiges Salatdressing
  • stark stärkehaltiges Gemüse wie gekochter Sellerie, Kürbis oder Rote Bete

Geeignete Lebensmittel im Sinne der Louwen-Diät

Komplexe Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel weniger stark ansteigen. Diese stecken in Vollkorn- oder Mehrkornprodukten und Hülsenfrüchten. Die vielen enthaltenden Ballaststoffe unterstützen außerdem die Verdauung. Auch Pseudogetreide wie Quinoa und Amaranth sind empfehlenswert, allerdings nicht in allzu großen Mengen, denn sie enthalten Antinährstoffe, welche die Aufnahme anderer Mikronährstoffe reduzieren können. Geeignet sind:

  • Vollkorn- und Mehrkornprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Pseudogetreide wie Quinoa und Amaranth in Maßen
  • Gemüse mit Ausnahme stark stärkehaltiger Sorten wie Kürbis oder Roter Bete
  • Obstsorten, die nicht so viel Fruktose enthalten, wie Beerenfrüchte, Äpfel, Aprikosen, Kirschen oder Birnen sowie Zitrusfrüchte
  • Milch- und Milchprodukte, sofern sie keinen Zucker enthalten
  • zuckerfreie vegane Pflanzendrinks
  • Nüsse

Manchmal macht auch die Zubereitung von Lebensmitteln einen Unterschied: So haben beispielsweise gekochte und noch warm gegessene Kartoffeln einen höheren glykämischen Index als gekochte und anschließend abgekühlte Kartoffeln. Auch die Kartoffelsorte macht einen Unterschied. Tendenziell haben fest kochende Kartoffeln einen niedrigeren GI als mehlige.

Auch Haferflocken – normalerweise mit einem glykämischen Index im oberen mittleren Bereich – lassen den Blutzucker weniger stark ansteigen, wenn sie vorher gekocht wurden. Das klassische Porridge-Rezept, bei dem Haferflocken in Wasser oder (Pflanzen-)Milch einige Minuten köcheln, kann im Rahmen der Louwen-Ernährung also durchaus öfter auf den Tisch kommen.

Prostaglandine lieben ungesättigte Fettsäuren

Zusätzlich empfiehlt es sich, auf eine Ernährung mit einer ausreichenden Zufuhr von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren zu setzen, denn diese benötigt der Körper für die Produktion von Prostaglandinen. Sie stecken in den meisten Pflanzenölen sowie in Fisch und Fischöl.

Nüsse und Samen sowie fette Fischarten sind gute Quellen. Wichtig: Verzichten Sie in der Schwangerschaft auf Raubfische wie Thunfisch, denn diese sind mittlerweile stark mit Quecksilber belastet.

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