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Was hilft gegen Blasenschwäche?

Inkontinenz in der Schwangerschaft

Auf so manche Begleiterscheinung der Schwangerschaft möchten viele Schwangere sicher gern verzichten. Blasenschwäche oder sogar Inkontinenz gehören wohl dazu. Was hilft noch neben einem gestärkten Beckenboden?

Inkontinenz in der Schwangerschaft
Inkontinenz in der Schwangerschaft kommt häufig vor, wird aber selten angesprochen.
© GettyImages/Peter Cade

Plötzlich geht beim Lachen, Niesen oder Heben etwas Urin ab, es wird vielleicht auch zunehmend schwerer, Urin einzuhalten. Inkontinenz in der Schwangerschaft gehört zu den häufigen Schwangerschaftsbeschwerden. Meist ist das Problem unangenehm, aber harmlos – und in der Regel nur vorübergehend. Nach der Geburt und mit etwas Unterstützung durch die Rückbildung verschwindet die Blasenschwäche meist wieder vollständig.

Artikelinhalte auf einen Blick:

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Inkontinenz in der Schwangerschaft und Blasenschwäche kommen häufig vor

Viele Schwangere kennen es: Je größer der Babybauch wird, desto häufiger müssen sie auf die Toilette. Das häufige Entleeren der Blase mit kleineren Mengen Urin (medizinisch: Pollakisurie) gehört zu den ganz normalen Erscheinungen der Schwangerschaft. Schließlich muss die Harnblase zugunsten der wachsenden Gebärmutter auf immer mehr Raum zur Entfaltung verzichten. Nach der Geburt und mit Rückbildung der Gebärmutter gibt sich dieses Problem von alleine wieder.

Etwas anderes ist es, wenn zusätzlich unkontrollierbar Urin abgeht. Dann spricht man von Inkontinenz beziehungsweise Harninkontinenz. Nach Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) trifft das bis zu sieben von zehn Schwangeren, insbesondere im letzten Schwangerschaftsdrittel.

Ursachen für Inkontinenz in der Schwangerschaft

Neben der normalen räumlichen Verdrängung der Harnblase durch die Gebärmutter haben auch die hormonellen Veränderungen ihren Anteil an Inkontinenz in der Schwangerschaft.

Der Beckenboden ermöglicht das kontrollierte Öffnen und Schließen von Harnröhre, Darm und bei Frauen der Vagina. Im Laufe der Schwangerschaft entsteht durch die größer und vor allem schwerer werdende Gebärmutter immer mehr Druck auf den Beckenboden. Schon allein das führt häufig zu Blasenschwäche.

Hinzu kommen die hormonellen Veränderungen, durch die das Gewebe des Beckenbodens automatisch immer weicher wird – schließlich soll zum errechneten Geburtstermin etwa in der 40. Schwangerschaftswoche das Baby hindurchgelangen. Ebenfalls unter hormonellem Einfluss nimmt die Spannung in der Harnröhre ab und es wird mehr Urin produziert.

"Harninkontinenz tritt häufig nach einer Schwangerschaft oder mit fortschreitendem Alter auf", berichtet Dr. Michael Stephan-Odenthal, Urologe und Geschäftsführer des Ärztenetzwerks Uro-GmbH. "Oft stellen wir aber auch einen Zusammenhang mit Übergewicht oder schwerer körperlicher Arbeit fest."

Stuhlinkontinenz in der Schwangerschaft ist wesentlich seltener

Wesentlich seltener als Harninkontinenz tritt eine Stuhlinkontinenz in und nach der Schwangerschaft auf. Dabei tritt unvermittelt Stuhl aus oder es kommt zu einem plötzlichen Druckgefühl – betroffene Schwangere haben das Gefühl, dass sie sofort den Darm entleeren müssen. Manche Schwangere können gelegentlich Gase nicht zurückhalten. Auch Stuhlinkontinenz wird durch einen schwachen Beckenboden in der Schwangerschaft verursacht.

Tipps gegen Inkontinenz in der Schwangerschaft

Bei Blasenschwäche und Inkontinenz hilft in bestimmten Situation das bewusste Anspannen des Beckenbodens. In den meisten Fällen verschwindet die Inkontinenz nach der Schwangerschaft von allein, sobald der Beckenboden wieder stärker wird.

Obwohl es auf den ersten Blick unlogisch erscheinen mag: Ausreichend Wasser trinken ist auch bei Inkontinenz wichtig. Gerade in der Schwangerschaft ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig. Zu wenig trinken kann zudem zu Verstopfung führen. Das starke Pressen beim Stuhlgang wiederum kann den Beckenboden zusätzlich schwächen.

Tipps gegen ungewollten Abgang von Urin:

  • Versuchen Sie, Ihre Blase beim Toilettengang vollständig zu entleeren. Setzen Sie sich dafür eher breitbeinig auf den Toilettensitz. Beugen Sie sich etwas nach vorne und heben Sie wenn nötig Ihren Bauch an – immer nur, solange es noch angenehm ist.
  • Mit Slipeinlagen oder Binden gehen Sie auf Nummer sicher, falls unverhofft Urin abgeht.
  • Bei Husten, Niesen, Bücken oder Lachen den Beckenboden leicht anspannen oder die Beine überschlagen.
  • Nicht zu lange auf einer Stelle stehen, lieber öfter leicht bewegen.
Beckenbodentraining: Die besten Übungen für den Beckenboden

Beckenbodentraining oft wirksam bei Inkontinenz

Ergänzend trägt gezieltes Beckenbodentraining dazu bei, die Beschwerden einzudämmen oder schon im Vorfeld zu verhindern. Oft reichen kleine Übungen, die sich ganz diskret nebenbei durchführen lassen, um die Körpermitte zu stärken. Zum Beispiel: Den Urinstrahl beim Toilettengang kurz unterbrechen. Denn genau dabei kommen der Schließmuskel der Harnröhre und die Beckenbodenmuskulatur zum Einsatz. Anspannen, kurz halten, entspannen – und das mehrmals am Tag.

Auch beim Treppensteigen wird der Beckenboden automatisch mittrainiert. Wer trotz regelmäßigen Trainings die Kontrolle über seinen Harndrang verliert, sollte sich trotz aller Scham nicht scheuen, einen Urologen aufzusuchen. "Inkontinenz ist kein unabänderliches Schicksal, sondern lässt sich fast immer erfolgreich behandeln", betont Dr. Stephan-Odenthal.

Beckenbodentraining speziell für Schwangere hilft auch, einer Inkontinenz nach der Geburt vorzubeugen. Solche Übungen sind Teil der meisten Geburtsvorbereitungskurse.

Sport in der Schwangerschaft: Die besten Sportarten

Risikofaktoren für Inkontinenz in der Schwangerschaft

Ob eine Schwangere zu Inkontinenz neigt, ist auch familiäre Veranlagung. Frauen, die einen schwächeren Beckenboden haben, können ebenfalls unter Inkontinenz in der Schwangerschaft leiden. Was hier hilft: Beckenbodentraining, und zwar am besten schon vor der Schwangerschaft.

Ein weiterer wesentlicher Risikofaktor für Inkontinenz ist das Rauchen. Wer schwanger werden möchte, sollte daher bereits vor der Schwangerschaft auf das Rauchen verzichten. Übergewicht kann bei Schwangeren ebenfalls zu Inkontinenz führen.

Körperliche Inaktivität während der Schwangerschaft kann Inkontinenz begünstigen. Bewegung an der frischen Luft oder auch Gymnastik und Yoga können zu einem kräftigeren Beckenboden beitragen. Vermieden werden sollten jedoch Sportarten mit abrupten Bewegungsabläufen oder Stoßbewegungen, die in der Schwangerschaft jedoch nicht üblich sind.

Inkontinenz nach der Geburt

Eine (vorübergehende) Inkontinenz nach der Entbindung kommt häufig vor. Der Beckenboden ist nach der Geburt noch recht schwach. Daher ist Rückbildung auch im Hinblick auf die Inkontinenz wichtig.

Auch Geburtsverletzungen (Muskel- oder Nervenverletzungen) durch Dammriss oder Dammschnitt oder die Überdehnungen von Muskelbändern können zu Inkontinenz von Blase und Darm nach der Geburt führen. In aller Regel erholen sich Bänder und Nerven nach einigen Wochen wieder.

Hält die Inkontinenz länger an, ist es ratsam, noch einmal die*den Frauenärztin*Frauenarzt aufzusuchen. Eventuell kann eine spezielle Physiotherapie hier weiterhelfen.

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