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Dienstag, 21. August 2018
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Inkontinenz in der Schwangerschaft

Ein Thema, über das nicht offen gesprochen wird, das aber viele Schwangere betrifft: Inkontinenz kommt in der Schwangerschaft häufig vor und ist zwar unangenehm, aber kein Grund, sich zu schämen.

Inkontinenz in der Schwangerschaft
Beim Lachen ist es schnell passiert - Inkontinenz in der Schwangerschaft kommt häufig vor, wird aber selten angesprochen
(c) iStockphoto

Inkontinenz in der Schwangerschaft gehört zu den "normalen" Schwangerschaftsbeschwerden: Besonders beim Lachen, Husten oder Heben kann leicht etwas Urin abgehen. In solchen Situationen hilft das bewusste Anspannen des Beckenbodens oder das Übereinanderschlagen der Beine. In den allermeisten Fällen verschwindet die Inkontinenz nach der Schwangerschaft von ganz allein, sobald der Beckenboden wieder stärker wird. Rückbildung ist im Hinblick auf die Vorbeugung späterer Inkontinenz eine wichtige Präventionssäule.

Was verursacht Inkontinenz in der Schwangerschaft?

Verursacht wird Inkontinenz durch die schwangerschaftsbedingten Veränderungen des Beckenbodens und den zunehmenden Druck auf die Harnblase, der durch das wachsende Baby im Bauch entsteht. Bestimmte Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines ungewollten Urinabgangs, bei manchen Schwangeren gehen auch ungewollt Winde oder (seltener) Stuhl ab.

"Harninkontinenz tritt häufig nach einer Schwangerschaft oder mit fortschreitendem Alter auf", berichtet Dr. Michael Stephan-Odenthal, Urologe und Geschäftsführer des Ärztenetzwerks Uro-GmbH. "Oft stellen wir aber auch einen Zusammenhang mit Übergewicht oder schwerer körperlicher Arbeit fest."

In der Schwangerschaft werden das Gewebe rund um den Beckenboden sowie der Beckenboden selbst weicher. Dieser Vorgang ist natürlich und eine wichtige Vorbereitung auf die Geburt, denn das Gewebe muss nachgeben, damit das Kind bei der Geburt durch das Becken kommt. Ausgelöst wird dieser Vorgang durch Schwangerschaftshormone. Aus dem gleichen Grund kommt es in der Schwangerschaft auch häufig zu Rückenschmerzen. Ebenfalls unter hormonellem Einfluss nimmt die Spannung in der Harnröhre ab und es wird mehr Urin produziert.

Gleichzeitig wird die Gebärmutter mit dem Kind im Laufe der Schwangerschaft immer schwerer und drückt auf die Blase. Das kann nicht nur zu Harninkontinenz führen – viele Frauen müssen dadurch auch viel häufiger zur Toilette. Gerade gegen Ende der Schwangerschaft führt dieses "Platzproblem" im Becken bei vielen Frauen zu Inkontinenz - also dazu, dass ungewollt Urin abgeht, meist bei plötzlichem Druck, der durch Lachen, Husten, Niesen oder beim Bücken entsteht.

Wesentlich seltener als Harninkontinenz tritt eine Stuhlinkontinenz in und nach der Schwangerschaft auf. Dabei tritt unvermittelt Stuhl aus oder es kommt zu plötzlichem Druckgefühl - betroffene Schwangere haben das Gefühl, dass sie sofort ihren Darm entleeren müssen. Manche Schwangere können gelegentlich Gase nicht zurückhalten. Auch Stuhlinkontinenz wird durch einen schwachen Beckenboden in der Schwangerschaft verursacht.

Tipps bei Inkontinenz während der Schwangerschaft

Obwohl es auf den ersten Blick unlogisch erscheinen mag: Ausreichend Wasser trinken ist auch bei Inkontinenz wichtig. Gerade in der Schwangerschaft ist ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig. Zu wenig trinken kann zudem zu einer Verstopfung führen. Das starke Pressen beim Stuhlgang schwächt wiederum den Beckenboden zusätzlich.

Beckenbodentraining oft wirksam bei Inkontinenz

Ergänzend trägt gezieltes Beckenbodentraining dazu bei, die Beschwerden einzudämmen oder schon im Vorfeld zu verhindern. Oft reichen kleine Übungen, die sich ganz diskret nebenbei durchführen lassen, um die Körpermitte zu stärken. Zum Beispiel: Den Urinstrahl beim Toilettengang kurz unterbrechen. Denn genau dabei kommen der Schließmuskel der Harnröhre und die Beckenbodenmuskulatur zum Einsatz. Anspannen, kurz halten, entspannen – und das möglichst häufig am Tag.

Auch beim Treppensteigen wird der Beckenboden automatisch mittrainiert. Wer trotz regelmäßigen Trainings die Kontrolle über seinen Harndrang verliert, sollte sich trotz aller Scham nicht scheuen, einen Urologen aufzusuchen. "Inkontinenz ist kein unabänderliches Schicksal, sondern lässt sich fast immer erfolgreich behandeln", betont Dr. Stephan-Odenthal.

Beckenbodentraining speziell für Schwangere hilft auch, einer Inkontinenz nach der Geburt vorzubeugen. Solche Übungen sind Teil der meisten Geburtsvorbereitungskurse.

Weitere Tipps zum Umgang mit Inkontinenz in der Schwangerschaft:

  • Mit Slipeinlagen oder Binden geht man auf Nummer sicher, falls unverhofft Urin abgeht.
  • Beim Toilettengang die Blase vollständig entleeren. Leichtes Nach-vorne-beugen auf der Toilette unterstützt die Entleerung der Blase.
  • Bei Husten, Niesen, Bücken oder Lachen den Beckenboden leicht anspannen oder die Beine überschlagen.
  • Nicht zu lange auf einer Stelle stehen, lieber öfter leicht bewegen.

Was sind die Risikofaktoren für Inkontinenz in der Schwangerschaft und wie kann man vorbeugen?

Ob eine Schwangere zu Inkontinenz neigt, ist auch Veranlagung. Kam zum Beispiel bei der eigenen Mutter bereits Inkontinenz während der Schwangerschaft vor, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie bei einem selbst auch auftritt. Frauen, die einen schwächeren Beckenboden haben, können ebenfalls unter Inkontinenz in der Schwangerschaft leiden. Was hier hilft: Beckenbodentraining, und zwar am besten schon vor der Schwangerschaft.

Ein weiterer wesentlicher Risikofaktor für Inkontinenz ist das Rauchen. Wer schwanger werden möchte, sollte daher bereits vor der Schwangerschaft auf das Rauchen verzichten. Übergewicht kann bei Schwangeren ebenfalls zu Inkontinenz führen.

Körperliche Inaktivität während der Schwangerschaft kann Inkontinenz begünstigen. Bewegung an der frischen Luft oder auch Gymnastik oder Yoga können zu einem kräftigeren Beckenboden beitragen. Vermieden werden sollten jedoch Sportarten mit abrupten Bewegungsabläufen oder Stoßbewegungen, die in der Schwangerschaft jedoch nicht üblich sind.

Inkontinenz nach der Schwangerschaft

Eine (vorübergehende) Inkontinenz nach der Entbindung kommt häufig vor. Der Beckenboden ist nach der Geburt noch recht schwach. Daher ist Rückbildung nach der Schwangerschaft auch im Hinblick auf die Inkontinenz wichtig: Unterstützt durch die Stärkung des Beckenbodens verschwindet die Inkontinenz einige Wochen nach der Schwangerschaft bei den meisten Frauen von allein. Auch Geburtsverletzungen (Muskel- oder Nervenverletzungen) durch Dammriss oder Dammschnitt oder die Überdehnungen von Muskelbändern können zu Inkontinenz von Blase und Darm nach der Geburt führen. In aller Regel erholen sich Bänder und Nerven nach einigen Wochen wieder.

Hält die Inkontinenz länger an, ist es ratsam, noch einmal den Frauenarzt aufzusuchen. Eventuell kann eine spezielle Physiotherapie hier weiterhelfen. Der Frauenarzt kann diese verschreiben.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 03. November 2017
Quellen

Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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