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Auch in der Schwangerschaft häufig

Stiller Reflux: 9 Symptome und was hilft

Du wachst morgens oft mit belegter Stimme auf, bist häufig heiser, musst dich immer wieder räuspern und hast vielleicht sogar oft Halsschmerzen, ohne erkältet zu sein? Dann könnte ein sogenannter stiller Reflux hinter deinen Symptomen stecken.

Frau fasst sich an den Hals
© Getty Images/Eakkarat Thiemubol

Kurzübersicht: Stiller Reflux

Was ist das? Beim stillen Reflux steigen Magensäure, Gase und Enzyme aus dem Magen nach oben, lösen aber nicht das typische Sodbrennen in der Speiseröhre aus.

Entstehung: Magensäure und Gase, die beim Aufstoßen entstehen, verursachen Entzündungen im Bereich des Rachens und des Kehlkopfes. Auch Atemwegsbeschwerden können ihre Ursache im stillen Reflux haben.

Symptome: Typisch ist ein "verschleimter" Rachen, häufiges Räuspern, Heiserkeit, Hustenreiz oder auch ein Kloßgefühl im Hals.

Behandlung: Behandelt wird wie bei anderen Refluxerkrankungen mit säurehemmenden Medikamenten. Einige Wirkstoffe sind auch für Schwangere geeignet. Am wichtigsten ist die Anpassung des Lebensstils, vor allem der Ernährung.

Das umgangssprachlich stiller Reflux genannte Krankheitsbild wird medizinisch auch als Laryngitis gastrica bezeichnet und gehört zu den nicht-ösophagealen (Ösophagus = Speiseröhre) Refluxerkrankungen.

Artikelinhalte:

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Sodbrennen ist das häufigste Symptom von Refluxerkrankungen

Von Sodbrennen hat wohl jede*r schon einmal gehört, viele sind auch selbst betroffen: Schätzungsweise 85 Prozent der Menschen in der westlichen Welt haben mindestens einmal monatlich mit saurem Aufstoßen zu tun.

In der Schwangerschaft ist Sodbrennen eine der häufigsten Beschwerden. Grund dafür sind die hormonellen Veränderungen, die ein Aufsteigen von Magensäure in die Speiseröhre begünstigen. Da die wachsende Gebärmutter immer stärker von unten gegen den Magen drückt, wird dieser Effekt zum Ende der Schwangerschaft hin noch verstärkt, und der ohnehin belastete Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre schwächelt.

Saures Aufstoßen, unangenehmes Brennen in Magen und Speiseröhre sowie Oberbauchschmerzen sind die typischen Beschwerden der Refluxkrankheit, deren Hauptsymptom das Sodbrennen ist.

Reflux leitet sich vom lateinischen Wort "refluere" ab und bedeutet "zurückfließen", womit auch schon die Ursache geklärt wäre: Magensäure fließt aus dem Magen zurück in die Speiseröhre und löst dort das typische brennende und schmerzhafte Gefühl hinter dem Brustbein aus.

Stiller Reflux: Symptome richtig zuordnen

Der größte Unterschied zum herkömmlichen Reflux mit Sodbrennen, saurem Aufstoßen, gereizter Speiseröhre und Oberbauchbeschwerden: Genau diese Symptome bleiben beim stillen Reflux oftmals aus. Nur etwa zwanzig Prozent der Betroffenen verspüren ein Sodbrennen.

Den stillen Reflux kennzeichnen vielmehr Symptome, die erst einmal gar nicht auf Magensäure am falschen Ort als Ursache schließen lassen:

  • häufiges Räuspern/Räusperzwang
  • Heiserkeit
  • häufige Halsschmerzen
  • (chronischer) Husten
  • wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen/Mittelohrentzündungen
  • belegte Stimme
  • Versagen der Stimme
  • Kloßgefühl im Hals
  • "Verschleimung" im Bereich des Rachens

Auch Atemwegsinfektionen und sogar Asthma können durch einen stillen Reflux ausgelöst werden.

Was passiert beim stillen Reflux genau?

Der stille Reflux gehört zu den Refluxkrankheiten, bei denen Magensaft wieder aus dem Magen hinaus nach oben steigt. Es kommt jedoch meist nicht zu den klassischen Beschwerden wie Sodbrennen und Speiseröhrenentzündung – diese würde auch bei einer diagnostischen Magenspiegelung sofort erkannt.

Vielmehr treten die Beschwerden weiter oben im Bereich des Rachens und Kehlkopfs auf. Das ist auch der Grund, warum ein stiller Reflux oft so spät diagnostiziert wird – auch in der Schwangerschaft.

Für eine Entzündung der Schleimhaut reichen schon geringe Mengen an Magensäure, aber auch Gase, die beim Aufstoßen entstehen, Gallensäuren und Enzyme wie das Pepsin, welche nach oben steigen, aus, da die Schleimhaut in diesem Bereich sehr empfindlich ist. Saure Gase können auch Beschwerden in den Atemwegen verursachen.

Im Gegensatz zur "klassischen" Refluxkrankheit ist die Speiseröhre beim stillen Reflux kaum oder gar nicht betroffen. Es sind Kehlkopf und Rachen, deren Schleimhaut durch den dauernden Kontakt mit Magensaft entzündet sind.

Diagnose wird oft erst spät gestellt

Gerade aufgrund der unspezifischen Symptome wird ein stiller Reflux oft erst spät erkannt. Ansprechpartner*in ist dein*e HNO-Ärztin*Arzt. Bei begründetem Verdacht kann sie*er eine Kehlkopfspiegelung durchführen. Dafür führt sie*er einen kleinen Spiegel in den Rachen ein und beleuchtet ihn. Diese Untersuchung dauert nur wenige Sekunden.

Etwas aufwändiger ist die 24-Stunden-Säuremessung (pH-Metrie): Dabei wird eine kleine, weiche Sonde durch die Nase in den Rachenraum gelegt, wo sie über einen Zeitraum von 24 Stunden den pH-Wert misst und an ein kleines Speichergerät überträgt.

Auch eine Magenspiegelung kann zur weiteren Abklärung erforderlich werden.

Stiller Reflux in der Schwangerschaft: Behandlung erfolgt individuell

Je nach Ausprägung der Schädigung und Beschwerden kann zunächst eine Anpassung des Lebensstils, insbesondere der Ernährung, versucht werden. Für Schwangere ist dieser Punkt besonders wichtig, denn Medikamente zur Verringerung der Magensäure sind für sie nur bedingt empfehlenswert.

Ernährung anpassen gegen stillen Reflux

Wie auch beim "lauten" Reflux, der mit Sodbrennen und den typischen Symptomen einhergeht, kann die Anpassung der Ernährung schon sehr viel beitragen:

  • Vermeide schwere und fettige Mahlzeiten, passe außerdem die Portionsgröße an: lieber mehrere kleine Gerichte täglich als drei große.
  • Streiche Fast Food und Fertiggerichte von deinem Speiseplan, denn sie enthalten meist ungesunde Fette, Zucker und Zusatzstoffe, die Sodbrennen fördern können.
  • Iss in den letzten Stunden vor dem Schlafengehen nur noch Snacks und keine großen Mahlzeiten mehr.
  • Verzichte auf stark gewürzte Speisen und Zucker sowie Frittiertes und reduziere deinen Kaffee-Konsum (das ist in der Schwangerschaft ohnehin empfehlenswert). Alkohol ist in der Schwangerschaft tabu.
  • Säurereiche Lebensmittel wie Zitrusfrüchte, aber auch Tomaten und viele Kohlsorten können den Reflux verstärken und sollten deshalb erst mal von deinem Speiseplan fliegen. Das gilt manchmal auch für (rohe) Zwiebeln und Knoblauch.
  • Meide kohlensäurehaltige Getränke, Essig, Softdrinks und Fruchtsäfte.
  • Baue Lebensmittel mit vielen Bitterstoffen in deine Ernährung ein. Dazu gehören Rucola, Chicorée oder Feldsalat. Verzichte während der Schwangerschaft bitte auf Bitterstoff-Tropfen, denn sie enthalten in der Regel Alkohol.
  • Gut gekaut sollen Lebensmittel wie Nüsse, Haferflocken oder Nüsse die Magensäure auf natürliche Art binden. Die Wirkung ist sehr individuell – bei manchen wirkt es, bei anderen nicht.

Medikamente

Bei starken Beschwerden kann der stille Reflux auch in der Schwangerschaft mit Medikamenten behandelt werden. Bitte nimm aber nur nach ärztlicher Rücksprache etwas ein, auch wenn das Medikament nicht rezeptpflichtig ist.

  • Alginat: Der Wirkstoff aus der Braunalge ist auch für Schwangere geeignet. Er legt sich wie ein Schutzfilm auf den Mageninhalt und verhindert so das Aufsteigen von Magensaft.
  • H2-Rezeptorantagonisten: Sie hemmen die Säureproduktion im Magen und sind auch in der Schwangerschaft verwendbar, nicht jedoch in der Stillzeit, da sie in die Muttermilch übergehen.
  • Protonenpumpenhemmer: Sie reduzieren die Bildung von Magensäure und sind in schweren Fällen verwendbar, werden allerdings aufgrund eines erhöhten Fehlbildungsrisikos nicht im ersten Schwangerschaftsdrittel empfohlen.

Hausmittel gegen stillen Reflux

Wie bei Hausmitteln gegen Sodbrennen gilt auch bei solchen gegen stillen Reflux: Nicht alle sind für Schwangere geeignet, deshalb wende sie bitte eher zurückhaltend an. Lauwarmem Wasser wird eine säurehemmende Wirkung nachgesagt und in der Schwangerschaft ist dies auch völlig unbedenklich zu trinken. Das Gleiche gilt für mineralstoffreiche Mineralwasser, vor allem für solche mit einem Hydrogencarbonatanteil (zum Beispiel "Staatl. Fachingen").

Stelle das Kopfteil deines Bettes etwas höher, sodass die Magensäure nicht so leicht aufsteigen kann. Auch das Liegen auf der linken Seite entlastet und wird bei Reflux empfohlen. Für Schwangere hat das Liegen auf der linken Seite auch noch weitere Vorteile.

Akupunktur und Akupressur wird von vielen Hebammen gegen Sodbrennen in der Schwangerschaft empfohlen und kann auch gegen stillen Reflux eingesetzt werden. Ob es hilft? Daran scheiden sich die Geister.

Übrigens: Bananen wird eine säurehemmende Wirkung nachgesagt, möglicherweise durch das reichlich enthaltene Kalium. Hier gilt: Probieren schadet sicher nicht.

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