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Mittwoch, 21. Februar 2018
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Alkoholfreie Getränke in der Schwangerschaft

Alkoholfreier Sekt oder alkoholfreies Bier sind für viele Schwangere eine Alternative beim gemeinsamen Anstoßen oder an einem Abend mit Freunden im Biergarten. Denn auf Alkohol sollte in der Schwangerschaft verzichtet werden.

Alkoholfreie Getränke in der Schwangerschaft
Alkoholfreie Getränke wie alkoholfreies Bier oder alkoholfreier Sekt zum Anstoßen - ab und zu ist das in der Schwangerschaft unbedenklich
iStock/Dangubic

Es gibt gute Gründe, in der Schwangerschaft keinen Alkohol zu trinken: Alkohol passiert die Plazentaschranke und gelangt über Plazenta und Nabelschnur in den kindlichen Kreislauf.

Schon geringe Mengen Alkohol können dem Baby schaden. Wo genau diese Mengengrenze liegt, kann nicht genau definiert werden, da jede Schwangerschaft individuell ist.

Alkoholfreier Sekt in der Schwangerschaft – für besondere Gelegenheiten

Schwangere können heute auf eine Vielzahl alkoholfreier Alternativen ausweichen. Vor allem alkoholfreier Sekt und alkoholfreies Bier gibt es mittlerweile in einer großen Auswahl zu kaufen. Für besondere Gelegenheiten trinken manche schwangere oder auch stillende Frauen solche alkoholfreien Getränke. Doch sind sie wirklich völlig alkoholfrei?

Alkoholfreie Getränke können Restalkohol enthalten

Alkoholfreier Sekt, alkoholfreier Wein oder alkoholfreies Bier eignen sich zum Anstoßen auch in der Schwangerschaft bei besonderen Gelegenheiten. Genau darauf sollte der Konsum dieser Getränke auch beschränkt werden, denn "alkoholfrei" heißt nicht gleich "frei von Alkohol". Laut europäischem Lebensmittelrecht dürfen als "alkoholfrei" Sekt, Wein oder Bier deklariert werden, die maximal 0,5 Volumenprozent (% vol.) Alkohol enthalten. Die Höhe dieses Anteils am sogenannten Restalkohol ist von Getränk zu Getränk verschieden.

In einem Test des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart wurden in alkoholfreiem Wein und alkoholfreiem Sekt Werte zwischen 0,03 und 0,23 % vol. ausgemacht. Die Stiftung Warentest ermittelte in einem Test von alkoholfreien Weizenbieren einen durchschnittlichen Wert von 0,4 % vol.

Betrunken wird man durch eine solch geringe Menge Alkohol nicht. Die bei Probanden nachgemessenen Blutwerte nach dem Konsum von 1,5 Liter alkoholfreiem Bier innerhalb einer Stunde lagen in den meisten Fällen bei Null. Lediglich ein Drittel der Probanden hatte minimale Alkoholwerte im Blut, wobei der Höchstwert bei 0,0056 Promille lag.

Herstellung von alkoholfreien Getränken

Um eine alkoholarme Variante von Sekt, Wein, Bier oder anderen normalerweise alkoholhaltigen Getränken herzustellen, kann man entweder den Gärungsprozess verkürzen oder dem Getränk hinterher den Alkohol entziehen.

Bei der ersten Variante wird der Gärungsprozess einfach etwas verkürzt, sodass der Alkoholgehalt noch unter 0,5 % vol. liegt. Auch besonders niedrigere Temperaturen können den Gärungsprozess stark einschränken. Wird der Alkohol dem Getränk im Nachhinein entzogen, geschieht das meist per Destillation: Da der Alkohol einen niedrigeren Siedepunkt hat, verdampft er bereits ab einer Temperatur von 78 Grad Celsius. Zurück bleibt das alkoholfreie Getränk mit einem sehr geringen Anteil an Alkohol.

Alkoholfrei oder ohne Alkohol?

Besonders in der Schwangerschaft möchte Frau es natürlich genau wissen: Mit welchem Alkoholgehalt muss ich rechnen, wenn ich ein alkoholfreies Getränk trinke? Nach europäischem Lebensmittelrecht muss ein Alkoholgehalt von unter 1,2 % vol. bei Getränken nicht deklariert werden. Wird ein Getränk "alkoholfrei" genannt, darf es nicht mehr als 0,5 % vol. enthalten. Die Bezeichnung "ohne Alkohol" hingegen darf nur verwendet werden, wenn ein Getränk nachweisbar einen Alkoholgehalt von 0 hat. Das dürfte in den wenigsten Fällen so sein: Viele Getränke, allen voran Fruchtsäfte, enthalten einen natürlichen Anteil Alkohol.

Mittlerweile gibt es auch alkoholfreie Getränke auf dem Markt, die mit dem Hinweis "0,0 % Alkohol" werben - für Schwangere sicher besonders interessant. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, bittet am besten den Hersteller um Bestätigung.

Lebensmittel mit verstecktem Alkohol

Apfel- oder Traubensaft können sogar auf einen Alkoholgehalt von 1 % vol. kommen. Das liegt an den natürlichen Gärprozessen. Auch rohes Sauerkraut, Kefir oder andere natürlich fermentierte Lebensmittel enthalten eine geringe Menge Alkohol. Manche besonders zuckerreiche Früchte sind ebenfalls alkoholhaltig. Brot und Hefeteigprodukte enthalten aufgrund der Gärung einen geringen Anteil Alkohol. Trotzdem können sie von Kindern und Schwangeren verzehrt werden. Es gibt keine Hinweise darauf, dass solche natürlichen Alkoholgehalte zu Problemen bei Schwangeren führen.

Auch einige verarbeitete Produkte enthalten zumindest Spuren von Alkohol, obwohl dies auf der Verpackung nicht angegeben ist. Das erlaubt unser Lebensmittelrecht. Demnach müssen Hilfs- und Trägerstoffe (dazu kann auch Alkohol gehören) nicht auf der Zutatenliste angegeben werden. In Bäckereien oder Restaurants muss zudem nicht ausgewiesen werden, ob ein Lebensmittel Alkohol enthält. Wir empfehlen daher, auf Nummer sicher zu gehen und nachzufragen.

Die Verbraucherorganisation foodwatch fordert schon seit Jahren eine klare Kennzeichnung für Lebensmittel. Neben Schwangeren und Kindern möchten einige Personengruppen ebenfalls auf Alkohol verzichten, etwa aus religiösen Gründen, Ex-Alkoholiker oder Abstinenzler. Vorgeschlagen wird statt der Deklaration "alkoholfrei" die Bezeichnung "alkoholarm".

Unser Fazit für Schwangere

Die Aufnahme von (natürlichem) Alkohol in sehr geringen Mengen aus Lebensmitteln und Getränken wie Säften lässt sich nicht hundertprozentig verhindern. Zu besonderen Gelegenheiten (zum Beispiel an Silvester) ein Glas alkoholfreien Sekt, alkoholfreien Wein oder alkoholfreies Bier zu trinken, schadet in der Schwangerschaft wohl nicht. Verzichtet werden sollte allerdings auf "echten", alkoholhaltigen Sekt, Wein oder Bier. Denn der Alkoholgehalt ist hier ungleich höher (durchschnittlich 5 % vol. bei Bier und 11 % vol. bei Sekt und Wein). Bei solchen Dosen kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie das ungeborene Kind schädigen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 31. Mai 2017
Quellen: Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart: „Alkoholfreie“ Getränke: Wirklich ohne Alkohol? http://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=1&Thema_ID=2&ID=1562&Pdf=No (Abruf: November 2015); foodwatch e.V.: Versteckter Alkohol oder Warum „alkoholfrei“ nicht alkoholfrei ist. https://www.foodwatch.org/de/informieren/werbeluegen/mehr-zum-thema/versteckter-alkohol/ (Abruf: November 2015); Stiftung Warentest: Alkoholfreies Bier: Erfrischung ja, Schwips nein. https://www.test.de/Alkoholfreies-Bier-Erfrischung-ja-Schwips-nein-4582953-0/ (Abruf: November 2015)

Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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