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Hormone

Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft

Versorgt die Schilddrüse den Körper nur unzureichend mit Hormonen, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion. Bei einer unbehandelten Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft treten Fehl- und Frühgeburten sowie kindliche Entwicklungsstörungen gehäuft auf.

Schwangerschaftsbauch
© GettyImages/Oscar Wong

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Schilddrüsenunterfunktion: Was ist das?

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) beschreibt die Unterversorgung der Körperzellen mit Schilddrüsenhormonen, weil die Schilddrüse nicht genügend davon produziert. Die Ursachen sind unterschiedlich, man unterscheidet zwischen angeborener und erworbener Schilddrüsenunterfunktion. Nach dem Diabetes mellitus ist die Hypothyreose die häufigste hormonelle Erkrankung. Frauen sind viermal häufiger betroffen als Männer.

Häufigste Ursache der erworbenen Schilddrüsenunterfunktion ist die Autoimmun-Thyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis), kurz meist als Hashimoto bezeichnet. Dabei wird das Gewebe der Schilddrüse vom Immunsystem irrtümlich als fremd identifiziert und angegriffen. Hashimoto ist gekennzeichnet durch im Blut nachweisbare Schilddrüsenantikörper (TPO-Antikörper). Oft lassen sich auch schon Schäden des Schilddrüsengewebes im Ultraschallbild darstellen.

Typische Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind:

  • Gewichtszunahme
  • Wassereinlagerungen
  • träge Verdauung
  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Kältegefühl
  • langsamer Herzschlag
  • Konzentrationsstörungen
  • trockene Haut und "strohige" Haare

Im Rahmen der Schilddrüsendiagnostik sind die Blutwerte verschiedener Schilddrüsenhormone relevant:

Bei einer manifesten Schilddrüsenunterfunktion ist der TSH-Wert erhöht, während die Hormone T4 und T3 unterhalb des Normbereichs liegen. Liegt eine latente Schilddrüsenunterfunktion vor, ist der TSH-Wert erhöht, jedoch liegen T3 und T4 noch im Normbereich.

Als wichtiger Parameter dient dabei der TSH-Wert. Das TSH wird von der Hirnanhangsdrüse ausgeschüttet, um die Schilddrüse dazu anzuregen, Schilddrüsenhormone zu produzieren. Ab wann erhöhtes TSH als behandlungsbedürftig gilt, ist jedoch nicht unumstritten. Viele Fachleute definieren als obere Normgrenze einen TSH von 2,5 mU/l und alles, was darüber liegt, als behandlungsbedürftig.

Ein oberer Referenzwert von 4,0 mU/l setzt sich jedoch immer mehr durch. Studien haben gezeigt, dass eine Behandlung nicht erforderlich ist, sofern alle anderen Hormonwerte im Normbereich sind. Liegen TPO-Antikörper vor, sollte mit synthetischen Schilddrüsenhormone (Levothyroxin) behandelt werden.

Die Schilddrüse in der Schwangerschaft

Bereits zu Beginn der Schwangerschaft benötigt der Körper etwa 50 Prozent mehr Schilddrüsenhormone. Darauf reagiert die Schilddrüse mit physiologischen Anpassungen, die es ihr ermöglichen, mehr Hormone zu produzieren.

Auch hier zeigt sich wieder, wie eng die einzelnen Hormone im Körper miteinander verknüpft sind: So regt das "Schwangerschaftshormon" HCG die Schilddrüsenfunktion an und sorgt für eine bessere Durchblutung des Organs. Gleichzeitig erhöhen Östrogene das thyroxinbindende Globulin, was zu einer Erhöhung der Gesamtmenge der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) im Blut führt.

Häufig vergrößert die Schilddrüse auch ihr Volumen, um möglichst viel Jod aufnehmen und daraus Schilddrüsenhormone herstellen zu können. Diese schwangerschaftsbedingte leichte Vergrößerung ist recht häufig und stellt eine normale physiologische Anpassung dar. Besonders in der Frühschwangerschaft steigt oft auch der TSH-Wert leicht an, wodurch die Schilddrüse angeregt wird, mehr Hormone zu produzieren.

Was bedeutet eine Schilddrüsenunterfunktion für die Schwangerschaft?

Es ist nach neuesten Studienerkenntnissen sehr unwahrscheinlich, dass eine latente Schilddrüsenunterfunktion (keine Antikörper, TSH erhöht, T3 und T4 aber im Normbereich) zu Komplikationen in der Schwangerschaft oder beim Baby führt.

Anders sieht es bei der manifesten Hypothyreose (TSH erhöht, T3 und T4 zu niedrig) aus. Von Beginn der Schwangerschaft bis etwa zur 18. bis 20. SSW ist das Baby auf die Versorgung durch mütterliche Schilddrüsenhormone angewiesen. Bereits bekannt ist, dass eine manifeste Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft die kognitive Entwicklung des Kindes erheblich stören und zu einem niedrigeren Intelligenzquotienten führen kann.

Weiterhin treten gehäuft auf:

Als "Stresstest für die Schilddrüse" bezeichnen die Expert*innen vom Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. eine Schwangerschaft. Weil sie so viel leisten muss, könnten Störungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft auch erstmals auftreten. Die Behandlung erfolgt mit synthetischen Schilddrüsenhormonen (Levothyroxin, L-Thyroxin). Levothyroxin gleicht dem natürlichen Thyroxin (T4) und wird vom Körper auch genauso verwendet. L-Thyroxin gilt in der Schwangerschaft als sicheres Arzneimittel.

Ab einem TSH-Wert von 2,5 mU/l im ersten Schwangerschaftsdrittel empfehlen Fachleute eine weiterführende Diagnostik. Werden Schilddrüsenantikörper nachgewiesen, ist die Gabe von L-Thyroxin angezeigt.

Ein TSH-Wert im hochnormalen Bereich (2,5 bis 4,0 mU/l) erfordert in der Regel keine Behandlung, sofern die anderen Schilddrüsenwerte im Normbereich liegen und keine Antikörper nachgewiesen wurden.

Bestehende Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft gut kontrollieren

Einige Frauen gehen bereits mit einer medikamentös gut eingestellten Schilddrüsenunterfunktion in die Schwangerschaft. Um den gestiegenen Bedarf an Schilddrüsenhormonen zu decken, empfehlen Fachleute eine Erhöhung der täglichen Dosis Levothyroxin (L-Thyroxin) um 30 bis 50 Prozent – und zwar bereits ab dem positiven Schwangerschaftstest.

Gerade in der sensiblen Phase der Frühschwangerschaft kann ein Mangel an Schilddrüsenhormonen zu erheblichen kognitiven Entwicklungsstörungen des Kindes führen. Auch Fehlgeburten treten bei einer Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft häufiger auf.

Fachleute empfehlen bei bekannter Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft die regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenwerte – mindestens alle vier Wochen.

Schilddrüse benötigt in der Schwangerschaft mehr Jod

Die Schilddrüsenunterfunktion kann auch durch Jodmangel entstehen. In der Schwangerschaft steigt der Jodbedarf an: von 200 auf 230 µg täglich. Eine ausreichende Versorgung mit Jod ist nicht immer einfach. In Deutschland empfehlen die Fachgesellschaften die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittel mit 150 µg Jod zusätzlich zu einer jodreichen Ernährung, möglichst schon ab Kinderwunsch.

Dieser Aspekt gewinnt zusätzlich an Bedeutung, sobald die kindliche Schilddrüse eigenständig arbeitet, denn sie benötigt dafür Jod.

Wichtig: Wird die Schwangere wegen einer Schilddrüsenerkrankung behandelt und erhält ggf. Medikamente, sollte eine Supplementierung mit Jod ausschließlich nach ärztlicher Absprache erfolgen.

Schilddrüse bereits bei Kinderwunsch untersuchen lassen

Die Schilddrüsenunterfunktion kann eine Ursache dafür sein, warum es mit dem Schwangerwerden nicht klappt. Bei unerfülltem Kinderwunsch, aber auch nach einer Fehlgeburt gehört die Schilddrüsendiagnostik zu den Standardverfahren.

Die Schilddrüsenunterfunktion lässt sich mit Medikamenten gut einstellen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft und auch Komplikationen lässt sich vorbeugen.

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