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Schilddrüsenfunktion

TSH-Wert: Messgröße bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft

Der TSH-Wert ist ein wichtiger Parameter zur Bestimmung der Schilddrüsenfunktion. Bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft ist ein TSH im Normbereich besonders wichtig.

TSH-Wert: Messgröße bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft
© GettyImages/Jessie Casson

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TSH-Wert: Das sagt er aus

TSH ist die Abkürzung für "Thyreoidea stimulierendes Hormon". Es wird vom Hypothalamus ausgeschüttet und regt die Schilddrüse zur Produktion der Schilddrüsenhormone an. Diese Hormone, allen voran Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), sind als die maßgeblichen Botenstoffe für die Energiegewinnung und den Stoffwechsel lebenswichtig.

Benötigt der Körper mehr Schilddrüsenhormone, steigt der TSH-Wert, um die Schilddrüse zur Produktion der Hormone zu stimulieren. Sind ausreichend oder sogar zu viel Hormone vorhanden, sinkt der TSH-Wert wieder. Die Messung des TSH-Wertes im Blut ist also bei der Diagnostik von Schilddrüsenstörungen wesentlich.

Laut den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin liegt der TSH-Normbereich für Erwachsene zwischen 0,4 und 4,0 mU/l. Als "erhöht" definiert wird alles, was darüber liegt. Faktoren wie das Lebensalter sowie das Körpergewicht haben möglicherweise einen Einfluss auf das TSH. Der TSH-Wert schwankt zudem im Laufe des Tages, weshalb eine Verlaufskontrolle möglichst zur selben Tageszeit stattfinden sollte.

Ein erhöhter TSH-Wert trotz freier Schilddrüsenwerte T3 und T4 im Normbereich kann auch ein Hinweis auf eine latente Schilddrüsenunterfunktion sein. Da eine Schilddrüsenunterfunktion auch durch eine chronische Schilddrüsenentzündung (Hashimoto) verursacht werden kann, empfiehlt es sich, bei erhöhtem TSH-Wert auch die Antikörper zu bestimmen.

Die Veränderungen der Schilddrüse in der Schwangerschaft

Bereits in der Frühschwangerschaft erhöht sich der Bedarf an Schilddrüsenhormonen um etwa 50 Prozent. Gerade zu Beginn werden vermehrt Hormone von der Mutter zum Kind abgegeben, das diese für die Entwicklung seines Gehirns benötigt. Das "Schwangerschaftshormon" HCG regt die Schilddrüse an und sorgt für eine bessere Durchblutung des Organs.

Auch das Volumen der Schilddrüse nimmt zu. Diese Vergrößerung ist in der Regel nicht besorgniserregend; sie stellt vielmehr eine Anpassung an die veränderte Stoffwechsellage in der Schwangerschaft dar und trägt dazu bei, die Hormonversorgung zu sichern. Deshalb steigt gerade zu Beginn der Schwangerschaft auch der TSH-Wert, denn die Schilddrüse soll mehr T3 und T4 produzieren.

Östrogene sorgen zusätzlich für eine Erhöhung des thyroxinbindenden Globulins, wodurch sich die Gesamtmenge der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) im Blut erhöht. Das freie T4 sowie das freie T3, die beiden aktiven Hormone, bleiben jedoch auf Normalniveau bzw. im unteren Bereich der Normgrenzen.

Für die Produktion der Schilddrüsenhormone benötigt die Schilddrüse aber auch Jod: Von 200 auf 230 µg täglich steigt der Bedarf an diesem Spurenelement. Viele Frauen gehen allerdings schon mit einer Jodunterversorgung in die Schwangerschaft. Die Fachgesellschaften empfehlen deshalb bereits ab Kinderwunsch die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels mit 150 µg Jod pro Tag.

Dieser Aspekt gewinnt etwa ab Anfang des zweiten Schwangerschaftsdrittels noch einmal an Bedeutung, wenn die kindliche Schilddrüse ihre Arbeit aufnimmt. Auch sie benötigt Jod für die Produktion eigener Hormone und speichert dieses auch.

Wichtig: Wird die Schwangere wegen einer Schilddrüsenerkrankung behandelt und erhält ggf. Medikamente, sollte eine Supplementierung mit Jod ausschließlich nach ärztlicher Absprache erfolgen.

TSH-Wert in der Schwangerschaft

Das Thema TSH und Schwangerschaft ist nicht ganz unumstritten. Früher war ein niedriger TSH-Wert von 2,5 mU/l als oberer Grenzwert für Schwangere gängig. Lag der TSH-Wert höher, wurde in der Regel mit künstlichen Schilddrüsenhormonen (Levothyroxin, kurz: L-Thyroxin) behandelt. Vor allem die Sorge vor kindlichen Entwicklungsstörungen, Fehl- oder Frühgeburten, wie sie durch eine manifeste mütterliche Schilddrüsenunterfunktion (TSH oberhalb des Referenzwertes, T3 und T4 unterhalb) verursacht werden können, steht hinter diesem Vorgehen.

Mittlerweile halten viele Fachgesellschaften bei schilddrüsengesunden Frauen jedoch nicht mehr in jedem Fall an diesem niedrigen Grenzwert fest. So zeigten zahlreiche große Studien, dass ein TSH-Wert von 2,5 bis 4,0 mU/l – also im oberen Normbereich – in der Schwangerschaft nicht zu Komplikationen führt, wenn die freien Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Normbereich liegen. Das gilt jedoch nur für schilddrüsengesunde Frauen.

Der obere Referenzwert nach Leitlinie der American Thyroid Association (ATA) liegt für das erste Schwangerschaftsdrittel bei 4,0 mU/l, für das zweite und dritte Schwangerschaftsdrittel werden die normalen Referenzwerte des Labors empfohlen.

Trotzdem: Es gibt in Deutschland keine verbindlichen Referenzwerte für den TSH-Wert in der Schwangerschaft. Die Normwerte liegen je nach Ansatz bei:

  • 0,4 bis 4,0 mU/l oder bei

  • 0,4 bis 2,5 mU/l

Da hinter TSH-Werten im oberen Normbereich aber auch eine latente Schilddrüsenunterfunktion stecken kann, empfiehlt es sich, zusätzlich zu untersuchen, ob Schilddrüsenantikörper (TPO-Antikörper) vorliegen. Liegen Antikörper vor, kann eine Behandlung mit Levothyroxin empfehlenswert sein. Das gilt in jedem Fall für einen TSH von über 4. Das Medikament Levothyroxin gilt in der Schwangerschaft als sicher.

Bei einer bekannten Schilddrüsenfunktionsstörung müssen die Werte in der Schwangerschaft regelmäßig kontrolliert und die Dosis gegebenenfalls angepasst werden. Es wird diskutiert, eine Routine-Untersuchung des TSH in der Schwangerschaft einzuführen.

TSH und Kinderwunsch

Die Schilddrüsendiagnostik gehört zu den Standardverfahren bei unerfülltem Kinderwunsch. Obwohl die akzeptablen oberen Grenzwerte für den TSH-Wert bei Kinderwunsch nicht unumstritten sind, bleibt unstrittig, dass Schilddrüsenfunktionsstörungen zu den möglichen Ursachen für Unfruchtbarkeit bei der Frau gehören.

Dies gilt auch für Frauen mit mehreren Fehlgeburten (habituellen Aborten), Autoimmunerkrankungen, nach Bestrahlungen des Kopfes und des Halses sowie mit bekannten Schilddrüsenerkrankungen, auch mit solchen innerhalb der Familie.

Ist der Kinderwunsch bislang unerfüllt geblieben, gehören die Ermittlung des TSH-Wertes sowie ein Screening auf Schilddrüsenantikörper (TPO-AK) deshalb weiterhin zu den empfehlenswerten Untersuchungen.

In der Praxis gilt für den TSH-Wert häufig ein oberer Grenzwert von 2,5 mU/l. Liegt er darüber, wird er oft durch Gabe von synthetischen Schilddrüsenhormonen (Levothyroxin) gesenkt, um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen – auch wenn T3 und T4 im Normalbereich liegen.

Von diesem Grenzwert rücken viele Fachgesellschaften mittlerweile ab und verweisen auf den oberen Grenzwert für das erste Schwangerschaftsdrittel, der mit TSH 4 ja auch höher liegt. Empfohlen wird ein Abwarten bis zu einem TSH-Wert von 4,2 mU/l, sofern keine Schilddrüsenantikörper (TPO-AK) vorliegen. Sind Antikörper nachweisbar, kann eine Behandlung mit Levothyroxin in Erwägung gezogen werden.

Einige Kinderwunschkliniken empfehlen einen noch niedrigeren TSH von etwa 1 mU/l bei schilddrüsengesunden Frauen mit Kinderwunsch. Dieser Wert wird jedoch von vielen Expert*innen als zu niedrig und nicht mehr zeitgemäß angesehen.

Behandelt werden sollten:

  • manifeste Schilddrüsenunterfunktion: TSH oberhalb des Normbereichs, T3 und T4 unterhalb des Normbereichs

  • subklinische Schilddrüsenunterfunktion: TSH oberhalb des Normbereichs (TSH 2,5 bis 4,2 mU/l), T3 und T4 aber noch innerhalb des Normbereichs

  • manifeste Schilddrüsenüberfunktion: sehr niedriges bis nicht messbares TSH, T3 und T4 erhöht

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