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Wehen fördern und auslösen

Wehencocktail: Mit Rizinusöl die Geburt einleiten?

Harmloses Hausmittel oder ernstzunehmender Konkurrent der medikamentösen Geburtseinleitung? Der Wehencocktail ist wohl das bekannteste Mittel, wenn es darum geht, Wehen und Geburt in Gang zu bringen. Er besteht hauptsächlich aus Rizinusöl und Aprikosensaft. Doch wie funktioniert das eigentlich genau und welche Risiken gibt es? Ein Überblick.

Wehencocktail mit Aprikosensaft
© GettyImages/Anna Blazhuk

Kurzübersicht: Wehencocktail

Was ist ein Wehencocktail? Der Wehencocktail ist ein Getränk mit den Hauptzutaten Rizinusöl und Aprikosensaft, das die Geburtswehen nach Überschreiten des errechneten Entbindungstermins in Gang bringen soll.

Voraussetzung für die Anwendung: Als alternatives Mittel der Geburtseinleitung kann der Wehencocktail unter medizinischer Überwachung zum Einsatz kommen. Der Muttermund sollte geburtsreif sein.

Enthält der Wehencocktail Alkohol? Im klassischen Wehencocktail ist eine geringe Menge Alkohol enthalten. Der Alkohol dient nicht dem besseren Geschmack, sondern soll helfen, die im Rizinusöl enthaltene Rizinolsäure zu lösen und besser resorbierbar zu machen. Eine Alternative ist Mineralwasser.

Welche Nebenwirkungen hat ein Wehencocktail? Leichte bis schwere Nebenwirkungen wie Durchfall, Bauchkrämpfe, Kreislaufprobleme, Übelkeit und Erbrechen sind möglich. Es kann außerdem zu einer Überstimulation der Gebärmutter mit entsprechender Belastung des Babys kommen.

Funktioniert das wirklich? Es gibt bisher keine ausreichende bzw. nur eine widersprüchliche Datenlage. Die pharmakologische Wirkung von Rizinusöl auf die glatte Muskulatur ist gesichert. Der Wehencocktail wird auch in Geburtskliniken angeboten.

In diesem Artikel liest du:

Datteln, Dammmassage und Co.: Diese Maßnahmen können die Geburt erleichtern

Wehencocktail: Was ist das überhaupt?

Die Kliniktasche ist gepackt, Windeln sind eingekauft, die Wochenbettsuppe ist vorgekocht – und wann kommt das Baby? Gerade zum Ende der Schwangerschaft kommt oft eine gewisse Nervosität auf. Das gilt vor allem, wenn der errechnete Geburtstermin (ET) verstrichen ist.

Vielleicht fragst du dich, wie du deinem Baby auf natürliche Weise auf die Sprünge helfen kannst, damit es sich endlich auf den Weg macht. Früher oder später läuft dir dabei wahrscheinlich der Begriff Wehencocktail über den Weg. Was sich nach fruchtig-spritzigem Wellnessdrink anhört, enthält hochwirksame Stoffe, weshalb du ihn dir keinesfalls ohne Betreuung durch deine Hebamme oder dein Geburtsteam anrühren solltest.

Rizinusöl und Aprikosensaft

Der Wehencocktail ist ein Mischgetränk aus Rizinusöl und Aprikosensaft. Oft wird noch Mandelmus beigemengt und manchmal auch Alkohol in Form von Schnaps oder Sekt. Das Getränk soll die Wehen anregen. Auf wen das ursprüngliche Rezept des Wehencocktails zurückgeht, ist nicht ganz klar. Auch fehlt die wissenschaftliche Evidenz, sprich: Die Wirksamkeit des Wehencocktails ist nicht belegt. Jedoch sind viele Hebammen von seiner Wirkung überzeugt und in vielen Kliniken wird der Wehencocktail als Mittel zur Geburtseinleitung angewendet, zum Beispiel in der Uniklinik Düsseldorf (Stand: April 2024).

Rizinusöl soll die Geburt in Gang bringen

Hauptbestandteil des typischen Wehencocktails ist Rizinusöl. Das Öl aus den giftigen Samen des tropischen Wunderbaums (Ricinus communis) wird traditionell eigentlich gegen Verstopfung angewendet. Bereits die alten Ägypter nutzten es vor 3.500 Jahren als Abführmittel bei Verstopfung und zur Beschleunigung der Darmpassage.

Der Grund: Rizinusöl wirkt anregend auf die glatte Muskulatur, zu der die Darmmuskulatur und eben auch die Muskulatur der Gebärmutter gehört. Bis vor einigen Jahren dachte man noch, durch die vermehrten Bewegungen des Darms nach Trinken eines Wehencocktails werde die Gebärmutter stimuliert.

Rizinolsäure aus dem Rizinusöl wirkt wie Prostaglandine

Mittlerweile ist bekannt, dass die enthaltene Rizinolsäure bestimmte Zell-Rezeptoren aktivieren kann, an denen auch die Gewebshormone Prostaglandine andocken. Prostaglandine sind unter anderem für das Auslösen der Geburtswehen mitverantwortlich. Sie werden deshalb zur medikamentösen Einleitung der Geburt eingesetzt.

Der Wehencocktail gilt hingegen als natürliches Mittel der Geburtseinleitung. Obwohl die Wirkung von Rizinolsäure nachgewiesen ist, beruht die Anwendung des Wehencocktails aber vor allem auf Erfahrungswerten.

Erfahrungen mit dem Wehencocktail sind unterschiedlich

Suchst du im Internet nach Erfahrungen mit dem Wehencocktail, findest du die volle Bandbreite persönlicher Erlebnisse: Von richtig guten Effekten über sanfte oder schlimme Nebenwirkungen bis gar nichts bemerkt ist alles dabei.

Für die Wirkung von Rizinusöl auf die Wehen gibt es keine wissenschaftliche Evidenz bzw. reichen die vorhandenen Daten nicht aus, um eine Empfehlung auszusprechen. Laut S2k-Leitlinien der Gynäkologischen Fachgesellschaften zur Geburtseinleitung soll Rizinusöl nicht im ambulanten Setting eingesetzt werden, der Einsatz in Geburtskliniken wird nur im Rahmen von Studien zur Einleitung der Geburt empfohlen.

Einzelne Erhebungen und auch Erfahrungen von Hebammen zeigen einen positiven Effekt des Wehencocktails vor allem bei Mehrgebärenden, also bei Frauen, die zuvor schon einmal ein Kind geboren haben. Auch Schwangere mit einem bereits geburtsreifen Muttermund sprechen eher auf Rizinusöl an.

Wehencocktail: Rezept und Zutaten

Es gibt kein einheitliches Rezept für einen Wehencocktail. Jedoch ist die Zusammensetzung ähnlich. Rizinusöl ist immer enthalten.

Wichtig: Bitte experimentiere nicht selbst mit wirklich oder vermeintlich wehenauslösenden Zutaten, auch wenn diese frei verkäuflich sind. Lass dich von deiner Hebamme oder in deiner frauenärztlichen Praxis dazu beraten. Keinesfalls solltest du dir selbst einen Wehencocktail mischen, denn Rizinusöl und Eisenkraut haben eine pharmakologische Wirkung und müssen deshalb richtig dosiert sein und zum passenden Zeitpunkt eingenommen werden. Das richtige Mischungsverhältnis ist außerdem enorm wichtig, damit der Wehencocktail effektiv ist und dir und deinem Baby nicht schadet.

Grundsätzlich sollte der Wehencocktail nur unter medizinischer Überwachung der kindlichen Herztöne, beispielsweise durch den Wehenschreiber (CTG), und nach Überschreiten des errechneten Geburtstermins eingenommen werden.

Rizinusöl

Der Hauptakteur im Wehencocktail ist das Rizinusöl. Die enthaltene Rizinolsäure wirkt anregend auf die Muskulatur der Gebärmutter und soll helfen, die Wehen in Gang zu bringen. Dies funktioniert aber nur, wenn der Muttermund bereits reif ist, also bereit für die Geburt.

Aprikosensaft

Aprikosensaft hat zwei Aufgaben im Wehencocktail: Zum einen soll er den wenig angenehmen Geschmack des Rizinusöls überdecken, denn pur ist es eigentlich nicht trinkbar. Aprikosensaft ist außerdem reich an Kalium und soll einem Kaliummangel durch den ebenfalls eintretenden Durchfall vorbeugen.

Mandelmus

Auch Mandelmus dient der geschmacklichen Verbesserung des Wehencocktails. Außerdem ist es reich an Mineralstoffen und sorgt für eine etwas dickere Konsistenz.

Alkohol oder Mineralwasser

Der Alkohol dient als Emulgator, damit sich das Rizinusöl und die wässrigen Inhaltsstoffe vermischen. Ob Alkohol in den Wehencocktail gehört, ist umstritten. Von einem Glas Schnaps bis zu 100 ml Sekt lauten die persönlichen Empfehlungen.

Da Alkohol jedoch auch so kurz vor der Geburt zu deinem Kind gelangt, solltest du bedenken: Bislang ist völlig unklar, welche Mengen an Alkohol ein ungeborenes Kind "verträgt". So gehen Fachleute davon aus, dass schon kleinste Mengen schädigen. Eine Alternative zum Alkohol ist Mineralwasser.

Eisenkraut

Eisenkraut ist gelegentlich ebenfalls Bestandteil des Wehencocktails. Das Verbenengewächs dient der Anregung von Wehen und wird manchmal auch als Tee zur natürlichen Einleitung der Geburt getrunken. Im Wehencocktail ist es je nach Rezept meist als Öl enthalten.

Nebenwirkungen und Risiken

Der Wehencocktail ist zwar eine Alternative zur medikamentösen Geburtseinleitung, jedoch ist seine Wirkung weder sanft noch nebenwirkungsfrei. Die Nebenwirkungen sind ganz individuell und können in unterschiedlicher Stärke vorkommen oder auch komplett ausbleiben. Jeder Körper und jede Schwangerschaft sind einzigartig!

Mögliche Nebenwirkungen des Rizinusöls sind:

Auch auf den Verlauf der Geburt und dein Baby kann der Wehencocktail Einfluss nehmen. So gab es beispielsweise laut einer Erhebung mehr operative Interventionen nach der Einnahme von Rizinusöl im Vergleich zur medikamentösen Einleitung mit Prostaglandinen (E2).

Die Risiken entsprechen denen anderer medikamentöser Methoden zur Geburtseinleitung:

  • Überstimulation der Gebärmutter
  • gestresstes Baby
  • grünes Fruchtwasser durch eine vorzeitige Darmentleerung des Babys

Alternativen zum Wehencocktail

Nur drei bis vier Prozent aller Entbindungen finden genau am errechneten Geburtstermin statt. Knapp ein Drittel aller Gebärenden entbindet danach, die allermeisten davon zwischen SSW 40+1 und SSW 41+6. Nur sehr selten kommt es zu einer Übertragung im Sinne einer Terminüberschreitung um mehr als 14 Tage nach dem ET. Wenn du den ET bereits überschritten hast, ist das also zunächst einmal kein Grund zur Panik. Du wirst nun ohnehin engmaschiger betreut, um sicherzustellen, dass es deinem Baby gut geht.

Wenn du unruhig bist und selbst etwas tun möchtest, sprich mit deiner Hebamme oder deinem Geburtsteam darüber. Es gibt zahlreiche Hausmittel, die du selbst anwenden kannst, aber auch Interventionen, die von Fachleuten durchgeführt werden, um den Wehen auf die Sprünge zu helfen:

  • Geschlechtsverkehr
  • Bewegung
  • Akupunktur
  • sanfte Brustwarzenstimulation
  • Nelkenöltampon
  • Eipollösung

Auch eine blutzuckerregulierende Ernährung in den letzten Wochen der Schwangerschaft kann zu einer termingerechteren und schnelleren Geburt beitragen. Das Konzept ist als "Louwen-Diät" bekannt. Ein weiterer Ernährungstipp zur Vorbereitung auf die Geburt sind Datteln, von denen du ab der 36. SSW täglich sechs Stück verzehren kannst. Hier erfährst du mehr über Datteln zur Geburtsvorbereitung.

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