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Depressionen in der Schwangerschaft: Was tun?

Eigentlich solltest du gerade rundum glücklich sein, aber du fühlst dich nicht so? Gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Interessenverlust und sozialer Rückzug können auf eine Depression in der Schwangerschaft hinweisen. Wer und was dir dabei hilft, die Schwangerschaftsdepression zu überwinden.

Depressionen in der Schwangerschaft: Was tun?
© Getty Images/Westend61

Kurzübersicht: Depressionen in der Schwangerschaft

Definition: Eine Depression ist eine psychische Erkrankung. Sie kann in allen Lebensphasen auftauchen – auch in der Schwangerschaft.

Ursachen: Depressionen treten meist durch ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren auf. In der Schwangerschaft kommen zusätzlich schwangerschaftsbedingte Auslöser infrage, zum Beispiel die Hormonumstellung oder körperliche und seelische Belastungen.

Symptome: Die Anzeichen einer Depression sind vielfältig und individuell verschieden. Unter anderem kann sich eine Schwangerschaftsdepression durch anhaltende Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, Antriebslosigkeit oder Ängstlichkeit äußern.

Diagnose: Sollten Beschwerden bestehen, können Haus- oder Frauenärzt*innen als erste Anlaufstelle dienen. Sie leiten dich bei Verdacht auf eine Depression entsprechend weiter. Zur Diagnosestellung beurteilen Ärzt*innen und Therapeut*innen deinen seelischen Zustand. Dazu verwenden sie unter anderem spezielle Fragebögen.

Behandlung: Wie die Therapie aussieht, richtet sich nach dem individuellen Fall. Infrage kommt zum Beispiel eine Psychotherapie oder die medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva. Letzteres erfolgt besonders in der Schwangerschaft unter Nutzen-Risiko-Abwägung und engmaschiger ärztlicher Kontrolle.

Artikelinhalte im Überblick:

Müdigkeit in der Schwangerschaft: 14 genial-einfache Tipps zum Wachbleiben

Was sind Depressionen in der Schwangerschaft?

Bei einer Depression handelt es sich nicht einfach bloß um ein kurzes Stimmungstief, sondern um eine anerkannte psychische Erkrankung. Sie kennzeichnet sich durch eine deutlich gedrückte Stimmung, Gefühle der Traurigkeit und verschiedene andere Beschwerden wie Ängste, Erschöpfung oder Schlafstörungen, die über einen längeren Zeitraum anhalten. Je nach Schwere kann eine Depression einen erheblichen Einfluss auf das Leben und die Bewältigung alltäglicher Tätigkeiten haben. Die in der Fachsprache als unipolare Depression bezeichnete Erkrankung wird in Deutschland folgendermaßen unterteilt:

  • leichte depressive Episoden
  • mittelgradige depressive Episoden
  • schwere depressive Episoden

Im amerikanischen Klassifikationssystem spricht man von:

  • major depression (schwere depressive Episode)
  • minor depression (weniger schwere depressive Episode)

Depressionen können in allen Lebensphasen auftreten – und deshalb auch in der Schwangerschaft. Folgende Bezeichnungen werden für Depressionen rund um Schwangerschaft und Geburt verwendet:

  • Peripartale Depression: Dies ist ein Sammelbegriff für Depressionen, die während der Schwangerschaft und nach der Geburt auftreten.

  • Präpartale Depression: Dieser Begriff wird verwendet, wenn eine Depression während der Schwangerschaft und vor der Geburt auftritt.

  • Postnatale/postpartale Depression: Die Bezeichnung wird für eine Depression nach der Geburt verwendet. Auch der Begriff Wochenbettdepression ist hierfür bekannt.

Wie häufig kommen Depressionen in der Schwangerschaft vor?

Laut Nationaler Versorgungsleitlinie zur unipolaren Depression beträgt das Risiko, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, 16 bis 20 Prozent.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gibt an, dass Depressionen bei Schwangeren genauso häufig vorkommen wie bei nicht Schwangeren: Zehn bis 15 von 100 Schwangeren sind betroffen.

Ursachen: Wieso treten Depressionen in der Schwangerschaft auf?

Theoretisch kann jeder Mensch an einer Depression erkranken. Mehrere Faktoren scheinen dabei zusammenzuwirken und sich gegenseitig zu verstärken. Man geht davon aus, dass bei einer Depression bestimmte Botenstoffe im Gehirn aus dem Gleichgewicht geraten sind. Als Risikofaktoren gelten unter anderem:

  • genetische Veranlagung (Depressionen in der Familie)
  • Geschlecht (Frauen sind häufiger betroffen)
  • Traumata (zum Beispiel Vernachlässigungen in der Kindheit)
  • aktuelle Lebensereignisse wie Trennungen
  • chronischer Stress und Burnout
  • Lebensstilfaktoren wie Rauchen oder Bewegungsmangel

Depressionen in der Schwangerschaft können zudem durch weitere Auslöser begünstigt sein:

  • extreme Hormonumstellungen
  • Depressionen vor der Schwangerschaft
  • seelische und körperliche Belastungen und Veränderungen
  • fehlende soziale und emotionale Unterstützung

Symptome: Depressionen in der Schwangerschaft an Anzeichen erkennen?

Depressionen haben viele Gesichter, denn die Erkrankung kann sich durch unterschiedliche Symptome äußern. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass die Beschwerden mehr als zwei Wochen anhalten oder sehr schwer wiegen. Zur Klassifizierung einer unipolaren Depression werden folgende Haupt- und Zusatzsymptome angegeben.

Hauptsymptome:

  • gedrückte Stimmung (zum Beispiel Niedergeschlagenheit, Gefühl der Überforderung, Zukunftsängste, Unsicherheit)

  • Interessenverlust, Freudlosigkeit (zum Beispiel kein Interesse an Beruf, Haushalt, Freizeitaktivitäten oder Freundeskreis)

  • Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit (zum Beispiel schnelle Erschöpfung bei einfachen Alltagstätigkeiten, Rückzug, mangelndes Interesse an sozialen Kontakten)

Zusatzsymptome:

  • verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit (zum Beispiel Entscheidungsschwierigkeiten, Selbstzweifel)

  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen (zum Beispiel Verlust des Vertrauens in eigene Fähigkeiten)

  • Schuldgefühle (zum Beispiel Selbstvorwürfe)

  • psychomotorische Agitiertheit (Unruhe) oder Hemmung (zum Beispiel Zappeln und Rededrang oder Wortkargheit und verzögerte Reaktionen)

  • Hoffnungslosigkeit (zum Beispiel negative Selbst- und Weltsicht, Gefühl der Aussichtslosigkeit)

  • Schlafstörungen (zum Beispiel Schlaflosigkeit, Einschlaf- oder Durchschlafstörungen)

  • Appetitstörungen (zum Beispiel das Gefühl, sich zum Essen zwingen zu müssen)

  • Suizidgedanken/Suizidhandlungen

Diagnose von Despressionen in der Schwangerschaft

Frühe Anzeichen wie Müdigkeit, Erschöpfung oder eine missmutige Stimmung können Betroffene anfangs oft nur schwer deuten. In der Schwangerschaft treten solche Beschwerden auch vorübergehend aufgrund der hormonellen Umstellungen auf. Generell solltest du deine Beschwerden daher immer mit deiner*deinem Frauenärztin*Frauenarzt besprechen. Fachleute können dir bei der richtigen Einordnung helfen.

Zur Diagnosestellung werden spezielle Fragebögen verwendet, die bei der Beurteilung des seelischen Zustands helfen. Geklärt wird auch, ob es sich um eine depressive Phase aufgrund einer bestimmten Situation handelt, ob die Symptome für eine leichte, mittelgradige oder schwere Depression sprechen oder ob die Beschwerden als Begleitsymptome einer anderen psychischen oder körperlichen Erkrankung auftreten. Je nach Diagnose kann die passende Behandlung eingeleitet werden.

Depressionen in der Schwangerschaft: Risiken für das Baby?

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gibt an, dass psychische Störungen wie Depressionen laut Studien den Verlauf einer Schwangerschaft beeinträchtigen können. Dem Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité Berlin zufolge zeigen Meta-Analysen, dass eine unbehandelte Depression in der Schwangerschaft mit einem etwas erhöhten Risiko für Frühgeburten und einem niedrigen Geburtsgewicht einhergehen kann. Es scheint außerdem, als könnte auch die weitere Entwicklung des Kindes davon beeinflusst werden.

Wer an einer Schwangerschaftsdepression leidet, hat zudem ein höheres Risiko für eine Wochenbettdepression. Diese könnte wiederum zu einer gestörten Mutter-Kind-Bindung führen.

Behandlung von Depressionen in der Schwangerschaft

Das Wichtigste zuerst: Depressionen in der Schwangerschaft sind kein Grund für Scham oder Schuldgefühle. Sie sind kein Zeichen dafür, dass du als (werdende) Mutter versagst oder dein Ungeborenes nicht liebst. Wende dich an eine Person deines Vertrauens und zögere nicht, dir professionelle Hilfe zu suchen. Eine Depression in der Schwangerschaft ist behandelbar. Durch die Therapie schützt du dein Baby vor möglichen Folgen und verbesserst deine Lebensqualität.

Wie genau die Behandlung aussieht, richtet sich nach deinem persönlichen Fall. Die Auswahl ist abhängig von den Symptomen und der Schwere der Erkrankung. Zur Behandlung kommen infrage:

  • Psychotherapie
  • medikamentöse Therapie
  • Kombination aus Psychotherapie und medikamentöser Behandlung

Auch unterstützende Maßnahmen können ärztlich empfohlen werden. Dazu gehören Veränderungen im Alltag oder sportliche Aktivitäten, die zu einer Besserung der depressiven Symptome beitragen.

Antidepressiva in der Schwangerschaft

Zur Behandlung von mittelschweren oder schweren Depressionen können sogenannte Antidepressiva eingesetzt werden. Sie sind nicht in allen Fällen nötig, leichte Depressionen lassen sich durch eine Psychotherapie gut behandeln. Antidepressiva hellen die Stimmung auf und können den Antrieb steigern oder dämmen, indem sie im Gehirn Einfluss auf die Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin nehmen.

In enger ärztlicher Absprache dürfen bestimmte Psychopharmaka auch während der Schwangerschaft eingenommen werden. Welches Präparat in welcher Dosierung geeignet ist, muss im persönlichen Fall geklärt werden. Bei der Auswahl werden zum Beispiel Faktoren wie Vorerfahrungen oder unerwünschte Nebenwirkungen berücksichtigt. Wer bereits vor der Schwangerschaft ein Antidepressivum eingenommen hat, sollte dies keinesfalls eigenmächtig absetzen. Das Vorgehen muss stets mit dem behandelnden Fachpersonal abgesprochen werden.

Je nach Medikament können außerdem spezielle Empfehlungen für Schwangerschaft und Geburt gelten. Wichtig ist, dass du dich fachlich zu den Auswirkungen von Antidepressiva auf das Ungeborene beraten lässt. Nutzen und Risiken werden in solchen Fällen stets sorgfältig abgewogen.

Das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité Berlin empfiehlt zum Beispiel bei der Einnahme von Sertralin oder Citalopram (beide gehören zur Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmstoffe oder kurz SSRI), dass die Beobachtung des Neugeborenen in den ersten Lebenstagen gewährleistet sein sollte. Der Grund: Die Einnahme von Antidepressiva kann mit Anpassungsstörungen beim Neugeborenen einhergehen. Daher sollte die Entbindung auch in einer Klinik mit Neonatologie (Spezialbereich für die Behandlung von Neugeborenen) erfolgen. Außerdem wird die Schwangerschaft womöglich besonders sorgfältig überwacht, um Entwicklungskomplikationen wie Frühgeburtsbestrebungen oder Wachstumsverzögerungen rechtzeitig zu erkennen.

Hilfe bei Depressionen in der Schwangerschaft

Du hegst den Verdacht, unter einer Depression zu leiden? Hole dir professionelle Hilfe! Zum Beispiel hier:

  • hausärztliche oder frauenärztliche Praxis
  • Psychotherapeut*innen
  • Hebammen
  • Schwangerschaftsberatungsstellen
  • Ambulante Krisendienste (zum Beispiel „Krisendienst Berlin“ im Internet eingeben)
  • TelefonSeelsorge: Rufnummer 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123 oder per Mail und Chat
  • Hilfetelefon „Schwangere in Not“: Rufnummer 0800 4040 020, per Chat oder E-Mail
  • Nummer gegen Kummer: Elterntelefon unter der Rufnummer 0800 1110550
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen: bundesweit unter der Rufnummer 116 117

Weitere Adressen findest du außerdem hier:

  • Suchfunktion für Klinikadressen, Beratungsstellen und Krisendienste in deiner Nähe, bereitgestellt von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention
  • Liste mit Hilfsangeboten, zusammengestellt von der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention
  • Adressen für Anlaufstellen zur Vermittlung von Selbsthilfegruppen, angeboten von der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen

Achtung! Wenn bei dir oder einer anderen Person eine unmittelbare Gefahr für eine Selbstgefährdung besteht, wende dich sofort und rund um die Uhr an:

  • Rettungsdienst 112
  • Polizei-Notruf 110
  • Akutklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in deinem Wohnort
  • TelefonSeelsorge (0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123)

Depressionen in der Schwangerschaft: Lässt sich vorbeugen?

Eine sichere Vorbeugung gegen Depressionen gibt es nicht. Im Allgemeinen gelten aber Maßnahmen als hilfreich, die deine psychische Gesundheit stärken und auslösende Faktoren minimieren. Dazu gehört unter anderem die Fähigkeit, mit Rückschlägen oder Krisen umzugehen. Auch Stressabbau, ein gesunder Schlaf, ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung können hilfreich sein. Ebenso der Aufbau und die Pflege von sozialen Kontakten. Sollten dich große Sorgen um deine Rolle als Mutter beschäftigten oder solltest du Angst vor der Entbindung haben, lasse dich hierzu gezielt von deiner*deinem Frauenärztin*Frauenarzt oder deiner Hebamme beraten und sprich über deine Gefühle.

Wichtig ist auch, dass frühe Warnsignale für Depressionen wie ständige Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen und schlechte Stimmung wahrgenommen werden und man hier rechtzeitig eine fachliche Beratung aufsucht.

Wer bereits an einer Depression litt, hat ein erhöhtes Risiko, erneut daran zu erkranken. Betroffene, die bereits in Behandlung waren, haben aber meist auch erlernt, welche persönlichen Frühsignale sich äußern und was ihnen hilft. Deine*dein Frauenärztin*Frauenarzt wird dich zu Beginn deiner Schwangerschaft nach deinem Gesundheitszustand befragen. Auch Vorerkrankungen wie psychische Erkrankungen spielen dabei eine Rolle. Teile hier bereits mit, dass du schon einmal eine Depression hattest. Auch deine Hebamme solltest du darüber informieren.

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