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HELLP-Syndrom

Autor: Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 06. November 2017

Das HELLP-Syndrom verursacht unspezifische Symptome, weshalb es oft falsch diagnostiziert wird. Es tritt häufig bei Frauen auf, die in der Schwangerschaft bereits an Präeklampsie leiden. Schwangere sollten deshalb wissen, welche Symptome auf das HELLP-Syndrom hinweisen können und im Zweifel den Arzt um Rat bitten.

HELLP-Syndrom
HELLP-Syndrom: Symptome können durch Blutuntersuchungen erkannt werden
(c) iStockphoto

Was ist das HELLP-Syndrom und welche Symptome treten auf?

Das HELLP-Syndrom kommt ausschließlich in der Schwangerschaft vor und ist lebensbedrohlich. Es handelt sich dabei um eine Variante der Präeklampsie, die sehr akut verlaufen kann. Allerdings weiß man inzwischen, dass das HELLP-Syndrom auch ohne vorausgegangene Präeklampsie auftritt. Bei den Vorsorgeuntersuchungen überprüft der Arzt deshalb stets Blut und Urin, um Symptome des HELLP-Syndroms wie einen deutlich erhöhten Blutdruck oder eine erhöhte Eiweißausscheidung festzustellen. Weitere Symptome bei HELLP-Syndrom sind heftige Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen.

Da das HELLP-Syndrom mit einem Abbau der roten Blutkörperchen, erhöhten Leberenzymen und einer erniedrigten Zahl von Thrombozyten einhergeht, setzt sich auch seine Bezeichnung aus diesen drei typischen Symptomen zusammen: Das Kürzel HELLP ergibt sich aus den englischen Begriffen für den Abbau der roten Blutkörperchen (haemolysis), für erhöhte Leberwerte (elevated liver enzymes) und für die erniedrigte Zahl von Thrombozyten (low platelets).

Die wichtigsten Symptome beim HELLP-Syndrom

  • heftige Schmerzen im Oberbauch
  • Übelkeit/Erbrechen
  • evtl. Durchfall
  • deutlich erhöhter Blutdruck (über 140/90 mmHg)
  • erhöhte Eiweißausscheidung (über 0,3 g/l) im Urin

Das HELLP-Syndrom kann abrupt auftreten und sich sehr schnell verschlimmern, sodass es sogar innerhalb von einer Stunde zu extremer Verschlechterung mit extremem Blutdruckanstieg kommt. Die schlimmste Gefahr ist eine Leberruptur.

Anzeichen fürs HELLP-Syndrom: Das sollte jede Schwangere wissen!

Anhaltende Kopfschmerzen, Sehstörungen, Übelkeit, Erbrechen und/oder Schmerzen im Oberbauch sollten von Schwangeren in der fortgeschrittenen Schwangerschaft ernst genommen werden, besonders wenn bereits eine hypertensive Erkrankung (z. B. Bluthochdruck) bekannt ist. Die Schwangere sollte dann umgehend ihren Arzt kontaktieren.

HELLP ist schwierig festzustellen

Das HELLP-Syndrom ist oft nicht leicht festzustellen, da nicht immer eine schwere Bluthochdruckerkrankung vorliegt. Die Anzahl der Blutplättchen (Thrombozyten) liegt meist unter 100.000. Betroffene Schwangere klagen über rechtsseitige Bauchschmerzen und Übelkeit, was als Magen-Darm-Erkrankung fehlgedeutet werden kann. Ein erhebliches Krankheitsgefühl, Augenflimmern, Doppelbilder und Lichtempfindlichkeit können hinzukommen. Bei einer Urinuntersuchung können bestimmte Zellen nachgewiesen werden (Fragmentozyten), wenn sehr viel Eiweiß ausgeschieden wird (mehr als 300 mg/24 Std). Nur eine Blutuntersuchung kann wirklich Aufschluss darüber geben, ob ein HELLP-Syndrom vorliegt.

Ursachen für das HELLP-Syndrom

Die genauen Ursachen des HELLP-Syndroms sind unbekannt. Die Risikofaktoren sind die ähnlich wie die für eine Gestose. Erhöhtes Risiko besteht bei:

Lebensgefahr für Mutter und Kind

Das HELLP-Syndrom ist eine lebensgefährliche Erkrankung für Mutter und Kind und ist in den westlichen Ländern die Nummer eins der Ursachen der Müttersterblichkeit. Es besteht die Gefahr einer vorzeitigen Ablösung der Plazenta. Die Schwangeren benötigen häufig Bluttransfusionen und müssen in der Regel nach einer Linderung der Symptomatik entbinden. Nach der Geburt verschwinden die Symptome meist bereits wenige Tage später, bleibende Schäden kommen sehr selten vor. Allerdings tritt bei einem Drittel der Frauen das HELLP-Syndrom erst nach der Geburt auf.

Therapie beim HELLP-Syndrom

Die Therapie des HELLP-Syndroms hängt davon ab, wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten ist. Vor der 32. Woche wird die Entbindung so lange wie möglich hinausgezögert, damit die Lungen des Kindes noch reifen und den für die eigenständige Atmung wichtigen Surfactant-Faktor bilden. Bei der Mutter werden bis dahin Blutdruck und die Blutgerinnung durch Medikamente normalisiert.

Die Senkung des Blutdrucks darf dabei nicht zu schnell erfolgen, um die Durchblutung der Plazenta nicht zu gefährden. Sie erfolgt immer unter CTG-Kontrolle. Dabei werden gleichzeitig die Herztöne des Kindes und mögliche Wehen der Mutter aufgezeichnet und überwacht.

Voraussetzung für die Hinauszögerung der Geburt ist allerdings, dass sich Blutdruck, Leberwerte und Blutgerinnungswerte der Mutter stabilisieren. Für das Kind zählt jeder Tag im Bauch der Mutter, um seine Überlebenschancen zu steigern. Eine zusätzliche Behandlung mit Kortison oder kortisonähnlichen Medikamenten dienen der Lungenreifung des Babys. Diese abwartende Haltung kann ausschließlich unter intensiver Überwachung in der Klinik und bei stabilem Zustand von Mutter und Kind verantwortet werden.

Therapie bei leichter Ausprägung des HELLP-Syndroms

Wenn sich die Labor-Werte im vertretbaren Rahmen befinden und die Symptome nicht stark ausgeprägt sind, können die Ärzte auch abwarten. Eine nur geringe Störung der Blutgerinnung beziehungsweise ein nur leicht erhöhter Blutdruck können manchmal mit Medikamenten behandelt werden, ohne dass die Geburt eingeleitet werden muss. Allerdings müssen dann Blutwerte und Blutdruck der Mutter streng und engmaschig in der Klinik kontrolliert werden.

Geburt bei HELLP ab 34. Woche

Ist die Schwangerschaft schon in der 32. bis 34. Woche, wird die Geburt eingeleitet. Nötig ist dies auch, wenn sich die Symptome des HELLP-Syndroms verschlimmern: die Leberwerte steigen an, die Zahl der Blutplättchen sinkt unter 40.000/Mikroliter Blut, Schmerzen im Oberbauch werden stärker. Die Geburt kann je nach Zustand der Frau und des Babys auf natürlichem Wege oder per Kaiserschnitt erfolgen.

Dem HELLP-Syndrom vorbeugen?

Direkt kann dem HELLP-Syndrom nicht vorgebeugt werden. Die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft dienen unter anderem der Kontrolle der wichtigen Werte wie dem Blutdruck und Urinuntersuchungen und sollten deshalb unbedingt wahrgenommen werden. Da das HELLP-Syndrom sich sehr schnell entwickeln kann, sollte die Schwangere die Warnsignale kennen: Schmerzen im Oberbauch, plötzliche und starke Schwellungen.

Bei Verdacht sollte die Schwangere umgehend einen Arzt oder die Klinik aufsuchen, um die Blutwerte festzustellen. Nur Leberwerte und die Gerinnungsparameter des Blutes können sicher das HELLP-Syndrom diagnostizieren. Das Wiederholungsrisiko, wenn eine Frau bereits einmal das HELLP-Syndrom hatte, liegt in Deutschland bei 12,8 Prozent. Auch das Risko für das Auftreten anderer hypertensiver Erkrankungen in der Schwangerschaft ist erhöht.

Welche Spätfolgen kann es für die Mutter nach HELLP-Syndrom geben?

Wenn das HELLP-Syndrom nicht rechtzeitig behandelt wird, kann es zu Leberschäden bei der Mutter kommen.

Wiederholungsrisiko beim HELLP-Syndrom?

Frauen, die in einer Schwangerschaft das HELLP-Syndrom hatten, müssen sich keine Sorgen machen: Das Wiederholungsrisiko ist mit 2,5 Prozent sehr gering.

Autor: Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 06. November 2017
Quellen

Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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