Ein Angebot von Lifeline
Dienstag, 21. August 2018
Menu

Gebärmutterhalsschwäche - hilft die Cerclage?

Bei einer Gebärmutterhalsschwäche (Zervixinsuffizienz) kann sich der Muttermund auch ohne Wehen öffnen. Da sie den Gebärmutterhals verschließt, kann das Legen einer Cerclage verhindern, dass das Kind zu früh geboren wird.

Gebärmutterhalsschwäche - hilft die Cerclage?
Besonders bei Mehrlingsschwangerschaften kommt die Gebärmutterhalsschwäche häufiger vor - daher wird die Cerclage bereits zwischen der 12. und 14. SSW, gelegt
iStock/Piotr Marcinski

Wenn die Gebärmutter mit dem Wachsen des Kindes zunimmt, verkürzt sich der obere Gewebsabschnitt des Gebärmutterhalses und wird mehr und mehr mit in die Gebärmutterhöhle einbezogen. Manchmal reicht dann die Verschlusskraft des restlichen Gebärmutterhalses nicht mehr aus, um den Fötus zu halten. Dadurch öffnet sich der Muttermund ohne Wehen - man spricht dann von einer Gebärmutterhalsschwäche.

Der Muttermund ist das untere Ende des Gebärmutterhalses (Zervix) und die Öffnung zur Scheide. In der Schwangerschaft bleibt der Muttermund normalerweise verschlossen und öffnet sich erst für die Geburt. Öffnet sich aufgrund der Gebärmutterhalsschwäche beziehungsweise Zervixinsuffizienz der Muttermund bereits zu einem früheren Zeitpunkt, besteht die Gefahr einer Fehl- oder Frühgeburt. In solchen Fällen kann eine Cerclage gelegt werden, die den Gebärmutterhals von außen umschließt und ihn stützt.

Die wichtigsten Fakten über die Cerclage

  • Bei der Cerclage handelt es sich um einen Verschluss des Muttermundes.
  • Der Muttermund wird dabei mit einem Band oder einem Ring umschlossen, damit er sich nicht vorzeitig öffnen kann.
  • Die Cerclage wird bei Gebärmutterhalsschwäche gesetzt.
  • Dafür ist ein kurzer operativer Eingriff unter Vollnarkose nötig.
  • Vor dem Geburtstermin wird die Cerclage wieder gelöst.
  • Nach dem Lösen der Cerclage ist es möglich, vaginal zu entbinden.

Ursachen einer Gebärmutterhalsschwäche (Zervixinsuffizienz)

Eine Gebärmutterhalsschwäche kann verschieden Ursachen haben: Neben Mehrlingsschwangerschaft können vor allem frühere Operationen wie Ausschabung oder Konisation (und damit ein kürzerer Gebärmutterhals) eine Gebärmutterhalsschwäche verursachen. Auch Infektionen kommen als Auslöser infrage.

Manchmal ist die Neigung zur Gebärmutterhalsschwäche aber auch einfach angeboren (zum Beispiel bei Bindegewebsschwäche) oder es lässt sich keine medizinische Ursache feststellen. Frauen, die während der Schwangerschaft viel stehen, können ebenfalls leichter eine Gebärmutterhalsschwäche entwickeln.

Anzeichen einer Gebärmutterhalsschwäche: Kann man sie selbst erkennen?

Bei der Gebärmutterhalsschwäche wird der Muttermund weich und öffnet sich. Dieser Vorgang verursacht keine Schmerzen und häufig auch keine Wehen, sodass die Gebärmutterhalsschwäche häufig erst bei der Tastuntersuchung des Muttermundes während der regulären Vorsorge beim Arzt oder der Hebamme erkannt wird.

Folgende Anzeichen können auf eine Gebärmutterhalsschwäche hinweisen:

  • Druckgefühl im Unterbauch
  • Blutungen und Schmierblutungen
  • vorzeitiger Blasensprung ohne Wehentätigkeit

Die Gefahren einer Gebärmutterhalsschwäche

Es kann geschehen, dass sich der Muttermund langsam ohne spürbare Wehentätigkeit öffnet. So kann es plötzlich (oft zwischen dem 4. und 6. Schwangerschaftsmonat) völlig überraschend zum Blasensprung mit nachfolgender Fehlgeburt kommen.

Mit einer Cerclage kann verhindert werden, dass das Kind zu früh vor dem eigentlichen Geburtstermin geboren wird. Die weitere Schwangerschaft verläuft dann in der Regel problemlos, körperliche Anstrengung ist allerdings zu vermeiden. Bei jeder Vorsorgeuntersuchung überprüft der Arzt, ob der Muttermund noch fest verschlossen ist.

Behandlung der Gebärmutterhalsschwäche

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Gebärmutterhalsschwäche und danach, wie weit der Muttermund schon geöffnet ist. Sind Bakterien die Ursache, wird zunächst ein Antibiotikum gegeben, um die Infektion zu bekämpfen. Grundsätzlich wird bei einer Gebärmutterhalsschwäche körperliche Schonung empfohlen, am besten Liegen.  Je nach Situation kann die Schwangere auch in ein Krankenhaus eingewiesen werden, wo sie Bettruhe einhalten muss.

Ist der Muttermund bereits mehr als 2,5 Zentimeter geöffnet, führen viele Ärzte eine Cerclage, die Umschlingung des Gebärmutterhalses mit einem Faden, durch.

Cerclage bei Gebärmutterhalsschwäche

Bei der Cerclage oder Zervixcerclage wird der Gebärmutterhals mit einem Band verschlossen, sodass sich der Muttermund während der Schwangerschaft nicht vorzeitig öffnen kann und es zu einer Früh- oder Fehlgeburt kommt. Die Cerclage wird nicht nur, aber vor allem bei Frauen mit einer Gebärmutterhalsschwäche eingesetzt. Kurz vor dem errechneten Geburtstermin, in der Regel etwa um die 37. Schwangerschaftswoche (37. SSW), wird die Cerclage wieder gelöst.

Wann ist eine Cerclage sinnvoll?

Ist die Gebärmutterhalsschwäche bekannt, kann die Cerclage vorsorglich zu Beginn des zweiten Schwangerschaftsdrittels (idealerweise zwischen der 12. Schwangerschaftswoche (12. SSW) und 14. Schwangerschaftswoche (14. SSW)) gelegt werden. Eine Cerclage wird von vielen Ärzten vor allem dann als sinnvoll angesehen, wenn die Schwangere bereits eine oder mehrere Fehlgeburten in einem späteren Stadium der Schwangerschaft, also nach der zwölften Schwangerschaftswoche, hatte. Da bei späten Fehlgeburten ein gewisses Wiederholungsrisiko besteht, befürworten viele Ärzte in solchen Fällen die prophylaktische Cerclage.

Eine Notfallcerclage kann die Schwangerschaft verländern, wenn die Fruchtblase bereits in die Scheide vorgefallen ist. Die Notfallcerclage kann auch zu einem späteren Zeitpunkt gelegt werden.

Erfolgschancen der Cerclage

Die Cerclage zur Verlängerung der Schwangerschaft ist nicht unumstritten. Gehörte sie noch bis vor 30 Jahren zu den Standardeingriffen bei Zervixinsuffizienz, wird ihr Nutzen - vor allem in Anbetracht der Risiken - mittlerweile diskutiert. Studien geben keinen eindeutigen Hinweis auf den Nutzen der Cerclage, während viele Frauenärzte sie nach wie vor empfehlen. Um die Erfolgschancen durch das Legen einer Cerclage zu verbessern, ist es in jedem Fall ratsam, weiterhin auf körperliche Schonung zu achten.

Cerclage: Ablauf

Die Cerclage wird während einer Operation gelegt. Dafür sind eine Vollnarkose und ein kurzer Aufenthalt in einer Klinik nötig. Vor der Cerclage wird noch einmal ein Ultraschall durchgeführt, um Babys Vitalzeichen zu prüfen und eventuelle Störungen auszuschließen.

Während der Operation wird ein Faden oder Band um den Gebärmutterhals gelegt und zugezogen, sodass der Muttermund einen besseren Halt bekommt und "verschlossen" wird. Manchmal wird zusätzlich zur Cerclage der äußere Muttermund vernäht. Der Vernähen soll aufsteigende Infektionen verhindern, der Nutzen ist allerdings umstritten.

Vor und nach der Operation werden Abstriche von Gebärmutterhals und Scheide genommen sowie eine Blutuntersuchung durchgeführt, um Infektionen auszuschließen.

Ist die Schwangerschaft zum Zeitpunkt der Operation schon etwas weiter fortgeschritten, kann die Cerclage auch mit weiteren geburtsverzögernden Methoden kombiniert werden, zum Beispiel der Tokolyse, der Wehenhemmung mit Medikamenten.

Nach der Operation

Nach dem Legen der Cerclage können für einige Tage leichte Krämpfe, Schmierblutungen und Schmerzen beim Wasserlassen auftreten. Halten die Beschwerden länger an oder kommt es zu starken Schmerzen, Krämpfen oder sogar Wehen, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Mindestens eine Woche lang sollte außerdem auf Sex verzichtet werden. Um spätere Infektionen zu vermeiden, empfiehlt es sich, im Anschluss Kondome zu benutzen. Möglicherweise rät der Arzt auch, während der weiteren Schwangerschaft ganz auf Geschlechtsverkehr zu verzichten.

Entfernung der Cerclage

Um die 37. Schwangerschaftswoche wird die Cerclage in der Regel wieder entfernt. Zu diesem Zeitpunkt gilt das Baby im Mutterleib als "reif" und nicht mehr als Frühgeburt. Kommt es bereits früher zu einem Blasensprung oder treten Geburtswehen auf, muss die Cerclage ebenfalls gelöst werden. Eine weitere Indikation für das Lösen der Cerclage sind deutliche Infektionszeichen wie Fieber der Schwangeren oder trübes Fruchtwasser.

Die Lösung erfolgt ambulant und unter lokaler Betäubung. Es kann sein, dass das Lösen der Cerclage selbst Geburtswehen auslöst, viele Frauen bekommen aber auch erst später ihre Wehen.

Cerclage und Geburt

Nach einer Cerclage ist es grundsätzlich möglich, eine natürliche Geburt zu erleben. Während der Geburt kommt es möglicherweise zu einer längeren Eröffnungsphase, da der Muttermund sich aufgrund der vorherigen Cerclage etwas langsamer dehnt als üblich. Es kann außerdem häufiger zu Zervixrissen kommen.

Cerclage: Risiken

Eine Cerclage erhöht das Infektionsrisiko, weshalb vor deren Legung unbedingt bestehende Infektionen ausgeschlossen werden sollten. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft empfiehlt es sich, regelmäßig kontrollieren zu lassen, ob eine Scheideninfektion besteht.

Bei der Legung der Cerclage bestehen verschieden Risiken. Neben den allgemeinen Operationsrisiken (Vollnarkose, Wundinfektion) kann es zu einem vorzeitigen Blasensprung, kommen. Während der Operation besteht das Risiko von Gewebeverletzungen am Gebärmutterhals. Die Folge sind Blutungen beziehungsweise Nachblutungen. Auch vorzeitige Wehen gehören zu den Risiken der Cerclage.

Nach der 24. Schwangerschaftswoche (24. SSW) wird die Cerclage in den meisten Fällen nicht mehr durchgeführt, weil das Risiko, die Fruchtblase zu verletzen oder eine Frühgeburt auszulösen, zu groß ist.

Was spricht gegen die Cerclage?

Kontraktionen der Gebärmutter oder Geburtswehen sprechen gegen das Legen einer Cerclage. Infektionen, vaginale Blutungen ungeklärten Ursprungs oder ein Blasensprung sind ebenfalls Gründe, die gegen die Cerclage sprechen. In der Regel wird die Cerclage nicht mehr gelegt, wenn die 24. Schwangerschaftswoche überschritten ist.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. November 2017
Quellen

Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
Neuste Artikel in dieser Rubrik
Informationen zur stillen Geburt

In der Fachsprache wird von einer Totgeburt gesprochen, wenn ein Baby mit einem Gewicht von über 500 Gramm noch vor der Geburt im Mutterleib verstirbt und ohne Lebenszeichen zur Welt kommt. Deshalb bezeichnet... Mehr...

Beschwerden & Erkrankungen

Die Infektionskrankheit Listeriose trifft in der Regel nur Menschen mit schwachem Immunsystem. Sie kann in der Schwangerschaft für den Fötus oder ein neugeborenes Kind gefährlich werden. Mehr...

Beschwerden & Erkrankungen

Das vorzeitige Ende einer Schwangerschaft – die Fehlgeburt – ist ein Szenario, vor dem viele Schwangere Angst haben. Sie machen sich Gedanken darüber, wie sie eine Fehlgeburt vermeiden können. Mehr...

Weitere interessante Themen
  • Fehlgeburt

    Fehlgeburt (Abort) ist das frühzeitige Ende einer Schwangerschaft, bei der das Kind mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm und vor der 22. bis 24. Schwangerschaftswoche auf... Mehr...

  • Beschwerden & Erkrankungen

    Übelkeit, Erbrechen, Stimmungsschwankungen: Erfahren Sie alles über typische Beschwerden in der Schwangerschaft und informieren Sie sich über spezielle Erkrankungen. Mehr...

Zum Seitenanfang