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Sonntag, 18. Februar 2018
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Wehenschwäche

Sind die Wehen bei der Geburt zu schwach, zu kurz oder zu selten, oder setzen sie gar nicht erst von alleine um den Geburtstermin ein, spricht man von einer Wehenschwäche. Wehenschwäche kann verschiedene Ursachen haben.

Wehenschwäche
Bei Wehenschwäche wird die Geburt häufig medikamentös vorangebracht
iStock/FamVeld

Man unterscheidet eine primäre und sekundäre Wehenschwäche. Bei der primären besteht die Wehenschwäche von Anfang an. Trotz Erreichen oder Überschreiten des errechneten Geburtstermins entwickelt die Schwangere keine Wehen oder die Geburt kommt nicht richtig in Gang. Sekundär ist die Wehenschwäche, wenn zunächst kräftige Geburtswehen vorhanden sind, diese im Laufe der Geburt aber nachlassen. Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Arten von Wehenschwäche liegt also im Zeitpunkt ihres Auftretens.

Ursachen der primären Wehenschwäche

Die häufigste Ursache der primären Wehenschwäche ist eine Überdehnung der Gebärmutter, etwa bei Mehrlingsschwangerschaften oder einer überdurchschnittlich hohen Fruchtwassermenge. Auch besonders große Kinder können zu einer Überdehnung und damit Überanstrengung der Gebärmutter führen. Bei kurz aufeinander folgenden Geburten kann es ebenfalls zu einer primären Wehenschwäche kommen, weil die Gebärmutter in der Zwischenzeit nicht ausreichend Zeit hatte, sich vollständig zurückzubilden und sich von der vorausgehenden Geburt zu "erholen".

Eine seltenere Ursache der primären Wehenschwäche ist das mangelnde Auslösen des Ferguson-Reflexes: Der Ferguson-Reflex wird normalerweise durch den Druck des Kindes auf Gebärmutterhals und Scheide in Gang gesetzt. Er ist das Signal für den Körper, Oxytocin auszuschütten. Oxytocin, auch bekannt als "Wehenhormon", löst für die Geburt notwendige Muskelkontraktionen aus. Ein häufiger Grund für das Nicht-Auslösen des Ferguson-Reflexes ist die Lage des Kindes, etwa in Beckenendlage (BEL).

Ursachen der sekundären Wehenschwäche

Häufigste Ursache der sekundären Wehenschwäche ist eine volle Blase während der Geburt. Die volle Harnblase wirkt wehenhemmend. Während langer Geburten kann es auch zur Ermüdung und Überdehnung der Gebärmutter kommen, sodass ihre Kontraktionen nachlassen. Geburtshindernisse wie ein zu enges Becken können ebenfalls zu einem Nachlassen der Wehen führen.

Diagnose und Behandlung der Wehenschwäche

Die primäre Wehenschwäche ist dadurch gekennzeichnet, dass die Geburtswehen nie richtig in Gang gekommen sind. Oft treten gar keine oder nur ganz leichte Wehen auf. Oder es kommt rund um den errechneten Geburtstermin zu Wehen, Eröffnungswehen bleiben aber aus, der Muttermund bleibt geschlossen. Schwangere können zunächst selbst versuchen, die Wehentätigkeit sanft anzuregen.

Ist der Geburtstermin überschritten, wird die Gesundheit von Mutter und ungeborenem Kind regelmäßig per CTG (Kardiotokographie, Wehenschreiber) und Ultraschall-Untersuchung überwacht. Damit es nicht zur Übertragung (ab der 43. Schwangerschaftswoche) und den damit verbundenen Risiken kommt, oder wenn Anzeichen auf eine Gefährdung bestehen, wird in der Regel die Geburt eingeleitet. Dafür werden über eine Infusion wehenauslösenden Mittel verabreicht. Auch das Wehenhormon Oxytocin kann Wehen auslösen und über eine Infusion oder per Scheidengel verabreicht werden.

Damit die sekundäre Wehenschwäche nicht zum Geburtsstillstand führt, ist es wichtig, ihre Ursache(n) zu finden. Manchmal bedeutet ein Rückgang der Wehen für Gebärende auch eine kleine Atempause, ein Luftholen auf dem Weg zum Muttersein. Auch die von vielen Schwangeren als kalt und hektisch empfundene Kreissaal-Routine im Krankenhaus kann bewirken, dass die Wehen nachlassen. Je nach aktueller Situation, Gesundheitszustand von Mutter und ungeborenem Baby und dem Zeitpunkt, an dem es zur Wehenschwäche kommt, können zunächst sanfte Hilfen ausprobiert werden, die Wehentätigkeit wieder anzukurbeln:

  • Blase entleeren (wenn dies nicht mehr auf natürlichem Wege möglich ist, wird ein Blasenkatheter gelegt)
  • etwas Bewegung, zum Beispiel Spazierengehen
  • warmes oder heißes Bad
  • sanfte Massage
  • Akupunktur
  • bei starker Erschöpfung etwas essen
  • ausreichend trinken

Führen diese sanften Möglichkeiten nicht zu einer Wiederaufnahme der Wehentätigkeit, wird die Geburt medikamentös unterstützt. Wie bei der primären Wehenschwäche kann auch bei der sekundären Wehenschwäche eine Infusion mit einem wehenfördernden Wirkstoff gelegt werden.

Bei beiden Formen der Wehenschwäche kann es dazu kommen, dass die Einleitung der Geburt nicht erfolgreich ist und keine oder nur unzureichend Wehen auftreten. Dann wird in der Regel ein Kaiserschnitt durchgeführt. Tritt die Wehenschwäche in einem fortgeschrittenen Stadium der Geburt auf, können zur Unterstützung auch Saugglocke oder Zange zum Einsatz kommen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 01. Juni 2016
Quellen: Deutscher Hebammenverband (Hrsg.): Geburtsarbeit. Hippokrates, Stuttgart 2013 Gätje, R. u.a.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2011; Stiefel, A., Geist, C., Harder, U. (Hrsg.): Hebammenkunde. Hippokrates, Stuttgart 2012

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