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Samstag, 21. Juli 2018
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Schmerzfreie Geburt - ein Erfahrungsbericht

Schmerzfreie Geburt, gibt es das wirklich? Viele Frauen träumen davon, aber glauben nicht so recht daran, dass eine Geburt wirklich schmerzfrei sein kann. Selina S. hat drei Kinder, zwei davon sind schmerzfrei auf die Welt gekommen. Sie erzählt uns hier ihre wunderbare Geschichte.

Neugeborenes nach der Geburt
Eine Geburt kann auch schmerzfrei sein und als kraftvolles, natürliches Erlebnis empfunden werden
(c) Getty Images/iStockphoto

Meine erste Geburt hab ich nicht als schmerzfrei empfunden, die zweite dann schon. Aber ich war sehr verunsichert und dachte mir, das könne nicht sein, ich hätte das alles sicher nur vergessen - man hört ja so selten davon, dass eine Geburt schmerzfrei gewesen sein soll.

Bei der dritten Geburt hab ich mir dann vorgenommen, dass ich besonders darauf achtgebe während der Geburt, wann und ob ich Schmerzen empfinde. Da war sehr viel Empfindung, aber keine Schmerzen in diesem Sinne. (Ich lüge, den einzigen Moment den ich als unangenehm und schmerzhaft empfunden habe, war der Durchtritt des Köpfchens - aber gut, bei 37 und 38 cm darf das schon sein).

Wie ich Geburten kennengelernt habe

Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, in dem Frauen ihre Kinder zu Hause geboren haben, im Beisein einer Hebamme. Für mich war das in meiner Kindheit normal und jede Frau, die kurz vor der Entbindung stand oder entbunden hatte, hatte so etwas wie eine "heilige Aura" für mich. Ich sage das jetzt mal so überspitzt. Aber sie war etwas Besonderes und Wunderbares.

So wurde mein Bild in früher Kindheit und Jugend geprägt. Als ich dann als Krankenschwester auf einer Geburtshilfe arbeitete, konnte ich leider das Besondere nicht mehr sehen. Hier waren Frauen eine Nummer, es wurden die Geburten manipuliert, es wurde eingegriffen - die Natürlichkeit ging so in den meisten Fällen verloren. Auch die Besonderheit dieser Zeit war so sehr verloren gegangen.

Die Geburt meines ersten Kindes

Für mich stand fest: Wenn ich einmal ein Kind bekommen sollte, dann wollte ich das Besondere wieder haben. Also musste ich einen Weg suchen, der anders war als der herkömmliche "wir gehen in die Klinik entbinden". Eigentlich war mir klar ich wollte eine Hausgeburt, aber mein Mann war damals noch nicht soweit. Also suchte ich mir eine Hebamme, die meine Ansicht einer selbstbestimmten, eingriffslosen Geburt vertrat. Außerdem war mir enorm wichtig keine Ärzte dabei zu haben, da ich nicht darauf vertraute, dass sie Geburt "passieren lassen" können.

So erlebte ich eine traumhafte, hebammenbetreute Geburt im Krankenhaus ohne jegliche Interventionen oder Verletzungen. Drei Stunden später waren wir wieder zu Hause.

Ich hab die Geburt als das elementarste, natürlichste, kraftvollste, frauenbestimmteste und instinktivste Erlebnis in meinen Leben empfunden. Erst durch sie hatte ich das Gefühl Frau geworden zu sein. Ich hatte nicht einen Moment Angst davor.

Die Geburt meines zweiten Kindes - Schmerzfrei?

Die zweite Geburt war ähnlich geplant - ambulante Geburt mit der selben Hebamme. In dieser Schwangerschaft hatte ich mir das Buch "Die selbstbestimmte Geburt" gekauft. Hier habe ich viel Bestätigung erfahren! Ich hatte bei dieser Geburt schon viel Wehenarbeit zu Hause gemacht und fand es sehr entspannend und angenehm in den eigenen vier Wänden zu sein. Der Weg ins Krankenhaus kam mir unnütz vor, aber es war so geplant. Am Weg dorthin merkte ich deutlich, dass das Kind kommen wollte und ich mit einigem Kraftaufwand dagegenhalten musste, um nicht im Auto zu entbinden. Im Krankenhaus angekommen hatte ich den Blasensprung und meine Tochter war 30 Minuten später bereits geboren.

Ich habe keine Schmerzen empfunden, sondern im Gegenteil: Ich habe mich stark gefühlt! Stark und selbstbestimmt, glücklich, und so verbunden mit den Elementen wie ich sonst nie habe empfinden dürfen.

Was mich einmal mehr gestört hat, war der Cut den es geben musste, als wir ein paar Stunden später wieder nach Hause fuhren. Das Kind, eingepackt im Maxi Cosi, kam mir so weit weg vor. Ich habe die wunderbare Geburtsstimmung im Krankenhaus zurück gelassen.

Die Geburt meines dritten Kindes - eine traumhafte Hausgeburt

Bei der dritten Schwangerschaft habe ich dann von einem Kurs erfahren, der sich Positive Birth nennt. Ich wollte ihn hauptsächlich deswegen besuchen, weil ich mich auf dieses dritte Kind konzentrieren wollte, da dies mit zwei größeren Kindern nicht mehr ganz so einfach ist. Dort bin ich das erste mal damit konfrontiert worden, dass es schmerzlose Geburten bzw. sogar orgastische Geburten gibt. Endlich war ich mit meinen Empfindungen nicht mehr alleine. Hier ist auch der Wunsch nach einer Hausgeburt wieder gewachsen.

Ich habe mich über den Wunsch meines Mannes hinweggesetzt und eine Hausgeburt angestrebt. Diese Geburt war nun wirklich die schönste. Ich musste mich nie auf den Weg machen, musste nie die Stimmung zurücklassen. Ich empfand keine Schmerzen - und darauf habe ich ganz bewusst geachtet! - sondern nur Kraft und pure Weiblichkeit. Ich konnte das Wochenbett in dieser fast heiligen Stimmung durchleben, war nicht eine Sekunde (wenn auch nur durch den Transport) von meinem Kind getrennt. Ich war kraftvoll und sicher in meinen eigenen vier Wänden...

So möchte ich auch meine vierte Geburt erleben dürfen! (Sie steht vor der Tür)

In der Zwischenzeit habe ich viele Bücher zu diesem Thema gelesen, Filme angeschaut und mich weitergebildet. Bin auch selbst positive Birth-Trainerin geworden. Mein Herzensanliegen ist es, Frauen begreiflich zu machen, dass alle Kraft in ihnen ist und dass der einzige Schlüssel zu einer erfüllten Geburt darin liegt, auf sich selbst zu hören und sich hinzugeben.

Ich finde es so schade, dass es in unseren Köpfen so verankert ist, dass Schmerz ein unabdinglicher Begleiter bei einer Geburt ist und dass viel zu selten erwähnt wird, dass Geburten auch schmerzlos sein können.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 07. November 2016

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