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Männer bei der Geburt: Als Vater mit im Kreißsaal

Schätzungsweise neun von zehn Vätern sind heutzutage im Kreißsaal dabei. Doch welche Rolle spielen Männer bei der Geburt? Das sollten werdende Väter wissen.

Mann mit neugeborenem Baby
Männer bei der Geburt: Auch für Väter ist es eine beeindruckende Erfahrung.
© iStock.com/Halfpoint

Während Väter im Kreißsaal früher nichts zu suchen hatten, ist es heute durchaus üblich, dass Männer bei der Geburt anwesend sind – ob bei einer natürlichen Entbindung oder beim Kaiserschnitt. Genaue Zahlen dazu, wie viele es tatsächlich sind, liegen nicht vor.

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Welche Rolle spielen Männer bei der Geburt?

Keine Frage, bei einer Entbindung steht das Wohlbefinden von Mutter und Kind im Vordergrund. Trotzdem sind Väter alles andere als nutzlos. Studien haben gezeigt, dass die Handlungen des Vaters den Geburtsverlauf positiv beeinflussen können. Schließlich ist er in der Regel die einzig vertraute Person für die Schwangere. Der Vater ist also nicht nur ein passiver Begleiter, sondern ein wichtiger Teil des Geschehens.

Das können Männer bei der Geburt tun:

  • Eine wertvolle Stütze für die Frau sein: Wenn der Mann sich um seine Frau kümmert, auf ihre Wünsche eingeht und dafür sorgt, dass sie sich wohlfühlt, hat der werdende Vater schon viel geholfen. Auch wenn die Schwangere besondere Zuwendung braucht, kann der Partner sie beruhigen, trösten oder mit leichten Massagen ihre Schmerzen in Rücken oder Beinen lindern.

  • Die Anweisung des Fachpersonals befolgen: Das Klinik-Team weiß am besten, was wann zu tun ist. Männer sollten Vertrauen in ihre Expertise haben. Bei Ängsten und Sorgen stehen das Klinikpersonal und die Hebammen auch den Männern für Fragen zur Verfügung.

  • Ruhig bleiben: Für einen Mann kann es durchaus schwierig sein, tatenlos zuzusehen, wie die Schwangere unter starken Schmerzen leidet oder medizinisch notwendige Eingriffe erfolgen, die nach Gewalt aussehen. Hier ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Manchmal fehlt dem medizinischen Personal auch die Zeit, erforderliche Handlungen sofort mitzuteilen. Nach der Geburt besteht dann aber die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich das Geschehene erklären zu lassen.

  • Sich keinen Leistungsdruck machen: Oft haben Männer bei der Geburt das Gefühl, sie müssten aktiv etwas leisten oder dürften keine Schwäche zeigen. Von solchen Gedanken sollte man sich jedoch befreien: Auch als Mann darf man Ängste verspüren, weinen oder aufgeregt sein.

  • Die eigenen Bedürfnisse beachten: Natürlich geht es in erster Linie darum, die Frau zu umsorgen. Eigene Bedürfnisse wie Essen und Trinken sollten trotzdem nicht gänzlich in Vergessenheit geraten.

  • Den Telefonjoker ziehen: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat einen Tipp für alle Väter im Kreißsaal. Wer eine Verschnaufpause braucht, sich beruhigen, neue Kraft sammeln oder neuen Mut schöpfen muss, sollte den Kreißsaal kurz verlassen und eine vertraute Person anrufen, um sich ihr mitzuteilen.

Wie empfinden Männer die Geburt?

Die Rolle der Männer bei der Geburt ist bisher kaum erforscht. Die meisten Befragungen ergeben, dass Männer die Geburt positiv erleben. Laut vieler Aussagen gehört der Moment zu den wichtigsten, schönsten und intensivsten Ereignissen ihres Lebens. Selbst nach dramatischen Stunden möchten die Väter ihn im Nachhinein nicht missen und empfinden größte Bewunderung für ihre Frauen. Ob die Geburt in positiver Erinnerung bleibt, ist einer Charité-Studie zufolge unter anderem davon abhängig, wie gut sich der Mann vom Klinikpersonal betreut und einbezogen fühlt.

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergeben Befragung aber auch, dass manche Männer sich hilflos fühlen – zum Beispiel da sie nichts tun können, um ihrer Frau die Schmerzen abzunehmen. Andere leiden unter Stress oder haben Angst, dass Frau oder Kind versterben könnte. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt zudem an, dass die Stresslevel bei Vätern höher sind, wenn ihre Erwartungen an die Geburt oder ihre Rolle dabei enttäuscht wurden.

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Wie können sich Männer auf die Geburt vorbereiten?

Eine gute Vorbereitung kann dabei helfen, dass Männer sich ihrer Rolle bei der Geburt bewusst werden und sie mit realistischen Erwartungen in den Kreißsaal gehen. Auf diese Weise lassen sich Überforderungen vermeiden.

Die wichtigsten Vorbereitungen im Überblick:

  • Entscheidungsfindung: Wichtig ist, dass beide Partner damit einverstanden sind, dass der Mann mit in den Kreißsaal oder zur Kaiserschnittentbindung in den Operationssaal kommt. Paare sollten sich dafür entscheiden, weil es sich beide so wünschen und nicht aus gesellschaftlichem Druck, nur weil es mittlerweile als „ganz normal“ gilt.

  • Geburtsvorbereitungskurs: Ein Geburtsvorbereitungskurs kann auch Männern, die bei der Geburt dabei sein möchten, wertvolle Informationen und Tipps liefern. Hier erfahren sie zum Beispiel, welche Geburtspositionen es gibt oder welche Komplikationen auftreten können. In einem Geburtsvorbereitungskurs hat der Mann zudem die Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen.

  • Männerabend: Wer sich nicht traut, vor seiner Partnerin oder im Geburtsvorbereitungskurs über alle Themen zu sprechen, kann sich mit anderen (werdenden) Vätern zusammentun. Viele Hebammen bieten solche Männerabende an, bei denen sie nur die Väter beraten.

  • Termine bei Hebamme oder in der frauenärztlichen Praxis: Männer können ihre Frauen zu einer Vorsorgeuntersuchung begleiten, um hier die Möglichkeit für offene Fragen wahrzunehmen. Sollten medizinische Besonderheiten vorliegen, kann sich der werdende Vater selbst vom Fachpersonal darüber aufklären lassen.

  • Besuch in der Geburtsklinik: Väter sollten mitkommen, um sich die Klinik vorab anzuschauen und in die Entscheidung der Klinikwahl eingebunden werden. So kennt der Mann die örtlichen Gegebenheiten bereits und fühlt sich vor Ort gegebenenfalls sicherer.

  • Organisatorisches: Um den Stress am Geburtstag zu minimieren, sollten ein paar Dinge schon vorab erledigt sein: Kliniktasche bereitlegen, wichtige Dokumente zusammenstellen, sich den Weg zur Klinik anschauen.

  • Urlaub oder Elternzeit: Am besten mit dem Arbeitgeber besprechen, wann der Geburtstermin ansteht und rechtzeitig Urlaub oder Elternzeit einreichen oder nach einer flexiblen Lösung fragen, da die wenigsten Kinder pünktlich zum errechneten Termin kommen. Wenn möglich, sollten rund um den Geburtstermin keine geschäftlichen (Auslands)reisen mehr wahrgenommen werden – schließlich könnte es jederzeit losgehen.

Männer nach der Geburt: Das Erlebte verarbeiten

Die Entbindung ist auch für Männer ein aufregendes Erlebnis. Nicht selten kommt es daher vor, dass sie danach ebenfalls sehr erschöpft sind. Um das Erlebte zu verarbeiten, sollten sie die Chance bekommen, darüber zu sprechen, ihre Gefühle auszudrücken und dem Klinikpersonal die Fragen zu stellen, die sie beschäftigen. Auch die intensive Zeit des Wochenbetts gemeinsam zu erleben, indem man möglichst auf da ist, kann zur Verarbeitung hilfreich sein.

Wissenschaftlich ist kaum untersucht, ob Männer nach der Geburt traumatische Folgen haben. Relativ unbekannt ist auch, dass Väter – wie bei einer postnatalen Depression der Frau – depressive Symptome entwickeln können. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung treten bei etwa zehn Prozent der Väter solche Beschwerden im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt auf. Wer Symptome wie Erschöpfung, Freud- und Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche bemerkt oder Probleme damit hat, tiefe Vatergefühle zu entwickeln, sollte nicht zögern und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Übrigens: Die Sorge danach, ob das Miterleben der Geburt Beeinträchtigungen auf das Sexualleben hat, konnte die Befragung der Charité Berlin entkräften. Die meisten Väter erwarten – zumindest zum Aussagezeitpunkt kurz nach der Geburt – keine negativen Auswirkungen.

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