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Sonntag, 24. September 2017
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Erfahrungsbericht von Astrid, zwei Mal Kaiserschnitt (Anna und Jan)

Erfahrungsbericht von Astrid
Jan mit zwei Monaten
privat

Die meisten Frauen wünschen sich wohl eine natürlich Geburt. Warum es doch zum Kaiserschnitt kommt, kann sehr unterschiedliche Gründe haben. Im Erfahrungsbericht erzählt Astrid von ihren beiden Kaiserschnitten.

Am 19.03.2006 kam mein zweites Kind Jan um 0.02 Uhr per Kaiserschnitt auf die Welt. Die Vorgeschichte dazu ist:

Der Notkaiserschnitt

Mein erstes Kind Anna war ebenfalls ein Kaiserschnitt, ungewollt und ungeplant, aufgrund der abfallenden Herztöne unter der Wehe. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob es als Notsectio zählt, im Bericht stand sekundäre Sectio, aber für mich war es eigentlich ein Notkaiserschnitt, den ich nie gewollt hatte. Ich musste am Tag vor dem errechneten Geburtstermin zu einem Wehenbelastungstest wegen meiner ziemlich heftigen Schwangerschaftsdiabetes (insulinpflichtig).

Zwei Wochen zuvor war schon einer gemacht worden, der ohne Probleme ablief. Nun, diesmal nicht und das Ergebnis war eine nicht aufhörende Wehe (erst nach dem ich ne ordentliche Portion Wehenhemmer bekam, hörte die auf :-(). Die Wehe war zwar nicht besonders stark, drückte meinem Kind aber die Luft ab, weshalb das Ganze dann ganz schnell in den OP-Saal verlagert und die Kleine geholt wurde. Das Alles war sehr dramatisch und traumatisch für mich und ich brauchte lange, um damit klar zu kommen.

Der genaue Ablauf davon ist jetzt zu weitschweifend, nur soviel dazu, dass ich immer spontan entbinden wollte (ursprünglich sogar ne Hausgeburt :o)), Kaiserschnitt war für mich die allerletzte Option. Wegen des Diabetes war es wohl dann so, dass dadurch die Plazenta vorzeitig verkalkt war und deswegen mein Kind Probleme bekam durch diese künstlich ausgelöste Wehe. Hmm, im Nachhinein bin ich auf die dort anwesende diensthabende Hebamme immer noch sauer, die hat meiner Meinung nach Mist gebaut, ob aber ein Kaiserschnitt zu verhindern gewesen wäre, ich fürchte trotzdem nicht.

Die zweite Schwangerschaft

Nun wie auch immer, im Jahr 2005 im Juni war ich wieder schwanger mit meinem zweiten Wunschkind ;-). Diesmal war schon bald klar, die Schwangerschaftsdiabetes hat wieder zugeschlagen, wie zu erwarten war. Das hieß für mich ab der 11. Woche Insulin spritzen *seufz*. Die Schwangerschaft verlief trotzdem relativ unkompliziert und ruhig, natürlich engmaschiger kontrolliert, aber ich durfte trotzdem einen Teil der Vorsorge bei meiner hochgeschätzten Hebamme machen, die mich schon bei der ersten Schwangerschaft so super betreut hatte. Ich machte mich frühzeitig schlau bezüglich der Geburt, ich wollte unbedingt diesmal spontan entbinden, bloß keinen Kaiserschnitt.

Und es sah gut aus, aber mein FA machte mir trotzdem den Vorschlag, am errechneten ET (18.03.06) einen Wehenbelastungstest im KH zu machen, in seinem Beisein, da er dort Belegarzt war. Ich habe/hatte vollstes Vertrauen zu ihm und sagte zu, obwohl ich aufgrund meiner vorherigen Erfahrungen auf diese WBT's nicht gut zu sprechen war. Aber was muss, das muss, sagte ich mir. Hebamme und Arzt versicherten mir auch immer wieder, dass einer vaginalen Entbindung nichts im Wege stehe, alles super paletti.

Also rückte ich am 18.03.06 morgens ins KH ein, wo ich eine Nacht zur Beboachtung bleiben sollte. Der Test wurde gemacht, wieder alles ohne Probleme, gut hieß es, nun abwarten, ob sich in der Nacht was tut oder ob eingeleitet werden muss. Die Einleitung wollte ich mir gern ersparen, deshalb habe ich vorher schon bei meiner Hebamme nach einer Alternative gefragt. Sie empfahl mir den Wehencocktail und gab mir das Rezept. Sie sagte zu mir, dass der auch nur wirkt, wenn das Kind soweit ist, dass es kommen kann und will und ich muss sagen, sie hatte Recht! In Absprache mit meinem FA habe ich dann nachmittags diesen Wehencocktail genommen *brrrbäh*, nach meiner eingeforderten "Henkersmahlzeit", einer Pizza ;-). Nach 1 1/2 Stunden wurde ich sehr müde und bat meinen Mann zu gehen, ich würde mich melden, wenn was passiert. Da ich ja später noch zu einem Kontroll-CTG musste, wollte ich vorher noch schlafen und mich ausruhen. Ok, nachdem ich weitere 1 1/2 Stunden geschlafen hatte, erwachte ich und merkte sofort, aha, jetzt geht was, das fühlt sich anders an als sonst, der Bauch wurde in regelmäßigem Abstand hart. Juhu, dachte ich, jetzt geht's los und du hältst bald dein Kind im Arm.

Ich ging dann für die CTG zum Kreissaal und um der diensthabenden Hebamme Bescheid zu sagen, dass sich wohl was tut. Da zu der Zeit alle Kreissäle belegt waren, weil mehrere Geburten im Gange waren, bat die Hebamme mich, in ca. einer halben Stunde wieder zu kommen. Ich meinte noch, wir könnten ja bis morgen warten, ich sei noch müde und könnte ja so lange schlafen. Da lachte sie und sagte, neenee, die CTG muss heute noch gemacht werden. Mittlerweile war es 21.00 Uhr, nun gut, ich bin zurück auf mein Zimmer, wehte ein bisschen vor mich hin und freute mich (noch) ;-).

Um 21.30 Uhr wieder vor zum Kreissaal, dort hatten sie dann endlich Zeit und setzen mich ans CTG-Gerät. Alles war super, ich beobachtete die Wehen (noch nicht wirklich stark, aber spürbar) und freute mich immer noch. Um 22 Uhr merkte ich, das was nicht stimmte, wie damals bei meiner Tochter gingen die Herztöne plötzlich bei jeder Wehe runter und diese kamen inzwischen sehr häufig, unter einer Minute, meine Baby hatte kaum noch Atempausen und das machte ihm zu schaffen. Dabei waren die Wehen noch nicht wirklich stark oder gar schmerzhaft. Ich dachte schon, ohje, was kommt da auf mich zu!! Mein FA hatte ja glücklicherweise Dienst und als ich der Hebamme die Entwicklung zeigte, holte sie ihn auch gleich her. Mein FA guckte nachdenklich aufs CTG und sagte dann, dass die Wehen zu schnell und heftig kommen, das wäre nicht gut. Das war der Moment, wo ich insgeheim schon den Gedanken an einen erneuten Kaiserschnitt hatte.

Aber mein echt toller FA sagte, dass wir noch ein Weilchen abwarten, bzw. er mir einen Wehenhemmer spritzt, um meinem Baby Pausen zu verschaffen, damit er sich erholen kann. Und er meinte auch (ebenso die Hebi), dass Jan so tief schon in meinem Becken sitze, dass es schade wäre, wenn das nicht klappt. Also gut, weiter am CTG, schon seit einer Stunde, leider brachte der Wehenhemmer keine Entspannung, ich wehte temporeich weiter. Jans Herztöne fielen immer wieder ab und erholten sich immer schlechter :-(. Nach einer weiteren halben Stunde sagte mein FA, er würde mir gerne eine PDA geben, damit sich der Muttermund vielleicht entspannte und endlich öffnete, denn leider war der noch bombig zu *arrhhg*. Und dass es halt jetzt schnell gehen müsste, sonst würde es zu gefährlich fürs Kind. Er wollte auch versuchen, dann wenn die PDA wirkt, meinen Muttermund aufzudehnen *aua*, ansonsten bliebe nur der Kaiserschnitt.

Der zweite Kaiserschnitt

Hmm, da war es wieder, das Damoklesschwert, ich seufzte und stimmte zu. Immerhin versuchten Arzt und Hebamme alles in ihrer Macht stehende, um eine natürliche Geburt zu ermöglichen, dafür bin ich ihnen heute noch dankbar. Ich fragte meinen FA, ob wir mal so langsam meinen Mann holen sollten, wenn's dann evtl. schnell losginge, da lachte er und sagte, oh ja, Ihr Mann sollte schnellstens herkommen. Er rief T. an, dieser hatte sich dann wohl ins Auto gehechtet und ist in Rekordzeit hergekommen :o). Unterdessen legte man mir die PDA, mein Mann kam in den Kreissaal und der FA versuchte, als die PDA wirkte, den Muttermund zu dehnen. Zum dem Zeitpunkt hatte ich aber innerlich schon abgeschlossen, irgendwie fühlte ich, dass es nichts wird mit einer spontanen Entbindung, ich war also nicht ganz so enttäuscht, als der FA seine Bemühungen einstellte und mir den Kaiserschnitt empfahl. Irgendwie auch logisch, dieser Muttermund war noch nie aufgedehnt worden, der hätte noch ein paar Runden mit muttermundwirksamen Wehen gebraucht, um aufzugehen.

Mittlerweile war es nach 23.00 Uhr und ich rollte mit allen Vorbereitungen um 23.40 Uhr in den OP. Ich scherzte noch, ob sie es wohl vor Mitternacht noch hinbekommen, was aber die Ärzte verneinten. Tja knapp verfehlt, um 0.02 Uhr war Jan da! Trotz aller Enttäuschung war ich sehr froh und glücklich, meine Baby gesund und lebend zu sehen, ich wurde vernäht, T. ging mit Jan und Hebamme raus zum Untersuchen, dann durften wir uns alle drei im Kreissaal begucken und beschnuppern, kuscheln und stillen. Um ca. 3 Uhr war ich aber sooo müde und T. auch, der Kleine schlief eh, so dass wir aufs Zimmer verlegt wurden. T. ging dann auch nach Hause und ich versuchte zu schlafen. Jan lag im Bettchen neben mir. Leider war mir aber erholsamer Schlaf nicht vergönnt, denn die PDA ließ nach und damit spürte ich die Wundschmerzen und die Nachwehen und die hatten es ganz schön in sich! Das war echt Hölle. Mir war's peinlich und ich dachte noch, ich würde mich anstellen, aber irgendwann klingelte ich nach der Schwester, die auch gleich den Anästhesisten holte. Der beruhigte mich und sagte, dass die Nachwehen durchaus so fies sein können und mit jedem Kind fieser werden. Er spritzte mir nach und dann konnte ich endlich etwas schlafen!

Die Zeit danach

In den Tagen danach erholte ich mich recht schnell und gut, aber wie beim ersten Mal war das erste Aufstehen die Hölle, auch dieses hilflos sein, bzw. sein Baby erstmal nicht ohne Hilfe versorgen zu können, war wie bei Anna auch echt beschissen. Aber gefühlsmäßig ging es mir besser, ich wurde nicht so überrumpelt vom Kaiserschnitt, konnte mich drauf besser einstellen, es war ja alles versucht worden, um eine spontane Geburt zu ermöglichen, und immerhin hatte ich einen halbwegs normalen Geburtsbeginn, zumindest die ersten 1 1/2 Stunden. Das war auch für den Kleinen besser, hatte ich so das Gefühl, er wurde nicht ganz so abrupt rausgeholt, ich hoffe, ich drücke mich verständlich aus.

Klar war ich traurig, dass es wieder nicht geklappt hat, aber ich fühlte mich nicht ganz soo als Versagerin wie bei Anna. Und als ich hinterher erfuhr, dass die Plazenta wohl wegen des Diabetes einfach zu sehr kaputt war, hatte ich auch keine Schuldgefühle mehr, oder Versagensgefühle. Die Plazenta hat wohl die Grundversorgung gerade noch so hinbekommen, aber mit den echten eigenen Wehen war's dann vorbei, das war halt wohl nicht zu vermeiden. Traurig bin ich halt auch deswegen, weil ich nie erleben werde, wie eine normale Geburt von statten geht, Familienplanung ist abgeschlossen, ich fühle mich auch nun zu alt und ich möchte keine dritte Risikoschwangerschaft mit anschließendem Kaiserschnitt (der wäre nun ohne Option, da geht laut meinem FA nix mehr anders) mehr.

Ich empfinde den zweiten Kaiserschnitt als das bessere Geburtserlebnis, auch wenn es von meiner Wunschvorstellung weit entfernt war, aber empfehlen könnte ich diese Geburtsform nie, sie sollte eine absolute Notvariante bleiben, gegenläufige Tendenzen heiße ich nicht gut!

Autor:
Letzte Aktualisierung: 25. Januar 2017

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