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Natürliche Geburt

Schützen mütterliche Keime vor Asthma?

Autor: dgk
Letzte Aktualisierung: 17. April 2015

Eine große Studie stützt die Beobachtung, dass per Kaiserschnitt geborene Kinder häufiger an Asthma leiden. Experten fordern, dies bei der Wahl der Geburtsmethode – wenn medizinisch möglich – zu berücksichtigen.

Schützen mütterliche Keime vor Asthma?
Voll stillen über vier Monate trägt zur Allergieprävention bei
(c) iStockphoto

Während der Schwangerschaft kommen Föten nur in sehr geringem Maß über die Mutter mit Keimen in Kontakt. Mit der Geburt ändert sich das schlagartig: Im Geburtskanal wimmelt es nur so von Keimen, hauptsächlich Milchsäu­rebakterien, die den Magendarmtrakt des Babys besiedeln. Und das ist gut so. Die Bakterien hel­fen den Kindern nicht nur, Nährstoffe zu verwer­ten, sondern sie trainieren auch das Immunsys­tem und halten unerwünschte Erreger ab.

Jedes dritte Kind kommt per Kaiserschnitt zur Welt

Doch diese natürliche Erstbesiedlung des Darms wird heute oft unterbunden. Derzeit kommt in Deutschland rund jedes dritte Kind durch Kaiserschnitt auf die Welt. Etwa die Hälfte dieser Entbindungen ist geplant, ein Teil dieser Eingriffe erfolgt auf Wunsch der Mütter. Ein Schritt, der gut überlegt sein sollte, denn neben anderen Nachteilen einer solchen Geburt haben bereits mehrere Studien gezeigt, dass Kai­serschnittbabys später auffallend häufig Asthma und Allergien bekommen.

Aktuelle Studie: mehr Asthma bei Kaiserschnitt-Kindern

Eine dänische Studie weist nun erneut in diese Richtung: Die Forscher analysierten auf Basis des dänischen nationalen Gesundheitsregisters die Daten von etwa 2 Milli­onen zwischen 1977 und 2012 geborenen Kindern bis zum Alter von 15 Jahren. Da­bei wurden verschiedene Krankheiten des Immunsystems wie Asthma erfasst. Im Ergebnis zeigte sich, dass Kaiserschnitt-Kinder im Vergleich zu auf natürlichem We­ge Geborenen ein um 23 Prozent erhöhtes Risiko für Asthma hatten. Auch andere immunologische Erkrankungen wie entzündliche Darmkrankheiten und verschiedene Störungen des Immunsystems kamen bei ihnen häufiger vor.

Da es sich bei dieser Studie um eine große und langfristigste Untersuchung handelt, kommt den Ergebnissen ein großes Gewicht zu. Dennoch belegt sie zunächst nur, dass es einen Zusammenhang zwischen Kaiserschnitt und einem erhöhten Risiko für bestimmte immunologische Erkrankungen gibt. Ob dieser auch ursächlich ist, muss noch gezeigt werden.

Steckt die fehlende Übertragung der mütterlichen Keime dahinter? Eine mögliche Ursache für das häufigere Auftreten von Asthma bei Kaiserschnitt-Kindern haben Forscher jedoch schon länger im Visier, nämlich die Darmflora. Spon­tan geborene Babys verfügen über weitaus mehr und vielfältigere nützliche Bakterien als solche, die auf operativem Wege zur Welt kamen. Mittlerweile weiß man, dass die Darmflora einen wesentlichen Einfluss auf das sich entwickelnde Immunsystem hat, und dieses spielt bei Allergien und Asthma die zentrale Rolle.

Leitlinien Allergieprävention: neue Empfehlung geht auf Kaiserschnitt ein

Auch wenn die Ursache noch nicht abschließend geklärt ist, scheint für Experten recht sicher zu sein, dass eine Sectio das Risiko für Asthma und Allergien erhöht. Jedenfalls hat das Thema bereits im Juli vergangenen Jahres Einzug gehalten in die hochrangigen S3-Leitlinien „Allergieprävention" der Deutschen Gesellschaft für Aller­gologie und klinische Immunologie (DGAKI) und die Deutschen Gesellschaft für Kin­der- und Jugendmedizin (DGKJ).

Die Experten fordern darin, dass das höhere Risiko für die Entwicklung von Asthma und Allergien bei Kaiserschnitt-Kindern bei der Wahl des Geburtsverfahrens berück­sichtigt werden soll. Dies gilt natürlich nur, sofern keine medizinische Indikation für einen Kaiserschnitt besteht.

Aktualisierte Leitlinien zur Allergieprävention

Die Empfehlungen der zuletzt 2009 veröffentlichten S3-Leitlinie Allergieprävention wurden auf der Basis aktueller Studien überarbeitet und im Juli 2014 veröffentlicht. Einige der wichtigsten Punkte haben wir für Sie zusammengefasst.

Im Wesentlichen unverändert blieben u. a. folgende Empfehlungen:

  • Kinder sollten über 4 Monate voll gestillt werden, Risikokinder sollten, wenn sie nicht gestillt werden können, hypoallergene Säuglingsnahrung bekom­men.

  • Mit Beginn des fünften Lebensmonats kann mit der Beikostfütterung begon­nen werden.

  • Eine Belastung durch Tabakrauch (Passivrauchen) sollte sowohl bei Schwangeren wie auch bei Kindern vermieden werden.

  • Von einer Diät zur Vermeidung von Nahrungsmittelallergenen während der Schwangerschaft und Stillzeitwird abgeraten.

Änderungen hat es u. a. bei der Haustierhaltung gegeben:

  • Die Empfehlungen zur Haustierhaltung sind weiter „liberalisiert" worden. Kurz zusammengefasst gelten für Kinder ohne erhöhtes Allergierisiko keinerlei Einschränkungen. Familien mit erhöhtem Allergierisiko sollten keine Katzen anschaffen. Hundehaltung hingegen ist nicht mit einem höheren Allergierisiko verbunden.

Neu aufgenommene Empfehlung:

  • Der Aspekt, dass ein Kaiserschnitt das Risiko für Asthma und andere Immun­erkrankungen erhöhen kann, sollte bei der Wahl des Geburtsverfahrens be­rücksichtigt werden, sofern keine medizinische Indikation für einen Kaiser­schnitt besteht.

Neu aufgenommene Stellungnahme:

  • Neu ist die Stellungnahme, dass „ungünstige psychosoziale Faktoren" (zum Beispiel schwerwiegende Lebensereignisse) während der Schwangerschaft und Kindheit zur Entwicklung von allergischen Erkrankungen beitragen kön­nen.

Autor: dgk
Letzte Aktualisierung: 17. April 2015
Quellen
Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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