Ein Angebot von Lifeline
Sonntag, 23. September 2018
Menu

HIV (AIDS) in der Schwangerschaft

Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin / Maxi Christina Gohlke, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 11. September 2018

Eine Schwangerschaft trotz HIV-Infektion (AIDS) ist möglich. Jedoch kann das Virus von der Mutter auf verschiedenen Wegen auf ihr Kind übertragen werden.

HIV (AIDS) in der Schwangerschaft
Wenn die HIV-Infektion rechtzeitig bekannt ist, stehen die Chancen gut, dass Frauen ein gesundes Kind zur Welt bringen
BananaStock

Sofern die Infektion rechtzeitig erkannt und behandelt wird, kann man aber das Risiko einer Ansteckung für das Kind stark verringern. AIDS wird durch das HI-Virus (HIV) hervorgerufen. Für die Erkrankung existieren bislang weder Impfstoffe noch Heilmittel.

Wie wird HIV (AIDS) in der Schwangerschaft auf das Baby übertragen?

Deutschlandweit werden pro Jahr etwa 250 bis 300 Kinder von HIV-positiven Müttern geboren, doch glücklicherweise ist nur ein kleiner Teil dieser Babys selber infiziert. Eine Ansteckung erfolgt dabei meist kurz vor oder während der Geburt, ist jedoch auch beim Stillen über die Muttermilch oder schon während der Schwangerschaft in der Gebärmutter möglich. Es kann jedoch auch sein, dass das Kind sich überhaupt nicht mit HIV ansteckt.

Bereits im Körper der Mutter kann das Virus über die Plazenta (Mutterkuchen) zum Ungeborenen in die Gebärmutter gelangen. Auch ein vorzeitiger Blasensprung erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung. Während der Geburt besteht das Ansteckungsrisiko über Scheidensekret oder Blut der Mutter, mit dem das Kind durch Verletzungen im Geburtskanal in Kontakt geraten könnte. Des Weiteren können Viren auch über die Muttermilch in den Körper des Babys gelangen. Normaler Körperkontakt wie beispielsweise Schmusen der Mutter mit ihrem neugeborenen Baby kann jedoch nicht zur Ansteckung führen.

Welche Folgen hat eine HIV-Infektion (AIDS) für den Verlauf der Schwangerschaft?

Während der Schwangerschaft einer HIV-infizierten Mutter kann es beim Ungeborenen zu verzögertem Wachstum kommen. Außerdem steigt die Wahrscheinlichkeit für vorzeitige Wehen oder Frühgeburten. Grund hierfür können beispielsweise Infektionen oder soziale Konflikte sein. Gleichzeitig bedeutet eine Schwangerschaft für die Frau in den meisten Fällen auch eine Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes. Eine Schwangerschaft in Kombination mit einer HIV-Infektion wird daher als Risikoschwangerschaft eingestuft, was bedeutet, dass der Gesundheitszustand von Mutter und Kind häufiger kontrolliert wird.

Gesundes Kind trotz HIV?

Wenn die HIV-Therapie wirkt und im Blut fast kein oder kein HI-Virus mehr nachweisbar ist, können auch HIV-positive Frauen ein gesundes Kind bekommen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Baby während der Schwangerschaft oder Geburt mit dem Virus anstecken wird, ist in dieser Situation sehr gering. „Die Schwangere wird dann in einer Frauenarztpraxis oder einer Frauenklinik mit HIV-Schwerpunkt betreut, die eng mit den Ärztinnen und Ärzten zusammenarbeitet, die die Therapie bisher durchgeführt haben“, so Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.

Wenn HIV-positive Schwangere keine Therapie und keine spezielle medizinische Betreuung erhalten, so steckt etwa jede fünfte Frau ihr Kind während der Schwangerschaft an. Das Risiko kann allerdings auf etwa ein Prozent gesenkt werden, so Dr. Albring, wenn die HIV-Therapie sorgfältig angepasst und eingenommen wird, wenn bei der Geburt darauf geachtet wird, dass das Risiko einer Virus-Übertragung so klein wie möglich bleibt, wenn die Mutter auf das Stillen verzichtet und wenn das Baby sicherheitshalber über die ersten vier Lebenswochen noch eine Anti-Virus-Therapie bekommt.

Als weitere Voraussetzungen dafür, dass die Schwangerschaft trotz HIV zu einem guten Ende gebracht werden kann, zählt der Frauenarzt folgende Faktoren auf: Kein Fortschreiten der Infektion in den letzten sechs Monaten, außerdem eine Situation, in der noch nicht alle AIDS-Medikamente bis an die Grenze eingesetzt sind, keine zusätzlichen Erkrankungen wie Hepatitis, Diabetes oder Anfallsleiden und keine weiteren gynäkologischen oder geburtshilflichen Risiken.

HIV-positiv und Kinderwunsch

Auch für HIV-positive Frauen und Männer ist der Wunsch nach einem gesunden Kind heute keine Utopie mehr. Sogar eine natürliche Zeugung ist möglich. Dank moderner Medikamente kann die Virenlast im Körper soweit gesenkt werden, dass Geschlechtsverkehr möglich ist, ohne den HIV-negativen Partner einer Infektionsgefahr auszusetzen. Voraussetzung dafür ist aber eine gut funktionierende und streng überwachte HIV-Therapie mit eingehender Beratung beider Partner, um das Risiko der Ansteckung zu minimieren. Darüber hinaus besteht für HIV-positive Frauen auch die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung. Ist der Mann HIV-positiv, muss sein Sperma vor der künstlichen Befruchtung „gewaschen“ werden. Dabei werden im Labor die Viren aus dem Sperma entfernt.

Der HIV-Test für Schwangere gibt Sicherheit

Das Risiko einer Übertragung des HI-Virus von einer infizierten Mutter auf ihr ungeborenes Kind kann heute stark verringert werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Infektion der Mutter bekannt ist. In Deutschland sind nicht viele Frauen mit dem HI-Virus infiziert, doch wissen die Betroffenen nicht immer von ihrer HIV-Infektion. Deshalb sind Frauenärzte in Deutschland verpflichtet, jede Schwangere im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen über die Risiken einer HIV-Infektion und die Möglichkeiten eines HIV-Tests aufzuklären. Der Test ist freiwillig und wird für Schwangere von der Krankenkasse übernommen. Wichtig zu wissen: Das Ergebnis des Tests muss vom Arzt streng vertraulich behandelt werden und wird nicht in den Mutterpass eingetragen.

Wie kann einer Übertragung von HIV auf das Kind vorgebeugt werden?

Stellt sich beim HIV-Test heraus, dass die Schwangere HIV-positiv ist, sollte möglichst schnell mit einer antiviralen Therapie begonnen werden, um das Risiko einer Ansteckung des Kindes zu verringern. Inzwischen stehen HIV-Medikamente zur Verfügung, die keine Schäden beim Ungeboren verursachen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Frauenarzt und HIV-behandelndem Arzt ist hier aber sehr wichtig. Eine engmaschige Kontrolle der Blutwerte alle vier Wochen ist empfehlenswert.

Daneben wird auch ein vorzeitiger Kaiserschnitt in der 37. Schwangerschaftswoche empfohlen. Dadurch kann das Infektionsrisiko bei der Geburt oder bei einem eventuellen vorzeitigen Blasensprung für das Kind reduziert werden. Grundsätzlich können HIV-positive Frauen aber auch vaginal entbinden, sofern ihre Therapie gut anschlägt und zum Zeitpunkt der Geburt keine oder sehr wenig Viren nachweisbar sind. In jedem Fall sollte die Schwangere in einer Klinik entbinden, in der HIV-erfahrene Ärzte bereitstehen.

Nach der Geburt wird das Neugeborene ebenfalls für etwa vier Wochen mit antiviralen Medikamenten behandelt. Auch wenn das Stillen generell gesundheitsförderlich ist, müssen HIV-positive Mütter darauf verzichten, da auch über die Muttermilch für das Baby die Gefahr der Ansteckung besteht.

Zur Sicherheit wird etwa vier Wochen nach der Geburt beim Kind ein Test auf HIV-Infektion durchgeführt, der am Ende des dritten Lebensmonats noch einmal wiederholt wird. Sind beide negativ, kann man davon ausgehen, dass das Baby gesund und nicht mit HIV infiziert ist.

Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin / Maxi Christina Gohlke, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 11. September 2018
Quellen

Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
Neuste Artikel in dieser Rubrik
Schwangerschaft

Es gibt bestimmte Kriterien, die zu einer Einstufung einer Risikoschwangerschaft führen. Eine Risikoschwangerschaft liegt dann vor, wenn bei einer Schwangeren bestimmte Risikofaktoren wie beispielsweise... Mehr...

Beschwerden & Erkrankungen

Das Zika-Virus verläuft normalerweise harmlos, kann aber in der Schwangerschaft zu schweren Fehlbildungen beim Baby führen. Wie kann man sich am besten davor schützen? Mehr...

Informationen zur stillen Geburt

In der Fachsprache wird von einer Totgeburt gesprochen, wenn ein Baby mit einem Gewicht von über 500 Gramm noch vor der Geburt im Mutterleib verstirbt und ohne Lebenszeichen zur Welt kommt. Deshalb bezeichnet... Mehr...

Weitere interessante Themen
  • Medikamente in der Schwangerschaft

    Wenn eine Frau Medikamente in der Schwangerschaft einnimmt, ist das Ungeborene immer unfreiwilliger Empfänger der Wirkstoffe. Daher ist es sinnvoll, wenn es nötig ist nur geeignete... Mehr...

  • Chromosomenstörungen...

    Chromosomenstörungen (Chromosomenaberrationen) liegen vor, wenn es zu Abweichungen von der normalen Chromosomenzahl, zu Abweichungen der Chromosomenstruktur oder der -anordnung... Mehr...

  • Lymphogranuloma inguinale in der...

    Die Venerische Lymphknotenentzündung (Lymphogranuloma inguinale) ist eine spezielle Chlamydienerkrankung. Ihr Auftreten in Mitteleuropa ist eher selten. Die Symptome werden oft... Mehr...

Zum Seitenanfang