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Zeitspanne von bis zu 37 Tagen

Schwangerschaftsdauer: Größere Schwankungen als bisher angenommen

Autor: Sarah Baumann, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 24. September 2018

Neun Monate, 40 Wochen, 280 Tage: So lange dauert eine Schwangerschaft, war bislang die gängige Meinung. Nun widerlegen Forscher diese Annahme – und stellen die Berechnung des Entbindungstermins und seine Konsequenzen in Frage.

Schwangerschaft dauert kürzer als angenommen
Die Dauer einer Schwangerschaft ist sehr unterschiedlich: In einer aktuellen Studie lagen die tatsächlichen Geburtstermine innerhalb einer Zeitspanne von 37 Tagen rund um den errechneten Geburtstermin.
© iStock.com/tatyana_tomsickova

Wie lange dauert eine Schwangerschaft? „Na, neun Monate natürlich!“ mögen darauf viele antworten. Doch das stimmt nicht, wie US-amerikanische Wissenschaftler zeigen konnten. Die Forscher um Anne Marie Jukic vom National Institute of Environmental Health Sciences kümmerten sich zunächst um eine Methode, mit der sie auf den Tag genau den Termin berechnen können, an dem die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter stattfindet.

Wie lange dauert eine Schwangerschaft? Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die Dauer der Schwangerschaft wird meist vom ersten Tag der letzten Periode vor der Schwangerschaft berechnet.
  • Nach dieser Methode dauert die Schwangerschaft 280 Tage (bzw. zehn Monate).
  • Kennt man den Zeitpunkt der Befruchtung der Eizelle, rechnet man ab diesem Tag durchschnittlich 266 Tage bis zur Entbindung.
  • Eine neue Studie hat ergeben, dass die durchschnittliche Dauer einer Schwangerschaft 268 Tage beträgt – und zwar ab dem Tag des Eisprungs.
  • Nach der üblichen Berechnung der Schwangerschaftsdauer ab dem ersten Zyklustag ergibt das sogar eine Durchschnittsdauer von 282 Tagen.
  • Schwankungen bei der Dauer der Schwangerschaft sind völlig normal.
  • Nur vier Prozent aller Babys kommen am berechneten Geburtstermin zur Welt.

Dauer der Schwangerschaft in der Studie: 268 Tage

Dafür untersuchten die Forscher täglich die Urinproben von 125 Frauen, die an dem Experiment teilnahmen. Alle Probandinnen waren auf natürlichem Wege schwanger geworden. Bei der Auswertung der Daten erlebten die Forscher eine Überraschung: Die Schwangerschaft der Frauen dauerte ab dem Tag des Eisprungs im Schnitt nur 268 Tage, also 38 Wochen und zwei Tage oder achteinhalb Monate. Berücksichtigt man nun, dass durchschnittlich 14 Tage vom ersten Zyklustag (erster Tag der Periode) bis zum Eisprung vergehen, bedeutet das: Wenn man es ganz genau nimmt, beträgt die durchschnittliche Dauer einer Schwangerschaft nach der üblichen Berechnungsmethode (ab dem ersten Zyklustag) sogar 282 Tage.

Erstaunlich sind aber vor allem die großen Schwankungen bei der Schwangerschaftsdauer: Selbst nachdem die Forscher Frühgeburten und Frauen mit Schwangerschaftserkrankungen herausgerechnet hatten, schwankte die Dauer der Schwangerschaft natürlicherweise um bis zu 37 Tage (über fünf Wochen) – die Zeitspanne lag zwischen 247 und 284 Tagen ab dem Zeitpunkt des Eisprungs.

Entbindungstermin stimmt nur bei vier Prozent aller Geburten

Zudem stellte sich heraus, dass die gebräuchliche Berechnung des Geburtstermins stärker fehlerbehaftet ist als angenommen: Gerade einmal vier von hundert Frauen brachten ihr Kind tatsächlich an dem zuvor kalkulierten Datum zur Welt. In nur sieben von zehn Fällen hielt sich das Kind an einen Zeitraum von zehn Tagen rund um den Geburtstermin. Der voraussichtliche Geburtstag eines Babys wird üblicherweise errechnet, indem zum Beginn der letzten Periode 280 Tage addiert werden.

Große natürliche Schwankungen bei Schwangerschaftsdauer

Genau diese Berechnung stellen die neuen Ergebnisse in Frage, denn sie übt einen nicht unerheblichen Druck auf Schwangere und Ärzte aus. „Die natürliche Schwankung der Schwangerschaftsdauer ist größer, als wir dachten“, sagt Studienautorin Jukic. „Das sollten Klinikärzte im Hinterkopf haben, wenn sie darüber entscheiden, die Geburt einzuleiten oder das Baby per Kaiserschnitt zu holen.“

Je älter die Mutter, desto länger dauert die Schwangerschaft

Denn die Schwangerschaftsdauer beeinflussen viele Faktoren – darunter auch das Alter der Mutter. Jedes Lebensjahr schlägt sich demnach im Schnitt in einem zusätzlichen Schwangerschaftstag nieder. Zudem waren diejenigen Frauen länger schwanger, die bereits bei früheren Kindern über dem Datum waren und die selbst als Baby überdurchschnittlich schwer waren. Der BMI hatte in der neuen Studie hingegen keinen Einfluss auf den Geburtstermin.

Zusammenfassung

Die durchschnittliche Schwangerschaftsdauer beträgt laut einer aktuellen Studie 282 statt 280 Tage, wenn man ab dem ersten Zyklustag rechnet. Natürliche Schwankungen sind dabei aber völlig normal: Um den errechneten Geburtstermin beträgt die natürlich Zeitspanne 37 Tage in beide Richtungen. Je älter eine Frau ist und je schwerer sie selbst bei der Geburt war, desto länger dauert ihre Schwangerschaft.

Autor: Sarah Baumann, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 24. September 2018
Quellen
Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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