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Fetale Chirurgie - Operationen im Mutterleib

Fetale Chirurgie - Operationen im Mutterleib
Bei Verdacht auf bestimmte Erkrankungen kann per fetaler Chirurgie weiter untersucht und bereits im Mutterleib operiert werden
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Fetale Chirurgie nennt man Operationen, die am ungeborenen Kind oder an der Plazenta im Mutterleib durchgeführt werden. Bei diesen vorgeburtlichen (pränatalen) Operationen können beispielsweise Herzerkrankungen, Zwerchfellschäden oder Spina bifida behandelt werden.

Vorgeburtliche Eingriffe können auch der Diagnostik dienen. Das Ziel von intrauterinen Operationen ist, den natürlichen Verlauf der Krankheit zu verändern, um Folgeschäden oder den Tod des Ungeborenen abzuwenden.

Fetale Chirurgie zur Diagnostik

Zur Untersuchung mancher Erkrankungen reichen oft herkömmliche Methoden wie Ultraschall nicht aus. In solchen Fällen kann fetale Chirurgie auch zu diagnostischen Zwecken durchgeführt werden. Um eine sichere Diagnose zu erhalten, müssen Spezialisten dann innerhalb der Fruchtblase Tests durchführen, um genauere Untersuchungsergebnisse zu erzielen. So kann zum Beispiel mit einer fetalen Biopsie Gewebe des Kindes entnommen werden, um verschiedene Erbkrankheiten erkennen zu können. Diese Untersuchungen sind oft bereits im zweiten Schwangerschaftsdrittel möglich.

Fetale Operationen zur Behandlung von Erkrankungen

Mittels fetaler Chirurgie können inzwischen einige Erkrankungen des Ungeborenen erfolgreich behandelt werden. Auch die Forschung über Operationen im Mutterleib wird weiter vorangetrieben. Diagnosehilfen wie hochauflösende Ultraschallgeräte tragen hierzu maßgeblich bei, so Professor Berg von der Universitätsfrauenklinik Bonn. Zu den Krankheitsbildern, die im Mutterleib operiert werden können, gehören beispielsweise der sogenannte Hydrothorax, bei dem sich in der Lunge des Ungeborenen Wasser einlagert. Ohne entsprechende Behandlung kann dies zu Schäden an Lunge und Herz des Kindes führen.

Auch bei einer Megazystis (Verengung oder Fehllage der Harnröhre), die meist zu einer extremen Vergrößerung der Harnblase führt, ist eine erfolgreiche Behandlung durch fetale Chirurgie möglich. Hiervon sind vor allem männliche Föten betroffen. Eine Operation im Mutterleib kann bei dieser Symptomatik verhindern, dass das Kind später Lungen- oder Nierenschäden davonträgt.

Bei einer Zwerchfellhernie (Lücke im Zwerchfell) besteht die Gefahr, dass Organe durch diese Lücke in den Raum „rutschen“, der eigentlich der Lunge vorbehalten ist. Ein Verschluss der Zwerchfellhernie bereits im Mutterleib kann schwere Spätfolgen verhindern, wenn keine weiteren Probleme beim Kind vorliegen.

Ein weiteres mögliches Behandlungsgebiet ist die Spina bifida („offener Rücken“). Hier kann sich die Situation des Fötus nach einer Operation im Mutterleib teilweise erheblich verbessern. Dieses Krankheitsbild kann seit den 1990er Jahren mit fetaler Chirurgie behandelt werden.

Fetale Chirurgie ist nur in wenigen Kliniken möglich

Die fetale Chirurgie wird zwar schon seit den 1960er Jahren angewandt und weiter erforscht, jedoch ist sie ein sehr spezielles Fachgebiet. Nur wenige Zentren in Deutschland sind daher in der Lage, solche Operationen im Mutterleib durchzuführen.

Fetale Chirurgie ist nicht ohne Risiken

Bei der fetalen Chirurgie gibt es, wie bei allen Eingriffen, Risiken für das ungeborene Kind. Diese können ein vorzeitiger Blasensprung, Frühgeburt oder Verletzungen des Fötus oder der Mutter sein. Die im Mutterleib operierenden Ärzte werden jedoch Wert darauf legen, diese Risiken so gering wie möglich zu halten

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. Januar 2017
Quellen: De Gruyter: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2014. de Gruyter Verlag, Berlin 2013 Online-Informationen der Universitätsfrauenklinik Bonn: www.ukb.uni-bonn.de (Stand: Dezember 2013)

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