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(Wunsch-)Kaiserschnitt oder natürliche Geburt?

Kaiserschnitt oder natürliche Geburt?
Wenn es keinen medizinischen Grund für einen Kaiserschnitt gibt, sollte eine natürliche Geburt bevorzugt werden
(c) fStop

Kaiserschnitte werden immer häufiger, obwohl die Folgen für Mutter und Kind nicht zu vernachlässigen sind und oft unerwähnt bleiben. Dennoch kann der Kaiserschnitt eine sinnvolle medizinische Alternative sein, wenn die Gesundheit der Schwangeren oder des Babys durch eine natürliche Entbindung gefährdet sind.

Der Kaiserschnitt wurde ursprünglich als Not-OP angedacht, wenn es Probleme bei einer natürlichen Geburt gab. So konnte man das Leben von Mutter und Kind retten, wenn es Komplikationen gab. Heute wird er jedoch häufig unnötigerweise empfohlen oder die Frau entscheidet sich für einen sogenannten Wunschkaiserschnitt. Darüber sollte die Schwangere sich jedoch genau informieren und sinnvoll abwägen.

In folgenden Situationen ist der Kaiserschnitt sinnvoll und ermöglicht eine rasche Entbindung:

  • wenn eine vaginale Geburt wegen einer geburtsunmöglichen Lage des Kindes indiziert oder mit einem hohen Verletzungsrisiko für das Kind verbunden ist
  • wenn bei der Mutter eine geburtsrelevante Erkrankung vorliegt
  • wenn unter der Geburt eintretende Komplikationen eine natürliche Geburt ausschließen

In der Phase nach der Geburt treten bei Frauen mit einem Kaiserschnitt im Gegensatz zu Müttern nach einer natürlichen Geburt typische postoperative Probleme und auch gehäuft Komplikationen auf, so Prof. Frank Louwen, Leiter der Abteilung für Geburtsmedizin an der Universitätsfrauenklinik Frankfurt/Main und Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Risiko für Komplikationen nach Kaiserschnitt erhöht

Da für einen Kaiserschnitt die Bauchdecke eröffnet werden muss, sind Schmerzen in der ersten Phase nach der Entbindung normal. Da sich in der Schwangerschaft das Gerinnungssystem der Frau verändert, hat eine Wöchnerin auch nach einer natürlichen Geburt ein erhöhtes Risiko für zum Teil lebensbedrohliche Gerinnungskomplikationen wie Thrombosen oder Lungenembolien. Das Risiko dafür ist nach einem Kaiserschnitt noch höher. Die Sterblichkeitsrate einer gesunden Mutter ist gegenüber einer natürlichen Geburt nur noch um den Faktor 1,7 erhöht; die Wahrscheinlichkeiten für Gebärmutterentfernungen als letzte, lebensrettende Maßnahme bei geburtsbedingten Komplikationen ist nach Kaiserschnitt signifikant erhöht.

Beckenbodensenkungen können durch einen Kaiserschnitt nicht verhindert werden, da sie mit der Schwangerschaft selbst im Zusammenhang stehen. Allerdings scheint eine verlängerte Geburtsdauer in der Phase, in der das Kind durch den Gebärkanal tritt (Austreibungsphase), mit späteren Beckenboden- und Inkontinenzproblemen einher zu gehen.

Probleme beim Baby nach Kaiserschnitt deutlich höher

Die Folgen eines Kaiserschnitts für das Neugeborene wurden lange Zeit vernachlässigt. Nicht selten entstand sogar der Eindruck, das Kind profitiere von einem Kaiserschnitt, sodass für die Mutter der Kaiserschnitt trotz der bekannten erhöhten mütterlichen Morbidität und Mortalität als Alternative im Sinne des Neugeborenen diskutabel erschien. Neue Untersuchungen insbesondere auch der nachbetreuenden Kinderärzte haben verdeutlicht, dass bei einem Kaiserschnitt gegenüber einer natürlichen Geburt sowohl die Kurzzeit- als auch die Langzeitmorbidität der Neugeborenen erhöht ist. Nach einer Sectio caesarea sind Anpassungsstörungen und beatmungspflichtige Komplikationen signifikant erhöht. Die Komplikationsrate ist umso höher, je früher vor der 40. Schwangerschaftswoche der Kaiserschnitt durchgeführt wird.

Ab wann Wunschkaiserschnitt möglich?

Der Wunschkaiserschnitt (oder anderer geplanter Kaiserschnitt) in der 38. Schwangerschaftswoche – wie er noch vor kurzem angeboten wurde – ist mit einer signifikant höheren Rate an Komplikationen des Neugeborenen verbunden, die sogar zu einer intensivmedizinischen Behandlung veranlassen, verglichen mit natürlichen Geburten oder einem Kaiserschnitt in der 40. Schwangerschaftswoche. Deshalb wird ein Wunschkaiserschnitt in der Regel erst ab der 39. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Inzwischen möchten viele Kliniken die ersten Wehen der Frau abwarten, um dann den Kaiserschnitt zu beginnen. Für das Baby ist das deutlich besser - spürt es doch durch die Wehen quasi einen "Startschuss" für seine Geburt.

Wochenbett nach Kaiserschnitt

Im Wochenbett sind ebenfalls sowohl die Rückbildung der Gebärmutter als auch die Stillphase durch einen Kaiserschnitt gestört. So resultiert nach einem Kaiserschnitt ein Bedarf an kontraktionsfördernden Medikamenten; resultierende Blutungskomplikationen treten gehäuft auf, die Schmerzen nach einem Kaiserschnitt müssen zudem medikamentös behandelt werden, auch weil Schmerzen die Ausschüttung des Hormons Oxytocin hemmen, das für das Stillen notwendig gebraucht wird. Wird ein Kaiserschnitt ohne natürlichen Geburtsbeginn durchgeführt, so steigt das Risiko eines primären Oxytozinmangels.

Kinder nach Kaiserschnitt häufiger krank

Besonders bedeutsam sind die Studienergebnisse aus den vergangenen fünf Jahren. Sie verdeutlichen, dass ein Kaiserschnitt auch bedeutsame Einfluss auf das weitere Leben des Neugeborenen und insbesondere auf immunitätsbedingte Erkrankungen hat. Kinder nach Kaiserschnitt scheinen signifikant häufiger an Asthma, Allergien, Diabetes mellitus und Zöliakie zu erkranken. Warum das so ist, ist noch nicht aufgeklärt, dennoch haben diese Befunde direkte Konsequenzen für die Aufklärung von Frauen insbesondere bei einem Wunschkaiserschnitt ohne medizinische Indikation.

Wunschkaiserschnitt : Bei weiterem Kinderwunsch nicht empfohlen

Besondere Bedeutung kommt aber dem Risiko für alle folgenden Schwangerschaften zu, das aus einem Kaiserschnitt resultiert. Dementsprechend ist von einem Kaiserschnitt ohne medizinische Indikation dringend abzuraten, wenn weiterer Kinderwunsch besteht so Prof. Frank Louwen. Ein voraus gegangener Kaiserschnitt birgt nicht nur das Risiko, dass Verletzungen aus der Gebärmutternarbe bei Folgeschwangerschaften entstehen könnten. Wesentlich bedeutsamer sind aber auch die sogenannten Plazentationsstörungen. Darunter wird sowohl der „falsche Sitz“ des Mutterkuchens direkt vor dem  Muttermund verstanden, die sogenannte Plazenta prävia. Sie birgt nicht nur das sehr stark erhöhte Risiko für eine Frühgeburt in der Folgeschwangerschaft, sondern für Mutter und Kind lebensbedrohliche Blutungen. Direkt mit der Anzahl vorausgegangener Kaiserschnitte sind auch Mutterkuchenkomplikationen verbunden, die durch ein tiefes Einwachsen des Mutterkuchens in die Gebärmutterwand entstehen (Plazenta accreta/increta).

Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt?

Dennoch sind Folge-Kaiserschnitte keine Einzelfälle, sondern ein häufiges Phänomen. Auf einen Kaiserschnitt muss jedoch nicht zwangsläufig ein weiterer folgen - es ist durchaus möglich, nach einem Kaiserschnitt spontan zu entbinden. Unter optimalen Bedingungen können auch nach einem vorangegangen Kaiserschnitt durch eine vaginale Entbindung die Folgekomplikationen sogar reduziert werden.

Kaiserschnitt in vielen Fälllen sinnvoll

Ein Kaiserschnitt ist immer dann eine gute und geeignete Geburtsmethode, wenn die Gesundheit von Mutter und Kind durch eine natürliche Entbindung gefährdet sind. Dabei ist die operative Methode des Kaiserschnittes insbesondere unter PDA (Spinalanästhesie) mit geringer mütterlicher direkter Komplikationsrate im Vergleich zu früheren Jahrzehnten verbunden. Lachgas, das derzeit in der angloamerikanischen Literatur wieder diskutiert wird, kann Sauerstoffmangel verursachen.

Was Frauen mit Wunschkaiserschnitt wissen sollten

Wenn eine Schwangere ohne eine medizinische Indikation einen Kaiserschnitt wünscht, zum Beispiel weil sie Angst vor den Geburtsschmerzen hat, dann sollte sie wissen, dass der Eingriff selbst zwar in der Klinik sicher durchgeführt werden kann. Aber sie muss auch wissen, dass sie damit Risiken für das Kind sowohl direkt nach der Geburt als auch für das spätere Leben, für sich selbst und für weitere Schwangerschaften in Kauf nimmt. Insbesondere ist auch der Geburtszeitpunkt bei geplantem Kaiserschnitt mit den sich daraus ergebenden Komplikationsraten relevant. Die Aufklärung der werdenden Mütter muss diese Erkenntnisse berücksichtigen.

In einigen Kliniken wird mittlerweile die Kaisergeburt durchgeführt. Bei der Kaisergeburt wird es der Mutter ermöglichst, die Vorgänge unter der Geburt mitzuerleben.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 25. Januar 2017
Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Kaiserschnitt oder natürliche Geburt – keine schwierige Entscheidung? (Stand: Oktober 2012)

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