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Sonntag, 19. November 2017
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Tipps von der Hebamme für Geburt & Kreißsaal

Tipps von der Hebamme für Geburt & Kreißsaal
Die ersten Stunden als „neue“ Familie sind besonders, einzigartig und wichtig
(c) iStock

Wie wird die Geburt? Was erwartet mich im Kreißsaal? Werde ich die Schmerzen aushalten? Viele Fragen dieser Art beschäftigen Schwangere, vor allem Erstgebärende. Wir haben mit Hebammen gesprochen und schonungslos ehrliche Antworten bekommen.

1. Eine Geburt kann man nicht planen!

Romantische Vorstellungen von der Geburt haben viele Frauen. Das Kind soll im Wasser ins Leben gleiten, eine PDA soll es auf keinen Fall sein und überhaupt wird alles ganz harmonisch ablaufen. Falsch. Denn es kommt meistens anders, als man vorher denkt. Eine Geburt ist mit Ausnahme des Wunschkaiserschnitts nicht planbar. Sie wird so ablaufen, wie sie ablaufen wird, aber ohne Ihre Planung dabei zu berücksichtigen. Lassen Sie sich darauf ein und überfordern Sie sich nicht mit Ihrem eigenen Ehrgeiz. Vertrauen Sie auf sich und Ihr Kind. Dafür wird die Geburt Ihres Kindes einzigartig und ein einmaliges Erlebnis werden. Sinnvoll ist es, sich in der Schwangerschaft bei einer Hebamme anzumelden, die sie entweder vor oder nach oder auch während der Geburt betreuen kann.

2. Rufen Sie Ihre Hebamme an, wenn Sie unsicher sind, aber nur dann, wenn es auch sinnvoll ist.

Natürlich ist eine Schwangerschaft ein einzigartiges Erlebnis, das vor allem neu ist und es gibt sicher immer mal wieder Situationen, in denen Sie mit Ihrer Hebamme abklären möchten, ob wirklich alles in Ordnung ist. Dafür ist sie auch gerne da. Aber wenn es beispielsweise bereits seit drei Tagen im Bauch zieht, müssen Sie nicht nachts um vier Uhr bei der Hebamme anrufen. Der Bereitschaftsdienst – übrigens auch im Krankenhaus – sollte nicht für jede Kleinigkeit gerufen werden, sonst werden Sie automatisch nach dem zehnten Anruf (oder Auftauchen im Krankenhaus) nicht mehr ernst genommen. ABER: Sollten Sie Blutungen, Wehen oder einen Blasensprunghaben, so sollten Sie unbedingt Ihre Hebamme anrufen!

3. Verlieren Sie Ihre Hemmungen und lassen los!

Eine Geburt ist eine absolute Ausnahmesituation. Sie dürfen schreien, brüllen, kreischen und laut schimpfen. Also tun Sie es auch, wenn Ihnen danach ist! Machen Sie sich keine Gedanken darüber, was irgendjemand denkt. Alle Personen im Kreißsaal erleben dies täglich. Sie haben schon alles gesehen und gehört. Sie müssen sich für nichts schämen unter der Geburt - je ungezwungener und natürlicher Sie sich unter der Geburt verhalten, desto besser verläuft in den meisten Fällen die Geburt.

4. Hören Sie auf Ihre Hebamme!

Die Hebamme ist bei der Geburt Ihre Verbündete, die alles im Auge behält und genau sieht, wie weit die Geburt voranschreitet und im Zweifelsfall beratend eingreifen wird, wenn irgendetwas nicht optimal verläuft. Hören Sie auf ihre Kommandos „Pressen“ und noch wichtiger „Nicht pressen!“. So können Sie möglicherweise einen Dammriss verhindern.

5. Männer: Haltet Euch zurück!

Werdende Väter sind oft mindestens so aufgeregt wie ihre Frauen. Aber: Sie sind „nur“ Begleiter im Kreißsaal. Männer sollten an der Seite ihrer Frau sein, aber sich nicht aufdrängen Sie sollten reagieren, wenn die Frau etwas möchte, aber nicht ständig fragen, was sie tun können oder gar eigenmächtig handeln. Keinesfalls sollten Sie auch das medizinische Personal im Kreißsaal mit dauernden Fragen löchern, ob dieses oder jenes richtig sei und warum jetzt das und das gemacht werde. Ärzte und Hebammen werden den Mann mit einbinden und automatisch über die wichtigsten Punkte informieren.  Und: Auch die Männer müssen lernen zu vertrauen: in die Fähigkeiten ihrer Frauen, in die Kompetenz des betreuenden Personals und sie sollten sich mit der eigenen Macht beziehungsweise Hilflosigkeit während der Geburt auseinandersetzen. Frisch gebackene Väter sollten auch die erste Zeit im Kreißsaal mit ihrer neuen Familie zum Bonding und Kennenlernen nutzen, statt loszurennen, dauerhaft zu telefonieren und freudig Nachrichten zu verschicken. Diese ersten Stunden als „neue“ Familie sind besonders, einzigartig und wichtig.

6. Sie können stolz auf sich sein!

Ihr Baby ist endlich geboren und sie sind nun Mutter. Darauf können Sie mächtig stolz sein, sie haben gemeinsam mit Ihrem Baby eine Meisterleistung vollbracht. Genießen Sie es und kuscheln und beschnuppern Sie sich, statt jetzt schon eine ausgiebige Fotosession zu machen. Diese Glücksmomente lassen sich nicht in Bildern festhalten, sondern „nur“ erspüren. Wenn Sie aber in diesem wunderbaren Moment gerne ein paar Bilder machen möchten, achten Sie darauf, dass ohne Blitz fotografiert wird, denn die Augen Ihres Babys sind noch sehr empfindlich.

7. Geschenk an die Hebamme: Verschenken Sie keine Pralinen oder ähnliches!

Bei fast allen Hebammen stapeln sich die Pralinenschachteln zu Hause. Wenn sie die alle essen würden, könnten Sie vermutlich ihren Beruf gar nicht mehr ausüben. Spaß beiseite: Es ist von den meisten Menschen gut gemeint und eine nette, aber keinesfalls verpflichtende Geste. Wenn Sie Ihrer Hebamme etwas schenken möchte, dann versuchen Sie etwas Persönliches für die Hebamme zu finden, was Ihre Dankbarkeit auch entsprechend ausdrückt.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 18. Oktober 2017
Quellen: Höfer S., Dr. Scholz A.: Meine Schwangerschaft. Gräfe und Unzer Verlag, München 2014

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