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Alternative zur Krankenhaus- und Hausgeburt

Geburt im Geburtshaus

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 16. Oktober 2019

Geburt in intimer Atmosphäre: Im Geburtshaus werden Frauen nur von Hebammen betreut. Bereits wenige Stunden nach der Geburt können Mutter und Kind wieder nach Hause gehen.

Geburt im Geburtshaus
Im Geburtshaus findet die Entbindung in vertrauensvoller, ruhiger Atmosphäre, unterstützt durch Hebammen, statt.
© iStock.com/nataistock

Als Alternative zur Geburt im Krankenhaus und zur Hausgeburt erfreut sich das Geburtshaus immer größerer Beliebtheit. Geburtshäuser sind hebammengeleitete Einrichtungen (HgE), in der außerklinische Geburten stattfinden. Sie eignen sich für Frauen, deren Schwangerschaft komplikationslos verlief und die sich eine intimere Atmosphäre für ihre Entbindung wünschen.

Oft entscheiden sich Frauen, die bereits Kinder haben, beim zweiten oder späteren Kind für das Geburtshaus. Spricht aus medizinischer Sicht nichts dagegen, kann bereits das erste Kind im Geburtshaus zur Welt kommen. Die Kosten für die Geburt im Geburtshaus werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

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Was ist ein Geburtshaus?

Ein Geburtshaus wird in der Regel von einer oder mehreren Hebammen geleitet. Oft haben sich mehrere Hebammen zusammengeschlossen, um im Geburtshaus die umfassende Betreuung der werdenden Mütter anzubieten: von der Schwangerschaftsvorsorge über Kurse zur Geburtsvorbereitung bis hin zur Entbindung. Auch Rückbildungskurse bieten viele Geburtshäuser an. Neben Hebammen sind in einigen Geburtshäusern Physiotherapeutinnen, Kinderpflegerinnen, Stillberaterinnen, Yogalehrerinnen, Pädagoginnen und weitere Expertinnen tätig. Kurse, Beratungen und Programme sind von Geburtshaus zu Geburtshaus unterschiedlich. Einige bieten auch Stilltreffs und Mutter-Kind-Kurse, zum Beispiel PEKiP oder Babymassage, an.

Die Entbindung hat im Geburtshaus weniger "Krankenhausatmosphäre", da sich hier alles um die gebärenden Frauen dreht. Geburten im Geburtshaus sind interventionsarm. Hier fühlen sich viele Schwangere gut aufgehoben, weil die Umgebung weniger steril und technisch als im Krankenhaus ist. Schön gestaltete Räume, Ruhe und verschiedene Hilfsmittel, zum Beispiel Gebärwanne für die Wassergeburt oder ein Entbindungshocker stehen zur Verfügung. Die Schwangere soll selbstbestimmt gebären und sich die für sie passende Gebärhaltung aussuchen können. Im Geburtshaus erfolgt in der Regel kein Schichtwechsel, das heißt, eine Hebamme betreut die werdende Mutter während der gesamten Geburt.

Ärzte sind in Geburtshäusern nicht tätig. Oft sind Geburtshäuser aber an eine Klinik oder eine Frauenarztpraxis angeschlossen. Wenn etwa Komplikationen während der Geburt auftreten, besteht für die Hebammen immer die Möglichkeit, sehr rasch einen Arzt beziehungsweise eine Klinik hinzuzuziehen. Sollte die Verlegung in ein Krankenhaus notwendig werden, kann dies aufgrund von Vereinbarungen zwischen Geburtshäusern und Kliniken schnell und unbürokratisch erfolgen.

Wie läuft die Geburt im Geburtshaus ab?

Im Geburtshaus wird meist ambulant entbunden. Nach der Geburt wird das Baby der Neugeborenen-Erstuntersuchung (U1) unterzogen und Mutter und Kind bekommen ausreichend Zeit, um sich in Ruhe kennenzulernen. Fühlen sich beide wohl, geht die frisch gebackene Mutter mit ihrem Baby einige Stunden nach der Geburt nach Hause. Sie erholt sich dort im gewohnten und ruhigen Umfeld von der Entbindung. Daheim wird sie von einer Nachsorgehebamme im Wochenbett betreut.

Im Grunde stellt die Geburt im Geburtshaus einen Mittelweg zwischen der Klinikgeburt und der Hausgeburt dar. Wer im Geburtshaus entbinden möchte, sollte sich vorher überlegen, wie die Entbindung ablaufen soll. So werden im Geburtshaus zum Beispiel keine Medikamente verabreicht, auch nicht zur Schmerzlinderung. Viele Hebammen geben zwar homöopathische oder naturheilkundliche Mittel oder unterstützen die Schwangere mit Akupunktur oder Massagen. Das Legen einer Periduralanästhesie (PDA) ist aber nicht möglich. Auch Kaiserschnitte lassen sich im Geburtshaus nicht durchführen. Wird ein Kaiserschnitt nötig, erfolgt die rasche Verlegung in eine Klinik.

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Für wen eignet sich die Geburt im Geburtshaus?

Wenn während der Schwangerschaft keine Komplikationen auftraten, es sich nicht um eine Risikoschwangerschaft handelt und das Baby in Schädel-Steiß-Lage (mit dem Köpfchen nach unten) liegt, steht einer Geburt im Geburtshaus nichts im Wege. Der Frauenarzt muss dem zustimmen.

Mögliche Gründe, die gegen das Geburtshaus sprechen:

Verlegung in Klinik bei Komplikationen während der Geburt

Manchmal kann es passieren, dass dringende Gründe dafür sprechen, die werdende Mutter in ein Krankenhaus zu verlegen. Die Geburtshäuser sind darauf vorbereitet und können in solchen Fällen schnell und unkompliziert reagieren. Viele Häuser sind an Kliniken angeschlossen, sodass die Wege recht kurz sind. Die Entscheidung für eine Verlegung trifft die geburtsleitende Hebamme.

Unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation kann das erfolgen bei:

Wie finde ich das richtige Geburtshaus?

In jeder größeren Stadt gibt es mittlerweile Geburtshäuser. Ein Verzeichnis aller Geburtshäuser in Deutschland findet man nach Bundesland sortiert auf der Website des Deutschen Hebammenverbandes. Um die Einrichtung und die Mitarbeiterinnen kennenzulernen, empfiehlt es sich, frühzeitig einen Kennenlerntermin wahrzunehmen. Die meisten Geburtshäuser bieten regelmäßig kostenlose Infoabende an. Einige Frauen entscheiden sich, auch die Schwangerschaftsvorsorge im Geburtshaus vornehmen zu lassen. Das hat den Vorteil, schon mit den Menschen und Räumlichkeiten vertraut zu sein. Grundsätzlich empfiehlt sich die frühzeitige Anmeldung im Geburtshaus.

Welche Kosten entstehen bei der Geburt im Geburtshaus?

Die Kosten einer Geburt im Geburtshaus werden in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Einige Krankenkassen übernehmen zumindest anteilig die Kosten für die Rufbereitschaft der Hebammen. Es empfiehlt sich, im Vorfeld die Kostenübernahme mit der eigenen Krankenkasse zu klären.

Gebühren für Geburtsvorbereitungskurse oder Rückbildungskurse, die im Geburtshaus absolviert werden, übernehmen die Krankenkassen ebenfalls. Bei privat Versicherten kommt es auf die im individuellen Vertrag festgehaltenen Leistungen an.

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 16. Oktober 2019
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