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Dienstag, 26. September 2017
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Geburt im Geburtshaus

Geburt im Geburtshaus
Im Geburtshaus findet die Entbindung in vertrauensvoller, ruhiger Atmosphäre, unterstützt durch Hebammen, statt
iStock/nataistock

Die Geburt im Geburtshaus ist eine Alternative zur Geburt im Krankenhaus und zur Hausgeburt. Sie eignet sich für werdende Mütter, deren Schwangerschaft komplikationslos verlief und die sich eine intimere Atmosphäre für ihre Entbindung wünschen.

Spricht aus medizinischer Sicht nichts dagegen, kann auch das erste Kind im Geburtshaus zur Welt kommen. Es empfiehlt sich die frühzeitige Anmeldung, da sich Geburtshäuser immer größerer Beliebtheit erfreuen. Die Kosten für die Geburt im Geburtshaus werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Was ist ein Geburtshaus?

Ein Geburtshaus wird in der Regel von einer oder mehreren Hebammen geleitet. Oft haben sich mehrere Hebammen zusammengeschlossen, um im Geburtshaus die umfassende Betreuung der werdenden Mütter anzubieten: von der Schwangerschaftsvorsorge über Kurse zur Geburtsvorbereitung bis hin zur Entbindung. Auch Rückbildungskurse bieten viele Geburtshäuser an. Neben Hebammen sind in einigen Geburtshäusern Physiotherapeutinnen, Kinderpflegerinnen, Stillberaterinnen, Homöopathinnen, Yogalehrerinnen, Pädagoginnen und weitere Expertinnen tätig. Kurse, Beratungen und Programme sind von Geburtshaus zu Geburtshaus unterschiedlich. Einige bieten auch Stilltreffs und Mutter-Kind-Kurse, zum Beispiel PEKiP oder Babymassage, an.

Die Entbindung hat im Geburtshaus weniger "Krankenhausatmosphäre", da sich hier alles um (werdende) Mütter und die Geburt dreht. Hier fühlen sich viele Schwangere gut aufgehoben, weil die Umgebung weniger steril und technisch als im Krankenhaus ist. Schön gestaltete Räume, Ruhe und verschiedene Hilfsmittel, zum Beispiel Gebärwanne für die Wassergeburt, Entbindungshocker und weitere stehen hier zur Verfügung. Im Geburtshaus erfolgt in der Regel kein Schichtwechsel, das heißt, eine Hebamme betreut die werdende Mutter während der gesamten Geburt.

Ärzte sind in Geburtshäusern nicht tätig. Oft sind Geburtshäuser aber an eine Klinik oder eine Frauenarztpraxis angeschlossen. Wenn etwa Komplikationen während der Geburt auftreten, besteht für die Hebammen immer die Möglichkeit, sehr rasch einen Arzt beziehungsweise eine Klinik hinzuzuziehen. Sollte die Verlegung in ein Krankenhaus notwendig werden, kann dies aufgrund von Vereinbarungen zwischen Geburtshäusern und Kliniken schnell und unbürokratisch erfolgen.

Wie läuft die Geburt im Geburtshaus ab?

Im Geburtshaus wird meist ambulant entbunden. Nach der Geburt wird das Baby der Neugeborenen-Erstuntersuchung (U1) unterzogen und Mutter und Kind bekommen ausreichend Zeit, um sich in Ruhe kennenzulernen. Wenn beide sich wohlfühlen, geht die frisch gebackene Mutter mit ihrem Baby einige Stunden nach der Geburt wieder heim. Sie erholt sich zu Hause im gewohnten und ruhigen Umfeld von der Entbindung. Dort wird sie von einer Hebamme im Wochenbett betreut.

Im Grunde stellt die Geburt im Geburtshaus einen Mittelweg zwischen der Klinikgeburt und der Hausgeburt dar. Wer überlegt, im Geburtshaus zu entbinden, sollte sich vorher überlegen, wie die Entbindung ablaufen soll. So werden im Geburtshaus zum Beispiel keine Medikamente verabreicht, auch nicht zur Schmerzlinderung. Viele Hebammen geben zwar homöopathische oder naturheilkundliche Mittel oder unterstützen die Schwangere mit Akupunktur oder Massagen, das Legen einer Periduralanästhesie (PDA) ist aber nicht möglich. Auch Kaiserschnitte lassen sich im Geburtshaus nicht durchführen. Hier ist dann im Notfall die rasche Verlegung in eine Klinik wichtig.

Für wen eignet sich die Geburt im Geburtshaus?

Wenn während der Schwangerschaft keine Komplikationen auftraten, es sich nicht um eine Risikoschwangerschaft handelt und das Baby in Schädel-Steiß-Lage (mit dem Köpfchen nach unten) liegt, steht einer Geburt im Geburtshaus nichts im Wege. Der Frauenarzt muss sein OK geben. Mögliche Gründe, die gegen eine Geburt im Geburtshaus sprechen:

Komplikationen während der Geburt, bei denen in eine Klinik verlegt wird

Manchmal kann es passieren, dass dringende Gründe dafür sprechen, die werdende Mutter in ein Krankenhaus zu verlegen. Die Geburtshäuser sind darauf vorbereitet und können in solchen Fällen schnell und unkompliziert reagieren. Viele Häuser sind auch an Kliniken angeschlossen, sodass die Wege recht kurz sind. Die Entscheidung für solch eine Verlegung trifft die geburtsleitende Hebamme. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation kann das erfolgen bei

Wie finde ich das richtige Geburtshaus?

In jeder größeren Stadt gibt es mittlerweile Geburtshäuser. Ein Verzeichnis aller Geburtshäuser in Deutschland findet man nach Bundesland sortiert auf der Webseite des Deutschen Hebammenverbandes. Um die Einrichtung und die Mitarbeiterinnen kennenzulernen, empfiehlt es sich, frühzeitig einen Kennenlerntermin wahrzunehmen. Die meisten Geburtshäuser bieten regelmäßig kostenlose Infoabende an. Einige Frauen entscheiden sich, auch die Schwangerschaftsvorsorge im Geburtshaus vornehmen zu lassen. Das hat den Vorteil, schon mit den Menschen und Räumlichkeiten vertraut zu sein, was sich sicherlich auch positiv auf die Geburt auswirken kann.

Es empfiehlt sich die frühzeitige Anmeldung im Geburtshaus.

Welche Kosten entstehen bei der Geburt im Geburtshaus?

Die Kosten einer Geburt im Geburtshaus werden in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Einige Krankenkassen übernehmen zumindest anteilig die Kosten für die Rufbereitschaft der Hebammen. Es empfiehlt sich, im Vorfeld Kontakt zur eigenen Krankenkasse aufzunehmen, um die Kostenübernahme zu klären.

Gebühren für Geburtsvorbereitungskurse, die im Geburtshaus absolviert werden, übernehmen die Krankenkassen ebenfalls (bis zu 14 Stunden). Auch bis zu zehn Stunden Rückbildungskurse werden von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt. Bei privat Versicherten kommt es auf die im individuellen Vertrag festgehaltenen Leistungen an.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. Juni 2017
Quellen: Höfer, S., Scholz, Dr. med. A.: Meine Schwangerschaft. Gräfe und Unzer, München 2014; Online-Informationen des Deutschen Hebammenverband e.V.: www.hebammenverband.de (Stand: Mai 2016)

Beiträge im Forum "Geburtstermin September/Oktober 2017"
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