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Säuglingsnahrung: Zu viel Proteine sind schlecht fürs Kind

Zu viel Proteine (Eiweiße) sind schlecht fürs Kind
Säuglingsnahrung enthält mehr Eiweiß als Muttermilch und hat langfristig Auswirkungen auf den Stoffwechsel
(c) Comstock Images

Der Proteingehalt in der Säuglingsnahrung beeinflusst Körpergewicht und BMI der Kinder noch Jahre später. Das konnten Forscher in einer neuen Studie nachweisen.

Die Ernährung während der Schwangerschaft und in der frühen Kindheit hat Folgen für das ganze Leben. Sie wirkt sich auf das kindliche Wachstum aus und beeinflusst lebenslang den Stoffwechsel. „Einer der besten Indikatoren, um das spätere Risiko vorherzusagen, übergewichtig zu werden, ist die Gewichtszunahme während des ersten Lebensjahres“, sagt Professor Berthold Koletzko, Leiter der Abteilung Stoffwechsel und Ernährung am Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU in München.

Gehalt an Eiweißen (Proteinen) hat Einfluss auf Übergewichtsrisiko

Wie entscheidend dabei der Proteingehalt der Nahrung im Säuglingsalter ist, konnte Koletzko nun mit seinem Team in einer Studie nachweisen. Die Wissenschaftler verfolgten den Body-Mass-Index (BMI) und die Gewichtszunahme von zwei Gruppen von Kindern, die als Babys Säuglingsnahrung mit unterschiedlichem Eiweißgehalt erhielten. „Kinder, deren Säuglingsnahrung einen höheren Proteingehalt hatte, hatten im Alter von sechs Jahren einen deutlich höheren BMI. Ihr Risiko, übergewichtig zu werden, war fast zweieinhalb mal höher als das jener Kinder, die proteinärmere Nahrung erhielten“, sagt Koletzko.

Langfristige Folgen für den Stoffwechsel

Der Body Mass Index bewertet das Körpergewicht im Verhältnis zur Größe. Er gilt bei Kindern und Kleinkindern als Maß für eine gesunde Entwicklung. Koletzko hat die Kinder erstmals im Jahr 2002 untersucht. In früheren Studien konnte Koletzko bereits zeigen, welche Folgen Säuglingsnahrung mit einem höheren Proteingehalt für die ersten beiden Lebensjahre hat: Die Kinder legten im ersten Jahr mehr an Gewicht zu und waren im Alter von zwei Jahren schwerer als Kinder, die Nahrung mit weniger Protein erhielten.

Die Folgeuntersuchung mit den Kindern, die inzwischen sechs Jahre alt waren, zeigte nun, wie langfristig die Ernährung im Säuglingsalter das Gewicht der Kinder bestimmt. „Das erhöhte Risiko, im Alter von sechs Jahren übergewichtig zu sein, deutet darauf hin, dass die höhere Proteinzufuhr bei Babys nicht nur zu einer schnelleren Gewichtszunahme führt. Offenbar sind damit auch langfristige Auswirkungen auf den Stoffwechsel verbunden“, sagt Koletzko.

Eiweißgehalt in Säuglingsnahrung sollte dem von Muttermilch entsprechen

Die Entwicklung der Säuglinge beider Gruppen wurde mit der Entwicklung gestillter Babys verglichen. Kinder, deren Nahrung dem Proteingehalt der Muttermilch entsprach, waren später auch in der Gewichtszunahme und bei der Entwicklung des BMI mit gestillten Kindern vergleichbar.

„Eine optimale Ernährung von Säuglingen ist enorm wichtig, da sie die Grundlagen für die künftige Gesundheit legt“, sagt Koletzko. Die Studienergebnisse sind für die öffentliche Gesundheitsvorsorge von Bedeutung. „Momentan führen Säuglingsnahrung und ergänzende Nahrung für Babys zu Proteineinnahmen, die höher sind als empfohlen“, sagt Koletzko. „Die Empfehlung an Mütter, zu stillen, und eine Reduktion des Proteingehalts in der Säuglingsnahrung sind wichtige Präventionsmaßnahmen, damit Kinder nicht übergewichtig werden.“

Autor:
Letzte Aktualisierung: 21. Oktober 2015
Quellen: Lower protein content in infant formula reduces BMI and obesity risk at school age: follow-up of a randomized trial. In: American Journal of Clinical Nutrition; Doi: 10.3945/ajcn.113.064071 (http://ajcn.nutrition.org/content/early/2014/03/12/ajcn.113.064071.abstract)

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