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Sonntag, 19. November 2017
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Wochenbett - Zeit für Mutter und Kind

Wochenbett - Zeit für Mutter und Kind
Das Wochenbett ist eine wichtige Zeit für Mutter und Kind
iStock/FatCamera

Der Begriff Wochenbett stammt aus früheren Zeiten, wo eine Mutter nach der Geburt von der Großfamilie umsorgt wurde, um sich von den Strapazen der Geburt erholen zu können. Leider ist dies heute oft nicht mehr möglich, manche Frauen sind schon froh, wenn sie wenige Tage Ruhe haben, um sich etwas zu erholen.

Das Wochenbett (auch Kindbett oder Puerperium) beginnt aus medizinischer Sicht, sobald die Nachgeburt ausgestoßen ist. Die Dauer des Wochenbetts beträgt sechs bis acht Wochen. In dieser Zeit steht die Frau noch unter medizinischer Beaufsichtigung, damit alle Wunden gut heilen.

Wochenbett als nötige Ruhephase

Die Zeit des Wochenbetts dient der Erholung der Mutter von Schwangerschaft und Geburt. Selbst in früheren Zeiten, als mit Schwangeren nicht zimperlich umgegangen wurde und sie unter anderem bis zur Geburt auf dem Feld arbeiteten, wurde hingegen das Wochenbett sehr ernst genommen. Die Wöchnerin musste eine Woche Bettruhe halten und durfte sechs Wochen das Haus nicht verlassen, um die nötige Ruhe sicherzustellen.

Der Körper benötigt diese Zeit der Anpassung, um sich von den körperlichen Veränderungen der Schwangerschaft und den Strapazen der Geburt zu erholen. Auch muss die Milchproduktion geregelt werden, eventuelle Geburtsverletzungen müssen heilen, um Kindbettfieber (Puerperalfieber) zu vermeiden und der Körper macht anstrengende hormonelle Veränderungen im Wochenbett durch. Das neugeborene Baby muss sich an das Leben außerhalb des Mutterleibs gewöhnen, was eine große Umstellung bedeutet.

Frühwochenbett – wichtige Ruhezeit

Die ersten sieben Tage nach der Geburt werden als Frühwochenbett bezeichnet. In dieser Zeit finden die größten Veränderungen statt. Selbst eine Frau, die eine ambulante Geburt gewählt hat, muss nach der Entbindung vier Stunden im Kreißsaal bleiben, da Blutdruck, Temperatur und Gebärmutterstand überprüft werden müssen. Der Wochenfluss (Lochien) setzt ein, der aus Wundsekret der Ablösungsstelle des Mutterkuchens (Plazenta) in der Gebärmutter besteht. Soalnge der Wochenfluss besteht, sollte Baden vermieden werden, da die Frau sich leicht infizieren kann.

Durch das rasche Absinken der Hormone setzt die Rückbildung der Gebärmutter ein. Dies geht mit starken Nachwehen einher und ist oft schmerzhaft. Auch beim Stillen, wo Oxytocin freigesetzt wird, wird die Gebärmutterrückbildung angeregt.

Wochenbettgymnastik unterstützt Rückbildung

Mit leichter Gymnastik wie Atem-, Kreislauf- Beckenboden- und Bauchmuskelübungen kann im Wochenbett bereits langsam begonnen werden. In vielen Krankenhäusern gibt es PhysiotherapeutInnen, die der Wöchnerin erste einfache Übungen zeigen. Oft übernimmt dies auch die Hebamme. Allerdings sollte in den ersten sechs Wochen nach der Geburt unbedingt auf schweres Heben und körperliche Belastung verzichtet werden. Auch die eigentliche Gymnastik soll frühestens nach sechs Wochen, also nach dem Wochenbett, durchgeführt werden.

Rückbildung - Tipps für den Alltag

Hormonveränderung im Wochenbett

Das rasche Absinken des Schwangerschaftshormons HCG und anderer Hormone kann besonders in den ersten Tagen des Wochenbetts zu Stimmungsschwankungen und psychischer Labilität führen. Das wird als so genannter Baby-Blues bezeichnet. Bis zu 70 Prozent der Wöchnerinnen leiden – meist am zweiten oder dritten Tag nach der Geburt – kurzfristig unter einer vorübergehenden Depression. Viele Frauen verunsichert dies, da sie denken, sie müssten nun überglücklich sein und fühlen sich doch schlecht. Aber das ist ganz normal und hormonell bedingt. Hält diese Stimmung jedoch mehrere Wochen an und besteht auch nach dem Wochenbett, spricht man von einer Wochenbettdepression (postpartale Depression) und die Frau sollte sich ihrer Hebamme oder der Gynäkologin anvertrauen.

Sollten im Wochenbett irgendwelche gesundheitlichen Probleme, wie Kopfschmerzen oder Fieber auftreten, sollte unbedingt die Hebamme kontaktiert werden, um ernste Wochenbettkomplikationen auszuschließen.

Nachsorgehebamme steht zur Seite

In den ersten zehn Tagen nach einer Klinikgeburt steht jeder Mutter auf Kosten ihrer Krankenkasse ein täglicher Besuch einer Hebamme zu. Wurde ambulant oder per Hausgeburt entbunden, so besteht sogar Anspruch auf zwei Mal täglichen Besuch der Hebamme während der ersten zehn Tage nach der Entbindung. Auch im Anschluss daran kann sich die Frau bei Stillproblemen oder anderen Fragen an sie wenden. Zumindest in der ersten Woche sollte die Frau möglichst viel liegen, damit sich die Gebärmutter zurückbilden kann und sich der Milchfluss normalisiert. Stillen kann die Frau auch im Liegen. Die Hebamme kontrolliert die Rückbildung der Gebärmutter, den Wochenfluss, unter Umständen auch die Geburtsverletzung und hilft bei Fragen zum Stillen - auch bei Stillproblemen nach Kaiserschnitt. Auch das Baby wird gewogen und geschaut, ob alles mit ihm in Ordnung ist. Sechs Wochen nach der Geburt, also zum Ende des Wochenbetts hin, steht die Abschlussuntersuchung beim Gynäkologen an.

Sexualität im Wochenbett

Der Wochenfluss ist nicht mit einer normalen Blutung zu vergleichen, da das Blut aus einer Wunde in der Gebärmutter stammt, die vor Infektionen geschützt werden muss. Das bedeutet, dass Sex nach der Geburt mit Kondom prinzipiell möglich ist, wenn keine anderen Gründe, wie eine Damm- oder Kaiserschnittnaht, dagegen sprechen. Allerdings sollte im Frühwochenbett, solange die Blutung noch sehr stark ist, auf Sex definitiv verzichtet werden. Dabei ist es egal, ob das Kind spontan oder per Kaiserschnitt geboren wurde.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 26. August 2017
Quellen: Diedrich, Holzgreve, Jonat, Schultze-Mosgau, Schneider, Weiss: Gynäkologie & Geburtshilfe. Springer, Heidelberg 2007; Stauber, M., Weyerstahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme Verlag Stuttgart 2012; Steck, Hertel, Morgenstern, Patchmann: Kompendium der Geburtshilfe für Hebammen. Springer-Verlag Wien 2008

Beiträge im Forum "Geburtstermin März/April 2017"
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