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Mythos oder Wahrheit?

Stilldemenz: Was tun bei Vergesslichkeit nach der Geburt?

Du bist gerade Mutter geworden und ein bisschen vergesslich? Dann lautet die Diagnose: Stilldemenz. Oder gibt es dieses Phänomen eigentlich gar nicht? Wir verraten dir, was du über dich und dein Gedächtnis in der Stillzeit wissen musst.

Stilldemenz: Was tun bei Vergesslichkeit nach der Geburt?
© Getty Images/Jordi Salas

Kurzübersicht: Stilldemenz

Was ist das? Als Stilldemenz wird ein Phänomen bezeichnet, das bei Müttern nach der Geburt auftreten kann: Sie haben das Gefühl, dass sie vergesslicher sind und sich weniger gut konzentrieren können.

Wie kommt es dazu? Verschiedene Ursachen werden diskutiert: Studien haben gezeigt, dass bereits während der Schwangerschaft Veränderungen im Gehirn stattfinden, auch die Hormonumstellung oder die veränderten Lebensumstände und Schlafmangel können für eine geringere Gedächtnisleistung in dieser Lebensphase verantwortlich sein.

Welche Folgen? Die Stilldemenz ist keine Demenz-Erkankung, die Symptome treten nur vorübergehend auf und es sind keine Spätfolgen zu erwarten. Mütter werden durch die Stilldemenz auch nicht dümmer. Im Gegenteil: Mutterschaft fördert die Fähigkeiten des Gehirns.

Was tun? Nach einiger Zeit verschwindet die Stilldemenz von selbst wieder. Wer seinen Kopf fit halten möchte, sollte generell auf eine gesunde Ernährung, eine ausreichende Trinkmenge sowie regelmäßige Bewegung an der frischen Luft achten. Um die Konzentrationsfähigkeit zu steigern, sollten Eltern außerdem versuchen, das nächtliche Schlafdefizit auszugleichen.

Artikelinhalte im Überblick:

Muttermilch und Stillen: 17 Fakten zum Staunen und Weitererzählen

Stilldemenz: Was ist das?

Als Stilldemenz, „Mommy Brain“ oder „Baby Brain“ wird das Phänomen bezeichnet, dass frisch gebackene Mütter in der ersten Zeit nach der Geburt häufig an Vergesslichkeit leiden, schusselig oder unkonzentriert sind.

Ob es dieses Phänomen tatsächlich gibt, wurde in einigen Studien untersucht – mit teils unterschiedlichen Ergebnissen. Dass zwischen Windeln wechseln und Baby beruhigen häufig andere Dinge in Vergessenheit geraten, können allerdings viele Mütter aus eigener Erfahrung bestätigen: Laut Studien berichten rund 80 Prozent der Mütter davon.

Anzeichen: Wie macht sich eine Stilldemenz bemerkbar?

Welche Symptome von Eltern als Stilldemenz empfunden werden, kann ganz unterschiedlich sein. Manchmal nimmt man die Anzeichen selbst wahr, manchmal weisen einen nahestehende Personen darauf hin.

Häufig werden im Rahmen der Stilldemenz zum Beispiel folgende Symptome beschrieben:

  • Konzentrationsschwäche
  • mangelnde Merkfähigkeit
  • langsame Informationsverarbeitung
  • Wortfindungsschwierigkeiten

Stilldemenz: Welche Ursachen gibt es?

Als Auslöser der Stilldemenz werden verschiedene Ursachen diskutiert, die teilweise mit dem eigentlichen Stillen gar nichts zu tun haben. Die Symptome treten in den ersten Monaten nach der Geburt auf – und fallen daher oft genau in die Stillzeit.

  • Neue Rolle und veränderte Lebensumstände: Wer gerade Mutter geworden ist, hat mit seinem Baby erst einmal alle Hände voll zu tun. Die Gedanken kreisen vor allem um den Säugling. Plötzlich stellt ein kleiner Mensch den Alltag auf den Kopf, man ist für das Wohlergehen einer anderen Person verantwortlich – und das rund um die Uhr. Da ist es vollkommen verständlich, dass die Konzentration auf Kleinigkeiten – wie zum Beispiel den Aufenthaltsort des Autoschlüssels – nachlässt.

  • Schlafmangel: Einen erheblichen Faktor könnte auch der Schlafmangel darstellen: Wer ständig zu wenig schläft, büßt an Gedächtnisleistung ein. Dies wäre dann auch eine Begründung dafür, dass Väter ebenfalls an Symptomen der Stilldemenz leiden können.

  • Hormonumstellungen in der Schwangerschaft: Einige Untersuchungen lassen vermuten, dass nicht erst die Hormone nach der Geburt, sondern bereits die Hormonumstellung in der Schwangerschaft für die Schwangerschaftsdemenz und die anschließende Stilldemenz verantwortlich sein könnten.
    Lesetipp: Hier haben wir alle Informationen zur Schwangerschaftsdemenz und den Ursachen für dich zusammengestellt.

  • Hormonumstellung nach der Geburt: Schon mit der Geburt der Plazenta hat sich der Hormonhaushalt verändert und die Milchbildung wurde angekurbelt. Durch das Saugen des Babys an der Brust schüttet der Körper einen Mix von Hormonen aus: Prolaktin ist für die Milchbildung verantwortlich, Oxytocin für den Milchtransport von den Milchgängen in Richtung Brustwarzen. Und noch mehr: Die hohe Oxytocin-Konzentration bewirkt, dass sich Mutter und Kind regelrecht ineinander verlieben. Deshalb wird dieser Botenstoff auch als Bindungshormon bezeichnet. Oxytocin wird nicht nur beim Stillen ausgeschüttet, sondern auch immer dann, wenn das Baby weint oder Mutter und Kind kuscheln. Babys selbst schütten das Hormon ebenfalls aus, wenn sie gestillt werden. Dadurch lassen sie sich beim Stillen beruhigen oder schlafen ein. In der Stillzeit sind Mutter und Kind also rundherum in Oxytocin-Nebel gehüllt und schweben gemeinsam auf Wolke sieben. Da könnte es durchaus möglich sein, dass der Rest der Welt schon einmal etwas in Vergessenheit gerät.

  • Veränderungen im Gehirn: Wie die Wissenschaft festgestellt hat, verändert sich das Gehirn während der Schwangerschaft tatsächlich. Aber es „schrumpft“ nicht einfach, wie manchmal angenommen, sondern nimmt strukturelle Veränderungen vor. Also eine Art Feintuning, damit Mütter besser auf die Signale ihres Säuglings reagieren können. Das kann möglicherweise erklären, warum nicht nur stillende Mütter betroffen sind: Auch bei Frauen, die ihren Kindern die Flasche geben, können sich Symptome der Stilldemenz bemerkbar machen.

Welche Folgen hat die Stilldemenz?

Auch wenn die Schusseligkeit von Müttern gerne als Stilldemenz bezeichnet wird, steht sie nicht im Zusammenhang mit dem Krankheitsbild einer richtigen Demenz wie zum Beispiel einer Alzheimer-Erkrankung. Bei einer Stilldemenz handelt es sich lediglich um eine kurzzeitige Konzentrationsstörung. Im Gegensatz zum Krankheitsbild von Alzheimer kommt es bei einer Stilldemenz nicht zu geistigen Leistungseinschränkungen. Die Vergesslichkeit ist kein bleibender Zustand und hat keine Spätfolgen.

Außerdem wichtig zu wissen: Mütter werden durch die Geburt eines Kindes keineswegs dümmer, wie man bei negativen Bezeichnungen wie „stilldoof“ oder ähnlichem vermuten könnte. Auch wenn es für eine gewisse Zeit möglich ist, dass Konzentration und Merkfähigkeit nachlassen, ergaben Studien: Die Mutterschaft selbst wirkt sich eher positiv auf das Gehirn aus. Mütter sind leistungsfähiger und stressresistenter als zuvor.

Hilfe: Was tun gegen Stilldemenz?

Da die Stilldemenz ohnehin von alleine wieder verschwindet, muss sie nicht behandelt werden. Bis es soweit ist, können dir folgende Tipps helfen:

  • Gelassen bleiben: Lass dich nicht stressen, nur weil du ein paar Dinge vergisst. Dein Gehirn mag sich gerade nur auf bestimmte Dinge konzentrieren, aber das macht nichts: Deine zukünftige Hirnleistung wird nicht darunter leiden. Es ist daher auch nicht erforderlich, dass du dich jetzt mit Gedächtnisübungen fit hältst. Genieße einfach die Zeit mit deinem Baby. Wenn du Spaß daran hast, kannst du deine freie Zeit natürlich trotzdem mit Kreuzworträtseln oder Sudoku verbringen.

  • Schlaf nachholen: Schlafmangel ist der größte Feind der Konzentration. Wer müde ist, kann einfach nicht richtig denken. Nutze daher jede Gelegenheit, um den verpassten Nachtschlaf auszugleichen. Man hört diesen Ratschlag immer wieder und sollte ihn wirklich befolgen: Wenn dein Baby schläft, mach auch du die Augen zu. Die Wäsche kann definitiv warten!

  • Gesund ernähren: Es gibt Lebensmittel, die sind gesund und haben obendrein auch noch einen Fitmacher-Effekt für das Gehirn. Schreibe dir gerne täglich eine Handvoll Nüsse (Walnüsse oder Mandeln) als Brain Food auf den Speiseplan und verwende Leinöl zum Verfeinern von Salaten.

  • Ausreichend trinken: Wassermangel kann zu einer verminderten Gedächtnisleistung führen. Achte darauf, dass du über den Tag verteilt mindestens 1,5 Liter Wasser trinkst.

  • Bewegung an der frischen Luft: Wenn du draußen aktiv bist, bekommst du eine regelrechte Sauerstoffdusche und regst die Durchblutung an. Das macht auch den Kopf wieder klar.

  • Aufgaben abgeben: Gönne dir kleine Auszeiten im Alltag. Überlasse deinem*deiner Partner*Partnerin das Baden oder Wickeln, gib den Großeltern das Baby für einen Spaziergang mit – und nutze die Zeit für das, was nur dir guttut.

  • Eselsbrücken herstellen: Natürlich kann es ziemlich nervig sein, ständig Dinge zu vergessen. Wenn du dich gerade nicht zu 100 Prozent auf dein Erinnerungsvermögen verlassen kannst, hilf ihm auf die Sprünge: Nutze die Erinnerungsfunktion in deinem Smartphone, verteile Hinweiszettel und Post-its in der Wohnung, verwende die Ortungsfunktion für Handy oder Autoschlüssel.

  • Hilfe in Anspruch nehmen: Wenn du einen fachkundigen Rat brauchst, frage deine Hebamme. Sollte dich der Alltag mit Neugeborenem stark überfordern, zögere nicht und suche dir Unterstützung. Professionelle Hilfe findest du zum Beispiel beim Nationalen Zentrum Frühe Hilfen. Montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags bis 19 Uhr kannst du auch das Elterntelefon der „Nummer gegen Kummer“ kostenlos und anonym unter der Rufnummer 0800 1110550 kontaktieren.

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