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Kariesvorbeugung von Anfang an

Fluorid für Babys und Kinder: Schädlich oder Schutz für die Zähne?

In geeigneter Dosierung spielt Fluorid bei der Vorbeugung von Karies eine wichtige Rolle. Doch lange waren sich selbst Fachgesellschaften nicht einig, wie genau Fluoridtabletten und fluoridhaltige Zahnpasta bei Babys und Kindern eingesetzt werden sollen. Das sorgte bei vielen Eltern für Unsicherheiten. Seit 2021 gibt es einheitliche Empfehlungen. Wir verraten dir, wie sie lauten.

Fluorid für Babys und Kinder: Schädlich oder Schutz für die Zähne?
© Getty Images/Courtney Hale

Kurzübersicht: Fluorid für Babys und Kinder

Was ist Fluorid? Bei Fluorid handelt es sich um ein Spurenelement, das den Zahnschmelz stark macht und Karies vorbeugt.

Wichtig oder giftig? Wird das richtige Maß eingehalten, hat Fluorid viele Vorteile. Nur bei übermäßigem Konsum kann es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen. Für eine Vergiftung wären extrem hohe Mengen erforderlich.

Wie anwenden? Von der Geburt bis zum Zahndurchbruch sollen Säuglinge Fluoridtabletten bekommen, danach können sie entweder weiterhin Tabletten oder fluoridhaltige Zahnpasta erhalten. Ab 12 Monaten erfolgt die Gabe von Fluorid nur noch über die Verwendung einer entsprechenden Zahnpasta. Und zwar in einer Dosierung, die an das jeweilige Lebensalter angepasst ist. Weiter unten stellen wir dir die Empfehlungen im Detail vor.

Artikelinhalte im Überblick:

Was ist Fluorid?

Als Fluorid wird ein Spurenelement bezeichnet, das nur in geringen Mengen in der Natur vorkommt. Es steckt zum Beispiel in Lebensmitteln wie Fisch, Algen und Meeresfrüchten, in Flüssigkeiten wie Trinkwasser, Mineralwasser oder schwarzem Tee und es ist ein Inhaltsstoff von Säuglingsersatznahrung.

Aufgrund des geringen natürlichen Vorkommens wird das wichtige Spurenelement in Ländern wie den USA dem Trinkwasser künstlich hinzugefügt. In Deutschland geschieht dies nicht: Hier befindet sich Fluorid aber in fluoridierter Zahnpasta und in mit Fluorid angereichertem Speisesalz.

Warum ist Fluorid wichtig für die Zähne?

Fluorid hat sich als wirkungsvoll zur Vorbeugung von Karies erwiesen. Denn Fluoride lagern sich in der Zahnstruktur ab und machen den Zahnschmelz auf diese Weise stark. Durch das Aushärten des Schmelzes kann er die Zähne besser vor äußeren Einflüssen wie dem Eindringen von Bakterien schützen.

Fachgesellschaften sind sich schon lange einig, dass Fluorid bei der Kariesprophylaxe eine wichtige Rolle spielt. In der Vergangenheit herrschte allerdings kein Konsens darüber, wie genau die Fluoridierung im Säuglings- und Kindesalter ausehen soll: Während die Ärzt*innen für Kinder- und Jugendmedizin schon in der Reifephase der Zähne zu einer Kariesprophylaxe durch die Gabe von Fluoridtabletten rieten, plädierten die Zahnärzt*innen dafür, mit den Vorbeugemaßnahmen erst beim Durchbruch des ersten Milchzahns und durch die Verwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta zu beginnen. Seit 2021 gibt es eine einheitliche Empfehlung. Sie unterstreicht, dass Fluorid in einer angemessenen Dosis ein Schlüsselfaktor bei der Kariesprävention ist.

Hat Fluorid Nebenwirkungen?

Die richtige Dosis ist bei Fluorid besonders wichtig, damit das Spurenelement seine positiven Effekte entfalten kann, ohne dass ungewünschte Wirkungen auftreten. Käme es zu einer übermäßigen Dosierung, könnte Fluorid den Zähnen und Knochen schaden und die Entstehung von sogenannten Fluorosen begünstigen.

  • Zahnfluorose (Dentalfluorose): Ein regelmäßiges Zuviel an Fluoriden macht den Zahnschmelz nicht widerstandsfähiger, sondern poröser. Sichtbar erscheint eine Zahnfluorose durch fleckige Verfärbungen, im Extremfall kommt es zu einer kompletten Verfärbung der Zähne. Das Risiko von Zahnfluorosen besteht vor allem bis zum achten Lebensjahr, denn in dieser Phase befinden sich die Zähne noch in der Entwicklung.

  • Knochenfluorose: Sehr hohe Dosen Fluorid über einen langen Zeitraum hinweg können dazu führen, dass die Knochendichte zunimmt. Als Folge treten Gelenkschmerzen und eine Gelenksteifheit auf, das Risiko für Knochenbrüche ist erhöht. Im schlimmsten Fall entstehen Knochendeformationen und Verkalkungen der Bänder. Dieses Krankheitsbild kann zum Beispiel bei Berufsgruppen auftreten, die aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen einer extremen Fluoridbelastung ausgesetzt sind. Hierzulande und im normalen Familienalltag spielt die Knochenfluorose keine Rolle.

Ist Fluorid giftig?

An der Annahme, Fluoride seien sogar giftig, ist meist eine Verwechslung schuld: Fluorid ist nämlich nicht das Gleiche wie Fluor! Während es sich bei Fluor tatsächlich um eine hochgradig giftige, chemische Substanz handelt, sind Fluoride lediglich Fluorverbindungen – also Salze wie Natrium- oder Kalziumfluoride.

Wie bei den meisten Nahrungsergänzungen gilt aber auch bei Fluorid: Die Dosis macht das Gift. Damit Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Krämpfe auftreten, wären jedoch extrem hohe Mengen Fluorid erforderlich: Mehr als fünf Milligramm Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht müssten dafür auf einen Schlag verspeist werden. Je nach verwendeter Fluoridkonzentration entspricht das dem Verzehr von mehreren Tuben fluoridhaltiger Zahnpasta.

Dosierung: Wie viel Fluorid ist erlaubt?

Bei der Dosierung von Fluorid gilt: Die Menge muss wirksam und gleichzeitig sicher sein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt an, dass eine tägliche Einnahme von 0,05 Milligramm Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht die optimale Dosis sei, um Karies mit dem gleichzeitig geringsten Risiko für gesundheitliche Folgen vorzubeugen. Für Säuglinge und Kinder hält die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) folgende Referenzwerte für die Gesamtzufuhr von Fluorid als angemessen:

  • 0 bis unter 4 Monate: 0,25 mg/Tag
  • 4 bis unter 12 Monate: 0,5 mg/Tag
  • 1 bis unter 4 Jahre: 0,7 mg/Tag
  • 4 bis unter 10 Jahre: 1,1 mg/Tag
  • 10 bis unter 13 Jahre: 2,0 mg/Tag
  • 13 bis unter 15 Jahre: 3,2 mg/Tag für Jungen, 2,9 mg/Tag für Mädchen

Um die individuelle Menge an eingenommenem Fluorid einschätzen zu können und die empfohlenen Höchstwerte nicht zu überschreiten, müssen alle Quellen und ihr jeweiliger Fluoridgehalt berücksichtigt werden:

  • Menge des Fluorids im Trinkwasser
  • Trinkmenge
  • fluoridhaltiges Salz
  • fluoridhaltige Zahnpasta

Wie viel Fluorid das Trinkwasser enthält, kann jede*r bei seinem zuständigen Wasserversorger erfragen. Das Essen von Säuglingen sollte nicht gesalzen werden. Ab dem Kleinkindalter wird das Salzen nur in geringem Maße empfohlen. Fluoridtabletten und Fluoridzahnpasta sollten nicht kombiniert werden, damit die als sicher angesehene Höchstmenge nicht überschritten wird.

Empfehlungen: So sollten Babys und Kinder Fluorid einnehmen

Die aktuelle Empfehlung der Fachgesellschaften zum Einsatz von Fluorid im Säuglings- und Kindesalter lautet:

  • Von der Geburt bis zum Zahndurchbruch sollen Säuglinge täglich ein Kombinationspräparat bekommen, das sowohl Vitamin D (400 bis 500 I.E.) als auch 0,25 Milligramm Fluorid enthält.

  • Nach dem ersten Zahndurchbruch bis 12 Monate haben Eltern zwei Möglichkeiten: Entweder sie führen die Gabe der Fluoridtabletten fort und putzen die Zähne ohne Zahnpasta/ohne fluoridhaltige Zahnpasta oder sie verwenden eine Zahnpasta mit 1000 ppm (parts per million) Fluorid bis zu zwei Mal täglich in einer Menge jeweils bis zu 0,125 Gramm (Reiskorngröße). Ist die Gabe von Vitamin D weiterhin empfohlen, wird dann ein Präparat verwendet, das kein Fluorid enthät.

  • Ab zwölf Lebensmonaten werden die Zähne zwei Mal täglich mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta (1000 ppm Fluorid) mit jeweils einer Menge bis zu 0,125 Gramm (Reiskorngröße) geputzt. Die Eltern übernehmen die Dosierung und das Putzen.

  • Ab 24 Lebensmonaten bis sechs Jahre werden die Zähne zwei Mal täglich mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta (1000 ppm Fluorid) mit jeweils einer Menge bis zu 0,25 Gramm (Erbsengröße) geputzt. Die Eltern übernehmen die Dosierung und putzen nach. In der Kita kann mittags zusätzlich ein drittes Mal geputzt werden, hier übernehmen die Betreuer*innen die Dosierung.

Wichtig: Das genaue Vorgehen für deinen individuellen Fall solltest du mit deiner*deinem Kinderärztin*Kinderarzt besprechen. Wird dein Säugling zum Beispiel ausschließlich mit Säuglingsersatznahrung ernährt und diese mit fluoridhaltigem Wasser über einem bestimmten Grenzwert zubereitet, könnte für die Zeit direkt nach der Geburt ein Präparat verschrieben werden, das nur Vitamin D und kein Fluorid enthält.

Wie Fluoridtabletten richtig einnehmen?

Fluorid gibt es als Tablette oder Tropfen, als Einzelpräparat oder in Kombination mit Vitamin D. Gemäß der aktuellen Empfehlung soll von der Geburt bis zum Zahndurchbruch täglich eine Tablette verabreicht werden, die sowohl Vitamin D als auch Fluorid enthält.

Die Tabletten sollen in der Regel auf einem Löffel mit Wasser zerfallen und dann zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Wie genau die Einnahme abläuft, steht in den jeweiligen Verwendungshinweisen.

Richte dich zudem nach den Empfehlungen deiner*deines Ärztin*Arztes: Im individuellen Fall können hier andere Dinge gelten. Außerdem ist zu beachten, dass die Gabe von Vitamin D generell nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt empfohlen wird – nämlich bis zum zweiten erlebten Frühsommer. Doch auch hier kann es individuelle Abweichungen geben.

Wie Fluoridzahnpasta bei Kindern anwenden?

Damit du Fluoridzahnpasta richtig verwendest und Karies bei Babys und Kindern optimal vorbeugst, solltest du Folgendes beachten:

  • Dosierungsempfehlung befolgen: Reiskorngröße? Erbsengröße? Mit diesen Angaben kannst du nichts anfangen? Um eine Einschätzung zu erhalten, wie viel Zahnpasta sich hinter diesen Mengen verbirgt, kannst du für das erste Mal ein Lineal zu Hilfe nehmen: Ermittle, um welche Größe es sich dabei eigentlich handelt, um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen. Viele Zahnärzt*innen würden sich eine Dosierungshilfe bei den Zahnpastatuben wünschen, doch bisher gibt es sie nicht.

  • Risiko des Verschluckens minimieren: Bei Zahnpasta handelt es sich um Kosmetika, die keiner Lebensmittelkontrolle unterliegen und die zum Verzehr ungeeignet sind. Kinder neigen jedoch dazu, diese zu verschlucken. Und Kleinkinder sind noch gar nicht dazu in der Lage, sie überhaupt wieder ausspucken zu können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt, dass dabei genauso viel Fluorid aufgenommen werden kann wie bei der Einnahme einer Tablette. Die zahnmedizinischen Fachgesellschaften raten deshalb dazu, keine Zahnpasta mit Fruchtgeschmack zu verwenden, da diese vermehrt dazu animiert, sie herunterzuschlucken.

  • Zähneputzen mit Kleinkindern optimal gestalten: Am besten werden Kleinkinder spielerisch an das Zähneputzen herangeführt. Je älter das Kind wird, desto selbstständiger klappt auch die Zahnreinigung. Im Kleinkindalter sollten Eltern das Zähneputzen trotzdem in die Hand nehmen und bis das Schulalter erreicht wird, die Zähne auch noch einmal nachputzen.

Fluorid und weitere Maßnahmen zur Kariesvorbeugung

Dass Fluorid die Zähne widerstandsfähig macht, ist wissenschaftlich belegt. Doch Fluorid ist deshalb noch lange nicht die einzige Maßnahme, um sich Karies vom Leib zu halten. Mindestens genauso wichtig:

  • regelmäßige Mundhygiene
  • zuckerhaltige Nahrung und Snacks in Maßen
  • kein Dauernuckeln – vor allem nicht mit zuckerhaltigen Getränken

Um die Mundgesundheit deines Kindes zu kontrollieren, solltest du sowohl die Vorsorgeuntersuchungen in der kinderärztlichen Praxis als auch die zahnmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrnehmen. Bei diesen Untersuchungen wirst du auch im Umgang mit Fluorid geschult.

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