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Empfehlungen zur Fluoridgabe

Fluorid: Schädlich fürs Baby?

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 16. September 2019

Kaum ein anderes Spurenelement ist so umstritten wie Fluorid. Selbst Experten sind sich bei der Anwendung von Fluoridtabletten und -zahnpasta im Säuglings- und Kindesalter nicht einig. Bei der Vorbeugung von Karies spielen Fluoride eine wichtige Rolle. Doch warum ist Fluorid wichtig für die Zähne?

Fluorid: Schädlich fürs Baby?
Zur Vorbeugung von Karies wird Zahnpasta mit Fluorid angereichert
© iStock.com/bowdenimages

Artikelinhalte auf einen Blick:

Was ist Fluorid?

Als Fluorid wird ein Spurenelement bezeichnet, das nur in geringen Mengen in der Natur vorkommt. Es steckt zum Beispiel in Lebensmitteln wie Fisch, Algen und Meeresfrüchten, in Flüssigkeiten wie Trinkwasser, Mineralwasser oder schwarzem Tee und es ist ein Inhaltsstoff von Säuglingsersatznahrung. Wie viel Fluorid das Trinkwasser enthält, kann jeder bei seinem zuständigen Wasserversorger erfragen.

Aufgrund des geringen, natürlichen Vorkommens wird das wichtige Spurenelement in Ländern wie den USA dem Trinkwasser künstlich hinzugefügt. In Deutschland geschieht dies nicht – hier befindet es sich aber in fluoridierter Zahnpasta und in mit Fluorid angereichertem Speisesalz. Außerdem sind Fluoridtabletten oder -tropfen als Einzelpräparate oder in Kombination mit Vitamin D erhältlich. Die Tabletten sollen in der Regel auf einem Löffel mit Wasser zerfallen und dann zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Wie genau die Einnahme abläuft, steht in der jeweiligen Gebrauchsanweisung.

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Ist Fluorid giftig?

An der Annahme, Fluoride seien giftig, ist meist eine Verwechslung schuld: Fluorid ist nämlich nicht das Gleiche wie Fluor! Während es sich bei Fluor tatsächlich um eine hochgradig giftige, chemische Substanz handelt, sind Fluoride lediglich Fluorverbindungen – also ungiftige Salze wie Natrium- oder Kalziumfluoride.

Ganz ungefährlich sind Fluoride trotzdem nicht, denn wie bei den meisten Nahrungsergänzungen gilt: Die Dosis macht das Gift. Damit Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Krämpfe auftreten, wären allerdings extrem hohe Mengen Fluorid erforderlich: Mehr als fünf Milligramm Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht müssten dafür auf einen Schlag verspeist werden. Je nach enthaltenem Fluoridgehalt entspräche das dem Verzehr von mehreren Tuben fluoridhaltiger Zahnpasta.

Fluorid für Babys – ja oder nein?

Dennoch diskutieren Experten über die Gabe von Fluorid gerade für Säuglinge und Kleinkinder teils kontrovers. Einig sind sie sich darin, dass Babys auf einem der empfohlenen Wege Fluorid bekommen sollten. Denn wird das richtige Maß eingehalten, hat Fluorid viele Vorteile, nur bei übermäßigem Konsum kann es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen.

Pro Fluorid für Babys: Experten stimmen überein, dass Fluorid zur Vorbeugung von Karies eine wirkungsvolle Maßnahme darstellt. Fluoride lagern sich in der Zahnstruktur ab und machen den Zahnschmelz auf diese Weise stark. Durch das Aushärten des Schmelzes kann er die Zähne besser vor äußeren Einflüssen wie dem Eindringen von Bakterien schützen.

Contra Fluorid für Babys: Bei übermäßiger Dosierung kann Fluorid Zähnen und Knochen schaden und die Entstehung von sogenannten Fluorosen begünstigen.

  • Zahnfluorose: Ein regelmäßiges Zuviel an Fluoriden macht den Zahnschmelz nicht widerstandsfähiger, sondern poröser. Sichtbar erscheint eine Zahnfluorose durch fleckige Verfärbungen, im Extremfall kommt es zu einer kompletten Verfärbung der Zähne. Das Risiko von Zahnfluorosen besteht vor allem bis zum achten Lebensjahr, denn in dieser Phase befinden sich die Zähne noch in der Entwicklung.
  • Knochenfluorose: Sehr hohe Dosen Fluorid über einen langen Zeitraum hinweg, können dazu führen, dass die Knochendichte zunimmt. Als Folge treten Gelenkschmerzen und eine Gelenksteifheit auf, das Risiko für Knochenbrüche ist erhöht. Im schlimmsten Fall entstehen Knochendeformationen und Verkalkungen der Bänder. Dieses Krankheitsbild kann bei Berufsgruppen auftreten, die aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen einer extremen Fluoridbelastung ausgesetzt sind.

Dosierung: Wie viel Fluorid ist erlaubt?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt an, dass eine tägliche Einnahme von 0,05 Milligramm Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht die optimale Dosis sei, um Karies mit dem gleichzeitig geringsten Risiko für gesundheitliche Folgen vorzubeugen. Für Säuglinge und Kinder hält die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) folgende Referenzwerte für die Gesamtzufuhr von Fluoriden als angemessen:

  • 0 bis unter 4 Monate: 0,25 mg/Tag
  • 4 bis unter 12 Monate: 0,5 mg/Tag
  • 1 bis unter 4 Jahre: 0,7 mg/Tag
  • 4 bis unter 10 Jahre: 1,1 mg/Tag
  • 10 bis unter 13 Jahre: 2,0 mg/Tag
  • 13 bis unter 15 Jahre: 3,2 mg/Tag für Jungen, 2,9 mg/Tag für Mädchen

Um die individuelle Menge an eingenommenem Fluorid einschätzen zu können, müssen alle Quellen berücksichtigt werden: Menge des Fluorids im Trinkwasser, Trinkmenge, fluoridhaltiges Salz und fluoridhaltige Zahnpasta.

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Wie sollten Babys und Kleinkinder Fluorid einnehmen?

Zwar sind sich die Fachgesellschaften einig, dass eine Fluoridierung im Säuglings- und Kindesalter von Vorteil ist, wie genau diese aussehen soll, darüber herrscht jedoch kein Konsens. Verunsicherte Eltern sollten das Vorgehen daher mit ihren behandelnden Ärzten besprechen. Diese können auch die individuelle Situation wie die Trinkwasserlage im jeweiligen Wohnort berücksichtigen.

Die zuständigen Fachgesellschaften haben zwei unterschiedliche Empfehlungen in ihrer gemeinsamen Leitlinie über die Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe erarbeitet und veröffentlicht. Der gravierende Unterschied: Während die Ärzte für Kinder- und Jugendmedizin schon in der Reifephase der Zähne mit der Kariesprophylaxe durch die Gabe von Fluoridtabletten beginnen, plädieren die Zahnärzte dafür, mit den Vorbeugemaßnahmen erst beim Durchbruch des ersten Milchzahns und durch die Verwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta anzufangen. Die zahnärztliche Begründung lautet, dass Fluoride besonders dann wirken, wenn sie äußerlich angewendet werden und direkten Kontakt mit dem Zahnschmelz haben – dies sehen Kinder- und Jugendmediziner wissenschaftlich allerdings als nicht bestätigt.

Fluorid-Empfehlungen der Fachgesellschaften für Kinder- und Jugendmedizin:

  • Ab wann Fluorid: Bereits vor dem Durchbruch des ersten Milchzahns sollen Babys Fluorid in Form von Tabletten erhalten – solange, bis das Kind regelmäßig ausreichend Fluorid durch Zahnpastaverwendung oder Speisesalzverzehr bekommt. In der kinderärztlichen Praxis erfolgt die Gabe von Fluoridtabletten ab dem ersten Lebensmonat.
  • Dosierung: Die empfohlene Tagesdosis Fluorid beträgt in den ersten vier Lebensjahren 0,25 Milligramm. Sie erhöht sich für Kinder von vier bis sieben Jahren auf 0,5 Milligramm täglich, wenn keine anderen bedeutsamen Fluoridquellen zur Verfügung stehen.
  • Bis wann Fluoridtabletten: Ist die Fluoridversorgung durch fluoridierte Zahnpasta oder fluoridangereichertes Speisesalz abdeckt, darf keine weitere Gabe von Fluoridpräparaten erfolgen. Zu beachten ist, dass in der Baby- und Kindernahrung zunächst überhaupt kein zusätzliches Speisesalz verwendet werden sollte – fluoridhaltiges Speisesalz wird erst ab einem Alter von zwei Jahren empfohlen. Hinweis: Ein Gramm fluoridiertes Haushaltsalz pro Tag entspricht 0,25 Milligramm Fluorid.
  • Zahnpasta: In den ersten vier Jahren raten die Experten zur Einnahme von Fluoridtabletten, statt zur Verwendung von fluoridhaltiger Kinderzahnpasta. Und zwar aus folgendem Grund: Zahnpasta mit einem Fluoridgehalt von 500 ppm (parts per million; deutsch: Teile pro Million) gilt in diesem Lebensalter nicht als empfehlenswert, da die kariesvorbeugende Wirkung bei dieser Dosierung und der Menge (dünner Film oder erbsengroß) nicht erwiesen ist. Eine tägliche Anwendung von höher dosierter Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid sollte bis zum Alter von vier Jahren aber ebenfalls nicht verwendet werden, weil hier die Gefahr einer übermäßigen Fluoridzufuhr besteht. Erst ab einem Alter von vier Jahren – beziehungsweise dann, wenn das Kind dazu in der Lage ist, die Zahnpasta zuverlässig auszuspucken statt sie zu verschlucken – kann zweimal am Tag eine Zahnpasta mit mindestens 1.000 ppm Fluorid zum Einsatz kommen.

Fluorid-Empfehlungen der Fachgesellschaften für Zahnheilkunde:

  • Ab wann Fluorid: In den ersten sechs Lebensmonaten sollen Babys kein Fluorid erhalten. Mit der Verwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta wird erst mit dem Durchbruch des ersten Milchzahns begonnen.
  • Dosierung: Ab dem Milchzahndurchbruch sollen die Zähne einmal am Tag von den Eltern mit einem dünnen Film fluoridhaltiger Kinderzahnpasta (500 ppm Fluorid) geputzt werden. Ab dem zweiten Geburtstag gilt: Zähne zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge dieser fluoridhaltigen Zahnpasta reinigen. Wenn mit Beginn des Schulalters die bleibenden Zähne durchbrechen, sollten diese mit einer Erwachsenenzahnpasta geputzt werden, dessen Fluoridgehalt mindestens 1.000 ppm beträgt. Zusätzlich wird empfohlen, fluoridhaltiges Speisesalz für die Zubereitung der Mahlzeiten zu verwenden.
  • Fluoridtabletten: Diese sollten laut Zahnmedizin-Experten dann verabreicht werden, wenn keine fluoridierte Zahnpasta und kein fluoridangereichertes Speisesalz benutzt werden kann.

Wichtig ist laut Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), dass sich Eltern für nur eine Art des Fluoridgebrauchs entscheiden: Wird mit der Verwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta begonnen, sollten keine Fluoridtabletten mehr verabreicht werden.

Fluoridzahnpasta bei Kindern richtig anwenden

Ob und wie Zahnpasta mit Fluorid wirkt, hängt vor allem von der enthaltenen Fluoridmenge ab. Die zahnmedizinischen Fachgesellschaften empfehlen, bis zum Schulalter eine Zahnpasta mit 500 ppm Fluorid und erst danach eine mit 1.000 ppm. Auf diese Weise soll das Risiko begrenzt werden, dass Fluorosen entstehen. Zahnpasta, die weniger als 500 ppm Fluorid enthält, hat laut Studien nur eine geringe Wirkung in der Kariesprophylaxe und wird nicht empfohlen. Einige Zahnmediziner wünschen sich, dass der Fluoridgehalt in Zahnpasta zukünftig erhöht wird – die Leitlinie zum Thema wird aktuell von den beteiligten Fachgesellschaften überarbeitet.

Praktische Tipps für die Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta

  • Risiko des Verschluckens minimieren: Bei Zahnpasta handelt es sich um Kosmetika, die keiner Lebensmittelkontrolle unterliegen und die zum Verzehr ungeeignet sind. Kleinkinder neigen jedoch dazu, diese zu verschlucken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt, dass dabei genauso viel Fluorid aufgenommen werden kann, wie bei der Einnahme einer Tablette. Die zahnmedizinischen Fachgesellschaften raten deshalb dazu, keine Zahnpasta mit Fruchtgeschmack zu verwenden, da diese vermehrt dazu animiert, sie herunterzuschlucken.
  • Zähneputzen mit Kleinkindern optimal gestalten: Am besten werden Kleinkinder spielerisch an das Zähneputzen herangeführt. Je älter das Kind wird, desto selbstständiger klappt auch die Zahnreinigung. Im Kleinkindalter sollten Eltern das Zähneputzen trotzdem überwachen und bis das Schulalter erreicht wird, die Zähne auch noch einmal nachputzen.
  • Weitere Maßnahmen zur Kariesvorbeugung beachten: Dass Fluorid die Zähne widerstandsfähig macht, ist wissenschaftlich belegt. Doch Fluorid ist deshalb noch lange nicht die einzige Maßnahme, um sich Karies vom Leib zu halten. Mindestens genauso wichtig: regelmäßige Mundhygiene, zuckerhaltige Nahrung und Snacks in Maßen, kein Dauernuckeln – erst recht nicht mit zuckerhaltigen Getränken.
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Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 16. September 2019
Quellen
Beiträge im Forum "Babyernährung"
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