Stillen

Das Stillen ist für Mutter und Kind eine wichtige Erfahrung

Das Stillen schafft eine wichtige, enge Bindung zwischen Mutter und Kind
(Foto: BananaStock)

Stillen oder auch Brusternährung bezeichnet die natürliche Versorgung eines Säuglings mit Muttermilch. Das Saugen an der Brust der Mutter wird durch einen Reflex ausgelöst, der vor allem in der ersten Zeit nach der Geburt ausgeprägt ist.


Muttermilch ist die "ideale" Nahrung fürs Kind
Empfehlungen, Tipps und Hinweise
Ernährung in der Stillzeit
Komplikationen beim Stillen
Alternativen

Muttermilch ist die "ideale" Nahrung fürs Kind

In den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt bekommt das Kind noch nicht die eigentliche Muttermilch, sondern eine Art Vormilch, das Kolostrum. Diese Milch ist dünnflüssiger als die Muttermilch, die etwa ab dem dritten oder vierten Tag nach der Geburt "einschießt" (Milcheinschuss). Das Kolostrum enthält eine höhere Konzentration an Eiweiß, Vitamin A und Kohlenhydraten als die Muttermilch. Durch das Kolostrum erhält das Kind den so genannten Nestschutz. Das sind alle Antikörper, über welche die Mutter verfügt. So wird das Kind vor Infektionskrankheiten geschützt.

Die Muttermilch ist während der ersten sechs Monate die bestmögliche Nahrung für das Kind. Sie enthält sämtliche Nährstoffe, Kohlenhydrate, Eiweiße und Vitamine, die das Kind braucht. Zum einen ist die Muttermilch sehr gut auf das Verdauungssystem des Kindes abgestimmt. Zum anderen kann die Muttermilch nach Bedarf gefüttert werden. Die Mutter kann also ihr Kind stillen, sobald es Hunger hat und muss nicht, wie bei künstlicher Säuglingsnahrung, auf ein tägliches Höchstmaß achten.

Etwa ab dem sechsten Lebensmonat können Mütter mit der Beikost beginnen, also ihrem Kind zusätzlich Babybrei anbieten. Jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus. Es gibt also keinen Richtwert, wann das Kind von der Muttermilch entwöhnt werden sollte.


Empfehlungen, Tipps und Hinweise

Stillen ist zwar ein natürlicher Vorgang, dennoch können kleinste Störungen das erste Stillen erschweren oder einen bereits gefundenen Stillrhythmus durcheinander bringen. Hilfe und Empfehlungen erhalten Mütter zum einen von der Hebamme. Zum anderen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Empfehlungen zum Stillen herausgegeben, die ebenfalls wichtige Hinweise zu einem gesunden Stillen enthalten.

Empfehlungen der WHO

Etwa 30 bis 50 Minuten nach der Geburt ist der Saugreflex des Neugeborenen am stärksten ausgeprägt. Die WHO empfiehlt daher, das Neugeborene in der ersten Stunde nach der Geburt zum ersten Mal zu stillen. Ein stillfreundliches Krankenhaus bietet in der Regel die Möglichkeit, diese erste Zeit entsprechend zu nutzen. Weiterhin empfiehlt die WHO, auf den Gebrauch von Nuckelflaschen und Nuckeln etwa zur Beruhigung des Kindes zu verzichten. Das Stillen des Kindes fördert auf dem besten Wege die gesunde Entwicklung von Kau- und Gaumenmuskulatur und der richtigen Kieferstellung.

Tipps zum Stillen

Das Stillen sollte stets in ruhiger und entspannter Atmosphäre erfolgen. Mutter und Kind sollten nach Möglichkeit weder durch Lärm, Hektik oder zu grelle Beleuchtung abgelenkt oder gestört werden. Vor allem an den ersten Tagen nach der Geburt, wenn die neue Familie sich kennen lernen und das Kind einen Stillrhythmus finden muss, ist es wichtig, sich zum Stillen Zeit und Ruhe zu nehmen.

Der Milcheinschuss kann in einigen Fällen unangenehm sein und zu schmerzhaften Beschwerden in der Brust führen. Wenn sich die Brust prall, wie aufgebläht oder sehr gespannt anfühlt, können warme Duschen, sanftes Ausstreichen der Brust oder warme Umschläge die Schmerzen lindern. Beim Ausstreichen kann durchaus bereits Milch austreten, das bedeutet jedoch nicht, dass nachher nicht genug für das Kind übrig ist. Je nach Empfinden können auch kühle Kompressen Schwellungen und Schmerzen zurück gehen lassen. Bestimmte Tees können die Milchmenge reduzieren. Eine Stillberaterin oder Hebamme kann bei solchen anhaltenden Problemen am besten helfen.

Wie lange stillen?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, das Kind mindestens bis zum sechsten Lebensmonat voll zu stillen, das heißt, in dieser Zeit weder Tee oder Wasser noch Beikost zuzufüttern. Ebenfalls weist die Weltgesundheitsorganisation darauf hin, dass ein natürliches Abstillen für das Kind das Beste ist. Das bedeutet, dass das Kind entscheidet, ab wann es sich ausschließlich von fester Nahrung ernährt und auf die Muttermilch verzichtet. Ab etwa sechs Monaten wächst das Interesse des Kindes für die Speisen, die die Eltern zu sich nehmen. Sobald das Kind mit am Tisch sitzen kann, wird es neugierig und will ebenfalls probieren. In dieser Zeit können die Eltern dem Kind nach und nach neue Lebensmittel anbieten. Gemüse-, Getreide- und Obstsorten püriert oder klein gehackt sind für das Kind leicht zu kauen und können zum Speiseplan hinzugefügt werden. Manche Kinder verzichten bereits mit zwölf Monaten von selbst auf die Muttermilch, in anderen Familien entscheidet die Mutter, wann sie ihr Kind abstillt. Nach der WHO ist das Stillen zusätzlich zur festen Nahrung bis ins zweite Lebensjahr empfohlen.

Hinweise

Da die Muttermilch im Organismus der Frau produziert wird, können viele Stoffe, die die Frau zu sich nimmt, in die Muttermilch übergehen. Gifte in Tabak und Alkohol werden vom Kind mit der Milch aufgenommen. Allerdings sind die kindlichen Organe nicht in der Lage, diese Stoffe abzubauen. Nimmt ein Kind durch die Muttermilch Nikotin auf, kann dies zu Schlafstörungen und gesteigerter Nervosität führen. Das Risiko des plötzlichen Kindstodes wird ebenfalls deutlich erhöht. Alkohol in geringen Maßen und nach dem Stillen ist ungefährlich. Alkoholkonsum vor dem Stillen kann jedoch die Trinklust des Babys verringern. Deswegen sollten stillende Frauen in jedem Fall auf den Konsum von Zigaretten und Alkohol verzichten.

Einige Wirkstoffe in Medikamenten können ebenfalls in die Muttermilch gelangen und eine gesundheitsgefährdende Wirkung haben. Die Einnahme von Medikamenten sollte immer mit dem Kinderarzt abgesprochen werden. Zur Verhütung während der Stillzeit kommen unterschiedliche Methoden wie Kondome oder die Minipille in Frage.


Ernährung in der Stillzeit

Eine ausgewogene, gesunde und vielfältige Ernährung ist für Mutter und Kind in der Stillzeit genauso wichtig wie während der Schwangerschaft. Frauen die stillen, müssen jedoch nach der Geburt nicht für zwei essen, um ihr Kind versorgen zu können. Der Körper hat bereits während der Schwangerschaft Reserven für die Stillzeit angelegt, die nun langsam aufgebraucht werden. Wichtiger ist es, in der Ernährung auf schadstofffreie Lebensmittel und möglichst frisches Obst und Gemüse zu achten.

Bestimmte Speisen, die die Mutter zu sich nimmt, können beim Säugling Verstopfung, Durchfall oder allergische Reaktionen wie Hautausschlag auslösen. Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln oder Knoblauch können zum Beispiel Verdauungsstörungen verursachen. Hautveränderungen können durch säurehaltige Früchte hervorgerufen werden. Wenn solche Symptome auftreten, sollte das zuvor verzehrte Nahrungsmittel nach Möglichkeit gemieden und erst nach etwa einem halben Jahr erneut versucht werden. Nahrungsmittel können durchaus den Geschmack der Muttermilch beeinflussen und so beim Kind zu deutlichem Widerwillen oder Trinkstreik führen.


Komplikationen beim Stillen

Rund 98 Prozent der Frauen sind in der Lage, ihr Kind zu stillen. Ernsthafte Komplikationen, welche das Stillen verhindern, kommen nur bei zwei Prozent vor. Dennoch ist vor allem das Kind oft empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen. Wenn das Kind in den ersten Wochen in Ruhe seinen Stillrhythmus finden konnte, kann dieser dadurch durcheinander gebracht werden, dass die Mutter ihr Kind einmal in lauter Umgebung oder in Hektik stillen musste. Das Kind behält diesen Vorfall in Erinnerung und reagiert beim nächsten Stillen vielleicht mit Ablehnung oder Trinkverweigerung. Dann hilft es meist, das Kind zu beruhigen und zum Stillen bewusst einen sehr ruhigen ungestörten Ort aufzusuchen. Spätestens wenn der Hunger zu groß wird, lässt sich das Kind wieder stillen. Wenn das Kind jedoch bei jedem folgenden Füttern schreit und die Brust ablehnt, sollten Hebamme oder Kinderarzt hinzugezogen werden, um eventuelle Erkrankungen zu klären oder weitere Tipps zum entspannten Stillen zu bekommen. Wenn ein Stillstreik nicht behandelt werden kann, muss die Mutter auf künstliche Säuglingsnahrung zurückgreifen.

Das Stillen kann auch durch wunde Brustwarzen erschwert werden. Diese entstehen meist durch eine falsche Stillhaltung des Kindes oder während der ersten Stillzeit. Geschwollene und wunde Brustwarzen können gut mit kühlenden Umschlägen oder der Muttermilch selbst behandelt werden. Dazu muss ein wenig Muttermilch auf die wunde Haut aufgetragen werden. Spezielle Stilleinlagen aus Seide, Wolle oder Baumwolle verhindern, dass die Brustwarzen am Stoff des BHs reiben und dadurch zusätzlich gereizt werden.


Alternativen zum Stillen

Wenn die Frau nicht stillen möchte, besteht zum einen die Möglichkeit, die Muttermilch regelmäßig abzupumpen und das Kind mit der Flasche zu füttern. Diese Methode erweist sich jedoch unter Umständen als schwierig, da die Milchproduktion am ehesten durch das Saugen des Babys an der Brust angeregt wird. Die Milchpumpe kann daher den Milchfluss verringern oder stoppen. Das Kind mit künstlicher Säuglingsnahrung zu füttern, ist die zweite Möglichkeit. Der natürliche Milchfluss kann durch Tees und Medikamente gestoppt werden.

Wenn keine gesundheitlichen Gründe für ein vorzeitiges Abstillen sprechen, sollte die Frau ihr Kind mit Muttermilch stillen, da diese für den Säugling wesentlich besser geeignet ist als künstliche Nahrung und das Stillen von Natur aus viele medizinische und emotionale Vorteile birgt.

Für den Fall, dass die Mutter nicht stillen kann, ist das Füttern von künstlicher Säuglingsnahrung die einzige Alternative. In Apotheken und Drogerien gibt es diese in unterschiedlichen Varianten, meist sind die Produkte auf das jeweilige Lebensalter abgestimmt. Die Säuglingsnahrung wird dann mit der Flasche gefüttert.



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Quellen:
Das neue große Babybuch. Compact, München 2006
Lothrop, H.: Das Stillbuch. Kösel, München 2007
Online-Informationen der Nationalen Stillkommission: Gewichtsentwicklung gestillter Säuglinge. Bundesinstitut für Risikobewertung, (Stand: 25. März 2008)
Online-Information der WHO: Exclusive breastfeeding. (Stand 2008)
http://www.who.int/nutrition/topics/exclusive_breastfeeding/en/index.html
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007

 

Autor: Sarah Liebigt 
Letzte Änderung am: 26.05.2009