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Geburtseinleitung

Cytotec zur Geburtseinleitung: Wie sicher ist Misoprostol?

Cytotec ist ein Medikament, das ursprünglich als Magenschutzmittel zugelassen wurde, aber auch in der Geburtshilfe standardmäßig genutzt wird, um Wehen einzuleiten.

Cytotec
© GettyImages/Tetra Images

Nachdem es viele Verdachtsmeldungen zu Nebenwirkungen durch Cytotec gegeben hat und einige Frauen wegen Geburtsschäden vor Gericht klagten, gibt es einen Importstopp für das Medikament. Verbände von Frauenärzt*innen sehen das kritisch. Lesen Sie hier, was es mit dem Mittel auf sich hat.

Artikel-Inhalt auf einen Blick:

Welche Geburtspositionen gibt es?

Was ist Cytotec?

Cytotec ist ein Medikament mit dem Wirkstoff Misoprostol, das seit den 1980er Jahren zur Behandlung von Magengeschwüren verwendet wird und für diesen Zweck zugelassen ist. Eher zufällig hat man entdeckt, dass das Mittel auch Gebärmutterkontraktionen und Wehen auslösen kann. Seitdem wird das Mittel in der Geburtshilfe zur Geburtseinleitung eingesetzt. 

Darüber hinaus kommt es jedoch auch in folgenden Fällen zum Einsatz:

Misoprostol ist aus diesen Gründen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als unverzichtbares Medikament eingestuft worden.

Off-Label-Use von Cytotec

Dass Ärzt*innen ein Medikament für etwas einsetzen, für das es eigentlich nicht zugelassen ist, ist gar nicht so selten. Off-Label-Use nennt sich das und ist nicht verboten. Allerdings müssen Mediziner*innen ihre Patient*innen dann darüber aufklären, dass das Medikament für diesen Zweck nicht zugelassen ist, Alternativen erwähnen und über Risiken und Nebenwirkungen informieren. Besonders bei seltenen Erkrankungen, für die zugelassene Medikamente fehlen, kann ein solcher Off-Label-Use sinnvoll sein.

Der Hersteller Pfizer vermarktet das Medikament seit 2006 nicht mehr in Deutschland, es wird über Importunternehmen in den Verkehr gebracht. Pfizer betont, dass das Medikament nicht für die Einleitung einer Geburt zugelassen ist und das Unternehmen den Off-Label-Einsatz weder unterstützt noch bewirbt.

Cytotec: Warum ist das Medikament umstritten?

Der Wirkstoff Misoprostol ist ein künstliches Hormon und gehört zu den Prostaglandinen. Er ist auch im Bereich der Geburtshilfe gut erforscht und Studien zufolge das effektivste Medikament zur Geburtseinleitung, das derzeit verfügbar ist. Alternativen gibt es zwar, etwa das Hormon Oxytocin oder Dinoproston.

Studien legen jedoch nahe, dass Misoprostol bei richtiger Dosierung zu weniger Kaiserschnitten führt als andere Mittel zur Geburtseinleitung und das Risiko für Komplikationen nicht erhöht ist.

Außerdem dient der Wirkstoff als Hilfe bei Fehlgeburten und Blutungen nach der Geburt. Der Wirkstoff an sich ist also nicht das Problem, sondern vielmehr die falsche Dosierung und der Umgang damit speziell als Mittel zur Geburtseinleitung.

Die Dosierung ist das Problem

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt 25 µg (Mikrogramm) Misoprostol als Höchstdosis zur Geburtseinleitung. Eine Tablette mit diesem Wirkstoffgehalt gibt es in Deutschland nicht. Im Medikament Cytotec 200 sind 200 µg des Wirkstoffs enthalten. In Kürze soll jedoch mit dem Medikament Angusta eine niedriger dosierte Alternative auf den Markt kommen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnte Ärzt*innen und Kliniken 2020 mit einem Rote-Hand-Brief und klärte sie über Sicherheitsbedenken in Bezug auf die Anwendung von Cytotec zur Geburtseinleitung auf. Das Medikament sei nicht zur Geburtseinleitung zugelassen. Die Tabletten seien zudem nicht zur Teilung vorgesehen, sodass die richtige Dosierung schwierig sei. Außerdem sei von schweren Nebenwirkungen berichtet worden. Das BfArM verweist aus diesen Gründen auf andere Mittel zur Geburtseinleitung. Die Re-Importeure kündigten einen Importstopp an.

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Cytotec: Welche Nebenwirkungen sind aufgetreten?

Nebenwirkungen treten vor allem auf, wenn das Medikament zur Geburtseinleitung überdosiert wird.

Gemeldet wurden:

  • Wehenstürme
  • Gebärmutterrisse
  • unzureichende Sauerstoffversorgung des Kindes unter der Geburt, die Gehirnschäden nach sich ziehen kann
  • reduzierter fetaler Herzrhythmus

Wehenstürme sind heftige, in kurzen Abfolgen aufeinanderfolgende Wehen, die sich auch durch Wehenhemmer nicht aufhalten lassen. Sie können das Leben des Kindes gefährden und Geburtsverletzungen wie Dammrisse oder gar Gebärmutterrisse nach sich ziehen.

Frauenärzte kritisieren den Stopp

Nachdem der Importstopp gegen das Medikament verhängt wurde, ist der Zugang zu dem Mittel erschwert. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) kritisiert diesen Umstand in einer Stellungnahme gemeinsam mit anderen Verbänden. Nicht, weil sie befürworten, dass Cytotec weiterhin zur Geburtseinleitung verwendet werden soll, sondern weil das Medikament höher dosiert notwendig ist, um beispielsweise Blutungen nach der Geburt oder Fehlgeburten zu behandeln.

Wird Misoprostol weiterhin angewendet?

"Misoprostol ist das wirksamste Medikament zur Geburtseinleitung bei einem unreifen Zervixbefund", heißt es in einer neuen Leitlinie zur Geburtseinleitung. Bis ein neues Medikament verfügbar ist, wird Cytotec weiterhin zur Anwendung empfohlen – allerdings in einer Dosierung von 50 µg oral beziehungsweise 25 µg vaginal. Die Tabletten sollten zudem nicht eigenhändig zerstückelt, sondern von (Klinik-)Apotheken hergestellt werden.

Der Wirkstoff Misoprostol wird also nicht vom Markt verschwinden. Das niedriger dosierte Angusta soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

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