Sonntag, 26. Mai 2013

Plazenta (Mutterkuchen)

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Die Plazenta - Zusammen mit der Nabelschnur der wichtigste Teil zur Lebenserhaltung eines ungeborenen Kindes
Getty Images/iStockphoto

Die Plazenta bildet sich nach der Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut. Ihre Hauptaufgabe besteht im Austausch von Nähr- und Stoffwechselprodukten zwischen Mutter und Kind sowie in der Produktion verschiedener Hormone.

Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, ist zusammen mit der Nabelschnur der wichtigste Teil des Lebenserhaltungssystems eines ungeborenen Kindes. Ihre Entstehung zu Beginn der Schwangerschaft stellt eine der entscheidenden Veränderungen des Körpers während dieser Zeit dar. Die Hauptaufgaben der Plazenta sind der Austausch von Nähr- und Stoffwechselprodukten zwischen Mutter und Kind sowie die Produktion verschiedener Hormone.


Entstehung und Aufbau der Plazenta

Das Gewebe der Plazenta entspringt einem Teil des jungen Embryos, der während der Einnistung mit den Zellen der Gebärmutterschleimhaut verwächst. Daher besteht sie sowohl aus fetalen Zellen, als auch aus Zellen mütterlichen Ursprungs.

Die Plazenta ist ein flaches, blutfarbenes Organ, das im Laufe der Schwangerschaft einen Durchmesser von 15 bis 20 Zentimetern und ein Gewicht von etwa 500 Gramm erreicht. Sie ist mit der Nabelschnur verwachsen und besitzt Ausstülpungen (Chorionzotten), die direkt in das Blut der Mutter eindringen, das sich in der Plazenta befindet. Feine Verzweigungen (Kapillaren) der Nabelschnur-Blutgefäße münden in den Chorionzotten. Sie stellen so die nötige Verbindung für den Austausch von Nährstoffen und Stoffwechselprodukten her.

Die Chorionzotten werden von einer dünnen Zellschicht, der so genannten Plazentaschranke, umgeben. Diese sorgt dafür, dass sich das mütterliche Blut nicht mit dem Blut des Kindes vermischen kann. In den Frühstadien besteht die Plazentaschranke aus vier Schichten. Ab dem vierten Schwangerschaftsmonat wird sie wesentlich dünner, wodurch sich der Stoffaustausch verbessert.


Aufgaben und Bedeutung der Plazenta

Die wichtigsten Aufgaben der Plazenta sind:


  • Die Versorgung des ungeborenen Kindes mit Vitaminen, Nährstoffen, Wasser und Sauerstoff
  • Die Entsorgung von Kohlendioxid und anderen Abfallprodukten des kindlichen Stoffwechsels
  • Die Aufnahme von mütterlichen Antikörpern und deren Abgabe in den Blutkreislauf des Kindes
  • Die Filterung von Giftstoffen aus dem Blut der Mutter durch die Plazentaschranke
  • Die Produktion von Hormonen

Der Austausch von Nährstoffen wie Amino- und Fettsäuren, Kohlenhydraten, Vitaminen und Elektrolyten ist entscheidend für die gesunde Entwicklung des Fötus und nimmt im Laufe der Schwangerschaft stetig zu.

Gegen Ende der Schwangerschaft benötigt das ungeborene Kind pro Minute etwa 20 bis 30 Milliliter Sauerstoff aus dem Kreislauf der Mutter. Daher kann bereits eine kurze Unterbrechung der Sauerstoffversorgung zu einer Schädigung des Kindes führen.

Die Plazenta nimmt im Verlauf der Schwangerschaft verschiedene Antikörper aus dem Blutkreislauf der Mutter auf und gibt diese an das Kind weiter. So erhält das Kind einen Schutz gegen Diptherie, Pocken, Masern und weitere Infektionskrankheiten.

Die Plazentaschranke als Filter
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Die Filterfunktion der Plazentaschranke ist abhängig von der Größe und den chemischen Eigenschaften der Moleküle, die eindringen möchten. Aus diesem Grund werden viele Giftstoffe aus dem Blutkreislauf der Mutter zurückgehalten. Jedoch können beispielsweise Alkohol, Nikotin und einige Medikamente ungehindert die Plazentaschranke passieren und zu Entwicklungsstörungen oder Fehlgeburten führen. Auch Krankheitserreger können in den Blutkreislauf des Kindes gelangen.

Hormonproduktion

Eine weitere wichtige Funktion der Plazenta ist die Produktion verschiedener Hormone. Beispielsweise sorgt Progesteron für den Erhalt der Schwangerschaft und stimuliert das Wachstum der Gebärmutter. Das Hormon hPL (kurz für: humanes Plazentalaktogen) fördert unter anderem die Bildung der Milchdrüsen (Mammogenese) und stellt sicher, dass das ungeborene Kind ausreichend mit Zucker versorgt wird. Diese Priorität der Zuckerversorgung des Kindes gegenüber der Mutter ist an der Entstehung von Schwangerschaftsdiabetes beteiligt. Bei Mehrlingsschwangerschaften steigt die hPL-Produktion besonders stark an.

Die Konzentration einiger Hormone der Plazenta kann zu diagnostischen Zwecken eingesetzt werden. Zum Beispiel erlaubt die Messung der Progesteron-Konzentration eine Beurteilung des fetalen Zustands in der Frühschwangerschaft. Der hPL-Spiegel kann Auskünfte über die Plazentafunktion geben.


Komplikationen während der Schwangerschaft

Es gibt verschiedene Komplikationen die während der Schwangerschaft in Zusammenhang mit der Plazenta auftreten können. Dazu gehören:



Bei der Plazentainsuffizienz treten Störungen der Plazentafunktion auf und das Kind wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Dies kann, unter anderem, durch Rauchen und Diabetes verursacht werden.

Zu Plazentarandblutungen kommt es, wenn Risse an den kleinen Blutgefäßen am Rand der Plazenta entstehen. Die Blutungen sind schmerzlos und hören meistens bald von alleine wieder auf. Es können sich jedoch kleine Blutgerinsel in der Nähe des Gebärmutterhalses bilden, die bräunliche vaginale Ausflüsse hervorrufen. Dies kann in einigen Fällen zu Schmerzen führen, da das Blut die Gebärmutter reizt und sie zu Kontraktionen veranlasst.

Placenta praevia liegt vor, wenn die Plazenta den Muttermund bedeckt und so den Geburtskanal versperrt. Dies wird häufig in der 20. Schwangerschaftswoche diagnostiziert. In den meisten Fällen aber wird der Geburtskanal wenige Wochen vor der Geburt von selbst wieder freigelegt. In etwa einem Prozent der Fälle bleibt der Muttermund jedoch bedeckt, was in den letzten Schwangerschaftswochen zu verstärkten Blutungen führen kann. Placenta praevia tritt gehäuft bei Frauen auf, die bereits mehr als ein Kind geboren haben, einen Kaiserschnitt hatten oder eine Mehrlingsgeburt erwarten.

Bei der Placenta accreta wächst die Plazenta in die tieferen Schichten der Gebärmutterwand ein. Sie tritt sehr selten auf und muss operativ behandelt werden.

Im Zuge einer vorzeitigen Plazentalösung kann es zu Blutungen und starken Bauchkrämpfen kommen. In sehr schweren Fällen löst sich die Plazenta im mittleren Teil und kann zu einer Ansammlung von Blut zwischen der Gebärmutterwand und der Plazenta führen. Dies macht sich meistens durch schwere Krämpfe und ein deutliches Schwächegefühl bemerkbar.

Nach der Geburt

Nachdem das Neugeborene abgenabelt wurde setzen die Nachwehen ein. Dabei wird die Plazenta zusammen mit den Eihäuten und dem Rest der Nabelschnur ausgestoßen (Nachgeburt). Häufig wird dieser Vorgang von der Hebamme oder dem Arzt durch ein leichtes Ziehen an der Nabelschnur unterstützt. Im Anschluss wird überprüft, ob die Plazenta vollständig ausgestoßen wurde, da eine nicht restlos entfernte Plazenta starke Blutungen verursachen kann. Weitere Kontraktionen sorgen dann dafür, dass sich die Blutgefäße der Gebärmutter an der Ablösungsstelle wieder schließen.

Autor: Christian Emmerling
Letzte Aktualisierung: 19. April 2013
Quellen: Breckwoldt,M. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe, Thieme, Stuttgart 2008 Deans, A.: Die Schwangerschaftsbibel. Südwest Verlag, München 2007; Diedrich, K. et al. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, Heidelberg 2007; Keck, Dr. med. Ch. et al. (Hrsg.): Endokrinologie, Reproduktionsmedizin, Andrologie. Stuttgart, Thieme 2002; Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln: www.schwanger-info.de (Stand: Januar 2009); Sadler, T.W.: Medizinische Embryologie. Thieme, Stuttgart 2003

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