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Der schwangere Mann

Couvade-Syndrom: Werdende Väter mit Schwangerschaftssymptomen

Du bist schwanger, aber nicht nur dein Bauch wird größer, sondern auch der deines Partners? Nimmt der Mann etwa aus Solidarität zur schwangeren Frau ebenfalls zu? Möglicherweise steckt ein Phänomen namens Couvade-Syndrom dahinter. Was es damit auf sich hat, liest du hier.

Couvade-Syndrom: Männer mit Schwangerschaftssymptomen
© Getty Images/FilippoBacci

Kurzübersicht: Couvade-Syndrom

Was ist das? Unter dem Begriff Couvade-Syndrom werden verschiedene Symptome zusammengefasst, die bei werdenden Vätern auftreten, während ihre Partnerin schwanger ist.

Welche Anzeichen gibt es? Die Symptome können körperlicher oder seelischer Natur sein. Unter anderem kann es zu Gewichtszunahme (vor allem am Bauch) kommen, außerdem zu Übelkeit, Stimmungsschwankungen oder Schlafstörungen.

Was steckt dahinter? Ob es das Couvade-Syndrom gibt, wird kontrovers diskutiert. Auch die Ursachen sind nicht eindeutig geklärt. Für die Symptome könnten Veränderungen im Lebensstil in Vorbereitung auf die Vaterschaft verantwortlich sein (zum Beispiel: mit dem Rauchen aufhören, mehr Arbeit durch finanziellen Druck), ebenso eine konflikthafte Anpassung an die neue Rolle oder ein besonders hohes Maß an Empathie mit der schwangeren Partnerin. Auch hormonelle Veränderungen stellen eine mögliche Erklärung dar.

Was tun? In der Regel sind die Beschwerden harmlos, bedürfen keiner Therapie und verschwinden einige Zeit nach der Geburt des Kindes. Anhaltende, wiederkehrende oder starke körperliche Beschwerden sollten aber immer ärztlich abgeklärt werden, um die Ursache ausfindig zu machen. Wer häufig oder dauerhaft unter seelischen Beschwerden leidet, sollte sich seinem Umfeld anvertrauen und eine psychologische Beratung in Anspruch nehmen.

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Was ist das Couvade-Syndrom?

Hinter dem Begriff Couvade-Syndrom verbergen sich verschiedene Schwangerschaftssymptome, die bei einem Mann auftreten, während die Partnerin schwanger ist. Das Syndrom wird auch Sympathieschwangerschaft, Co-Schwangerschaft oder Parallelschwangerschaft genannt.

Die Bezeichnung leitet sich von dem französischen Wort „couver“ (deutsch: brüten, ausbrüten) ab und bezeichnete eigentlich Rituale, die in einigen Kulturkreisen bekannt sind. Durch die „Couvade“ (Männerkindbett) sollte eine Verbindung zwischen dem Mann und der Geburt seines Kindes entstehen. Der werdende Vater ahmte dazu zum Beispiel den Geburtsschmerz nach oder brachte Opfer dar. Mit der heutigen Verwendung des Begriffs ist aber nicht die Nachahmung von Schwangerschaft oder Geburt gemeint: Der Symptomkomplex tritt ohne bewusste Einflussnahme auf.

Couvade-Syndrom: Welche Symptome treten auf?

Verschiedene Symptome werden zum Couvade-Syndrom gezählt. Es kann sich sowohl um körperliche als auch um psychische Beschwerden handeln. Zum Beispiel:

Die Symptome sollen sich vor allem dann äußern, wenn sich die schwangere Frau im ersten und im letzten Trimester befindet. Außerdem sollen sie bei Erstvätern häufiger auftreten.

Gibt es das Couvade-Syndrom wirklich?

Ob das Couvade-Syndrom tatsächlich existiert, wird kontrovers diskutiert. In der Fachliteratur wird das Phänomen durchaus beschrieben. Auch weisen einige wissenschaftliche Untersuchungen auf die Existenz der Sympathieschwangerschaft hin, groß angelegte Studien gibt es bisher nicht.

Die Angaben zur Häufigkeit weichen teilweise extrem voneinander ab. Es wird geschätzt, dass etwa 30 Prozent der Väter betroffen sein könnten. Die Häufigkeit exakt zu erfassen, scheint aus mehrere Gründen schwierig. Zum einen treten unspezifische Symptome wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Sodbrennen auch in der Allgemeinbevölkerung sehr häufig und aus diversen Gründen auf. Zum anderen suchen betroffene Männer mit solchen Symptomen nicht zwingend eine ärztliche Praxis auf. Und selbst wenn, wird dort nicht automatisch eine Verbindung zur Schwangerschaft der Partnerin hergestellt.

Ursachen für das Couvade-Syndrom

Zu den Ursachen des Symptomkomplexes gibt es verschiedene Theorien – medizinische, psychoanalytische und psychologische. Ein Überblick, woher das Couvade-Syndrom kommen kann:

  • Vorbereitung auf die Vaterrolle: Im medizinischen Wörterbuch wird das Couvade-Syndrom als Ausdruck eines konflikthaft erlebten Anpassungsvorgangs im Übergang zur Vaterschaft beschrieben. Der werdende Vater setzt sich mit den Veränderungen auseinander, die nun auf ihn zukommen. Möglicherweise macht er sich Sorgen, wie er die Familie zukünftig versorgen soll, arbeitet mehr und ist deshalb müde, erschöpft und schläft schlechter. Ängste, Sorgen und Stress können auch Symptome wie Übelkeit hervorrufen.

  • Neid in Bezug auf Frau oder Kind: Die Psychoanalyse kennt den Begriff „Gebärneid“. Auch dieser soll eine Erklärung für das Couvade-Syndrom darstellen können: Der Mann sei neidisch darauf, dass nur die Frau dazu in der Lage ist, ein Kind zu gebären. In anderen Erklärungsversuchen ist das Couvade-Syndrom Ausdruck dafür, dass der Mann auf die Aufmerksamkeit neidisch ist, die der schwangeren Frau zuteil wird. Oder es heißt sogar, der werdende Vater konkurriere auf diese Weise mit dem Baby um die Gunst der schwangeren Frau.

  • Mitgefühl für die werdende Mutter: Andere Theorien besagen, dass Männer mit Couvade-Syndrom einfach besonders empathisch seien und die Veränderungen der Frau deshalb intensiv miterleben. Eine andere Vermutung lautet: Der Vater hat Schwierigkeiten damit, die Schwangerschaft zu verstehen und kann nur durch das Miterleben auch ein Mitgefühl entwickeln.

  • Hormone, die sich verändern: Ein anderer Erklärungsversuch sind die Veränderungen im Hormonhaushalt, die auch bei (werdenden) Vätern nachgewiesen werden konnten. Es gibt Hinweise darauf, dass Männer vor der Geburt ihres Kindes mehr Cortisol (Stresshormon) produzieren. Außerdem vermehrt Prolaktin – ein Hormon, das eigentlich bei der Milchbildung eine Rolle spielt und dessen Funktion beim Mann bisher weitgehend ungeklärt ist. Nach der Geburt des Kindes sinkt bei Männern der Spiegel des Sexualhormons Testosteron.

  • Gewichtszunahme durch Lebensumstände: Eine mögliche Begründung für die Gewichtszunahme von werdenden Vätern könnte ein Blick in das Tierreich liefern: Forscher*innen zufolge legen bei bestimmten Affenarten die Männchen während der Schwangerschaft ihrer Weibchen an Gewicht zu, um für die anstrengende erste Zeit mit dem Nachwuchs über Energiereserven zu verfügen. Wenn der Partner zunimmt, kann das aber auch vollkommen andere Gründe haben. Vielleicht hat der Mann mit dem Rauchen aufgehört und deshalb verändert sich sein Gewicht. Oder er greift bei den Heißhungerattacken der Frau ebenfalls öfter mal in die Chipstüte und macht es sich generell eher auf dem Sofa gemütlich, statt Sport zu treiben.

  • Andere Erkrankungen als Ursache für die Beschwerden: Hinter Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Sodbrennen können generell auch andere Ursachen stecken – von einer falschen Ernährungsweise bis zu Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Die Beschwerden können also auch gar nicht mit dem Couvade-Syndrom in Verbindung stehen.

  • Scheinschwangerschaft als Symptom einer psychischen Erkrankung: In den Fachbüchern für Psychiatrie wird das Couvade-Syndrom als eine seltene Wahnform beschrieben, die bei Männern mit schweren psychischen Erkrankungen wie einer Schizophrenie auftreten kann. Es ist in diesem Zusammenhang das männliche Pendant zur weiblichen Scheinschwangerschaft (Pseudocyesis oder Pseudogravidität). Eine solche Persönlichkeitsstörung unterscheidet sich aber von der reinen Sympathieschwangerschaft, die in der Allgemeinheit und in diesem Artikel mit dem Couvade-Syndrom gemeint ist.

Behandlung: Was tun beim Couvade-Syndrom?

Die Anzeichen des Couvade-Syndroms sind in der Regel harmlos und verschwinden einige Zeit nach der Geburt des Kindes wieder. Je nach individueller Situation können folgende Hinweise beachtet werden:

  • Medizinischer Rat bei körperlichen Beschwerden: Wenn Symptome öfter auftreten, anhalten oder sehr stark ausfallen, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Die medizinischen Fachkräfte können der Ursache auf den Grund gehen und eine entsprechende Behandlung einleiten – zum Beispiel eine Ernährungsumstellung bei Sodbrennen. Sollte tatsächlich der Verdacht auf das Couvade-Syndrom geäußert werden, gibt es dafür zwar keine spezielle Therapie, die jeweiligen Beschwerden lassen sich in der Regel aber ebenfalls lindern.

  • Psychologischer Rat bei seelischen Beschwerden: Ängste und Sorgen rund um die neue Vaterrolle können sich von selbst wieder bessern. Manchmal werden durch den emotionalen Stress psychische Erkrankungen wie Depressionen ausgelöst. Sollten anhaltende Gefühle von Traurigkeit, Antriebslosigkeit oder ähnliche Beschwerden bestehen, ist eine psychologische Beratung hilfreich. Je nach persönlichem Fall können schon einige Beratungsstunden ausreichen oder es kann eine Psychotherapie angestrebt werden. Wer bereits zuvor an einer psychischen Erkrankung litt, sollte hier besonders achtsam sein.

Generell gilt: Ob Couvade-Syndrom oder nicht – auch für Männer stellt der Übergang in die Vaterschaft eine wichtige Zeit dar. Werdende Väter dürfen sich ganz nach Bedarf Rat und Unterstützung holen. Erwiesen ist, dass Männer nach der Geburt ihres Kindes ebenfalls an einer postnatalen Depression leiden können. Auch hier solltest du nicht zögern, dich dem privaten Umfeld anzuvertrauen und professionellen Rat einzuholen.

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