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Montag, 21. Mai 2018
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Lakritz in der Schwangerschaft

Wer schwanger ist und gerne nascht, sollte bei der Auswahl seiner Süßigkeiten einen Blick auf die Zutatenliste werfen. Studien belegen: Ein Zuviel an Lakritz in der Schwangerschaft kann sich negativ auf das Ungeborene auswirken.

Lakritz in der Schwangerschaft
Ein Übermaß an Lakritz in der Schwangerschaft sollte vermieden werden
(c) iStockphoto/ariwasabi

Lakritz – was ist das überhaupt?

Ob Bonbons und Pastillen aus der Apotheke oder Schnecken aus dem Süßigkeitenregal – Lakritz zeichnet sich durch einen einzigartigen süß-herben Geschmack aus. Für dieses intensive Aroma sorgt der enthaltene Süßholzsaft, der aus den getrockneten Wurzeln der Süßholzpflanze gewonnen wird. Die Pflanze aus dem Mittelmeerraum wird schon seit Jahren als Arzneimittel verwendet.

Süßigkeiten dürfen als Lakritz bezeichnet werden, wenn sie mindestens drei Prozent Süßholzsaft oder Süßholzextrakt enthalten. Im Handel ist, neben Süßlakritz, das so genannte Salzlakritz zu finden – es enthält zusätzlich Salmiak.

Was sollte man in der Schwangerschaft nicht essen?

Wofür wird Lakritz verwendet?

Der Süßholzpflanze sagt man eine heilende Wirkung nach: Sie wird zur Linderung von Magenbeschwerden oder zur Behandlung von Erkältungskrankheiten eingesetzt. Die Süßholzwurzel soll entzündungshemmend und schleimlösend wirken. Außerdem gilt Lakritz als äußerst kalorienarme Süßigkeit.

Was passiert bei übermäßigem Lakritzkonsum?

Neben den vielen positiven Eigenschaften der Süßholzpflanze sind bei einem übermäßigen Lakritzkonsum auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit bekannt. Der Grund: Lakritz enthält Glyzyrrhizin. Dabei handelt es sich um ein Glykosid (Süßholzzucker), das aus der Wurzel der Süßholzpflanze gewonnen wird und eine sehr starke Süßkraft besitzt.

Glyzyrrhizin bewirkt eine Veränderung der Hormonproduktion in der Nebenniere, durch die das Stresshormon Cortisol vermehrt gebildet wird. Außerdem wird durch den Süßholzzucker ein Schlüsselenzym gehemmt, das den Mineralstoffhaushalt reguliert. Beim Bundesinstitut für Risikobewertung heißt es dazu: „Bei ständigem Verzehr von Lakritze mit größeren Mengen von Glycyrrhizin (mehr als 200 Milligramm/100 Gramm Lakritze) kann es zu einer Veränderung des Mineralstoffwechsels mit Natriumanreicherungen und Kaliumverlusten kommen. Die Folge sind Erhöhung des Blutdrucks, Wassereinlagerungen im Gewebe und Muskelschwäche.“ Auch der Bundverband Deutscher Internisten e.V. stellt fest, dass diese Nebenwirkungen durch einen erhöhten Lakritzkonsum auftreten können.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, die Aufnahme von Glycyrrhizin auf unter 100 Milligramm pro Tag je Konsument zu beschränken. In Deutschland gibt es zwar keine gesetzliche Höchstgrenze für Glycyrrhizin in Lebensmitteln, aber es gilt: Enthält das Produkt mehr als 200 Milligramm pro 100 Gramm Lakritz, muss es mit dem Zusatz „Starklakritz“ gekennzeichnet sein.

Salzlakritz enthält außerdem Ammoniumchlorid. Größere Mengen davon können den Mineralstoffhaushalt ebenfalls beeinflussen und zu Übelkeit und Erbrechen führen. Durch eine tägliche Aufnahme von 100 bis 150 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht entstehen gesundheitliche Beeinträchtigungen. Lakritz mit einem Salmiakgehalt von mehr als zwei Prozent ist für Kinder deshalb nicht geeignet.

Lakritz in der Schwangerschaft: Erlaubt oder tabu?

Der Bundesverband der Frauenärzte e.V. (BVF) empfiehlt schwangeren Frauen, besser auf den Verzehr von lakritzhaltigen Nahrungs- und Genussmitteln zu verzichten, um die Gesundheit ihres Kindes nicht zu gefährden.

Warum kein Lakritz in der Schwangerschaft?

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Bestandteile der Süßholzwurzel möglicherweise Einfluss auf die Entwicklung des Babys haben. So vermutete die Arbeitsgruppe der Psychologin Katri Räikkönen von der Universität in Helsinki in einer Studie im Jahr 2009, dass Glycyrrhizin die Plazenta durchlässiger für die Stresshormone der Mutter macht. Dr. Klaus König, Vizepräsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) erklärt: „Bei Kindern von Frauen, die während der Schwangerschaft Lakritz gegessen hatten, wurden dreimal höhere Cortisol-Level gemessen als bei Kindern gleichen Alters, deren Mütter kein Lakritz gegessen hatten. Cortisol ist ein Stesshormon und besitzt ein sehr breites Wirkungsspektrum im Organismus. So besteht ein Zusammenhang zwischen Cortisol und der Bewältigung von Stress sowie der Entwicklung von Diabetes und Übergewicht.“

Ist Lakritz in der Schwangerschaft schädlich?

Im Jahr 2002 kam eine finnische Studie zu dem Ergebnis, dass ein extremer Konsum von mehr als 500 Milligramm Glycyrrhizin pro Woche zu einem erhöhten Frühgeburtsrisiko führt. Die Studie von Katri Räikkönen aus dem Jahr 2009 stellte fest, dass zu viel Lakritz in der Schwangerschaft negative Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten des Babys haben kann. Kinder, deren Mütter pro Woche mehr als 100 Gramm Lakritz in der Schwangerschaft (100 Gramm Lakritz entsprechen sechs bis acht Lakritzschnecken) aßen, zeigten im Alter von acht Jahren eine geringere Intelligenz, die sich zum Beispiel durch einen kleinerer Wortschatz, ein schlechteres erzählerisches Gedächtnis oder ein eingeschränktes räumliches Vorstellungsvermögen auszeichnete. Außerdem konnten Symptome einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) festgestellt werden.

Vier Jahre später wurden die gleichen Kinder noch einmal untersucht: Im Alter von zwölf Jahren zeigte sich, dass bei den Mädchen, deren Mütter in der Schwangerschaft Lakritz verzehrten, die Pubertät früher eingesetzt hatte, sie mehr als drei Zentimeter größer, acht Kilogramm schwerer und sie einen um 2,2 höheren Body-Mass-Index (BMI) hatten. Bei Jungen ließen sich solche Unterschiede nicht feststellen. Die Ergebnisse der Studie stützen die Annahme, dass ein Zuviel an Lakritz in der Schwangerschaft schädlich sein könnte.

Wie viel Lakritz in der Schwangerschaft?

Beim Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) heißt es von Vizepräsident König zu den Untersuchungen der finnischen Studie von Räikkönen: „Ein Gramm pro Woche reichte dabei schon aus, um bei dem Nachwuchs höhere Cortisol-Werte zu verursachen. Auch wenn die genauen Zusammenhänge bislang noch nicht geklärt sind, sollten Schwangere vorsichtshalber besser auf den Verzehr größerer Mengen lakritzhaltiger Produkte verzichten."

Auch das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) empfiehlt Risikogruppen wie Schwangeren oder Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen den ständigen Verzehr von größeren Mengen Lakritz vorsorglich zu unterlassen, da der Gehalt an Glycyrrhizin auf Verpackungen nicht eindeutig ausgewiesen ist. Seit einer im Jahr 2005 in Kraft getretenen Lebensmittelkennzeichnungsverordnung ist zumindest die Kennzeichnung mit dem Vermerk „enthält Süßholz“ für Produkte mit einem Gehalt von 100 Milligramm pro Kilogramm Süßware vorgeschrieben.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2017
Quellen: Online-Informationen der Ärzte Zeitung: Schadet "Bärendreck" dem Kind? www.aerztezeitung.de, Stand: 06.03.2017, Abruf: 14.03.2017; Online-Informationen des Bundesverbands der Frauenärzte e.V.: Lakritz während der Schwangerschaft besser vermeiden. www.frauenaerzte-im-netz.de, Stand: 02.11.2010, Abruf 01.12.2015; Online-Informationen des Berufsverband Deutscher Internisten e.V.: Zuviel Lakritze kann Schwächeanfälle auslösen. www.internisten-im-netz.de, Stand: 11.02.2008, Abruf: 01.12.2015; Online-Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung: BgVV rät zur Vorsicht beim Verzehr von Lakritze! www.bfr.bund.de, Stand: 01.02.1999, Abruf: 01.12.2015; Online-Informationen des Deutschen Ärtzeblatts: Lakritze in der Schwangerschaft schadet kognitiver Entwicklung. www.aerzteblatt.de, Stand: 06.10.2009, Abruf: 01.12.2015; Verbraucherzentrale NRW e.V. (Hrsg.): Knack-Punkt. Aktuelles für Multiplikatoren im Bereich Ernährung. Heft 4, 21. Jahrgang, August 2013, abrufbar unter www.vz-nrw.de

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